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        <title>Verkehrsgeographie der Eisenbahnen des europäischen Rußland</title>
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            <forname>Walther</forname>
            <surname>Tuckermann</surname>
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        </author>
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        Tuckermann

II  17629
        <pb n="2" />
        Verkehrsgeographie

der

Eisenbahnen  des  europäischen  Rußland

Von

Dr.  Walther  Tuckermann

Mit  7  mehrfarbigen  Karten  und  alphabetischem  Register.

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Essen
Gr.  D.  Baedeker,  Verlagshandlung
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        Vor  w  o  l*  t.

In  großen  Zügen  war  die  vorliegende'  Arbeit  beim  Kriegsausbruch
1914  vollendet.  Da  der  Verfasser  seit  der  Mobilmachung  im  Felde  steht,
so  zog  sich  die  Fertigstellung  für  den  Druck  unter  Schwierigkeiten  hin.
DerVerfasser  ist  sich  bewußt,  infolgedessen  manches  nicht  in  der  Form
bieten  zu  können,  wie  sie  unter  anderen  Verhältnissen  möglich  gewesen
wäre.  Die  kriegerischen  Vorgänge  zwangen  zur  Umänderung  und  Ergänzung ­
  verschiedener  Abschnitte.  Namentlich  das  dritte  und  vierte
Kapitel  weichen  in  ihrer  jetzigen  Gestalt  von  der  ursprünglich  geplanten
Abfassung  stark  ab.  Aber  auch  sonst  weisen  die  einzelnen  Abschnitte
manche  Änderung  auf.  Einiges  aus  dem  dritten  Kapitel  dürfte  insofern
überholt  sein,  als  die  russische  Eisenbahnpolitik  bereits  während  des
Krieges  andere  Wege  betreten  hat,  als  sie  beim  Anhalten  des  Friedens
gegangen  wäre.  Aber  auch  die  Aufgaben,  die  sich  die  Regierung  nach
dem  Kriege  stellen  wird,  werden  in  vielem  andere  sein  wie  die  der  letzten
Friedens]  ahre.  Während  des  Krieges  in  Angriff  genommene  oder  beschlossene ­
  wichtigere  Bahnprojekte  wurden  namentlich  in  diesem  Kapitel
berücksichtigt.  Das  Augenmerk  war  darauf  gerichtet,  die  Ergänzungen
bis  zum  Herbst  (Oktober—November)  1915  fortzuführen.
Die  statistischen  Mitteilungen  und  Ergebnisse  beziehen  sich  im
wesentlichen  auf  das  letzte  Friedens]'ahr.  Für  die  Erlangung  Verkehrs  -
geographischen  Materials  lag  das  amtliche  russische  Reichskursbuch
des  Sommers  1913  zugrunde,  aushilfsweise  wurde  auch  das  Winterkursbuch ­
  1913/14  zu  Rate  gezogen.  Nachträglich  sind  auf  Karte  2
auch  in  den  Jahren  1914  und  1915  als  vollendet  bekannt  gewordene  wichtigere ­
  Bahnbauten  eingezeichnet  worden.  In  der  Frage  der  Fertigstellung
der  Murmanbahn  war  natürlich  äußerste  Vorsicht  geboten.  Die  russische
Regierung  hat  ja  auch  tatsächlich  hinterher  öffentlich  erklärt,  daß  die
Murmanbahn  im  Jahre  1915  nicht  vollendet  worden  ist.
In  der  Gouvernementsstatistik  wurde  die  infolge  der  antipolnischen
Politik  der  Reichsregierung  hervorgerufene  Verwaltungsänderung,  die
Auflösung  des  Gouvernements  Sjedlez  und  die  Neubildung  des  Gouvernements ­
  Cholm,  das  der  Zentral  Verwaltung  des  polnischen  Generalgouverne ­
        <pb n="4" />
        ments  Warschau  entzogen  und  der  des  im  wesentlichen  ukrainischen
Generalgouvernements  Kiew  unterstellt  wurde,  nicht  berücksichtigt.
Die  österreichisch-ungarische  Okkupationsverwaltung  hat  ja  ohnehin
kürzlich  den  geschichtlichen  Verhältnissen  Rechnung  getragen  und  die
ursprüngliche  Gouvernementseinteilung  wiederhergestellt.  In  der  gleichen
Weise  wurde  die  neuerliche  Zurechnung  ziskaukasischer  Gouvernements
zum  europäischen  Reichsteile  nicht  mehr  berücksichtigt.
Französisch  -  Lothringen,  im  Juni  1916.

Walther  Tuckermann.
        <pb n="5" />
        CO  tO

Inhal  t.
Seite
1.  Geschichte  der  russischen  Bahnen  .  1
Zeittafel  (die  wichtigsten  Daten  der  russischen  Eisenbahngeschichte)  .  27
Zeittafel  des  Bahnanschlusses  der  Gouvernements-  und  sonstiger  wichtiger
Städte  Rußlands  und  Finnlands  30
2.  Der  Umfang  des  russischen  Eisenbahnnetzes  und  seine  geographische
Gliederung.  Staats-  und  Privatbahnen  in  der  Gegenwart  31
3.  Die  Aufgaben  der  nächsten  Zukunft.  Nordbahnprojekte  des  Kriegsjahres
1914/1915  43
4.  Die  strategische  Bedeutung  der  russischen  Bahnen  und  die  Eisenbahnpolitik ­
  in  Polen.  Zvveigeleisige  Bahnen.  Straßenbaupolitik  54
5.  Verkehrsgeographie  der  russischen  Eisenbahnen  69
a)  Mängel  des  Systems  (Lücken  im  Bahnnetz,  Brückenbauten)  ...  69
b)  Schnellzuglinien  73
c)  Schnelligkeit  der  Züge.  Von  Schnellzügen  aufenthaltlos  durchlaufene
Strecken  76
d)  Einstellung  von  durchgehenden  Zügen  und  Wagen  (Kurswagen)  auf
den  russischen  Eisenbahnen  80
e)  Zughäufigkeit.  Zugverkehr  der  großen  Städte  86
f)  Bahnen  und  Siedlungen.  Bahnferne  92
g)  Stationen  und  Haltepunkte.  Stationsdichte  der  russischen  Bahnen  .  97
6.  Schlußwort  108
Register  111
Karten.
1.  Die  Entwickelung  des  russischen  Bahnnetzes  bis  zum  Jahre  1880.
.  Die  Entwickelung  des  russischen  Bahnnetzes  bis  zum  Jahre  1913.
.  Karte  der  Eisenbahnen  im  europäischen  Rußland  im  Jahre  1913.
4.  Verhältnis  der  Eisenbahnen  zur  Bevölkerung  der  einzelnen  Gouvernements.
5.  Verhältnis  der  Eisenbahnen  zum  Flächenraum  der  einzelnen  Gouvernements.
6.  Die  wichtigsten  Eisenbahnen  des  europäischen  Rußland.
7.  Personen  zughäuf  igkoit  auf  den  Bahnen  des  europäischen  Rußland,  Sommer
        <pb n="6" />
        1.  Geschichte  der  russischen  Bahnen.

I.  Anfänge  der  Eisenbahnen.  Die  Zeit  der  Herrschaft  des
Staatshahnprinzips,  1837—1857.
Das  Geburtsjahr  der  russischen  Eisenbahnen  ist  das  Jahr  1837  x ).
Also  um  dieselbe  Zeit  wie  in  den  übrigen  wichtigeren  europäischen
Staaten,  etwas  früher  als  die  Eröffnung  der  ersten  preußischen  Eisenbahn ­
  (Berlin—Potsdam,  1838)  und  der  ersten  italienischen  (1839),  ein
ganzes  Jahrzehnt  zeitiger  als  in  Spanien  (1848),  wurde  die  kurze,  etwas
über  25  W  (27  km)  lange  Strecke  St.  Petersburg—Zarskoje  Selo—Pawlowsk
  eröffnet.  Gebaut  hatte  diese  von  einer  Privatgesellschaft  geleitete
Balm  der  Österreicher  Gerstner,  der  in  seinem  eigenen  Heimatlande
*)  Für  die  Geschichte  des  russischen  Eisenbahnwesens  bietet  namentlich
das  „Archiv  für  Eisenbahnwesen“  (AEW)  sehr  wertvolle  Beiträge.  Über  die
Leistungen  und  die  Neubauten  unterrichten  die  seit  1882  alljährlich  erschienenen
„Betriebsergebnisse  der  russischen  Eisenbahnen“  (von  Mertens),  ferner  die  Ausführungen ­
  über  „die  Eisenbahnen  im  Kaiserreich  Rußland“  (1884—1900).  Hierhin
gehören  auch  die  seit  1897  alljährlich  veröffentlichten  Abhandlungen  „Statistisches
von  den  Eisenbahnen  Rußlands“.  In  ähnlicher  Weise  werden  die  finnländischen
Staatseisenbahnen  behandelt,  seit  1883  in  etwas  größeren,  seit  1896  in  regelmäßigeren ­
  Zwischenräumen.  Zusammenfassend  orientieren  die  Aufsätze  von
Matthesius  über  die  „Russische  Eisenbahnpolitik“.  Der  Zeitraum  von  1836  bis
1881  wird  im  AEW  26  (1903)  S.  933  und  27  (1904)  S.  72  behandelt,  die  Periode
bis  1903  in  mehreren  Aufsätzen  der  Jahrgänge  28—32  (1905  —1909).  Auch  Mertens
gab  im  AEW  27  (1904)  S.  1041  bei  einer  Übersicht  über  die  russischen  Bahnen
im  Jahre  1901  einen  Rückblick  über  die  Entwickelung  von  1882  bis  1901,  wie  auch
Claus  sich  AEW  10  (1887)  S.  54  mit  der  älteren  Geschichte  der  russischen  Eisenbahnen ­
  beschäftigte.  Von  Einzelaufsätzen  allgemeineren  Charakters  seien  erwähnt: ­
  „Die  Einführung  des  allgemeinen  russischen  Eisenbahngesetzes  vom  12.  Juni
1885“  (8,  S.  643;  9,  S.  98),  ferner  Krüger,  „Die  Gruppen  und  die  Generalkonferenz
der  russischen  Eisenbahnen“  (13,  S.  284),  Schultz-Niborn,  „Neuere  Gestaltung
des  Eisenbahnwesens  und  Tarifreform  in  Rußland“  (15,  S.  240),  Wittschewsky,
„Die  Eisenbahnfinanzen  Rußlands“  (27,  S.  562),  Mert  ens,  „Die  Durchsicht  der
•  russischen  Getreidetarife“  (20,  S.  181,  401,  1207).  Mit  einzelnen  Bahnsystemen
beschäftigte  siehThieß,  „Die  russischen  Südwestbahnen“  (24,  S.  366),  „Die  Jekaterinenbahnen
  Rußlands“  (30,  S.  1325),  während  Mertens  den  Ausbau  des  Eisenbahnnetzes ­
  im  Norden  behandelte  (32,  S.  188).  Auf  diese  und  ähnliche  Arbeiten
im  Archiv  und  in  anderen  Zeitschriften  wird  unten  noch  verwiesen.
Tuckerraann,  Verkehrsgeographie.

1
        <pb n="7" />
        keine  Förderung  seiner  Pläne  fand  1 ).  Man  hätte  hiernach  erwarten
können,  daß  der  russische  Bahnhau  rasche  Fortschritte  machen  würde.
In  der  Tat  wurde  die  Bahnfrage  auch  nach  der  Vollendung  der  Zarskoje
Selo-Linie  eifrig  weiter  erörtert.  Freilich  dauerte  es  geraume  Zeit,  als
aus  der  Fülle  widersprechender  Meinungen  heraus  endlich  der  Zar  die
Genehmigung  zu  der  Bahn  erteilte,  deren  Anlage  sich  jedem  Bahnpolitiker ­
  aufdrängte,  die  Verbindung  der.  beiden  Hauptstädte,  zumal
zwischen  ihnen  keine  große  Wasserstraße  vorhanden  war.  Am  1.  Februar
1842  gab  Zar  Nikolaus  I.  die  Genehmigung  zum  Bau  der  Bahn
St.  Petersburg—Moskau,  die  später  nach  ihm  Nikolaibahn  genannt
wurde.  Die  Linienführung  verstand  sich  eigentlich  von  selbst:  man
hat  zwar  häufig  die  gerade  Trasse  kritisiert  und  sie  namentlich  mit
autokratischen  Gründen  zu  erklären  gesucht,  die  indes  bei  näherer
Betrachtung  hinfällig  werden.  Der  Bahnbau  ging  unendlich  langsam
von  statten.  Erst  am  7.  Mai  1847  wurde  die  nur  24  W  lange  Strecke
von  der  Newa  bis  Kolpino  eröffnet.  Am  29.  Juni  1850  folgte  das  im
Gouvernement  Twer  gelegene  Zwischenstück  Wysehnij  Wolotschok—
Twer  und  am  1.  November  1851  die  Strecke  Kolpino—Wysehnij  Wolotschok ­
  sowie  die  Schlußlinie  Twer—Moskau.  14  Jahre  nach  Eröffnung
des  Betriebes  auf  der  Zarskoje  Selo-Linie  war  somit  der  Verkehr  zwischen
den  beiden  Mittelpunkten  des  Reiches  gebahnt.  Kurz  nach  der  Genehmigung ­
  der  Nikolaibahn  trat  man  auch  den  ersten  Anschlüssen  an
die  ausländischen  Bahnsysteme  näher.  Ungefähr  gleichzeitig  wurden
Strecken  der  auf  russisch-polnischem  Boden  gelegenen  Teile  der  Warschau-Wiener ­
  und  der  Warschau-Bromberger  Linie  eröffnet,  am  15.  November ­
  1845  die  Strecke  Warschau—Skemewizi—Rogawa  der  Wiener
und  am  1.  November  1845  die  Strecke  Skemewizi—Lowitsch  der  Bromberger ­
  Bahn.  In  Skemewizi  war  die  Einmündung  der  Bromberger  Linie  in
die  Wiener  gedacht.  Die  Strecke  Rogawa—Piotrkow—Tschenstochow
wurde  1846,  die  Strecken  nach  Sombkowizi 1  2 )  und  Graniza  1847  und
1848  eröffnet.  In  Graniza  wurde  der  Anschluß  an  die  österreichische  Bahn
hergestellt.  Dagegen  zog  sich  der  Bau  der  Bromberger  Strecke  noch  sehr
lang  hin.  Unterdessen  war  ja  die  eisenbahnfreundliche  Stimmung  in  Rußland ­
  einer  feindlichen  oder  wenigstens  einer  gleichgültigen  gewichen.
Schon  die  lange  Baudauer  der  Nikolaibahn  läßt  erkennen,  daß  man  einem
beschleunigten  Ausbau  des  Bahnnetzes  nicht  mehr  das  Wort  redete.
1 )  Man  liest  meistens,  daß  diese  älteste  Bahn  nur  bis  Zarskoje  Selo  reiche.
Tatsächlich  war  aber  ihr  Endziel  das  3  km  südlicher  gelegene  Pawlowsk.  Die
Bahn  führte  allerdings  die  Bezeichnung  Zarskoje  Seloeisenbahn.  In  der  ersten
Zeit  wurden,  wie  das  bei  den  meisten  ersten  Eisenbahnen  in  anderen  Ländern
ebenso  der  Pall  war,  neben  Lokomotiven  auch  noch  Pferde  verwandt.  Der  ausschließliche ­
  Lokomotivbetrieb  fand  seit  dem  4.  April  1838  statt.  Vgl.  Claus,  Zur
Geschichte  des  russischen  Eisenbahnwesens,  AEW  10  S.  54.
2 )  Die  Anschlußstrecke  Sombkowizi—Sosnowizi  und  hiermit  nach  Oberschlesien ­
  wurde  erst  1859  eröffnet.
        <pb n="8" />
        1*

