58 bei Skarshisko (früher Bsin) schneidet, ziemlich willkürlich in Ostrowiez, ohne die benachbarte Kreisstadt Opatow, geschweige denn die alte polnische Königsstadt Sandomir an der Wei.chsel zu erreichen. Seitdem man sich immerhin zum Ausbau der beiden Strecken nach Posen und Schlesien verstanden hat, herrscht die größte Verkehrsöde jetzt im russisch-österreichischen Grenzgebiet. Auf einer Strecke von reichlich 500 km — zwischen Graniza und der Bahn Rowno—Lemberg— besteht seit nunmehr 40 Jahren nicht die geringste Eisenbahnverbindung, wiewohl auf galizischer Seite 7 Stichbahnen, zu denen weiter südwärts noch 5 Bahnen kommen, etwaigen neuen Verbindungen im Zarenreiche entgegengearbeitet haben. Noch größer ist freilich die Zahl der Stich bahnen an der preußisch-russischen, namentlich an der altpreußischen Grenze, während 1878 z. B. zwischen Preußen und Rußland überhaupt bereits 5 Anschlüsse bestanden und nur eine einzige preußische Bahn, bei der der fremde Anschluß noch fehlte, eben die Bahn Breslau—Wil helmsbrück. Die in der älteren Zeit zum wenigsten nicht eisenbahn feindliche Politik in Polen, die einem nachbarlichen Zusammenarbeiten nicht gerade abgeneigt war, ist seit einigen Jahrzehnten einer Politik gewichen, die weitere Anknüpfungen an die Bahnen der Zentralmächte möglichst zu verhindern sucht. Die zahlreichen Stichbahnen in Preußen und Österreich fanden nach Rußland hin keinen Anschluß. Im Gegensatz zu diesen polnischen Landstrichen ist im mittleren rechtsseitigen Weichselgebiet, in den Provinzen Warschau und Sjedlez, ferner in dem anschließenden Gouvernement Grodno, das der Lage, der Geschichte und namentlich der Verkehrs- und militärpolitischen Bedeutung zum vorgeschobenen (polnischen) Kriegstheater gehört, das Bahnnetz dicht gestaltet. Handelt es sich doch hier um die Unter stützung und Festigung der wichtigsten russischen Verteidigungslinie, der Weichsel-Bug-Narew-Bobr-Njemenlinie mit ihren vielgenannten Festungen, Stützpunkten und Brückenköpfen, die am mittleren. Bug als starken Rückenschutz das zum Gouvernement Grodno gehörige Brest-Litowsk haben. Die Zurücksetzung des linksseitigen Weichsellandes, des kulturell am kräftigsten fortgeschrittenen und am dichtesten bevölkerten Teiles von Russisch-Polen, dem weit in andere Machtsphären vorgeschobenen und am meisten exponierten russischen Landesteil, entspringt militär politischen Gründen. Man konnte annehmen, daß Rußland vermutlich in einem Kriege mit den Zentralmächten die Defensive beobachten würde. Unsere Militärschriftsteller, Stavenhagen, von Liebert (Sarmaticus), Schmidt, nahmen übereinstimmend an, daß gerade die Defensive Rußlands die Preisgabe des links der Weichsel gelegenen Gebietes und die Zusammenziehung der russischen Hauptmacht in Warschau, Nowo Georgijewsk und Iwangorod verlangen würde. Die Defensive fordert die Preisgabe des offenen, flachen linksseitigen Landes