66 ein größeres Netz doppelgeleisiger Linien. Viel kleiner ist es in Skandinavien und Dänemark, während es auf der iberischen und der südosteuropäischen Halbinsel fast völlig fehlt. Auch in Staaten mit einer größeren Verkehrsdichte, wie in der österreichisch-ungarischen Monarchie, in Italien, ja in der Schweiz, ist das Netz zweigeleisiger Bahnen kleiner als in Rußland. Reichlich 23% der Bahnen im europäischen Rußland sind zweigeleisig 1 ). Viele dieser Linien verdanken ihre Er weiterung in erster Linie strategischen Gesichtspunkten. Deshalb findet sich die dichteste Gestaltung zweigeleisiger Bahnen im mittleren rechts seitigen Weichselgebiet. Westlicher Einstrahlungspunkt ist hier War schau ; weitere Zielpunkte strategischer zweigeleisiger Bahnen sind Bjelostok, Baranowitsehi * 2 ), Kowel und namentlich Brest und Sjedlez (—Lukow). Daß eine Reihe von Bahnen, namentlich im Gouvernement Sjedlez, also unmittelbar in der Rückenlage des Festungssystems, nur oder hauptsächlich aus militärischen Gesichtspunkten zweigeleisig aus gebaut wurde, beweisen die Strecken Bjelostok—Brest, Malkin— Sjedlez, sowie namentlich die nur von je zwei Zugpaaren befahrenen, für den galizischen Kriegsschauplatz wichtigen Strecken Lukow—Lublin und Brest—Cholm. Die äußerst verkehrsschwache Strecke Weliki Luki— Polotzk der Bahn Sjedlez—Bologoje ist von vornherein zweigeleisig ausgebaut worden. Die Bedeutung des polnischen Kriegsschauplatzes beleuchtet also das zweigeleisig ausgebaute Bahnnetz in vortreff licher Weise. ■ Auch der Nordostgrenze Galiziens nähern sich zweigeleisige Bahnen. Sowohl die Bahn von Shmerinka nach Wolotschisk wie namentlich die von Sdolbunowo nach Radsiwilow besitzen tatsächlich nicht sehr große verkehrspolitische Bedeutung. Und doch ist die erstere Bahn bis auf einige 30 km von der Grenze zweigeleisig eingerichtet, und die letztere, die unbedeutendere, bezeichnenderweise bis zur Festung Dubno. Auch der zweigeleisige Ausbau der allerdings auch verkehrsgeographisch wichtigen Bahnen Brest—Kowel—Rowno (Festung) —Kasatin und Kiew—Kasatin—Shmerinka erhöht die Kriegsbereitschaft in Wolynien- Podolien. Wie sehr die Erweiterung mancher Bahnlinien militärischen Zwecken dient, ersieht man daraus, daß die beiden an die rumänische Grenze führenden Bahnen Bender—Kischinew—Ungeni und Bender— Reni mit Ausnahme einer kurzen Strecke noch eingeleisig sind. Man schien eben, der Bedeutung eines Kriegsschauplatzes in Rumänien und auf dem Balkan nicht mehr gerecht werden zu brauchen und die Bahn J ) Im Jahre 1889 waren es 15,7%. In manchen Jahren, in denen die Er weiterung des Bahnnetzes ganz geringfügig war, war die Legung zweiter Geleise verhältnismäßig umfangreich. So erhielt 1891 das Bahnnetz eine Vermehrung von nur 123 Werst, dagegen wurden 1223 Werst zweite Geleise gelegt, 2 ) In Baranowitsehi an der Alexanderbahn sind drei Eisenbahnbataillone stationiert.