Sehr  bemerkenswert  ist,  daß  alle  bisher  gebauten  Strecken  verschiedene ­
  Spurweiten  hatten-  Gerstner  glaubte  für  die  Zarskoje  Selo-Bahn
  eine  besonders  breite  Spur  (1,82  m)  wählen  zu  müssen,  da  nach
seiner  Ansicht  die  Stephensonsche  Weite  (1,435  m),  die  in  England
und  auf  dem  Kontinent  eingeführt  war,  für  schwere  Züge  und  schnelle
Fahrt  nicht  hinreichen  würde.  Allerdings  blieb  diese  ungewöhnlich
breite  Anlage  der  ältesten  Bahn,  die  z.  B.  die  Spur  der  spanisch-portugiesischen ­
  Bahnen  nicht  unwesentlich  übertrifft,  zugleich  aber  die  Indienststellung ­
  sehr  bequemer  Wagen  ermöglicht,  auch  in  Rußland  ohne
Nachfolge.  Denn  der  Nordamerikaner  Whistler,  der  geistige  Vater
der  Nikolaibahn  glaubte  die  mitteleuropäische  Spur  ebensowenig  befürworten ­
  zu  können  wie  die  Gerstnersche  Spur.  So  entschied  er  sich
für  die  Breite  von  1,524  m,  die  in  der  Folgezeit  fast  allein  maßgebend
wurde  und  bei  ihrer  Beschränkung  auf  da.:  Zarenreich  die  russische
Spur  genannt  werden  kann.  Nicht  also  militärpolitischen  Gedanken,
sondern  nur  der  Befürwortung  eines  einzelnen  Ingenieurs  in  einer  Zeit,
in  der  ohnehin  die  Frage  der  Schienenbreite  allgemein  erörtert  wurde
und  in  keinem  Lande  schon  einheitlich  beantwortet  war,  verdankt  also
die  russische  Spur  ihre  Entstehung-  Wie  sehr  tatsächlich  damals  die
russische  Regierung  in  der  Spurweitenfrage,  durchaus  analog  zu  den
Vorgängen  in  anderen  Staaten,  schwankte,  ersieht  män  daraus,  daß
die  russischen  Teilstrecken  der  Warschau-Wiener  und  der  Warschau-Bromberger
  Bahn  in  der  Spurweite  der  deutschen  Anschlußstrecken
erbaut  wurden.  Einen  Vorwurf  namentlich  von  der  Stellungnahme  des
internationalen  Verkehrs  aus  könnte  man  also  den  russischen  Eisenbahnverwaltungen ­
  nur  soweit  machen,  als  sie,  nachdem  sich  die  Stephensonsche
Weite  allgemein  in  Europa  bewährt  hatte  und  fast  überall  durchgeführt
war,  sich  nicht  zum  Umbau  der  Bahnen  entschließen  konnten.  Und
hier  ist  allerdings  anzunehmen,  daß  in  der  späteren  Zeit,  namentlich  als
man  auch  auf  russischer  Seite  die  militärpolitische  Bedeutung  der  Bahnen
erkannte,  auch  strategische  Gründe  zur  Beibehaltung  der  russischen
Spur  mitsprachen 1 ).
Klar  war  aber  die  Stellung  der  russischen  Regierung  zu  der  Frage,
von  wem  die  Bahnen  gebaut  werden  müßten.  Gerade  Zar  Nikolaus  I.
erkannte  sehr  wohl  die  Bedeutung  der  Bahnen  für  den  Staat  und  war
deshalb  durchaus  für  die  Übernahme  der  Bauten  durch  den  Fiskus.
Dagegen  spricht  nicht,  daß  die  Zarskoje  Selo-Bahn  von  einer  Privatgesellschaft ­
  errichtet  wurde:  sie  war  gewissermaßen  die  Probe,  ob  sich
in  dem  Kampf  widersprechender  Meinungen  überhaupt,  namentlich  aus
klimatischen  Erörterungen  heraus,  die  Einführung  der  Eisenbahnen  in
Rußland  empfehlen  würde.  Nachdem  diese  Empfehlung  in  glänzender
Weise  ausgesprochen  wurde,  war  aber  auch  der  Staatsbahngedanke
l )  Über  die  Spurweite  der  russischen  Bahnen  vgl.  Claus,  AEW  10  (1887)
S.  53,  58,  vgl.  auch  unten  S.  56.
        <pb n="9" />
        4

siegreich,  und  sowohl  die  polnischen  Bahnen  wie  die  Nikolaibahn  als
auch  das  erste  Teilstück  der  Petersburg-Warschauer  Bahn,  die  am
1.  November  1853  eröffnete  Trasse  bis  Gatschina,  baute  der  Staat.
Die  Eröffnung  der  fertigen  Nikolaibahn  und  der  Linie  nach  Gatschina
fällt  bereits  in  die  Zeit  einer  mehr  eisenbahnfeindlichen  Stellungnahme
der  Regierung.  Es  ist  bemerkenswert,  daß  militärpolitische  Gründe,
auch  das  kann  gegenüber  anderen  Anschauungen  betont  werden,  bei  der
Erwägung  der  ältesten  Bahnprojekte  gar  nicht  oder  kaum  zu  Wort  kamen.
Das  wurde  erst  anders  mit  dem  für  Rußland  unglücklichen  Krimkriege. ­
  Da  hatte  man  einsehen  gelernt,  welche  Vorteile  sich  den  russischen
Waffen  geboten  hätten,  wenn  die  Truppen  rechtzeitig  aus  den  Nordund
  Zentralprovinzen  mit  der  Bahn  an  den  Pontus  geworfen  worden
wären,  ifa  der  Befolgung  des  Moltkeschen  Wortes,  daß  man  mit  Eisenbahnen ­
  Schlachten  gewinnt.  Gewiß  war  der  Krimkrieg  die  Veranlassung,
daß  Rußlands  Stellung  zur  Eisenbahnfrage  wieder  günstiger  wurde.
Projekte  wurden  aufgestellt  und  auch  genehmigt.  Es  ist  aber  nicht  richtig,
als  ob  tatsächlich  nach  dem  Pariser  Frieden  der  Bahnbau  beschleunigt
worden  wäre.  Wurde  doch  überhaupt  die  erste  Verbindung  zwischen
den  Hauptstädten  und  den  pontischen  Gestaden  erst  im  Jahre  18-70
geschaffen,  was  im  Hinblick  darauf,  daß  die  Orientfrage  immer  noch
brennend  blieb,  auffallend  genug  ist.  Die  Regierung,  die  mit  der  Anlage
der  Nikolaibahn,  die  erstaunlich  hohe  Kosten  trotz  einfacher  Verhältnisse,
namentlich  im  südlichen  Teil,  verschlungen  hatte,  schlechte  Erfahrungen
gemacht  hatte,  glaubte  die  Bauten  an  Privatgesellschaften  übertragen
zu  können,  vornehmlich  auch  angesichts  der  Tatsache,  daß  in  Westeuropa ­
  die  Privatindustrie  sich  dem  Bahnbau  mit  großem  Erfolge  zugewandt ­
  hatte.  Ja,  sie  überließ  sogar  einen  Teil  ihrer  Bahnen  heugebildeten
Privatgesellschaften-  Am  13.  November  1857  wurden  die  Warschau-Wiener
  Bahn  und  das  kurze  vollendete  Stück  der  Warschau-Bromberger
Linie  der  Warschau-Wiener  Bahngesellschaft  übergeben.  Kurz  vorher,
am  7.  Februar  1857,  hatte  der  Zar  die  Genehmigung  zur  Bildung  der
Großen  Russischen  Eisenbahngesellschaft  erteilt  und  ihr  die  Strecke
Petersburg-Gatschina  übertragen.  Mit  1857  beginnt  somit  eine  zweite
Periode  der  russischen  Eisenbahngeschichte,  die  Zeit  des  Vorherrschens
der  Privat  bahnen.
II.  Die  Zeit  tler  Alleinherrschaft  der  Privatbahnen,
1857—1881.
Der  namentlich  französischen  Einflüssen  ergebenen  Großen  Russischen ­
  Eisenbahngesellschaft  war  der  Bau  von  etwa  4000  W  übertragen
worden.  Sie  trat  ihre  Aufgabe  mit  Tatkraft  an  und  konnte  noch  am
17.  Dezember  1857  die  Teilstrecke  Gatschina-Luga,  zu  der  die  Vorarbeiten ­
  freilich  bereits  unter  staatlicher  Aufsicht  geschehen  waren,  gleich ­
        <pb n="10" />
        5

zeitig  mit  der  von  der  Peterhofbahngesellschaft  erbauten  kurzen  Küstenbahn ­
  St.  Petersburg—Peterhof  eröffnen.  Aber  schon  bei  den  Arbeiten
der  Großen  Russischen  Gesellschaft  wiederholte  sich  der  Vorgang,  der
die  Baugeschichte  der  Nikolaibahn  kennzeichnete  und  der  in  der  Geschichte ­
  des  russischen  Eisenbahnwesens  sich  noch  häufig  zeigen  sollte,
daß  die  Beauftragten  nicht  das  leisten  können,  was  sie  eingegangen
waren.  Es  ist  ein  Grundzug  in  der  Geschichte  des  russischen  Verkehrswesens, ­
  daß  infolge  der  außerordentlich  hohen  Baukosten,  welche  die
veranschlagten  Summen  weit  übertreffen  '),  teilweise  auf  Grund  der
Landesfremdheit  ausländischer  Ingenieure,  offenbar  aber  auch  infolge
des  Nachlassens  der  Spannkraft  die  Arbeiten  sich  unverhältnismäßig
lange  hinziehen,  wenn  nicht  sogar  im  Verlauf  der  Bauausführungen  ein
Teil  der  übernommenen  Verpflichtungen  einfach  abgestoßen  wird.  Das
zeigt  auch  die  Geschichte  der  Großen  Gesellschaft.  Sie  vollendete
zwar  die  Petersburg-Warschauer  Strecke,  in  deren  Bauplan  von  jeher
eine  Teilstrecke  zur  ostpreußischen  Grenze  vorgesehen  war 2 ),  und
brachte  auch  ein  anderes  in  ihren  Baukontrakt  aufgenommenes  Projekt,
Moskau—Nischni  Nowgorod  zur  Ausführung  (1.  August  1862),  war  aber
schon  vorher  vom  Bau  der  übrigen  Linien  entbunden  worden.  Bald
darauf  (1.  Januar  1863)  vollendete  auch  endlich  die  neugebildete  Warschau-Bromberger ­
  Bahngesellschaft  die  Strecke  von  Lowitsch  bis  zur
preußischen  Grenze  bei  Alexandrowo.  Im  Anschluß  an  die  Petersburg-Warschauer
  Bahn  hatte  englisches  Kapital  die  Linie  Dünaburg-Riga
angelegt  (1861  vollendet),  über  deren  Rentabilität  schon  während
der  Ausführung  Zweifel  geäußert  wurden.  Ferner  war  im  äußersten
Südosten  ohne  Zusammenhang  mit  den  anderen  Linien  die  kurze  Strecke
Zarizyn—Kalatsch  (5.  März  1862)  geschaffen  worden.  Kalatsch  ist
heute  noch  der  nördliche  Endpunkt  der  eigentlichen  Dampfschiffahrt
auf  dem  Don.
1862  war  somit  die  Wolga  erreicht  und  in  Nischni  Nowgorod  die
Eingangspforte  zum  östlichen,  mordwinischen  Rußland.  Zum  ersten
Male  war  in  diesem  Jahre  an  zwei  Stellen  der  in  der  damaligen  Zeit
auch  in  Mitteleuropa  befolgte  Grundsatz  des  Zusammenwirkens  von
Dampfschiffahrt  und  Eisenbahnen  durchgeführt  und  der  ministeriellen
Entscheidung  nicht  widersprochen  (1839),  daß  da,  wo  eine  bequeme
Wasserstraße  vorhanden  ist,  dieser  der  Vorzug  vor  einer  Bahnverbindung
zu  geben  sei 3 ).  Konnte  doch  die  Bahn  Dünaburg—Riga  nicht  hiergegen
sprechen,  da  die  Düna  für  die  Schiffahrt  nur  in  sehr  beschränkter  Weise
in  Betracht  kommt.  Schon  in  dem  Murawiewschen  Projekt  (1838),
*)  Nicht  selten,  namentlich  bei  kleineren  Aufgaben,  kam  auch  das  Anlagekapital ­
  nicht  zusammen.
2 )  (Gatschina  —)Luga—Dünaburg  eröffnet  1860,  Dünaburg—Warschau  und
(Wilna—)Landwarowo—Wirballen  am  27.  Dezember  1862.
3 )  ÄEW  10  (1887)  S.  56,  vgl.  auch  unten  S.  34.
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        6

Petersburg  mit  Rybinsk  zu  verbinden,  tritt  der  Grundsatz  der  russischen
Verkehrspolitik  zutage,  Und  das  zwischen  Wolga  und  Don  gebaute
Bähnchen  sollte  gerade  der  Schiffahrt  auf  den  beiden  großen  südostrussischen ­
  Strömen  zugute  kommen  und  war  auch  von  der  Wolga-Don-Dampfschiffahrtsgesellschaft
  gebaut  worden.  Die  Vermeidung  der
Konkurrenz,  welche  die  Eisenbahnen  herbeiführen  könnten,  war  länger
als  sonst  in  Europa  peinlich  beachtetes  Prinzip.  Fast  stets  schneiden
und  treffen  die  Bahnen  die  Flüsse,  häufig  im  rechten  Winkel,  und  nur  an
ihrem  Oberlauf  werden  sie  zuweilen  von  Bahnen  begleitet.
Während  im  eigentlichen  Rußland  der  Staatsbahngedanke  unterlag,
wurde  er  im  Großfürstentum  Finnland  zu  derselben  Zeit  von  neuem
erprobt  in  der  bereits  1851  als  Pferde-,  1856  als  Dampfbahn  beschlossenen
und  1862  vollendeten  Linie  Helsingfors—Tavastehus.  Auch  hier  ist  der
Einführung  der  russischen  Reichsspur  keine  große  politische  Bedeutung
zuzuschreiben.  Der  Bau  wurde  ohne  politischen  Hintergrund  russischen
Ingenieuren  übertragen.  Auch  als  späterhin  die  Frage  der  Verwendung
westeuropäischer  Spur  auftauchte,  blieb  man  bei  der  russischen  Schienenbreite. ­
  In  Finnlands  Granitboden  stellten  sich  dem  Bahn  bau  weit
größere  Schwierigkeiten  entgegen  als  in  den  meisten  anderen  Teilen
Rußlands.  Deshalb  und  um  Kosten  zu  ersparen,  wurde  auch  die  erste
große  finnische  Bahn,  welche  die  Hauptstadt  mit  St.  Petersburg  verbindet, ­
  nicht  der  Küste  entlang  gebaut,  zweigte  vielmehr  in  Riihimäki
  von  der  Tavastehusbahn  ostwärts  ab 1 ).
Immerhin  war  zu  Beginn  der  sechziger  Jahre  erst  ein  verhältnismäßig
kleines  Bahnnetz  geschaffen  worden *  2 ).  Das  bedeutendste  Ziel  blieb
zunächst  immer  noch  die  Verbindung  mit  dem  Süden.  Die  Regierungsforderung ­
  von  1857  hatte  der  Großen  Russischen  Eisenbahngesellschaft
diese  Aufgabe  übertragen,  der  sie  nicht  gerecht  werden  konnte.  So
sah  sich  die  Regierung  genötigt,  mit  dem  Bau  der  großen  Südbahn
selbst  zu  beginnen.  1866  wurde  diese  bis  Serpuchow  an  der  Oka  gebaut,
in  rasch  durchgeführten  Bauabschnitten  wurden  Tula,  Orel  und  Kursk
(19.  September  1868)  erreicht.  Die  Regierung  überließ  auch  diese  Bahn
1871  einer  Privatgesellschaft,  der  Moskau-Kursker,  gleichwie  sie  am
am  20.  Juni  1868  die  Nikolaibahn  der  Großen  Russischen  Gesellschaft
unter  der  Pachtform  übermittelte.  Die  Kursk-Charkow-Asower-Bahn
baute  dann  die  anschließende  Südstrecke,  die  sich  in  Losowaja  von  der
ursprünglich  vorgesehenen  Krimlinie  gabelte,  ein  Zeichen,  daß  der
Plan,  die  Linie  in  einem  Hafen  der  Krim  enden  zu  lassen,  wieder  nicht
zustande  kam.  Daß  übrigens  das  Ziel  der  ersten  Südbahnverbindung
mehr  nach  dem  Osten  verschoben  wurde,  mag  wohl  auch  politisch  nicht
unbegründet  gewesen  sein.  Bedeutsam  wies  die  Linie,  die  von  einer
weiteren,  der  Rostow-Wladikawkasgesellschaft  bereits  1875  bis  nach
J )  Eröffnet  wurde  übrigens  diese  Linie  erst  am  11.  September  1870.
2 )  Am  1.  Januar  1861  waren  es  1603,  am  1.  Januar  1863  aber  schon  3525  km.
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        Wladikawkas  durchgeführt  wurde,  auf  die  Ziele  Rußlands  \n*j^rmenien
hin 1 ).  14  Jahre  nach  der  Beendigung  des  Krimkrieges  man.
endlich  einen  pontischen  Hafen  mit  der  Bahn  erreichen.  Erst  18J-5, ; .wni:q&amp;amp;
die  von  einer  neugebildeten  Gesellschaft  gebaute  Linie  Losowaja—
Sewastopol  fertiggestellt.  Das  Ziel  von  1857,  das  Zustandekommen
einer  einheitlich  durchgeführten  und  verwalteten  Linie  Moskau-Sewastopol, ­
  war  also  nicht  gelungen.  Drei  Gesellschaften  teilten  sich  in  den
Betrieb  der  Linie.  Auch  die  dritte  der  dem  Pontus  zustrebenden  Linien
kam  in  diesen  Jahren  zur  Vollendung.  Ursprünglich  war  freilich  die
Trasse  anders  gedacht.  Von  Odessa  aus  wurde  im  Jahre  1865  durch
die  Odessaer  Bahngesellschaft  die  erste  Eisenbahn  über  Rasdjelnaja,
das  von  jeher  als  Teilungspunkt  für  die  südbeßarabischen  Linien  ins
Auge  gefaßt  war,  bis  Birsula—Balta  eröffnet  und  1868  bis  Jelissawetgrad
fortgeführt.  Noch  1870  wurde  die  Strecke  Jelissawetgrad—Snamenka—
Poltawa  beendet  und  1871  folgte  die  Einleitung  in  die  Süd  bahn  in  Charkow. ­
  Noch  während  des  von  der  Charkow-Nikolajewer  Gesellschaft
unternommenen  Baues  der  Linie  Jelissawetgrad—Charkow,  die  eine
größere  Bedeutung  nicht  erhalten  sollte,  wurde  eine  neue  nördliche
Parallellinie  beschlossen,  die  in  Kursk  von  der  großen  Südbahnlinie
abzweigt  und  bis  zum  Dnjepr  im  September  1869  fertiggestellt  wurde,
während  die  Leitung  über  den  Fluß  nach  Kiew,  womit  auch  endlich
dfese  große  Stadt  eine  Bahn  erhielt,  Anfang  1870  vollendet  wurde.
Die  Linie  Kursk—Kiew,  die  von  der  gleichnamigen  Gesellschaft  geschaffen ­
  wurde,  ist  die  Stammlinie  der  Moskau-Kiew-Woronesh-Bahn.
Gleichzeitig  wurde  die  Weiterführung  der  Linie  über  Fastow,  Kasatin,
Shmerinka  nach  Birsula  in  die  alte  Odessaer  Linie  von  der  Kiew-Brester
und  der  Kiew-Baltaer  Gesellschaft  bewirkt.  Für  den  pontischen  Verkehr ­
  wurde  diese  Linie  wichtiger  als  die  Bahn  über  Jelissawetgrad.  Die
Odessaer  Gesellschaft  begnügte  sich  wie  die  Kiew-Brester  Gesellschaft
nicht,  wie  so  häufig,  mit  einer  einzigen  Bahnlinie.  Sie  baute  vielmehr
auch  die  beßarabische  Trasse  Rasdjelnaja—Bender—Kischinew  (1871)  —
Ungeni  (1875),  während  die  in  Bender  nach  Reni  abzweigende,  vom  Staat
gebaute  und  von  der  Bender-Galatzer  Gesellschaft  betriebene  Bahn
erst  später  in  ihren  Besitz  überging.  Die  Fastower  Bahngesellschaft
verband  1876  die  Parallellinie  Kiew—Shmerinka  und  Charkow—Birsula
durch  die  Querlinie  Fastow—Snamenka,  nachdem  bereits  1873  die
Charkow-Nikolajewer  Gesellschaft  die  wichtige  Schwarzmeerlinie  Snamenka—Nikolajew ­
  eröffnet  hatte.  Man  konnte  somit  auch  von  Kiew
den  Kriegshafen  Nikolajew  mit  der  Bahn  erreichen.  Von  hervorragender ­
  Bedeutung  aber  wurde  es,  daß.  die  dieserhalb  gegründete  Kiew-Brester
  Bahngesellschaft  auch  die  Verbindung  des  Süd  Westens  mit  dem

