63 man öfters feststellen, wie das östlich der Weichsel und im Rücken Warschaus dichter gestaltete Bahnnetz einer Verschiebung der Truppen zugute kam. Die Bahnen zwischen der Linie Kowno—Wilna—Minsk im Norden und der Linie Warschau—Lublin—Kowel—Rowno im Süden sind sicher den Russen sehr wertvoll gewesen. Wie sich hier vom Reichs- innern her sechs Bahnlinien Warschau nähern, die bis auf eine zwei geleisig sind, so stellen fünf Linien Querverbindungen dar: und gerade diese — Wilna—Sarny—Rowno—Galizien, Grajewo—Bjelostok—Brest —Cholm sowie Brest—Kowel, Ostrolenka—Sjedlez—Lublin, Ostrolenka —Warschau sowie Ostrolenka—Iwangorod, Mlawa—Nowo Georgijewsk— Warschau—Iwangorod (—Südpolen) — werden im Bunde mit den Längsstrecken und kleineren Verbindungslinien ausgezeichnete Dienste geleistet haben. Die Bedeutung der von Warschau ostwärts führenden Linien beleuchtete der Festungskrieg und die Zurückdrängung der Russen an die Weichsel und ihre Zuflüsse. Äußerst wichtig war die süd- ostpolnische Linie Warschau—Iwangorod—Lublin—Cholm—Kowel, deren Besitz den Russen nachdrücklichste Verteidigung durch gute Truppen teile auf zwang. Die Bahn durchschneidet ostwärts Iwangorod ein durch Festungen zwar nicht geschütztes, aber hügeliges Gelände, das weiter infolge zahlreicher, teilweise versumpfter Fluß- und Bachläufe dem Angreifer wesentliche Schwierigkeiten bietet. Als trotzdem die Linie nach erbitterten Kämpfen zunächst bei Biskupize (29. Juli), wenig später bei Lublin, Cholm und durch die von den Russen kaum als aus führbar gehaltene Übersetzung über die Weichsel bei der Radomka- mündung nördlich von Iwangorod in den Besitz der deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen gelangt war, war die Lage von Iwangorod, das nur noch auf die Linie nach Lukow angewiesen war, besiegelt. Auch die Besetzung von Wladimir Wolynski, dem Endpunkt einer von Kowel herführenden Stichbahn in den ersten Augusttagen 1915 war als das Vorspiel des Versuchs, den wichtigen Knotenpunkt Kowel zu erobern, zu betrachten. Denn damit ist die direkte wichtige Linie Brest— Berditschew—Odessa und der Zugang in die südliche Poljesje (über Sarny nach Kiew) gesperrt, wie der Verkehr von Brest nach Südwest rußland sich überhaupt nur auf großen Umwegen vollziehen kann 1 ). Weit hartnäckiger und langwieriger war der Kampf um die Warschau- Petersburger Linie. Sie war schon in den Wintermonaten gefährdet durch die bedrohliche Nähe, in der sich die deutschen Geschütze gegen über der Stadt Grodno befanden und geriet dann durch die.Eroberung der Narewpunkte in eine noch weit gefährlichere Lage. Da obendrein 1 ) Als am 24. August Kowel besetzt wurde, mußte, nachdem auch die Bjelo- stok-Brester Balm an verschiedenen wichtigen Stellen den Russen entrissen war, die Räumung Brests (26. August), das nur noch auf die Moskauer und die Poljesje- bahn (nach Homel) angewiesen war, für die russischen Waffen als die vorteilhafteste Lösung angesehen werden, um der Umzingelung zu entgehen.