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        <title>Verkehrsgeographie der Eisenbahnen des europäischen Rußland</title>
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      <div>53 
die Zweigbahn von Barnaul nach Biisk verordnet werden 1 ). Ebenso 
Wurde die Anschlußbahn, die Semirjetschinsklinie (536 W) genehmigt, 
ferner die Linie Atschinsk—Minussinsk (451 W), an deren Bau im Juni 
1915 2500 Kriegsgefangene beschäftigt waren. Aber auch in Zentral 
asien gewinnen alte Pläne jetzt greifbare Gestalt: so wird von Kagan 
(Buchara) aus endlich der Weg nach Termez geschient und der friedliche 
Vormarsch nach Kabul, somit in anderer Absicht als in den Projekten 
vor 30 Jahren, geebnet werden. Die verhältnismäßig geringfügige Ent 
wickelung des zentralasiatischen Bahnnetzes seit der Vollendung der 
Bahn Orenburg—Taschkent (1905) geht mit der Beruhigung des Landes 
und der Tatsache Hand in Hand, daß Rußlands politisch-aggressive 
Politik in Zentralasien vorläufig wohl so ziemlich zum Stillstand ge 
kommen ist * 2 ). Anders in den Ländern des Kaukasus, die teilweise neuer 
dings verwaltungstechnisch zu Europa gerechnet werden. Hier ent 
stehen Pläne in größter Reichhaltigkeit. Nördlich vom Kamm ergreifen 
die Initiative die Privatbahnen, die Ärmawir und namentlich dieWladi- 
kawkasgesellschaft, im Süden die Staatsbahn. Es sind in den letzten 
Jahren eine derartige Fülle wertvoller Projekte erwogen und teilweise 
auch schon genehmigt worden, wie in keinem anderen Teile des Russischen 
Reiches. Sollten alle Pläne zur Ausführung kommen, so wäre kein 
beträchtlicher Ort, keine Siedlung über 5000 Einwohner mehr ohne Bahn 
verbindung. Hingewiesen sei auf die wichtige Verknüpfung der ersten 
Station in der ziskaukasischen Kubanprovinz, Kuschtschewka, mit 
Krymarskaja, kurz vor Noworossijsk (277 W), wodurch die Wladikawkas- 
bahn eine bedeutend abkürzende Verbindung mit dem Schwarzmeer 
hafen schaffen wird. Von besonderem Wert sind natürlich die Projekte, 
die auf die Reichsgrenzen hinzielen. Von Aljat südlich von Baku wird 
eine Bahn nach Astara an der persischen Grenze in der Richtung auf 
Rescht gebaut werden. Die Grenze ist schon am 9. November 1913 
von dem neuen Bahnbau Dschulfa—Täbris durch die Überbrückung 
des Arax überschritten worden. Das türkische Armenien (Erserum) 
erstrebt die seit 1912 im Bau befindliche Bahn Kars —Sarikamysch, die 
nach den neuesten Beschlüssen bis Kara Urgan direkt an der türkischen 
Grenze weitergeleitet wird. Alle diese Pläne erhalten eine Rückenstär 
kung im Bahnbau Wladikawkas—Tiflis, dessen Genehmigung wohl nur 
durch den Kriegsausbruch hinausgeschoben ist. Auch dieser großartige 
Plan hat seine Geschichte 3 ). 
*) Nach russischen Meldungen wurden am 20. Oktober 1915 die ganze Strecke 
Semipa.latinsk—Barnaul (399 W) und die Teilstrecke Barnaul—Altaiskaja (14 W) 
eröffnet. 
2 ) Die zentralasiatische Bahn endet seit 1898 in Andidshan. Das kleine Projekt 
der Weiterleitung bis Osch (1901) ist noch nicht durchgeführt. 
3 ) Wurden doch schon 1890/91 vorbereitende Arbeiten unternommen. 1898 
tauchte übrigens der Plan einer mehr westlich unter dem Elbrus zu legenden 
Bahn auf.</div>
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