*)  Die  Strecke  Kursk—Charkow  wurde  im  Sommer  1869,  die  Reststrecke
Charkow—Losowaja—Taganrog—Rostow  Anfang  1870  eröffnet.
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        8

mittleren  Westen  bewirkte,  indem  sie  1873  im  Anschluß  an  die  kurze,
bereits  1870  eröffnete  Linie  Kasatin—Berditschew  durch  die  wichtige
Linie  Berditschew—Rowno—Ko  wel—Brest  Wolynien  anbahnte.  Noch
im  gleichen  Jahre  wurde  diese  Strecke  von  der  Brest-Grajewoer  Gesellschaft ­
  über  Bjelostok  nach  Grajewo  an  der  ostpreußischen  Grenze  durchgeführt. ­
  Mit  der  Linie  Kasatin—Brest—Bjelostok  war  der  Umweg
aus  Süßrußland  durch  Großrußland  zu  den  Weichselprovinzen  und
den  Ostseeländern  beseitigt.
Während  der  Odessaer  Bahngesellschaft  der  erste  Anschluß  der
südwestlichen  Provinzen  an  das  österreichische  Bahnnetz  (Shmerinka—
Wolotschisk  1871)  zu  verdanken  ist,  schuf  die  Kiew-Brester  Bahn  einen
weiteren  Anschluß  in  der  Linie  Sdolbunowo—Radsiwilow  (1873).  Es
war  ein  Zeichen  wirtschaftlicher  Einsicht,  daß  sich  noch  vor  dem  Abschluß ­
  der  siebziger  Jahre  im  Südwesten  eine  große  Gesellschaft  bildete.
Die  Odessaer  Bahngesellschaft  vereinigte  sich  mit  der  Bender-Galatzer,
der  Kiew-Brester,  der  Kiew-Baltaer,  der  Balta-Jelissawetgrader  und
der  Brest-Grajewoer  Bahn  zu  der  Südwestbahngesellschaft,  welche  die
größte  und  einflußreichste  Bahngesellschaft  Rußlands  werden  sollte.
Durch  die  Fusion  war  ein  großartiger  Linienzug,  Odessa—Grajewo  in
den  Händen  einer  Gesellschaft,  dem  freilich  ein  großer  Erfolg  versagt
blieb.  Die  Süd  westbahnen  hatten  bei  weitem  die  meisten  Auslandsanschlüsse: ­
  denn  neben  der  ostpreußischen  Verbindung  besaßen  sie
die  beiden  Bahnen  an  die  rumänische  Grenze  und  die  beiden  Bahnen
aus  Wolynien  nach  Galizien 1 ).
An  vier  wichtigen  Punkten  war  also  kurz  hintereinander,  von  1870
bis  1875,  der  Pontus  durch  Bahnen  erreicht,  in  Rostow,  Sewastopol,
Odessa  und  Nikolajew.  Bei  dieser  schnellen  Aufeinanderfolge  schien
sich  bereits  in  der  Mitte  der  siebziger  Jahre  das  Interesse  für  weitere
Linien  in  Neurußland  zunächst  erschöpft  zu  haben.  Dafür  traten  um  so
spontaner  um  dieselbe  Zeit  die  Wolga-  und  Ostprojekte  auf.  Hier  sind
politische  Gründe  wohl  mitsprechend  gewesen,  zumal  Rußland  stark
in  Zentralasien  beschäftigt  war.  Von  den  Bahnen,  die  zur  oberen  Wolga
geleitet  wurden,  kann  man  dies  natürlich  nicht  sagen:  hier  war  der
wirtschaftliche  Grundsatz,  die  Schiffahrt  zu  unterstützen,  ausschlaggebend. ­
  1870  hatte  die  Rybinsk-Bologojer  Gesellschaft  das  wichtige
Rybinsk,  das  bereits  das  Ziel  früherer  Projekte  war,  mit  der  Nikolaibahn ­
  verbunden,  im  selben  Jahre  die  Jaroslawler  Bahn  das  alte  Jaroslawl
mit  Moskau  *  2 ).  Als  erste  Bahn  jenseits  der  Wolga,  außerhalb  des  Verkehrskreises ­
  der  Nikolaibahn,  gelangte  dann  1872  die  Schmalspurbahn
Jaroslawl  (1.  Ufer)—Wologda  zur  Eröffnung,  die  hier  an  das  Schiffahrts-*)
  1893  folgte  ein  weiterer  Anschluß  aus  Beßarabien  (Nowoselizy)  nach  der
Bukowina.
2 )  Die  Strecke  von  Moskau  nach  Sergijewo  war  bereits  1862  fertiggestellt
worden.
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        9

System  der  Norddwina  und  des  nordwestlichen  Seengebiets  anknüpft.
So  war  das  Gebiet  der  Dwina,  das  vom  zentralrussischen  Industriegebiet
auf  der  Wasserstraße  nur  sehr  beschwerlich  und  auf  großen  Umwegen
zu  erreichen  war,  an  die  Bahn  angeschlossen.
Größere  Bedeutung  erhielten  die  von  Moskau  in  südöstlicher  Richtung ­
  ausstrahlenden  Linien.  Zwar  konnte  die  Moskau-Rjäsan-Saratower
Gesellschaft  ihre  Aufgabe  ebensowenig  durchführen  wie  die  Große
Russische  Bahngesellschaft  und  nur  die  Strecke  Moskau—Rjäsan  1864
eröffnen,  die  spätere  Hauptlinie  der  Kasaner  Bahn.  Eine  weitere  Gesellschaft ­
  baute  die  Strecke  Rjäsan—Rjashsk—Koslow  (1866):  sie  ist  die
Stammlinie  der  Rjäsan-Uralsker  Bahn  geworden.  Eine  dritte  Gesellschaft, ­
  die  Koslow-Woronesh-Rostower,  die  spätere  Südostbahn,  deren
wichtigste  Strecke  die  Stammlinie  geblieben  ist,  setzte  sie  südwärts
fort  und  erreichte  1868  über  Grjasi,  eine  Kleinsiedlung,  die  früh  ein
wichtiger  Knotenpunkt  wurde 1 ),  Woronesh,  im  Jahre  1870  Liski.  Während ­
  das  Zwischenstück  Liski—Millerowo—Lichaja—Gruschewka  1871
eröffnet  wurde,  war  die  Strecke  Gruschewka—Aksaisk,  welche  die  Bergwerke ­
  von  Gruschewka  mit  dem  Don  verband,  durch  die  Donkosaken
bereits  1864  und  auch  die  kurze  Strecke  Aksaisk—Rostow  1868  fertiggestellt ­
  worden.  Ursprünglich  war  wohl  eine  neue  Verbindung  mit
Rostow  nicht  beabsichtigt  worden.  Ein  zuerst  in  östlicher  Richtung
beschlossenes  Unternehmen  w.uchs  sich  zu  einem  südlich  gerichteten  aus.
Der  Gedanke  neuer  Verbindungen  mit  dem  Osten  wurde  aber  auch  nach
dem  Versagen  der  Saratower  Gesellschaft  weiter  verfolgt.  Sie  konnten
dazu  an  die  im  Entstehen  begriffene  Südostlinie  anknüpfen,  ohne  daß
sich  zunächst  die  Notwendigkeit  ergeben  hätte,  eine  neue  Bahn  von
Moskau  anzulegen.  Auch  das  Saratower  Projekt  ging  seiner  Vollendung
entgegen,  indem  die  Linie  von  Koslow  bis  Tambow  von  der  gleichnamigen
Gesellschaft  1869,  die  Strecke  bis  Umjet  1870,  bis  Saratow  1871  von
der  Tambow-Saratower  Bahn  durchgeführt  wurde.  Fast  um  dieselbe
Zeit,  bis  Borissoglebsk  bereits  1869,  kam  die  Linie  Grjasi-Zarizyn  zustande, ­
  der  man  eine  namhafte  militärpolitische  Rolle  zusprach,  da  sie
die  Truppen  aus  dem  Innern  und  dem  Westen  an  den  Kniepunkt  der
unteren  Wolga  beförderte,  von  wo  aus  verhältnismäßig  schnell  die
zentralasiatischen  Besitzungen  zu  erreichen  waren.  Der  Zarizyner
Bahn  kam  auch  insofern  eine  gewisse  Bedeutung  zu,  als  sie  lange  Zeit
die  einzige  Bahn  war,  die  den  Südosten  des  Reiches  mit  dem  Zentrum
verband.  Eine  weit  bevorzugtere  Stellung  im  großen  Verkehr,  eine
Stellung,  die  man  damals  freilich  gar  nicht  ahnen  konnte,  zumal  man
zunächst  nur  an  einen  einseitig  gerichteten  Zweck  der  Linie  dachte,
sollte  endlich  die  in  Rjashsk  ansetzende  Trasse  erhalten.  Schon  1867

1 )  Bereits  im  gleichen  Jahre  wurde  durch  die  Orel-Grjasigesellschaft  eine
Zweigbahn  nach  Jelez  eröffnet  und  1870  nach  Orel  fortgeführt.
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        10

war  die  Strecke  bis  Morschansk  fertiggestellt  worden;  1874  wurde  über
Pensa  die  Wolga  in  Sysran  und  Batraki  erreicht,  und  während  sich  der
gewaltige  Brückenbau  noch  einige  Jahre  hinzog  und  1880  vollendet
wurde,  wurde  jenseits  der  Wolga  über  Samara  und  Kinel  im  Jahre  1876
Orenburg  am  Eingang  nach  Asien  der  Bahn  angeschlossen.  Daß  in  Kinel
die  große  sibirische  Bahn  anschließen  könnte,  lag  zunächst  dem  Gesichtskreis ­
  der  Verkehrspolitiker  völlig  fern.
Ziemlich  gleichzeitig  mit  der  Ausführung  der  Süd-  und  Ostprojekte
gingen  auch  Pläne  im  vernachlässigten  mittleren  Westen  in  Erfüllung.
Die  Baltische  Bahngesellschaft  eröffnete  1870  die  Linie  (St.  Petersburg—) ­
  Gatschina—Reval—Baltischport,  der  die  im  Jahre  1873  von
einer  Privatgesellschaft  gebaute  finnische  Linie  Hyvinkä  (Hyvinge)—
Hangö  keine  große  Konkurrenz  bereiten  konnte,  so  daß  sie  bei  schlechten
Abschlüssen  bereits  1875  verstaatlicht  werden  mußte.  Das  Ziel,  das  den
Erbauern  vorschwebte,  eine  große  Linie  Petersburg—Hangö  zu  schaffen,
die  dem  Verkehr  mit  den  baltischen  Ländern,  namentlich  mit  Schweden,
dienen  sollte,  war  nur  sehr  unvollkommen  gelungen.  Auch  einer  der
vortrefflichsten  Häfen  an  der  baltischen  Küste,  Libau,  erhielt  1871  eine
Eisenbahn,  zunächst  freilich  mit  verhältnismäßig  einseitiger  Orientierung,
indem  die  Bahn  durch  Litauen  (über  Murawiewo,  Radsiwilischki)  nach
Koschedari  (Wilna)  ging.  Sie  wurde  schon  im  Jahre  1874  über  Minsk,
Shlobin,  Homel,  Bachmatsch  nach  Romny  ins  Herz  der  Ukraine  durchgeführt: ­
  ein  gutes  Unternehmen,  dessen  wirtschaftliche  Folgen  sich
von  selbst  ergaben  und  das  neben  den  älteren  Strecken  der  baltischgroßrussischen ­
  Verbindung  Riga—Orel 1 )  eine  neue  Verknüpfung  der
Ostseehäfen  mit  dem  fruchtbaren  Ackerbaugebiet  bezweckte,  das  aber
den  Vorzug  hatte,  daß  die  ganze  Strecke  nur  einer  Gesellschaft,  der
Libau-Romnyer,  gehörte.  1873  folgten  zwei  weitere  für  Libau  wichtige
Verbindungen.  Radsiwilischki  wurde  mit  Kalkuhnen  (Dünaburg),
Murawiewo  mit  Mitau *  2 )  vereinigt.
Das  mittlere  Großrußland  mit  Moskau  als  Ausgangspunkt  empfing
in  diesen  Jahren  endlich  die  erste  Verbindung  mit  den  Weichselprovinzen.
Die  politische  Bedeutung  hat  ihr  Antragsteller  stark  betont,  sie  lag
ja  auch  auf  der  Hand.  Die  Linie,  die  zu  den  Selbstverständlichkeiten
des  russischen  Verkehrs  gehörte,  war  aber  auch  sonst  unbedingt  notwendig. ­
  Die  Terespoler  Bahngesellschaft  hatte  bereits  1867  Warschau
mit  Terespol  (Brest)  über  Sjedlez  verbunden.  Die  Vereinigung  Brests
mit  Moskau  setzte  sich  eine  dieserhalb  gegründete  neue  Gesellschaft
zum  Ziel,  die  hiermit  eine  der  bedeutendsten  und  längsten  Linien  schuf.
Smolensk  konnte  man  von  Moskau  bereits  1870,  Brest  über  Minsk  1871
erreichen.
x )  Die  Dünaburg-Witebsker  Gesellschaft  hatte  ihre  Linie  bereits  1866,  die
Witebsk-Oreler  die  ihrige  1868  eröffnet.
2 )  Die  Strecke  Mitau—Riga  war  schon  1868  vollendet  worden.
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        Am  1.  Januar  1876  waren  19  547  km  im  Betrieb;  seit  dem  1.  Januar
1871  hatte  sich  das  Bahnnetz  um  8304,  seit  dem  1.  Januar  1866  um
15  621  km  vermehrt.  Mit  der  Mitte  der  siebziger  Jahre  setzt  wieder
ein  Nachlassen  in  den  Eisenbahnunternehmungen  ein.  Es  werden  zwar
einige  Linien  eröffnet,  meist  aber  von  geringerer  Wichtigkeit.  Auch
die  größeren  unter  ihnen,  wie  die  Fastowbahn  und  die  von  den  Weichselbahnen ­
  1877  gebaute,  strategisch  und  wirtschaftlich  wichtige  Linie
Kowel—Lublin—Iwangorod—Warschau—Mlawa,  an  die  sich  die  westpreußische ­
  Privatbahn  Mlawa—Marienburg  anschloß,  oder  die  Verbindung ­
  der  Universitätsstadt  Dorpat  mit  Taps  durch  die  Baltischen
Bahnen  und  der  alten  finnischen  Hauptstadt  Abo  mit  Tojala  und  Tavastehus
  waren  keine  Bahnen  großer  Bedeutung,  waren  es  sicherlich  in
der  ersten  Zeit  nach  ihrer  Eröffnung  nicht.  Bemerkenswert  war  das
im  Südosten  (1878/79)  entstandene  Netz  der  Donezkohlenbahnen.
Während  der  Krimkrieg  dem  Eisenbahngedanken  neue  Verteidiger
geschaffen  hatte,  vermochte  der  russisch-türkische  Krieg  von  1877/78
hier  nicht  belebend  zu  wirken.  Zudem  kam,  daß  das  fast  nur  von  privaten
Kreisen  geleitete  Eisenbahnwesen  sich  beinahe  chronisch  in  geldlichen
Schwierigkeiten  befand.  Von  einer  Konsolidierung  der  Eisenbahnen
konnte  in  keiner  Weise  die  Rede  sein.  Die  Gesellschaften  hatten  fast
durchweg  nur  den  Bau  einer  einzigen  Linie  im  Auge  gehabt.  Von  der
Bildung  leistungsfähiger  Gesellschaften  mit  einem  größeren  Liniennetz
wie  in  Frankreich,  England  und  Preußen  konnte  nur  in  einigen  wenigen
Fällen  die  Rede  sein.  Zu  den  Gesellschaften,  die  mehr  als  eine  Linie
betrieben,  gehörten  die  Große  Russische  Eisenbahngesellschaft  und
die  aus  sechs  Gesellschaften  hervorgegangenen  Süd  westbahnen.  So
mußte  bei  einem  ohnehin  schwachen  Verkehr,  bei  der  geringen  Rücksichtnahme ­
  der  Gesellschaften  aufeinander,  bei  der  ein  einheitliches  Handeln
etwa  in  Tariffragen  oder  in  der  Einrichtung  eines  großen  durchgehenden
Personenverkehrs  fast  ganz  fehlte,  die  mißliche  Lage,  in  der  sich  die
Bahngesellschaften  befanden,  eine  dauernde  werden.  Klagen  über  den
starken  Rückgang  der  Einnahmen  blieben  nicht  aus.  Wie  ungünstig
die  Lage  mancher  Gesellschaften  war,  ersieht  man  daraus,  daß  selbst
die  Losowaja-Sewastopoler  Eisenbahn,  die  doch  immerhin  eine  wichtige
Linie  betrieb,  zu  Beginn  der  achtziger  Jahre,  also  doch  nur  wenige  Jahre
nach  der  Eröffnung  der  Linie,  unmittelbar  vor  der  Liquidation  stand.
Und  das  war  alles  eingetreten  trotz  der  Subventionen  und  Vorschüsse,
für  die  sich  der  Staat  seit  langen  Jahren  festgelegt  hatte,  war  eingetreten,
trotzdem  den  Gesellschaften  die  Ausgabe  von  Obligationen  gestattet
und  Zinsgewähr  geleistet  war 1 ).  Hatte  doch  die  finanziellen  Mittel
zum  Bau  und  teilweise  auch  zum  Betriebe  die  Krone  geschaffen,  dieselbe

x )  1888  betrugen  die  jährlichen  Ausgaben,  mit  denen  der  Reichsschatz  zugunsten ­
  der  Privatbahnen  belastet  war,  etwa  60  Mill.  Rbl.
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        12

