91 • den Odessaei' Bahnhof Glawnaja täglich nur 12 Personenziige und ebensoviele kommen an. Erst 72 km nördlich, in Rasdjelnaja, gabelt sich die Linie. Wie winzig ist ferner der Verkehr Kischinews, das freilich diejenige russische, allerdings von einer rumänischen Volksmehrheit bewohnte Großstadt ist, die in den letzten Jahrzehnten den geringsten Aufschwung genommen hat 1 ). Zu den 3 in jeder Richtung verkehrenden Zügen Ungeni—Bender—Rasdjelnaja gesellen sich je 2 Züge, die nur dem'*, Verkehr Kischinews mit Bender dienen. Mit einem täglichen Verkehr von 10 Zügen glaubt also die Verwaltung der staatlichen Süd- westbahnen die Bedürfnisse der großen Stadt befriedigen zu können. Den schwächsten Verkehr dürfte aber das fast 190 000 Einwohner zählende Kasan, die einzigartig lange von den Bahnen gemiedene Metropole des mittleren Wolgagebiets,, mit einem täglichen Verkehr von 4 Zügen haben * 2 ). Diesen Großstädten mit einem geringen Verkehr stehen andere mit entwickelterem gegenüber, so Wilna, Charkow, Riga, Warschau, Petersburg und Moskau. Die meisten dieser Städte haben einen regen Vorortsverkehr,, der sich an Stärke dem vieler großer mitteleuropäischer Städte zur Seite stellen kann. Das gilt nicht nur für die drei größten Städte, sondern auch z. B. für Charkow 3 ). Riga, das für den großen Bahnverkehr wenig günstig liegt, hat im Sommer namentlich auf der Strecke zum Rigaer Strand (Kemmern) eine rege Zugfolge, so daß 1913 auf seinen beiden Bahnhöfen 154 Züge verkehrten. _ Wilnas lokaler Verkehr ist unbedeutend: um so wertvoller ist die Lage der Stadt fin den großen Durchgangsverkehr. Sind doch von den 98 Zügen, die auf seinem Bahnhof ankamen und abfuhren, nur 2, die ausschließlich lokalen Bedürfnissen dienen 4 ). x ) Auch verschiedene der größeren. Städte des Königreichs Rumänien weisen nur eine bescheidene Entwickelung auf. 2 ) Dazu kommen 11 Lokalzüge bis Selenij Dol, von denen die meisten nur in den Sommermonaten verkehren. 3 ) Der Charkower Hauptbahnlnaf hat einen täglichen Verkehr von 145 an- kommenden und abfahrenden Zügen. Viele dieser Züge dienen rein lokalen Zwecken. Zu dieser Zahl treten noch 16 Züge, die auf dem Balaschower Bahnhof der privaten Südostbahn (Charkow—Kupjansk—Balaschow) einlaufen bzw. abgelassen werden. 4 ) Mit ein paar Worten sei auch hier der mehr friedlich gerichteten Leistungen der deutschen Eisenbahnen im russischen Okkupationsgebiet bis zum Schlüsse des ersten Kriegsjahres gedacht. Schritt für Schritt wurden mit dem Rückzug der Russen die Bahnen für den deutschen Verkehr eingerichtet, der nach einem festen Fahrplan arbeitet und nicht nur der Beförderung von Militärpersonen dient. Lods, das bereits seit Dezember 1914 in deutschen Händen ist, wurde der Sitz einer kaiserlichen Linienkommandantur. Bis zur Einnahme von Warschau, also bis zum Ende des ersten Kriegsjahres, war ein regelmäßiger Personenzugverkehr bis nach Grodzisk, somit bereits bis jenseits der Bsura-Rawka, hergestellt. Fast das ganze linksuferige Bahnnetz unterstand der deutschen Kommandantur. Die Strecke Sombkowizi— Graniza und die von Dombrowa über Kielzi, Skarshisko, Radom auf Iwangorod zustrebende Linie waren, soweit sie betriebsfertig waren,