72 Der Strom ist freilich hier schon außerordentlich breit, bei Saratow mehrere Kilometer und bei Zarizyn bereits geteilt. Die Rjäsan-Uralsker Bahn hat aber tatsächlich kürzlich den Auftrag erhalten, mit dem Umbau ihrer Strecke Jerschow—Uralsk vorbereitende Maßnahmen zum Bau einer Brücke zwischen Saratow und Pokrowskaja Sloboda zu treffen. Der Brückenbau bei Zarizyn rückt ebenfalls in den Bereich der Möglichkeiten, ­ seitdem ganz kürzlich neue südrussisch-sibirische Projekte erwogen ­ werden, die wahrscheinlich die Anlage der Bahn Orenburg oder Iletzk—Uralsk—Zarizyn zur Folge haben. Ein außerordentlich bemerkenswertes Projekt wurde kurz vor Kriegsausbruch ­ bekannt. Die Moskau-Kasaner Bahn soll sich Mitte Juli 1914 für das Hinausrücken des Termins der Verstaatlichung entschlossen haben, als Gegenleistung die Anlage einer Untertunnelung der Wolga bei Nischni Nowgorod auszuführen, gleichzeitig mit dem Bau einer Bahn von Nischni nach Kotelnitsch, so daß der Weg von Moskau nach Wjatka und Perm bedeutend verkürzt wird. In Nischni Nowgorod endigt bisher die Bahnlinie von Moskau auf dem linken, die von Timirjasewo (Pensa, Kasan) auf dem rechten Ufer der hier 650 m breiten Oka, so daß ein durchgehender Verkehr unterbunden ist. Vielerorts erinnert gerade das System der Bahnen, die den Wolgahäfen zugeführt sind, an die Frühzeit der Eisenbahnen in Mitteleuropa. Man merkt allerwärts, daß die Notwendigkeit der Brückenanlagen den Ausbau der Verkehrswege ­ hemmt. Darum enden die Bahnen des Moskauer Bezirks in Kineschma, am rechten Ufer gegenüber Kostroma und in Sawelowo. Brückenbauten sind hier die unumgängliche Voraussetzung für die Verbindung ­ Moskaus mit dem jenseits der Wolga gelegenen zukunftsreichen Hinterland. Die Wolga ist das beste Beispiel, wie ein hervorragender Strom den Ausbau des Bahnnetzes hintenanhält. Freilich treten die nördlich und östlich von der Wolga gelegenen Landschaften erst neuerdings in die Periode einer kräftigeren wirtschaftlichen Entwickelung, mit der die Anlage der Brücken Hand in Hand geht. Aber auch sonst zeigen sich noch ähnliche Verkehrsschranken: doch wird auch hier der eine oder andere Ubelstand in der nächsten Zeit beseitigt werden. So wird der Dnjepr bei Tscherkassy überbrückt werden durch den Ausbau der neuen Linie Bachmatsch—Wosnessensk—Odessa. Immer noch fehlt eine Brücke über den Prutb und hiermit eine Verbindung mit dem rumänischen Hafen Galatz. Die Notwendigkeit der Brückenanlagen ist auch häufig die Veranlassung, daß die Bahnen nicht bis an die Stadt heranreichen. Es wurde schon Kostroma erwähnt, dessen Bahnverbindung ­ auf dem jenseitigen Wolgaufer endet. Rußlands nördlichste Bahn endet auf dem linken Ufer der hier über 1 km breiten Dwina, jenseits Archangelsk. Der Bahnhof der Provinzhauptstadt Tschernigow liegt auf dem linken Desnaufer und 3 W von dieser entfernt. Auf dem