Krone,  die  trotz  der  staatsmännischen  Einsicht  Kaiser  Nikolaus’  I.
durch  die  Schaffung  einer  Unzahl  unwirtschaftlich  arbeitender  Institute
sich  des  Einflusses  auf  die  Bahnen  des  Reiches  begeben  hatte.  Der
Staat,  der  selbst  einen  Teil  der  Bauarbeiten  ausführen  oder  verschiedene
Bahnen  sogar  völlig  fertigstellen  ließ,  hatte  diese  nicht  nur  den  Gesellschaften ­
  ausgeliefert,  wie  die  Linien  Moskau—St.  Petersburg,  Moskau-Kursk,
  Odessa—Birsula,  Bender—Reni,  Warschau  —Graniza,  eine  Politik,
die  übrigens  auch  in  späteren  Jahren  noch  nicht  aufgegeben  wurde,
sondern  auch  für  die  Gesellschaften  auf  seine  Kosten  Schienen,  Lokomotiven ­
  und  sonstige  Betriebsmittel  anfertigen  lassen  x ).  Bei  allen  Bahnen,
mit  Ausnahme  der  Warschau-Wiener  und  der  Zarskoje  Selo-Bahn,  war
der  Staat  stark  beteiligt.  Man  berechnete  1881,  daß  9 / 10  des  Anlagekapitals ­
  von  der  Regierung  beschafft,  selbst  Eigentum  der  Regierung
oder  mit  Hilfe  der  Krongarantie  erwirkt  worden  waren  *  2 ).  So  war  die
Verschuldung  der  Gesellschaften  gegenüber  dem  Staate  eine  ganz  gewaltige ­
  geworden,  während  dagegen  bei  dem  schlechten  Geschäftsgang
die  Abzahlungen  immer  geringer  wurden.
III.  Die  Zeit  nacli  1881.
a)  Die  Verstaatlichungsperiode,  Zuriickdrängung  privater  Unternehmungen.
Nur  eine  einzige  Bahn,  die  schmalspurige  unbedeutende,  1871  eröffnete,
  57  W  lange  Liwnybahn  (Werchowje—Liwny,  Gouv.  Orel)  hatte
der  Staat  nicht  den  Gesellschaften  ausgeliefert,  als  mit  dem  Jahre  1881
sich  der  Umschwung  der  staatlichen  Stellungnahme  anbahnt.  Das
denkwürdige  Manifest  des  Zaren  Alexander  II.  vom  6.  Februar  1881
weist  auf  die  Kalamität  der  Privatbahngesellschaften  hin,  auf  die  Tatsache, ­
  daß  nur  fünf  oder  sechs  Gesellschaften  ihren  Aktionären  Zinsen
zahlen,  ohne  die  von  der  Regierung  übernommene  Garantie  in  Anspruch
nehmen  zu  müssen,  während  die  große  Mehrzahl  fortgesetzt  die  kaiserliche ­
  Kasse  durch  die  Inanspruchnahme  von  Zahlungen  auf  die  vom
Staat  übernommene  Zinsgarantie  belastet.  Vielen  Gesellschaften  fehlten
selbst  die  Mittel  für  die  Befriedigung  der  laufenden  Bedürfnisse  des
Betriebes.  So  rechtfertigt  der  Staat  den  Bau  und  die  Betriebsübernahme
neuer  Bahnen.  Man  denke  aber  nicht,  daß  der  Staat  sich  jetzt  etwa
von  vomeherein  von  militärpolitischen  Gründen  hätte  leiten  lassen.
An  erster  Stelle  stand  zunächst  noch  der  wirtschaftliche  Gesichtspunkt.
Bezeichnend  ist  es,  daß  die  beiden  ersten  Bahnen,  die  der  Staat  in  der
neuen  Ära  für  eigene  Verwaltung  baut,  rein  wirtschaftlichen  Gesichtspunkten ­
  ihre  Entstehung  verdanken.  Die  kurze  Baskuntschakbahn,  die
*■)  Die  Orenburger  Bahngesellschaft  erhielt  noch  1885  aus  dem  Bestand
der  Krone  Rollmaterial.
2 )  AEW  5  (1882)  S.  148,  Matthesius,  Russische  Eisenbahnpolitik  (1881
bis  1903),  AEW  28  (1905)  S.  361.
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        13

bereits  1882  eröffnet  wurde,  verband  den  Salzsee  von  Baskuntschak
mit  dem  Wolgahafen  Wladimirowka.  Und  die  Kriwoi  Rogbahn  (1884
beendet)  war  ein  hervorragendes  wirtschaftliches  Unternehmen,  da  es
das  Eisenerzgebiet  mit  Jekaterinoslaw  und  über  den  Dnjepr  mit  Nischnednjeprowsk*)
  sowie  in  der  entgegengesetzten  Richtung  mit  Dolinskaja
an  der  Nikolajewer  Bahn  verband.  Diese  Kriwoi  Rogbahn  wurde  die
Stammlinie  des  staatlichen  Jekaterinennetzes.  Ihr  folgte  bald  darauf
die  Linie  Sinelnikowo—Jasinowataja.  Die  Jekaterinenbahnen,  die  in
enger  Verbindung  mit  den  dem  Pontus  benachbarten  Hüttenwerken
und  den  Donezkohlenbergwerken  standen,  wurden  eine  der  bestrentierenden ­
  Eisenbahnuntemehmungen  Rußlands.  Zugleich  schritt  der  Staat
zur  Anlage  der  ersten  Bahn  in  Sibirien,  die  im  Anschluß  an  die  1878
vollendete  private  Uralgebirgsbahn  Perm—Niscbni  Tagil—Jekaterinburg ­
  nach  Tjumen  geführt  wurde.
•  Mit  dem  Bau  dieser  Bahnen  war  die  dritte  Periode  der  russischen
Eisenbahngeschichte,  die  der  staatlichen  Aktion  und  des  Zurücktretens
der  Privatbahnen,  eingeleitet.  Einen  beredten  Ausdrück  fand  das
staatliche  Vorgehen  in  der  Verstaatlichung  privater  Bahnen.  Zunächst
treten  freilich  auch  hier  politische  Motive  noch  zurück.  Es  sind  in
erster  Linie  notleidende  Bahnen,  die  einen  geordneten  Betrieb  nur
unter  größten  Schwierigkeiten  aufrecht  halten  konnten  und  daher  vom
Staat  übernommen  wurden.  Als  erste  Bahn  wurde  am  27.  März  1881  die
1868  gegründete  Charkow-Nikolajewer  Bahngesellschaft  verstaatlicht 2 ).
Ihr  folgte  am  5.  Januar  1883  die  Linie  Tambow—  Saratow,  1885  die
Muromer  Bahn,  ein  kümmerliches  Unternehmen,  das  als  Privatbahnuntemehmen
  fast  totgeboren  war  (1880)  und  das  seiner  ganzen  Bestimmung ­
  nach,  Murom  an  der  Oka  mit  Kowrow  (an  der.Nischni  Nowgoroder
  Bahn)  zu  verbinden,  nur  eine  sehr  bescheidene  Aufgabe  erfüllen
konnte,  ferner  die  Putilowbahnen  in  St.  Petersburg.
Trotzdem  somit  den  Privatgesellschaften  die  Alleinherrschaft  genommen ­
  war,  entstanden  auch  in  den  achtziger  Jahren  mit  dem  Auftreten ­
  eines  frischeren  Zuges  im  russischen  Verkehrswesen  neue  Gesellschaften. ­
  Absolut  nimmt  sogar  zunächst  noch  die  Zahl  der  Gesellschaften ­
  zu;  1869  gab  es  in  Rußland  40  Gesellschaften,  von  denen  13  in
St.  Petersburg,  9  in  Moskau,  4  in  Warschau  und  3  in  Riga  ihren  Sitz
hatten,  1880:  46  und  1884:  48.  Zu  Beginn  der  achtziger  Jahre  waren
die  Südwestbahnen  die  größte  Gesellschaft  mit  2300  W,  ihnen  folgte
auf  dem  Euße  die  Große  Russische  Eisenbahngesellschaft  mit  2226  W,
allerdings  einschließlich  der  gepachteten  Linien.  An  dritter  und  vierter
')  Die  kurze  Strecke  von  Sinelnikowo  an  der  Losowaja-Sewastöpoler  Bahn
nach  Nischnednjeprowsk  war  bereits  1873  fertiggestellt.
2 )  Gleichzeitig  mit  der  Hauptstrecke  der  Gesellschaft,  Charkow—Snamenka—
Nikolajew,  wurden  auch  die  beiden  Linien  Snamenka—Jelissawetgrad  und  Merefa—
Ljubotin—Woroshba  (1878  eröffnet),  verstaatlicht.
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        14

Stelle  standen  die  Libau-Romnyer  und  die  Moskau-Brester  Bahn  mit
1191  und  1028  W,  die  sich  allerdings  mit  dem  Betrieb  je  einer  Linie
begnügten,  ebenso  wie  die  Koslow-Woronesh-Rostower  Bahn  (780  W),
die  Kursk-Charkow-Asower  (736  W)  und  die  Losowaja-Sewastopoler
Gesellschaft  (644  W),  nicht  aber  die  Uralgebirgsbahngesellschaft  (685  W)
und  die  Bahn  Rjashsk—Wjasma  (642  W) 1 ).  Die  Grjasi-Zarizynbahn
betrieb  601  W,  die  Baltischen  Bahnen  568,  Morschansk—Sysran  530,
Moskau—Kursk  512,  die  Weichselbahnen  und  die  Orenburger  Gesellschaft
je  507,  Orel—Witebsk  488,  Moskau—Jaroslawl  454,  Kursk—Kiew  439,
Warschau—Wien  325,  Orel—Grjasi  290,  Fastow  282,  Rybinsk—Bologoje
280,  Dünaburg  (Dwinsk)—Witebsk  248,  Moskau—Rjäsan  243,  Riga—
Dünaburg  215,  Rjäsan—Koslow  198,  die  Terespoler  Gesellschaft  192,
Schuja—Iwanowo  172,  Warschau—Bromberg  138 1  2 ),  Rjashsk—Morschansk ­
  132,  Tambow—Koslow  68  und  die  Lodser  Fabrikbahn  nur  26  W 3 ).
Hier  sind  nur  die  größeren  und  einige  der  wichtigeren  kleinen  Gesellschaften ­
  aufgezählt.  Zu  wirklich  großen  Gesellschaften  war  es  somit,
nur  in  ein  paar  Fällen  gekommen;  Vereinigungen  waren  selten  gelungen.
So  hatte  sich  neben  dem  großen  Süd  westkonzern  im  Süd  osten  die  85  W
lange  Konstantinowkabahn  (Konstantinowka—Jelenowka  im  Donezgebiet,
  eröffnet  1872)  mit  den  Donezbahnen  vereinigt.  Andererseits  ist
z.  B.  bemerkenswert,  daß  sich  in  die  940  W  lange  Riga-Oreler  Bahn,
die  man  gern  analog  der  Libau-Romnyer  Bahn  als  eine  großzügige
Einheitsstrecke  von  den  baltischen  Gestaden  ins  südliche  Großrußland
hinstellt,  stets  drei  Gesellschaften  teilten,  und  daß  erst  die  Verstaatlichung ­
  eine  wirklich  einheitliche  Strecke  schuf.  Waren  am  1.  Januar
1881,  von  Finnland  abgesehen,  von  22  532  km  nur  61km  in  staatlicher
Verwaltung 4 ),  so  am  gleichen  Tage  1885  von  26  230  km  (24  582  W)
2612  km  (2448  W).  Der  Anteil  des  Staates  war  also  bereits  auf  fast  10°/„
des  Gesamteisenbahnnetzes  gewachsen.  In  diesen  Jahren  waren  auch
die  ersten  Bahnen  entstanden,  deren  Bau  nicht  nur  mit  strategischen
Gründen  gerechtfertigt  wurde,  sondern  deren  große  militärpolitische
Bedeutung  auch  heute  noch  offensichtlich  ist.  Es  ist  das  weitausgedehnte ­
  sumpfige  Waldland,  die  verkehrsarme  Poljesje  (Provinzen
Minsk,  Wolynien,  Grodno),  die  in  westöstlicher  (Polen  —  südliches  Groß1 ­

 )  Die  Hauptlinie  dieser  Gesellschaft,  die  von  Rjashsk  über  Tula  und  Kaluga
nach  Wjasma  führt,  wurde  in  Teilabschnitten  von  1870—74  gebaut.  Sie  kürzt
mit  der  Umgehung  Moskaus  den  Weg  von  der  mittleren  Wolga  zum  Westen  ab.
2 )  Ihr  gehörte  neben  der  Hauptbahn  Lowitsch—Alexandrowo  die  nur  7  W
lange  Zweigbahn  von  Alexandrowo  zum  Badeort  Zjechozinsk  an  der  Weichsel
(1867  eröffnet).
3 )  Die  1866  eröffnete  Lodser  Fabrikbahn  verbindet  die  Industriestadt  Lods
mit  Koljuschki  an  der  Warschau-Wiener  Bahn  und  ist  begreiflicherweise  in  mitteleuropäischer ­
  Spurweite  gebaut  worden.
4 )  Finnland  besaß  zu  dieser  Zeit  871  km  Eisenbahnen,  von  denen  nur  33  km
auf  Privatbahnen  entfielen.
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        15

rußland)  und  in  nordsüdlicher  Richtung  (baltische  Länder,  Litauen  —
'südwestliches  Rußland)  vollkommen  bahnlos  war  und  deshalb  erschlossen
werden  mußte.  Es  ist  begreiflich,  daß  das  Privatkapital  in  diesen  unwirtlichen ­
  Sumpf-  und  Waldgegenden,  deren  Entwässerung  erst  seit
1873  einsetzte  und  die  einer  stärkeren  Besiedlung  bisher  kaum  eröffnet
waren,  nichts  wagen  wollte.  Hier,  in  dem  alten  polnischen  Grenzland
wurden  vom  Militärfiskus  mehrere  Strecken  angelegt  und  bald  nach  der
Fertigstellung  der  Reichseisen  bahn  Verwaltung  überwiesen.  So  übernahm ­
  diese  1883  die  1882  gebaute  Strecke  (Brest—)  Shabhika—Pin.  k,
die  1885  nach  Luninez,  1886  nach  Hornel  und  1887  außerhalb  der  Poljesje
nach  Brjansk  durchgeführt  wurde,  wo  sie  Anschluß  an  die  Riga-Oreler
Linie  fand 1 ).  Ohne  Zweifel  eine  Linie,  die  auch  wirtschaftlich  nicht
ohne  Bedeutung  war,  immerhin  zurückstand  gegenüber  der  die  Poljesje
von  Norden  nach  Süden  durchquerenden,  1885  eröffneten  Strecke
Wilna—Baranowitschi—Rowno,  welche  die  West-Ostbahn  in  Luninez
schneidet.  Diese  wenigen,  meist  hochgedämmten  Bahnen  erforderten
ungeheure  Opfer 2 ).  Weit  weniger  wichtig  war  die  1886  eröffnete  Strecke
Baranowitschi—Bjelostok,  deren  militärischer  Hauptzweck  klar  ist.
Der  Staat  hatte  sich  so  im  Rücken  des  vorderen  Kriegsschauplatzes  ein
ausgedehnteres  Bahnnetz  von  1408  W  geschaffen.  Strategische  Bedeutung ­
  haben  auch  einige  kurze  Bahnen  in  Polen,  die  in  diesen  Jahren
vom  Staat  vollendet  wurden,  Brest—Cholm,  wichtig  für  den  Aufmarsch
nach  Österreich,  Sjedlez—Malkin  für  den  nach  Preußen.  Die  Bahnen
wurden  übrigens  1889  der  privaten  Warschau-Terespoler  Bahngesellschaft
zur  Verwaltung  überwiesen.
Der  Bau  der  Polj  es  jebahnen  bedeutet  ein  flottes  Voranschreiten
der  staatlichen  Aktion.  Allenthalben  lagen  die  staatlichen  oder  verstaatlichten ­
  Bahnen  weit  zerstreut  im  Reich.  Hier  im  Njemen-Weichsel-Dnjeprgebiet
  konnte  man  erstmalig  von  einem  systematischen  Vorgehen
des  Staates  im  Ausbau  seines  Bahnnetzes  sprechen.
Auch  die  Verstaatlichung  der  Uralischen  Bergwerks  bahnen  im  Jahre
1887,  die  ohne  jeden  Zusammenhang  mit  den  übrigen  Bahnen  im  mittleren
Ural  (1878)  entstanden  waren,  und  ihre  Vereinigung  mit  der  1885  fertiggestellten ­
  Bahn  Jekaterinburg—Tjumen,  hatte  sicherlich  rficht  nur
wirtschaftliche  Gründe.  Galt  doch  Perm  noch  bis  in  die  achtziger  Jahre
hinein  als  der  Stützpunkt  aller  auf  die  Erschließung  Sibiriens  und  des
äußersten  Ostens  hinzielenden  Verkehrsbestrebungen.  Erst  die  Verordnung ­
  der  Linienführung  (Samara—)  Kinel—Ufa  am  6.  Januar  1885

