62 wurde die Strecke Belzec—Tomasehow— Samostje für den allgemeinen Verkehr freigegeben, und ein paar Wochen später eröffneten die Öster reicher die Bahn Samostje—Lublin, ebenfalls ein lang geplantes russisches Projekt, so daß eine direkte Verbindung zwischen Lemberg und Lublin (Warschau) zustande kam. Galiziens Russenzeit verwirklichte auch die in Frieden,szeiten noch nie aufgetretene Verbindung von Wladimir Wolynski mit Sokal, so daß eine weitere Verknüpfung der südpolnisch- wolynischen Bahn (Kowel) mit Lemberg ermöglicht wurde. Was den Russen in ihren gen Preußen gelegenen Grenzmarken infolge des auf- und abwogenden Kampfes nicht gelingen konnte, war ihnen infolge der zehnmonatlichen Besetzung von Galizien teilweise gelungen: die Schaf fung neuer Bahnverbindungen zwischen Polen und Mittel- sowie Ost galizien 1 ). Die Besitznahme des größten Teiles des Gouvernements Plozk seit Dezember 1914 durch die Deutschen ermöglichte in diesem bahnlosen Gebiet die Herstellung eines Kleinbahnnetzes, so zunächst die Verbindung der Hauptstadt mit Sierpez und Szrensk, der eine Linie von Plozk nach Lipno und Kikol folgte. Was eine Jahrzehnte hindurch mit bewußter Absicht aufrecht gehaltene volks- und kulturfeindliche Politik versäumte und vernachlässigte, das machte eine kurzmonatliehe Friedensarbeit der Deutschen, dazu im Kriege, wieder gut 1 2 ). — Es ist natürlich nach Beendigung des ersten Kriegsjahres noch nicht möglich, sich über die Bewährung des russischen Bahnnetzes während der kriegerischen Operationen auszulassen. Schon vor der Kriegs erklärung sagte man von der russischen Ministerbank, daß Rußland ein Recht habe, mit der Mobilmachung früher zu beginnen als Deutsch land, da ihm nicht das ausgezeichnete Bahnnetz zur Verfügung stehe und sich ohnehin in einem so ungeheuren Reiche die Mobilmachung schwerfälliger vollziehen müsse. Sicherlich hat sich die Mobilisation und der Aufmarsch nicht zuletzt dank dem leidlich ausgebauten Bahn netz und den für den Anmarsch namentlich in Betracht kommenden zweigeleisigen Linien für russische Verhältnisse überraschend gut und flott vollzogen. Auch in Westeuropa hielt man mit der Anerkennung nicht zurück 3 ). Während der kriegerischen Vorgänge selbst konnte 1 ) Auch sonst hatten die Russen in dem. von ihnen geräumten Südostpolen Bahnen verschiedener Art angelegt. So fanden sich bei der Kreisstadt Bilgoraj Reste einer von Norden hergeleiteten Pferdeeisenbahn. In Rejowiec an der Strecke Lublin—Cholm begann eine Feldbahn, die der Straße entlang über Krasnostaw nach Samostje (Zamosc) führte. Vor dem Abzug der Russen nach Norden wurde freilich diese Bahn ziemlich gründlich zerstört. 2 ) Auch die Bahnverbindung des seit dem 7. Mai 1915 besetzten Libau mit der nur 75 W entfernten preußischen Grenze wurde in die Wege geleitet, nach englischen Berichten auch die des litauischen Schawli (Schaulen) mit Preußen. 3 ) Eine englische Quelle berichtete, daß sich auf dem Doppelgeleise von Moskau nach Brest eine endlose doppelte Reihe von Zügen bewegt habe. Tag und Nacht soll das angehalten und die Mobilmachung angeblich in 16 Tagen beendet gewesen sein.