*)  Die  Militärverwaltung  baute  auch  die  kurze  Strecke  von  Kiwerzy  (an  der
Rowno—Kasatiner  Bahn)  zur  Festung  Luzk,  die  aber  ebenfalls  1892  den  Staatsbahnen ­
  übergeben  wurde.
2 )  Stefan  Rudnycky  (Lemberg)  sagt  geradezu,  daß  sie  auf  den  Gebeinen
der  weißrussischen  Eisenbahnarbeiter  aufgebaut  seien.
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        16

ließ  die  Wolga—Kamaprojekte  zurücktreten 1 ).  Gleichzeitig  mit  der
Vollendung  der  ersten  Teilstrecke  der  neuen  sibirischen  Bahnlinie,  Kinel—'
Buguruslan—Ufa  (1888),  wurden  auch  die  Gesellschaften  Wjasma—
Rjashsk,  Rjashsk—Morschansk  und  Morschansk—Sysran  verstaatlicht,
deren  Linien  im  Jahre  1890  von  der  Staatsbahnverwaltung  Wjasma—
Sysran  einheitlich  zusammengefaßt  wurden *  2 ).  12  Jahre  nach  der
Vollendung  der  Orenburger  Bahn  kam  also  die  Strecke  Rjashsk—Kinel
einem  größeren  Verkehr  zugute.  1890  wurde  die  schwierigste  Strecke
der  russisch-sibirischen  Bahn  in  Europa,  die  zum  Ural  führende  Anstiegstrecke ­
  Ufa—Slatoüst,  vollendet.  1892  wurde  Tscheljabinsk,  1893
Kurgan,  die  erste  Stadt  in  Sibirien,  erreicht.  Mit  Plansicherheit  und
Tatkraft  war  der  Staat  an  seine  Aufgabe  herangetreten  und  hatte  innerhalb ­
  10  Jahre  neben  kleineren  Arbeiten  in  zwei  verschiedenen,  bisher
vernachlässigten  Landschaften  tüchtige  Aufgaben  gelöst.  Im  europäischen ­
  Osten  stand  ihm  1892  eine,  allerdings  in  Zentralrußland  beginnende,
2342  W  lange  Strecke  —  von  Wjasma  bis  kurz  vor  Syrjanka  an  der
politischen  Grenze  nach  Sibirien  —  zur  Verfügung.  Des  Staates  und
der  Privatgesellschaften  Tätigkeit  hatte  bewirkt,  daß  1890  von  den  60
russischen  (und  polnischen)  Provinzhauptstädten  45  eine  Bahn  hatten,
15  aber  noch  ohne  Eisenbahn  waren,  darunter  Kasan,  Astrachan  und
vier  polnische  Städte.
Auch  die  finnischen  Staatsbahnen  dehnten  sich  in  dieser  Zeit  rüstig
nordwärts  aus.  Bereits  1876  war  die  alte  finnische  Hauptstadt,  Äbo,
und  die  größte  finnische  Industriestadt,  Tammerfors,  von  den  Bahnen
erreicht.  1882  war  über  die  Binnenstadt  Tammerfors  und  Seinajöki
hinaus  der  alte  schwedische  Hafen  Vasa,  das  neurussische  Nikolaistad,
in  bedeutsamer  Lage  an  der  schmälsten  Breite  des  Bottnischen  Meerbusens ­
  —  jenseits  des  Meeres  war  man  noch  nicht  soweit  nordwärts
vorgedrungen  —  der  Bahn  angeschlossen,  und  1886  hatte  die  rührige  finnische ­
  Staatsbahnverwaltung  von  Seinajöki  aus  die  nördlichste  Provinzhauptstadt ­
  des  ganzen  russischen  Reiches,  Uleäborg,  angebahnt.  1889
wurde  das  mittlere  Seengebiet  durch  die  fast  300  km  lange  Strecke
Kuovola—St.  Michel—Kuopio  erschlossen 3 ).
Demgegenüber  geschah  von  privater  Seite  zunächst  noch  wenig.
Von  einer  Gesundung  des  Privat  bahn  wesens  konnte  man  vorerst  noch
nicht  sprechen.  Vielmehr  glaubte  der  Staat,  seinen  Einfluß  auf  die  inneren
Verhältnisse  der  Bahnen  ausdehnen  zu  müssen.  Im  Jahre  1885  wurde
eine  staatliche  Revisionsbehörde  der  Privatbahnen  eingerichtet,  der

6  Vgl.  unten  S.  45.
2 )  Im  Jahre  1888  vollendete  der  Staat  die  Bahn  Rshew—Wjasma,  die  südliche ­
  Portsetzung  der  von  Lichoslawl  (an  der  Nikolaibahn)  1870  bis  Torshok  und
1874  (bis  Rshew)  beendeten,  der  Nowotorshokgesellschaft  gehörenden  Linie.
3 )  Kuopio  erhielt  als  letzte  der  8  finnischen  Provinzhauptstädte  eine  Eisenbahn. ­
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        17

über  die  Einnahmen  und  Ausgaben  Rechenschaft  gegeben  werden  mußte.
Sie  war  zunächst  als  Aufsichtsinstanz  über  die  Geschäftsführung  und
Finanzgebarung  der  Baltischen  Bahnen,  der  Losowaja-Sewastopoler  und
der  Moskau-Brester  Gesellschaft  zuständig 1 ).  Einigen  Gesellschaften,
so  den  Weichselbahnen,  wurde  in  den  achtziger  Jahren  ein  vom  Minister
der  Verkehrsanstalten  ernannter  Direktor  und  ein  Beamter,  der  vom
Finanzminister  bestimmt  wurde,  beigegeben.  Das  allgemeine  russische
Eisenbahngesetz  vom  12.  Juni  1885,  als  dessen  Folge  ein  Eisenbahnrat,
zu  dem  auch  die.  Privatbahnen  Vertreter  stellten,  geschaffen  wurde,
sollte  die  gemeinsame  Grundlage  für  die  staats-  und  privatrechtlichen
Verhältnisse  der  Eisenbahnen  sein  und  die  notwendige  Regelung  der
gegenseitigen  Beziehungen  herbeiführen.
Immerhin  blieb  auch  jetzt  noch  mancher  Ubelstand  im  Privateisenbahnwesen ­
  bestehen.  Der  Vorgang,  daß  zum  Bau  neuer  Linien
begründete  Gesellschaften  zwar  die  höchste  Genehmigung  erhielten,
später  aber,  da  die  nötigen  Kapitalien  nicht  zusammenkamen,  ihrer
Konzession  verlustig  gingen,  wiederholte  sich  noch  mehrere  Male.  So
erhielt  am  6.  Juni  1888  eine  Gesellschaft  die  Konzession  zum  Bau  einer
Bahn  von  der  Wolga  nach  Uralsk,  und  im  folgenden  Jahre,  als  der  Erlaß
wieder  zurückgezogen  wurde,  glaubte  man  schon  einem  Konsortium  die
Genehmigung  zur  Anlage  einer  Linie  von  Ostrowska  (an  der  Linie  Jekaterinburg—Tjumen) ­
  nach  Schadrijrsk  erteilen  zu  können.  1891  wurden
die  privaten  Baulinien  Odessa—-Ovidiopol  und  Orenburg—Iletzk  genehmigt. ­
  Keine  dieser  Linien  kam  in  dieser  Form  zum  Ausbau.  Der
Erlaß  über  die  Schadrinsker  und  die  Ovidiopoler  Linie  wurde  1894
förmlich  außer  Kraft  gesetzt *  2 ).  Auch  die  Bauten  der  bereits  bestehenden
Gesellschaften  waren  in  den  achtziger  Jahren  unbedeutend,  da  man
allenthalben  noch  sehr  viel  mit  der  Besserung  der  inneren  Verhältnisse
zu  tun  hatte.  Die  Südwestbahnen  beschränkten  sich  auf  den  Bau  der
Umanschen  Zweigbahnen,  die  den  dichtbevölkerten  Süden  des  Gouvernements ­
  Kiew  erschließen  sollten,  bewirkten  aber  auch  noch  vor  ihrer
Verstaatlichung  eine  doppelte  Verbindung  ihrer  Hauptlinie 3 )  mit  Okniza
in  Bessarabien  und  deren  Durchführung  bis  Nowoselizy  an  der  österreichischen ­
  Grenze  (1893),  womit  sie  den  sechsten  Grenzanschluß  in
ihren  Händen  hatten 4 ).  Die  Rjäsan-Koslower  Bahngesellschaft,  die  sich
bisher  auf  den  Betrieb  ihrer  einzigen  kurzen,  übrigens  gut  gehenden
Hauptstrecke  beschränkt  hatte,  nahm  den  Bau  von  Nebenbahnen  um
Ranenburg  in  Angriff.  Alle  diese  Arbeiten  zogen  sich  bis  in  den  Beginn
der  neunziger  Jahre  hin,  mit  denen  eine  Periode  nie  dagewesener  Baux

 )  AEW  8  (1885)  S.  354,  Matthesius,  AEW  29  (1906;  S.  705  ff.
2 )  Auch  der  1899  genehmigte  Bau  Odessa—Akkerman  kam  nicht  zustande.
3 )  Shmerinka—Okniza  (1891)  und  Slobodka—Okniza  (1891  —  1894).
4 )  Von  den  10  Grenzanschlüssen  besaßen  die  Südwestbahnen  1893  6.
2

TucKermann,  Verkehrsgeographie.
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        18  —

tätigkeit  beginnt.  In  diesen  Jahren  bahnt  sich  auch  eine  Besserung
der  wirtschaftlichen  Verhältnisse  der  Privatbahnen  an.
Die  Verstaatlichungsaktion  nimmt  zunächst  ihren  Fortgang.  Das
Jahrzehnt  von  1890  bis  1900  ist  die  wichtigste  Verstaatlichungsperiode
der  russischen  Eisenbahngeschichte.  Eine  Reihe  bedeutender  Gesellschaften ­
  werden  in  diesen  Jahren  verstaatlicht.  Die  Periode  leitet  ein
die  Bahn  Koslow—Tambow  1890,  der  1891  Libau—Romny  folgt 1 ),  1892
Kursk—Charkow—Asow,  Orel—Grjasi  und  Warschau—Terespol,  womit
auch  die  Bahnen  Brest—Cholm  und  Sjedlez—Malkin  an  den  Staat
zurückfielen 2 ).  1893  werden  verstaatlicht  Moskau—Kursk,  die  Orenburger
  Gesellschaft,  die  Baltischen  und  die  Donezbahnen 3 ),  1894  die
Große  Russische  Eisenbahngesellschaft,  mit  der  der  Staat  noch  im  Jahre
1891  den  Vertrag  erneuert  hatte,  Orel—Witebsk,  Dünaburg—Witebsk,
Riga-Dünaburg 4 ),  Riga—Bolderaa 5 ),  die  Mitauer  Eisenbahngesellschaft,
Riga—Tukkum,  Nowotorshok 6 ),  Losowaja—Sewastopol,  1895  die  Nowgorodbahn ­
 7 ),  die  Borowitschibahn 8 )  und  die  große,  über  3000  W  umfassende
Südwesteisenbahngesellschaft.  Ein  ausgedehntes  Bahnnetz  war  somit
in  die  Hände  des  Staates  erkauft  worden.  Mögen  in  den  ersten  Jahren,
in  denen  auch  Gesellschaften  des  Ostens  Staatseigentum  wurden,  die
politischen  Motive  noch  zurückgestanden  haben,  so  werden  diese  seit
etwa  1892/93  in  den  meisten  Fällen  ausschlaggebend  gewesen  sein.
Das  Verhältnis  zu  Preußen-Deutschland,  das  seit  1878  nicht  mehr  ungetrübt ­
  war,  war  auch  in  der  Folgezeit  noch  recht  gespannt  und  blieb  es
ebenso  in  den  Jahren,  die  der  großen  Verstaatlichungsaktion  vorausgingen. ­
  Wie  wichtig  mußten  da  in  den  Händen  des  Staates  Strecken
wie  Warschau—Terespol  (—Brest),  die  Baltischen  Bahnen  und  die
sonstigen  in  den  Grenzprovinzen  befindlichen  Linien  sein.  Die  namentlich ­
  hier  in  Betracht  kommende  Strecke  St.  Petersburg—Warschau  und
die  Linie  St.  Petersburg—Moskau  stellten  obendrein  die  Verbindungen
zwischen  den  einzelnen  Systemen  der  Staatsbahnen  her.  Wie  bedeutsam
x )  Der  Verstaatlichung  der  Libau-Romnyer  Eisenbahn  hatte  der  Staat  durch
die  Anlage  der  Strecke  Romny—Krementschug  (1888  eröffnet)  vorgearbeitet.
Sie  fand  in  Krementschug,  dem  wichtigen  Dnjeprübergang,  Anschluß  an  die  verstaatlichte ­
  Charkow-Nikolajewer  Bahn.
2 )  Vgl.  oben  S.  15.
3 )  Die  Donezbahnen  wurden  den  staatlichen  Jekaterinenbahnen  zugeteilt.
4 )  Die  Riga-Dünaburger  Gesellschaft  betrieb  auch  die  kurze,  1872  eröffnete
Strecke  Riga—Mühlgraben.  Dünaburg  erhielt  1893  den  offiziellen  Namen  Dwinsk.
5 )  Die  Gesellschaft  Riga-Bolderaa  beschränkte  sich  auf  den  Betrieb  der  nur
17  W  langen  Strecke  Riga—Bolderaa—Hafendamm  und  war  wohl  die  kleinste
der  russischen  Eisenbahngesellschaften.
6 )  Vgl.  oben  S.  16,  Anm.  2.
7 )  Die  schmalspurige  Nowgorodbahn  (Tschudowo—Nowgorod)  wurde  1871
eröffnet,  1878  wurde  sie  bis  Staraja  Russa  durchgeführt.
8 )  Die  1877  eröffnete  Borowitschibahn  verbindet  die  Stadt  Borowitschi  mit
Uglowka  an  der  Nikolaibahn  (29  W).
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        19

2*

gerade  für  den  Staat  die  Erwerbung  der  Gesellschaften  des  Westens
war  und  wie  sehr  während  der  Verstaatlichungsbewegung  strategische
Motive  für  ihn  ausschlaggebend  wurden,  beweist  auch  die  Tatsache,
daß  er  'noch  während  der  Aktion  einige  wichtige  Gesellschaften  des
Ostens  mit  gut  gehenden  Abschlüssen  wieder  aus  der  Hand  gab.  Die
politische  oder  militärische  Bewertung  der  einzelnen  Bahnen  wurde  anscheinend ­
  erst  im  Laufe  der  Bewegung  geprüft.  Diese  hatten  in  hohem
Maße  die  Moskau-Brester  Bahn,  deren  verhältnismäßig  späte  Verstaatlichung ­
  (1896)  auffallend  bemerkt  wurde,  ferner  die  Weichselbahnen ­
 1 )  und  die  für  den  Verkehr  von  der  Weichsel  nach  Nikolajew
wichtige  Fastower  Bahn,  die  beide  1897  verstaatlicht  wurden,  und
namentlich  wieder  die  polnische,  1884  eröffnete  Iwangorod—Dombrowabahn,
  die  für  einen  direkten  Verkehr  von  Petersburg  zur  österreichischen
Grenze  wichtig  ist  und  im  Jahre  1900  in  den  Besitz  des  Fiskus  überging.
Hiermit  schloß  die  Reihe  der  überwiegend  politisch  zu  bewertenden
Verstaatlichungen  ab.  Freilich  waren  nicht  alle  Bahnen  für  den  Besitz
des  Staates  wertvoll.  Die  kleine  Borowitschieisenbahn  war  zahlungsunfähig ­
  und  die  nicht  viel  größere  Riga-Tukkumer  Gesellschaft  1895
in  Konkurs  geraten  und  sollte  meistbietend  verkauft  werden.  Der  Staat
legte  aber  Verwahrung  gegen  die  Aushändigung  an  den  Meistbietenden
ein,  kaufte  sie  und  verband  sie  mit  seiner  neu  organisierten  Riga-Oreler
Linie:  beides  übrigens  Beispiele,  wie  wenig  es  den  kleinen  Gesellschaften
gelungen  war,  zu  geordneten  Verhältnissen  zu  kommen.  Am  1.  Januar
1891  waren  von  29  060  km  (27  238  W)  8543  km  (8007  W),  somit  29,4%
staatlich,  am  1.  Januar  1896,  mit  dem  Abschluß  des  für  die  staatliche
Eisenbahnpolitik  besonders  wichtigen  Jahrfünft,  von  35  322  km  (33105  W)
21  765  km  (20  403  W),  somit  61,6%  und  am  1.  Jan.  1901  von  53  357  km
(50  007  W)  36  360  km  (34  078  W),  also  68,2%  In  dem  ungefähren
Verhältnis  von  2  zu  1  hat  sich  seitdem  der  Umfang  der  staatlichen  Bahnen
zu  dem  der  privatwirtschaftlichen  gehalten.
Der  Staat  war  aber  auch  selbst  in  diesem  Zeitraum  schöpferisch  tätig.
So  entstand  die  wirtschaftlich,  aber  auch  politisch  notwendige  Linie
Pskow—Walk—Riga,  wodurch  der  große  Umweg  von  der  Newa  über
Dünaburg  nach  Riga  beseitigt  wurde.  Im  Polnischen  schuf  der  Staat
weitere  wichtige  Anschlüsse  zu  Festungsplätzen.  Die  starke  Narewfestung
  Ostrolenka  wurde  besonders  bevorzugt.  1893  erhielt  sie  Bahnen
von  Lapy  und  von  Malkin  an  der  Warschau-Petersburger  Linie,  1897
eine  solche  von  Piljawa  über  Nowo  Minsk  und  Tschluschtsch,  wodurch
die  Plätze  Iwangorod  und  Ostrolenka  in  kürzeste  Verbindung  traten.
Die  Bahn  Lukow—Lublin  (1898  eröffnet)  verband  Ostrolenka  mit  dem

9  Die  Weichselbahnen  hatten  außer  der  Hauptlinie  Mlawa—Warschau—
Iwangorod—Kowel  (1877  eröffnet,  vgl.  S.  56)  noch  die  Verbindung  sstrecke  Iwangorod—Lukow ­
  gebaut.
        <pb n="25" />
        20

österreichischen  Grenzgebiet.  Die  Bahn  Grodno—  Suwalki—Orany  hatte
auch  wirtschaftliche  Bedeutung,  berücksichtigte  aber  auch  den  Stützpunkt ­
  Olita  am  Njemeja.  Überwiegend  strategischen  Gründen  verdanken
auch  die  kleinen  Bahnen  in  Wolynien  um  den  Festungs-  und  Bahnmittelpunkt ­
  Rowno  ihre  Entstehung,  •  namentlich  die  von  der  Militärverwaltung ­
  gebaute  Strecke  von  Kiwerzy  nach  dem  befestigten  Luzk,
weniger  die  Linie  von  der  Festung  Dubno  nach  Kremenez  (1896).
b)  Der  Staat  zieht  zur  Mitarbeit  seit  den  neunziger  Jahren  die  Privatindustrie ­
  wieder  stärker  heran  und  begünstigt  die  Bildung  namentlich
großer  Privatgesellschaften.
Wenn  man  auch  unter  Alexander  III.  und  nach  ihm  unter  Nikolaus  11.
den  Wert  der  westlichen  Bahnen  für  den  Staat  erkannte,  so  würde
man  die  Eisenbahnpolitik  falsch  charakterisieren,  wenn  man  sie  grundsätzlich ­
  privat  bahnfeind  lieh  nennen  würde.  Sie  nahm  sogar  namentlich
seit  den  neunziger  Jahren  in  gewissem  Maße  den  Privatbahnen  gegenüber
eine  freundliche  Stellung  ein:  gelang  ihr  doch  die  Konsolidierung  und
die  Zusammenfassung  des'  chaotischen  Durcheinanders  nach  westeuropäischen ­
  Prinzipien,  deren  die  russischen  Privatbahnen  in  hohem
Grade  bedurften.  Ein  Vorbild  hatte  der  Staat  in  der  Warschau-Wiener
Bahn,  die  1890,  nachdem  ein  Versuch  1885  mißlungen  war,  die  Warschau-Bromberger
  Bahn  ankaufte.  Die  dritte  Periode  der  russischen  Eisenbahngeschichte ­
  wird  also  dadurch  gekennzeichnet,  daß  neben  der  Vorherrschaft ­
  des  Staates  die  Mitarbeit  der  Privatgesellschaften  bestehen
bleibt.  Indem  der  Fiskus  sich  im  wesentlichen  als  Arbeitsfeld  den
Westen  vorbehält,  beschränkt  er  in  der  Hauptsache  den  Wirkungskreis
der  Privat  bahnen  auf  den  Osten.
Es  ist  die  gut  gehende  Moskau-Rjäsaner  Balm,  die,  indem  ihr  durch
den  Beschluß  vom  11.  Juni  1891  der  Bau  der  Bahn  Rjäsan—Kasan  übertragen ­
  wurde,  eine  auf  bau  ende  Periode  im  Privateisenbahnwesen  einleitet. ­
  Kasan,  das  schon  Gerstner  ln  sein  Liniennetz  einbeziehen
wollte,  erhielt  somit  endlich  eine  Bahn.  Für  die  Anfangsstrecke  einer
sibirischen  Bahn  kam  freilich  diese  Linie  nicht  mehr  in  Frage.  Mit
großer  Geschwindigkeit  wurde  der  Bau  gefördert  und  über  Rusajewka,
Timirjasewo,  Alatyr  und  Swijashsk  mit  Ausnahme  des  Übergangs  über
die  Wolga  1893/94  zu  Ende  geführt.  Die  Gesellschaft  führt  seitdem
den  Namen  Moskau-Kasaner  Bahn.  Aber  nicht  nur  in  Swijashsk  erreichte
die  Kasaner  Bahngesellschaft  die  Wolga.  Durch  die  1898  fertiggestellten
Linien  Rusajewka—Insa—Sysran  und  Insa—Simbirsk  war  sie  weiter
für  die  Erschließung  des  sehr  vernachlässigten  mittleren  Wolgagebietes
tätig.  Ähnliche  Verdienste  hat  sich  ein  anderes  gutes  Unternehmen,
die  Rjäsan-Koslower  Gesellschaft,  für  die  südwärts  angrenzenden  Gebiete
erworben.  Ihr  wurden  im  Januar  1892  die  einige  Jahre  vorher  ver ­
        <pb n="26" />
        21

staatlichten  Linien  Koslow-Tambow  und  Tambow—Saratow  zugewiesen ­
  zugleich  mit  dem  Auftrag,  eine  Anzahl  von  Bahnen  zu  bauen,
teilweise  jenseits  der  Wolga,  hier  mit  einer  Spurweite  von  nur  1  m.
Die  Gesellschaft  nimmt  den  Namen  Rjäsan-Uralsker  Eisenbahn  an,  den
sie  heute  noch  führt,  und  stellt  in  rascher  Aufeinanderfolge  eine  Reihe
von  Strecken  fertig,  denen  ihrer  ganzen  Lage  nach  kein  sehr  günstiger
Erfolg  beschieden  sein  konnte.  Gehören  doch  gerade  die  meisten  Strecken
der  Rjäsan-Uralsker  Bahn  heute  noch  zu  den  verkehrsarmsten  Linien
Rußlands,  immerhin  ein  rühmliches  Zeichen,  mit  welcher  Aufopferung
gerade  diese  Gesellschaft  sich  wirtschaftlich  schwacher  Gegenden  angenommen ­
  hat.  Sie  eröffnete  im  Jahre  1894  die  Linie  Tambow—Kamyschin
  und  erreichte  mit  ihr  einen  neuen  Zugang  zur  Wolga,  ähnlich  wie
mit  ihrer  1895  völlig  in  Betrieb  genommenen  Strecke  Atkarsk—Wolsk.
Bereits  1894  hatte  sie  auch  in  die  Verkehrswüste  jenseits  der  Wolga
eine  Bresche  gelegt  mit  der  Linie  Pokrowskaja  Sloboda  (gegenüber
Saratow)—Uralsk,  der  noch  eine  paar  unbedeutendere  Linien  folgten.
Zu  den  wenigen  großen  Linien,  die  nicht  verstaatlicht  wurden,
gehörten  die  Strecken  Grjasi—Zarjzyn  und  Koslow(—Grjasi)—Woronesh—Rostow.
  Erstere  gehörte  bei  ihrem  starken  Güterverkehr  zu
den  besseren  Unternehmungen.  Beide  Linien  wurden  im  Juni  1893  zu
der  Südostbahngesellschaft  vereinigt,  der  zugleich  auch  die  kurz  vorher
verstaatlichte  Strecke  Orel—Grjasi  in  Pacht  gegeben  wurde.  Als  erste
neue  Aufgabe  wurde  der  vergrößerten  Gesellschaft  die  Strecke  Charkow—
Balaschow,  eine  Querbahnlinie,  welche  die  verschiedenen  nach  dem
Süden  und  zur  Wolga  gerichteten  Strecken  miteinander  verband,  überwiesen ­
  (eröffnet  1895) x )  Gleichen  Zielen  diente  die  von  der  Rjäsan-Uralsker
  Gesellschaft  (1894—96)  gebaute  Strecke  (Balaschow—)  Tawolshanka—Pensa
  und  die  kurze  von  der  Kasaner  Bahn  (1895)  angelegte
Strecke  Pensa—Rusajewka.  Zu  diesen  Strecken  traten  noch  eine  Reihe
von  Bahnen,  die  das  mehr  im  Innern  des  Reiches  gelegene  Bahnnetz
erweiterten.  Die  Südostbahnen  verbinden  1897  Jelez  mit  Waluiki
an  der  Charkow-Balaschower  Bahn,  die  Rjäsan-Uralsker  Bahn  greift
sogar  mit  ihrer  Strecke  (Bogojawlensk—)  Dankow—Gorbatschewo—
Suchinitschi—Smolensk  (1899)  weit  über  ihr  eigentliches  Arbeitsfeld
hinaus  und  sucht  sogar  durch  eine  neue  eigene  von  Moskau  ausgehende
und  über  Kremlewo  nach  Ranenburg  (—Bogojawlensk)  führende  Linie
sich  möglichst  unabhängig  von  der  Kasaner  Bahn  zu  machen.  Es  ist
eine  anerkennenswerte  Leistung,  welche  die  drei  Wolgabahngesellschaften
namentlich  in  den  Jahren  von  1893  bis  1898  verrichteten.  In  diesem
kurzen  Zeitraum  gelang  es,  einem  nur  von  wenigen  Linien  durchzogenen,
im  nördlichen  Teil  sogar  verkehrslosen  Gebiet,  zukunftsreichen,  fruchtx
 )  Die  Donezstreeken  der  Südostbahn  wurden  1901  der  staatlichen  Jekaterinenbahn
  einverleibt,  wodurch  die  wirtschaftliche  Stärke  des  staatlichen  Bahnnetzes ­
  gehoben  wurde.
        <pb n="27" />
        22

baren  lind  größerer  Besiedlung  noch  sehr  zugänglichen  Provinzen,  im
wesentlichen  seinen  heutigen  Verkehrscharakter  zu  geben.  Auch  die
Rostow-Wladikawkaseisenbahn  —  Wladikawkasbahn  hieß  sie  seit  1884  —
erlebte  in  den  neunziger  Jahren  eine  größere  Ausdehnung.  Doch  liegen
ihre  Linien  zum  größten  Teil  außerhalb  der  politischen  Grenzen  des
europäischen  Rußland.  Durch  die  1899  und  1900  eröffneten,  weite
Steppengebiete  durchziehenden  Strecken  (Noworossijsk—)  Tichorjezkaja—Zarizyn
  und  Lichaja—Kriwomusginskaja  (—Zarizyn)  verbindet
sie  die  politischen  Küsten  mit  der  unteren  Wolga  und  durch  diese,  solange
noch  eine  Bahn  fehlt,  mit  Astrachan  und  dem  Kaspischen  Meere.
Aber  auch  außerhalb  der  östlichen  Provinzen  bemühte  sich  der
Staat,  leistungsfähige  Privatbahngesellsehaften  zu  schaffen.  Der  Kursk-Kiewer
  Gesellschaft,  der  der  Staat  auch  die  Liwnybahn  übertrug,  die
von  1893  bis  1895  an  die  Südostbahn  verpachtet  war,  war  der  Bau  der
Linie  Kursk—Woronesh  übertragen  worden,  worauf  sie  den  Namen
Kiew-Woronesh  annahm.  Von  Kursk  aus  wurde  1893  Kschen,  1894
Woronesh  erreicht.  Das  Ziel  der  Gesellschaft  ging  darauf  aus,  einen
selbständigen  Zugang  nach  Moskau  und  hiermit  bei  der  Ausschaltung
des  großen  Umweges  über  Kursk  eine  in  eigener  Regie  befindliche  abkürzende ­
  Linie  Moskau—Kiew  zu  erhalten.  Das  Hauptstück  dieser
Bahn,  Moskau—Brjansk,  wurde  1899  eröffnet.  Durch  diese  Erweiterung
nahm  die  Gesellschaft  die  Benennung  Moskau-Kiew-Woroneshbahn  an 1 ).
Im  übrigen  erschöpfte  sich  die  Tätigkeit  des  Unternehmens  in  der  Schaffung ­
  mehr  lokal  gerichteter  Linien.  So  erhielt  1893  die  Provinzhauptstadt ­
  Tschernigow  eine  Bahn.
War  schon  das  Liniennetz  der  Moskau-Kiew-Woroneshbahn  verhältnismäßig ­
  weit  nach  Westen  vorgeschoben,  so  noch  mehr  das  der  Rybinsk-Bologojer
  Bahn.  Ihr  wurde  im  Jahre  1895  die  kurz  vorher  verstaatlichte
Nowgorodbahn  übertragen,  gleichzeitig  mit  dem  Neubauplan  Bologoje—
Staraja  Russa—Pskow  (eröffnet  1897),  wodurch  eine  direkte  Verbindung
zwischen  Rybinsk  und  Riga  in  die  Wege  geleitet  wurde.  Die  Gesellschaft
nannte  sich  nunmehr  Rybinsker  Bahn.  Die  Moskau-Jaroslawler  Gesellschaft ­
  erhielt  1894  die  Genehmigung  zu  einem  Schmalspurlinienbau
(1,0667  m)  von  Wologda  nach  Archangelsk  und  hieß  fortan  Moskau-Jaroslawl-Archangelsker
  Bahn.  Sie  erwarb  1895  die  Schuja-Iwanowobahn
 2 ),  die  sie  mit  ihrer  1888  fertiggestellten  Linie  Jaroslawl—Kostroma
verband.  Gleichzeitig  mit  der  Eröffnung  der  Archangelsker  Linie  (1898),
die  seitdem  die  nördlichste  Eisenbahnlinie  des  eigentlichen  Rußland  geblieben ­
  ist,  wurden  die  Wolgastädte  Jaroslawl  und  Rybinsk  durch  einen
*)  Völlig  fertiggestellt  wurde  die  Linie  (Moskau—Brjansk—)Nawlja—Tereschtsohenskaja—Konotop
  (—Bachmatsch—Kiew)  erst  im  Jahre  1905.
2 )  Die  Stammlinie  der  Schuja-Iwanowobahn  ist  die  Linie  Nowki  (an  der
Nischni  Nowgoroder  Bahn)  —Schuja—Iwanowo  (1868  eröffnet),  die  1871  nach
Kineschma  an  der  Wolga  geführt  wurde.
        <pb n="28" />
        23

Schienenstrang  verbunden.  Die  neunziger  Jahre  bezeichnen  somit  eine
Periode  angespannter  Tätigkeit,  weniger  des  Staates  als  der  großen
Privatbahngesellschaften.  Der  Ausbau  des  Bahnnetzes  verdient  um  so
mehr  uneingeschränktes  Lob,  als  die  Bahnen  meist  in  verhältnismäßig
kurzer  Zeit  gebaut  waren,  wie  selten  zuvor  und  nachher.  Dazu  kommt
das  aufopferungsvolle  Verhalten  mancher  Gesellschaften,  die  mit  vielen
Bahnen  naturgemäß  keine  großen  Gewinne  einheimsen  konnten.  Man
hatte  zugleich  aber  auch  erkannt,  daß  für  manche  rein  landwirtschaftliche, ­
  an  größeren  Siedlungen  arme  Gegenden  sich  der  Bau  von  Schmalspurbahnen ­
  empfehle.  Das  Nebenbahngesetz  vom  8.  Juni  1892  ließ
auch  Kleinbahnen  mit  einer  Spur  bis  zu  0,6  m  zu.  Es  bildeten  sich  in
der  Folgezeit  Eisenbahngesellschaften,  die  sich  nur  mit  dem  Betrieb
von  Klein-  und  Zufuhrbahnen  abgaben.  Die  fast  rein  landwirtschaftlichen ­
  und  kaum  über  den  Durchschnitt  des  ganzen  europäischen  Reiches
bevölkerten  baltischen  Provinzen,  die  westliche  dichtbevölkerte,  jedoch
industriearme  Ukraine,  aber  auch  die  Industriebezirke  von  Petersburg,
Warschau  und  Lods  wurden  Mittelpunkte  dieser  Zufuhrbahnnetze.
Selbst  die  wolynische  Hauptstadt  Shitomir  mußte  sich  mit  einer  Schmalspurbahn ­
  begnügen 1 ).  In  den  baltischen  Provinzen  entstand  so  nachgerade ­
  ein  Netz  von  über  500  W  und  in  der  Ukraine  um  Shitomir,  Berclitschew,
  Gaiworon  und  Olwiopol  ein  solches  von  574  W.
Auch  im  neuen  Jahrhundert  hielt  zunächst  die  Bautätigkeit  noch  an.
Namentlich  der  Nordwesten,  der,  obwohl  er  zur  Nachbarschaft  der  Hauptstädte ­
  gehörte,  bis  zum  Jahre  1897  vernachlässigt  war,  wie  keine  andere
Gegend  in  Rußland,  erhielt  endlich  die  nötige  Auf  Schließung.  Vor  der
Eröffnung  der  Linie  Bologoje—Pskow  (1897)  war  das  weite  Gebiet
zwischen  St.  Petersburg—Dwinsk,  Dwinsk—Smolensk,  Smolensk—
Wjasma—Lichoslawl,  Lichoslawl—St.  Petersburg,  das  wohl  gegen
170000  qkm  umfaßt,  mit  Ausnahme  der  unbedeutenden  Nowgorodbahn
ohne  jede  Eisenbahn.  Hier  entstand  das  Arbeitsfeld  der  Rybinsker
Bahngesellschaft.  Nach  dem  Bau  ihrer  Ostwestlinie  (Rybinsk—)  Bologoje
—Pskow  kam  eine  weitere  große  Parallellinie  zuwege:  Moskau—Rshew—
Rjeshiza—Kreuzburg—Mitau—Tukkum—Windau.  Mit  Ausnahme  der
erst  1904  eröffneten  Strecke  Kreuzburg—Tukkum  war  die  große  Linie
bereits  1901  fertiggestellt.  Eine  wenn  auch  zunächst  noch  verkehrsarme, ­
  so  doch  zukunftsreiche  Linie  war  im  Besitz  einer  Privatbahn,  die
wohl  die  Erweiterung  des  Gesellschaftsnamens  in  Moskau—Windau—
Rybinsk  (1897)  rechtfertigte.  Eine  Verbindung  ihrer  Linien  untereinander ­
  brachte  dann  eine  Nordsüdlinie,  die  ebenfalls  zweifellos  einer
großen,  vielleicht  sogar  noch  größeren  Zukunft  entgegengeht.  Die  1898
erörterte  Frage,  ob  die  Bahn  in  St.  Petersburg  oder  in  Luga  beginnen
sollte,  wurde  1900  zugunsten  des  Petersburger  Anschlusses  beantwortet,

1 )  Ende  1899  bestanden  754  W  Lokalbahnen,  Ende  1900  aber  1160  W.
        <pb n="29" />
        24

Hierzu  wurde  von  der  Gesellschaft  die  Zarskoje  Selobahn,  eine  der
wenigen  älteren  Bahnen,  die  nie  im  Besitze  des  Staates  war,  angekauft,
und  über  die  Schnittpunkte  der  beiden  Parallelbahnen,  Dno  und  Nowo
Sokolniki,  nach  Witebsk,  einer  der  weißrussischen  Provinzhauptstädte
weitergeführt.  Die  ganze  Strecke  wurde  in  den  Jahren  1901  und  1904
eröffnet.  Die  Fortsetzung  nach  Süden  zum  Dnjepr,  über  Mohilew  nach
Shlobin  (1902  eröffnet),  behielt  sich  der  Staat  vor,  der  sicherlich  auch
auf  den  Ankauf  der  für  seine  Zwecke  wichtigen  Strecke  Petersburg—
Witebsk  in  nicht  ferner  Zeit  rechnet 1 ).  Auch  der  Staat  blieb  ja  in
dieser  Zeit  nicht  ganz  untätig,  wie  der  Bau  der  vielbesprochenen,  in  das
Gebiet  der  Rybinsker  Bahngesellschaft  eingreifenden,  wirtschaftlich
nicht  sehr  bedeutenden,  aber  strategisch  wichtigen,  (1906/07  eröffneten)
Linie  Bologoje—Newel—Polotzk—Lida—Bagrationowskaja—  Sjedlez  beweist. ­

Von  den  in  Polen  und  den  Nachbarprovinzen  entstandenen  Bahnen
hatten  die  meisten  nur  lokale  Bedeutung.  Auch  der  Militärfiskus  beteiligte ­
  sich  abermals  am  Bahnbau  mit  der  Linie  Kowel—Wladimir
Wolynski  (1908),  die  noch  heute  in  seinem  Besitz  ist.  Nach  langer
Pause  nahm  auch  die  Warschau-Wiener  Gesellschaft  wieder  Anteil  an
Neubauten,  und  zwar  mit  der  für  den  schlesischen  und  mitteldeutschen
Verkehr  wichtigen  Linie  Warschau—Lowitsch—Lods—Kalisch  (1903)—
Skalmierzyce  (1906),  von  der  noch  unten  die  Rede  sein  wird 1  2 ).  Den
großen  Umweg  aus  Polen  nach  Kiew  über  Kasatin  beseitigte  die  wirtschaftlich ­
  und  strategisch  bemerkenswerte  Linie  Kowel—Sarny—Kiew
(1902),  womit  zugleich  auch  die  Anschließung  des  vernachlässigten  nördlichen ­
  Wolynien  an  das  Verkehrsnetz  ermöglicht  wurde.  Von  ähnlicher
Wichtigkeit  wurde  die  von  der  Moskau-Kiew-Woroneshbahn  gebaute
südöstliche  Fortsetzung  nach  Poltawa  (1901),  weniger  das  staatliche
Schlußstück  bis  Losowaja  an  der  Südbahn.  Auch  im  Dnjepreisengebiet
  und  im  Donezkohlendistrikt  entstanden  neue  Staatsbahnen  mit
verhältnismäßig  lokaler  Bedeutung.  Im  Jahre  1907  erhielt  auch  endlich
die  Provinzhauptstadt  Cherson  ihre  erste  Eisenbahn.  Auffallend  still
war  dagegen  die  Wirksamkeit  der  großen  Privatbahngesellschaften  des
Ostens.  Die  Südostbahngesellschaft  hat  seit  1901,  seit  der  Vollendung
der  winzigen  Lokalstrecke  Grafskaja—Ramon,  keine  Werst  fertiggestellt.
Auch  die  Rjäsan-Uralsker  Bahn  begnügte  sich  mit  der  Vollendung  der
zwar  langen,  aber  nicht  bedeutenden  Strecke  Krasnij  Kut—Busan
(1907)—Astrachan  (1909)  und  blieb  so  ihrer  Aufgabe,  abgelegene  Gegenden ­
  zu  durchschienen,  treu.  Die  Kasaner  Bahn  verband  Nischni  mit
Arsamas  und  Timirjasewo,  und  somit  mit  Kasan,  eine  Strecke,  die
1 )  Man  denke  an  die  Fortsetzung  der  Linie  von  Shlobin  nach  Kiew  und
Odessa,  wodurch  die  denkbar  kürzeste  Verbindung  von  St,  Petersburg  zum  Pontus
geschaffen  wird,  vgl.  8.  70.
2 )  Vgl.  S.  57.
        <pb n="30" />
        25

übrigens  für  einen  großen  Teil  des  Jahres  für  den  Verkehr  der  beiden
Wolgastädte  untereinander  keine  große  Bedeutung  hat.  Wichtig  für
den  Verkehr  zwischen  Moskau  und  Kasan  wurde  die  vor  kurzem  vollendete ­
  Linie  Moskau—Murom—Arsamas,  wodurch  der  große  Umweg
über  Rjäsan  und  Rusajewka  beseitigt  würde.
Auch  die  Nordbahnfrage  kam  in  diesen  Jahren  einen  guten  Schritt
vorwärts.  In  das  gewaltige  Waldgebiet  wurde  eine  Bresche  gelegt:
das  verkehrsarme  Gouvernement  Nowgorod  und  das  fast  ganz  eisenbahnlose ­
  Gouvernement  Kostroma  erhielten  eine  wichtige  Eisenbahn.  Bereits
im  Jahre  1899  hatte  der  Staat  die  Strecke  Perm—Wjatka—Kotlas  an
der  Suchona,  unweit  der  Vereinigung  mit  der  Wytschegda  zur  Dwina
beendet 1 )  und  somit  eine  Auslaßstrasse  für  den  Verkehr  der  Uralbergwerksorte ­
  mit  der  schiffbaren  Dwina,  mit  Archangelsk  und  dem  Weißen
Meere  gewonnen.  Wird  doch  sibirisches  Getreide,  das  ins  Ausland
geht,  hauptsächlich  über  die  Perm-Kotlaser  Bahn  und  die  Dwina  abwärts ­
  transportiert,  weniger  durch  Großrußland  und  über  die  baltischen
Häfen.  Es  galt  nun,  nicht  nur  einen  direkten  Verkehr  von  St.  Petersburg ­
  mit  den  Uralstädten,  namentlich  mit  Perm  und  Jekaterinburg
zu  erlangen,  sondern  hiermit  auch  eine  neue  kürzere  Verbindung  mit
Sibirien,  für  die  bisher  nur  der  Weg  über  Moskau  in  Frage  kam.  Im
Jahre  1906  wurde  die  Bahn  St.  Petersburg—Wologda—Wjatka  vollendet,
eine  der  bedeutendsten  Leistungen  der  russischen  Eisenbahnunternehmungen. ­
  Die  über  1200  km  lange  Bahn  durchzieht  ein  ungeheures
Sumpf-  und  Waldgebiet  und  berührt  nur  ein  paar  etwas  größere  -Siedlungen. ­
  Unter  Zuhilfenahme  der  Wjatka-Permer  Bahn  und  des  1909
bewirkten  Baues  Perm—Kungur—Jekaterinburg,  der  den  Umweg  über
N.  Tagil  wegräumte,  wurde  die  Petersburger  Sibirienstrecke  fertiggestellt. ­
  Dem  Bahnbau  ging  im  Jahre  1902  die  Verstaatlichung  der
Moskau-Jaroslawl-Archangelsker  Bahngesellschaft  voraus *  2 ),  der  man
politische  Gründe,  und  zwar  wohl  mit  Recht,  absprach.  Die  viel  erörterte ­
  Verstaatlichung  der  bei  einem  ganz  überwiegend  polnischen
Angestelltenstand  stark  polnisch  und  mitteleuropäisch  beeinflußten
Warschau-Wiener  Bahn  im  Jahre  1912  führt  uns  zur  Gegenwart,  von  der
unten  die  Rede  sein  wird.
Finnland,  das  sich  stets  durch  einen  ruhigen,  gleichmäßigen  Fortgang ­
  seiner  Bauten  auszeichnete,  schuf  auch  in  diesem  Zeitraum  bemerkenswerte ­
  Strecken.  Noch  im  19.  Jahrhundert  (1895)  kam  die
Verbindung  von  Tammerfors  mit  Björneborg,  einer  der  volkreicheren
Hafenstädte  am  bottnischen  Meerbusen,  zustande.  Das  mittlere  Finn*) ­
  1894  war  übrigens  bereits  ein  Projekt  Kasan—Kotlas  erwogen  worden.
2 )  Kurz  vor  ihrer  Verstaatlichung  vollendete  die  Jaroslawler  Gesellschaft
die  unbedeutende  Strecke  Moskau—Sawelowo  (an  der  Wolga,  1901).  Die  Bahnen
der  Gesellschaft  wurden  mit  der  neuen  Nordbahnlinie  verwaltungstechnisch  vereinigt. ­
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        26

land  erhielt  Bahnen  in  der  in  Haapamäki  an  der  Uleäborger  Bahn  abzweigenden ­
  Strecke  nach  Jyväskylä  und  Suolachti  (1898),  sowie  in  der
wichtigeren  Verbindung  über  Kuopio  hinaus  nach  Jisalmi  (1902)  und
Kajana  (1904).  Durch  diese  von  der  Küste  490  km  weit  ins  Innere
des  Landes  gebaute  Verbindung  wurde  der  Anschluß  an  die  Dampfschiffahrt ­
  auf  dem  Oulujärvisee  und  die  Stromschnellenfahrt  auf  dem
Oulünjoki  nach  Uleäborg  (150  km)  ermöglicht.  Auch  die  in  Uleäborg
endende  Bahnlinie  wurde  weiter  nordwärts  zur  schwedischen  Grenze
gebaut  und  erreichte  Torneä  1903 1 ).  Eine  Zweigbahn,  die  in  Lautiosari
bei  Kemi  sich  gabelt,  führt  seit  1909  nach  Rovaniemi,  die,  indem  sie
den  Polarkreis  erreicht,  die  nördlichste  Bahn  des  ganzen  russischen
Reiches  ist.  Bedeutender  als  diese  Bahnen  wurde  die  abkürzende  Strecke
zwischen  den  beiden  Hauptstädten  des  Landes,  Äbo—Karis  (1899)  —
Helsingfors  (1903),  die,  unweit  der  Küste  führend,  auf  große  Strecken
hin  eine  kostspielige  Anlage  wurde.  Von  den  übrigen  Bahnen  ist  die
das  Savolaks  und  Karelien  durchziehende  Strecke  zu  erwähnen.  Diese
Linie,  die  mit  ihren  Zweiglinien  landschaftlich  hervorragende  Punkte
in  ihren  Verkehr  einbezieht  —  eine  bereits  1892  eröffnete  Linie  führt
zu  den  Wasserfällen  des  Vuoksen  (Imatra)  und  nach  Vuoksenniska  am
Saimasee,  eine  in  Elisenvaara  unweit  des  Ladogasees  abzweigende
kostspielige  Linie  erschließt  die  Schönheiten  von  Punkaharju  und  das
reizvolle  Nyslott  (1906/08  eröffnet),  —  führt  von  Wiborg  über  Sordavala
an  der  Nordspitze  des  Ladogasees  nach  Joensuu  und  seit  kurzem  sogar
entlang  der  Ostseite  des  Pielissees,  470  km  von  Wiborg,  nach  Nurmes
im  abgelegenen  finnischen  Grenzkarelien.
Der  Staatsbahnbau  hat  im  eigentlichen  Rußland  nicht  wie  in  anderen
europäischen  Staaten  einen  ruhigen,  gleichmäßigen  Fortgang  genommen.
Dieser  wird  vielmehr  öfters  unterbrochen,  und  zwar  durch  Aufgaben,
die  dem  Staate  in  Asien  gestellt  wurden.  Wie  z.  B.  in  den  neunziger
Jahren,  gleichzeitig  mit  der  Verstaatlichungspolitik  im  Westen,  der
Staat  den  Bahnbau  überwiegend  großen  Gesellschaften  überläßt,  da  er
durch  den  Bau  der  sibirischen  Linie  sehr  in  Anspruch  genommen  ist,  so
fesselt  ihn  auch  im  neuen  Jahrhundert,  und  namentlich  seit  dem  zweiten
Jahrfünft,  die  außerordentlich  schwierige  Anlage  der  Amurbahn  im
fernsten  Osten,  durch  die  wichtige  Linien  in  Europa  zurückstehen  müssen.
Indes  der  Staat  hatte  nun,  namentlich  seit  1904,  keine  hervorragende
Stütze  mehr  in  den  Privatbahngesellschaften.  Auch  hier  war  eine
gewisse  Baumüdigkeit  eingetreten 1  2 ).  Aber  auch  abgesehen  von  dem
1 )  Die  von  Schweden  später  an  den  Torneelf,  den  Grenzfluß,  gebaute  Bahn
endete  übrigens  nicht,  wie  man  gewöhnlich  liest,  in  Haparanda,  sondern  nördlich
davon,  in  Kukkola  oder  schwedisch  Karungi.
2 )  Es  ist  übrigens  falsch,  wenn  Graf  Witte  in  einer  Streitschrift  gegen
die  russische  Bahnpolitik  sagt,  daß  im  Jahre  1903  keine  Werst  Eisenbahn  entstanden ­
  soi.
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        27

infolge  dieser  beiden  gewaltigen  Bahnbauten  eingetretenen  Nachlassen
der  Spannkraft  kennzeichnet  die  Geschichte  der  russischen  Eisenbahnen ­
  ein  Auf  und  Ab  in  der  Entwicklung.
Zeittafel.  (Die  wichtigsten  Daten  der  russischen  Eisenbahngeschichte.)
(Abkürzungen:  B  =  Bahn.  Ebg  =  Eisenbahngesellschaft,  Stb  =  Staatsbahn,
Prb  =  Privatbahn,  Ef  =  Eröffnung,  Vstl  =  Verstaatlichung).
1837  Ef  der  B  St.  Petersburg—Zarskoje  Selo  (Prb).
1842  Baugenehmigung  der  B  St.  Petersburg—Moskau  (Nikolaibahn),
Übernahme  der  B’bauten  durch  den  Staat.
1845  Ef  der  B  Warschau—Rogawa  (der  Warschau-Wiener  B)  und  der
B  Skemewizi—Lo  witsch  (Stb).
1848  Die  Warschau-Wiener  B  erreicht  in  Graniza  die  Österreich.  Grenze
und  hiermit  den  ersten  Grenzanschluß  (Stb).
1851  Vollendung  der  Nikolaib.  (Stb).
1853  Ef  der  B  St.  Petersburg—Gatschina  (der  Warschauer  B,  Stb).
1857  Gründung  d.  Groß.  Ruß.  Ebg  u.  der  Warschau-Wiener  Ebg,  Sieg
des  Privatbahngedankens.  Ef  der  Peterhofer  B  (Prb).
1859  Die  Warschau  -  Wiener  B  (Prb)  erreicht  in  Sosnowizi  die  preuß.
(oberschles.)  Grenze.
1860  Ef  der  B  St.  Petersburg—Dünaburg  (Große  Russ.  Ebg.).
1861  Ef  der  B  Dünaburg—Riga  (Prb).
1862  Ef  der  B  Dünaburg—Warschau  u.  d.  B  Wilna—Wirballen  (ostpreuß.
Grenze,  Große  Russ.  Ebg).
Ef  der  B  Moskau—Nischni  Nowgorod  (Große  Russ.  Ebg).
Ef  der  ersten  B.  des  Ostens,  Zarizyn—Kalatsch  (Prb).
Ef  der  ersten  finn.  B,  Helsingfors—Tavastehus  (Stb).
1863  Die  Warschau-Bromberger  B  (Prb)  erreicht  in  Alexandrowo  die
preuß.  Grenze.
1864  Ef  der  B  Moskau—Rjäsan  (Prb).
1865  Ef  der  ersten  B  des  Südens,  Odessa—Birsula  (Prb).
1866  Ef  der  B  Dünaburg—Witebsk  (Prb).
Ef  der  B  Rjäsan—Koslow  (Prb).
1867  Ef  der  B  Warschau—Terespol  (  —  Brest,  Prb).
Ef  der  B  Moskau—Tula  (Stb).
1868  Die  große  Russ.  Ebg  erhält  die  Nikolaibahn  in  Pacht.
Ef  der  B  Witebsk—Smolensk—Orel  (Prb).
Ef  der  B  Tula—Orel—Kursk  (Stb).
Ef  der  B  Birsula—Jelissawetgrad  (Prb).
1869  Ef  der  B.  Koslow—Tambow  (Prb).
1870  Ef  der  B  St.  Petersburg  —Helsingfors  (Stb).
Ef  der  B  Gatschina—Reval—Baltischport  (Prb).
Ef  der  B  Bologoje—Rybinsk  (Prb).
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        I

28

1870  Ef  der  B  Moskau—Jaroslawl  (Prb).
Die  Kursk  -  Charkow—Asower  Ebg  (Prb)  erreicht  über  Charkow
(1869)  u.  Losowaja  Taganrog  u.  Rostow.
Ef  der  B  Kursk—Kiew  (Prb)  u.  der  B  Kiew  —  Kasatin—  Shmerinka
—Birsula  (Prb).
Ef  der  B  Jelissawetgrad—Poltawa  (Prb).
1871  Die  Stb’linie  Moskau-Kursk  wird  Prb.
Libau  erhält  die  erste  B  (von  Wilna—Koschedari,  Prb).
Ef  der  ganzen  B  Brest—Moskau  (Prb).
Ef  der  ganzen  B  (Moskau—  )Koslow—Woronesh  (1868)—Rostow
(Prb).
Ef  der  B  (Odessa—)Shmerinka—Wolotschisk  (österr.  Grenze,  Prb).
Ef  der  B  Poltawa—Charkow  (Prb).
Ef  der  B  Tambow—Saratow  (Prb).
Ef  der  B  (Koslow—  JGrjasi—Zarizyn  (Prb).
1872  Ef  der  B  Jaroslawl—Wologda  (Prb).
1873  Ef  der  B  (Helsingfors  —)Hyvinkä—Hangö  (Prb).
Ef  der  B  (Odessa  u.  Kiew—)Kasatin—Rowno—Kowel—Brest  (Prb)
u.  der  B.  Brest—Bjelostok—Grajewo  (—Königsberg,  Prb).
Ef  der  B  (Charkow—)  Snamenka—Nikolajew  (Prb).
1874  Ef  der  B  Wjasma—Kaluga—Tula—Rjashsk  (Prb).
Ef  der  B  (Moskau—)Rjashs'k—Pensa  Sysran  —  Batraki  (Prb).
Ef  der  ganzen  B  Libau—Romny  (Prb).
1875  Ef  der  B  Losowaja—Simferopol  (1874)  —Sewastopol  (Prb).
Ef  der  B  (Odessa—  )Rasdjelnaja—Kischinew  (1871)—Ungeni  (ruinän.
  Grenze,  Prb).
1876  Ef  der  B  Tavastehus—Äbo  u.  Tammerfors  (Stb).
Ef  der  B  Samara—Kinel—Orenburg  (Prb).
1877  Ef  der  B  Kowel—Lublin—Iwangorod—Warschau—Mlawa  (—Danzig, ­
  Prb,  Weichselb).
1878  Ef  der  ersten  Uralb,  Perm—N.  Tagil—Jekaterinburg  (Prb).
1879  Aus  der  Verschmelzung  verschiedener  Ebg  entsteht  die  Südwestebg.
1880  Fertigstellung  des  Wolgabrückenbaues  zwischen  Batraki  und
Samara.
1881  Manifest  Alexanders  II.  über  die  Bedeutung  der  Bn  für  den  Staat,
die  Übernahme  von  Prbn  in  Staatsbesitz  u.  den  Neubau  von  Stbn.
Beginn  der  Verstaatlichungsperiode.
Vstl  der  B  Charkow—Nikolajew.
1882  Ef  der  ersten  neuen  Stb,  der  Baskuntschakbahn.
1884  Ef  der  B  Iwangorod—Dombrowa  (Prb).
1885  Einrichtung  der  staatl.  Revisionsbehörde  der  Prbn  u.  Erlaß  des
allgem.  russ.  Eb’gesetzes.
Ef  der  B.  Wilna—Baranowitschi—Rowno  (Stb).
1886  Ef  der  finn.  Nordb.  bis  Uleäborg  (Stb).
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        1887  Ef  der  ganzen  B  Brest—Luninez—Homel—Brjansk  (Stb).
Ef  der  B  Pskow—Walk—Riga  (Stb).
Vstl  der  Uralbergwerksb.
1888  Vstl  der  Ebgn  Wjasma—Rjashsk,  Rjashsk—Morschansk,  Morschansk—
  Sysran.
Ef  der  B  (Samara—  )Kinel—Ufa  (Stb).
1890  Die  Warschau-Wiener  Ebg  kauft  die  Warschau-Bromberger  Eb  an.
Vstl  der  B  Koslow—Tainbow.
1891  Vstl  der  B  Li  bau—Romny.
1892  Erlaß  des  Nebenbahngesetzes  (stärkere  Zulassung  von  Klein-  und
Schmalspurbahnen.
Vstl  der  Terespoler  B  u.  der  B  Kursk—Charkow—Asow.
Ef  der  B  Ufa—  Slatoüst  (1890)—Tscheljabinsk  (Stb).
1893  Vstl  der  Gross.  Ruß.  Ebg,  der  Baltischen  B,  der  B  Moskau—Kursk,
der  Orenburger  B.
Neubildung  der  Südostebg.
Ef  der  B  (Moskau—)Rjäsan—Kasan  (Mosk.—Kasaner  B).
1894  Vstl  der  B  Riga—Dünaburg,  der  B  Dünaburg—Witebsk,  der  B
Witebsk—Orel  (Vereinigung  zur  staatl.  Riga-Oreler  B).
Vstl  der  B  Losowaja—Sewastopol.
1894/95  Die  neu  konsolidierte  Rjäsan-Uralsker  B  (zur  B  Rjäsan—Koslow
tritt  der  Staat  die  B  Koslow—Tambow  ab  usw.)  erschließt  den
Südosten  mit  Bn  nach  Uralsk,  Kamyschin,  Wolsk  u.  a.  0.
189C  Vstl  der  B  Moskau—Brest.
Ef  der  B  Jekaterinburg—Tscheljabinsk  (Stb).
1897  Vstl  der  Weichselbahn.
1898  Ef  der  B  Wologda—Archangelsk  (Mosk.—Jarosl.—Arch.b).
1899  Ef  der  B  Moskau—Brjansk  (—Kiew  erst  1905,  Mosk.—Kiew  —
Woroneshb).
Ef  der  B  Bogojawlensk—Smolensk  (Rjäsan—Uralskb).
Ef  der  B  Perm—Wjatka—Kotlas  (Stb).
1900  Vstl  der  B  Iwangorod—Dombrowa.
Ef  der  B  Moskau—Ranenburg  (—Bogojawlensk,  Rjäs.-Uralskb).
1901  Ef  der  B  Moskau—Kreuzburg  u.  der  B  Tukkum—Windau  (Mosk.—
Windau—Rybinskebg,  Kreuzburg—Tukkum  erst  1904).
Ef  der  B  Kiew—Poltawa  (Mosk.-Kiew-Woroneshb).
1902  Vstl  der  Moskau-Jaroslawl-Archangelskebg.
Ef  der  B  Witebsk—Mohilew-Shlobin  (Stb).
Ef  der  B  Kowel—Sarny—Kiew  (Stb).
1903  Ef  der  B  Warschau—Lods—Kalisch  (Warschau-Wiener  Ebg).
Ef  der  B  Äbo—Helsingfors  (Stb).
Ef  der  B  Uleaborg—Tornea  (Stb).
1904  Ef  der  vollst.  B  (St.  Petersburg—)Zarskoje  Selo—Witebsk  (Moskau-Windau-Rybinskebg)
  .
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        30

1905  Ef  der  finn.  Mittelb  Kuovola—Kuopio  (1889)  bis  Kajana  (Stb)
1906  Ef  der  Nordb  St.  Petersburg—Wologda—Wjatka  (Stb).
1907  Ef  der  strateg.  B.  Sjedlez—Polotzk—Bologoje  (Stb).
1909  Ef  der  finn.  B  Kemi—Rovaniemi  (Stb,  nördlichste  B  Rußlands).
Ef  der  B  Perm—Kungur—  Jekaterinburg  (Stb).
Ef  der  vollst.  B  (Pokrowskaja  Sloboda—  )Krasnij  Kut—Astrachan
(Rj  äsan—Uralskebg).
1912  Vstl  der  Warschau-Wiener  Ebg.
Ef  der  B  Moskau—Arsamas  (—Timirjasewo  1901—Kasan,  Moskau-Kasaner
  Ebg).
Fortführung  der  Karelischen  B  Wiborg—Joensuu  bis  Nurmes  (Stb).
Zeittafel  des  Bahnanschlusses  der  Gouvernements  (G)-  und  sonstiger
wichtiger  Städte  Rußlands  und  Finnlands.

St.  Petersburg  G  ....  1837
Zarskoje  Selo  1837
Warschau  G  1845
Piotrkow  G  1846
Tschenstochow  1846
Twer  G  1850
Moskau  G  1851
Pskow  G  1859
Dünaburg  (Dwinsk)  .  .  .  1860
Kowno  G  1861
Riga  G  1861
Wladimir  G  1861
Wilna  G  1862
Grodno  G  1862
Bjelostok  1862
Nischni  Nowgorod  G  .  .  .  1862
Helsingfors  G  1862
Tavastehus  G  1862
Zarizyn  1862
No  wo  Tscherkask  G  .  .  .  1863
Rjäsan  G  1864
Odessa  .  .  .'  1865
Lods  1866
Sjedlez  G  1866
Witebsk  G  1866
Serpuchow  1866
Koslow  1866
Tula  G  1867
Mitau  G  1868
Smolensk  G  1868

Iwanowo  1868
Orel  G  .  .  .  .  •  1868
Kursk  G  1868
Jelez  1868
Woronesh  G  1868
Jelissawetgrad  1868
Rostow  1868
Brest  Lit.  .  1869
Krementschug  1869
Charkow  G  1869
Tambow  G  1869
Reval  G  1870
Wiborg  G  1870
Rybinsk  *.  .  .  1870
Jaroslawl  G  1870
Berditschew  1870
Kiew  G  1870
Poltawa  G  1870
Taganrog  1870
Libau  1871
Nowgorod  G  ..'....  1871
Minsk  G  1871
Kischinew  G  1871
Saratow  G  1871
Wologda  G  1872
Hangö  1873
Bobruisk  1873
Hornel  1873
Nikolajew  1873
Kaluga  G  1874
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        31

Simferopol  G  1874
Pensa  G  1874
Sysran  1874
Sewastopol  1875
Dorpat  (Jurjew)  1876
Äbo  G  1876
Tammerfors  1876
Samara  G  1876
Orenburg  G  1876
Lublin  G  1877
Iwangorod  1877
Cholm  1877
Perm  G  1878
Jekaterinburg  1878
Nikolaistad  (Vasa)  G  .  .  .  1882
Mariupol  1882
Kielzi  G  1884
Radom  G  1884
Jekaterinoslaw  G  ....  1884
Uleäborg  G  1886
Kostroma  G  1888
Ufa  G  1888

St  Michel  G  1889
Kuopio  G  1889
Slatoüst  1890
Tscheljabinsk  1892
Ostrolenka  1893
Tschemigow  G  1893
Kasan  G  1893
Uralsk  1894
Björneborg  1895
Pernau  1897
Berdjansk  1898
Simbirsk  G  1898
Archangelsk  G  1898
Suwalki  G  1899
Shitomir  G  1899
Wjatka  G  1899
Windau  1901
Mohilew  G  1902
Kalisch  G  1903
Torneä  .  .  .  •.  1903
Cherson  G  .  1907
Astrachan  G  1909

2.  Der  Umfang 1  des  russischen  Eisenbahnnetzes  und
seine  geographische  Gliederung.  Staats-  und  Privatbahnen ­
  in  der  Gegenwart.
Der  Umfang  der  russischen  Eisenbahnsysteme  in  Europa  wird  nicht
gleichmäßig  angegeben.  So  viel  aber  scheint  sicher  zu  sein,  daß  die
offiziellen  Zahlen  der  Wirklichkeit  nicht  ganz  entsprechen.  Während
die  von  amtlicher  Seite  mitgeteiiten  Zahlen  für  die  jüngsten  Jahre,
Finnland  eingeschlossen,  sich  um  die  60  000  km  bewegen 1 ),  kommt
man  durch  Berechnungen,  denen  das  durchweg  zuverlässige  amtliche
Kursbuch  zugrunde  liegt,  und  unter  Verwendung  sonstigen  Materials
zu  niedrigeren  Zahlen.  Anscheinend  kann  auch  hier  die  russische  Statistik
noch  nicht  die  unbedingte  Zuverlässigkeit  beanspruchen,  wie  in  westlichen ­
  Staaten.  Das  unten  mitgeteilte  neugewonnene  Ergebnis  kann
')  Auch  die  Länge  der  Bahnstrecken  in  Russ.  Asien  wird  fast  stets  zu  hoch
berechnet.  Hier  müssen  natürlich  die  russisch-mandschurischen  Bahnen  ausscheiden.
  Aber  auch  ohne  diese  bezifferte  man  schon  für  1910  die  russisch-asiatischen ­
  Bahnen  auf  eine  Länge  von  16  873  km,  während  die  tatsächliche  Länge
(Sommer  1913)  14  956  km  (14  017  W)  beträgt  (6069  W  in  Sibirien  und  im  Ussuriland,
  4100  W  in  Zentralasien  und  3848  W  inCis-  und  Transkaukasien.  Nach  unserer
Berechnung  beläuft  sich  die  Länge  sämtlicher  Bahnen  im  ganzen  Russischen  Reich
auf  etwa  72  700  km.
        <pb n="37" />
        32

nur  unwesentlich  beeinflußt  werden  durch  die  Berücksichtigung  der
Industrie-  und  Nebenbahnen,  wie  sie  in  rein  privatem,  nicht  öffentlichem ­
  Betrieb  im  südlichen  Großrußland,  so  um  die  Hüttenstadt  Brjansk,
vorhanden  sind.  Inwieweit  in  den  amtlichen  Statistiken  Strecken,  die
auch  von  später  abzweigenden  Zügen  befahren  werden,  ferner  Bangiergeleise ­
  oder  sogar  zweite  Geleise 1 )  doppelt  berechnet  werden,  entzieht
sich  einer  Untersuchung,  da  die  Einzelergebnisse  aller  einzelnen  Bahnlinien ­
  nicht  vorliegen.  Hier  folgen  zunächst  die  Staatsbahnsysteme.
Die  ersten  Zahlen  beziehen  sich  auf  die  amtliche  Statistik  vom  1.  Januar
1910 *  2 ),  die  zweiten  sind  unsere  Ergebnisse  vom  Sommer  1913.

Süd  westbahnen

.  .  3  907  W,

3  852  W

Südbahnen

.  .  3  063

3  032

Nordbahnen

.  .  2  942

2  962

J  ekaterinenbahnen

.  .  2  807

2  607

Nord  westbahnen

.  .  2  546

2  527

Permsche  Bahnen

.  .  2  122

2  477

Weichselbahnen

.  .  2  265

2  229

Pol  j  es  jebahnen

.  1  391

1  899

Biga—Orel

.  1460

1  458

Sysran—Wjasma

.  1  380

1  299

Libau—Bomny

.  1  262

1  292

Samara—Slatoust  ........

1  221

1  222

Alexanderbahn  (Mosk.—  Brest)  .  .

.  1023

1  025

Moskau—Kursk  .  .

'  j  1  127  |

537

Moskau—Nischni  Nowgorod  .  .  .

528

Tula—Lichwin

—

105

Baskuntschaker  Bahn  ......

68

51

Nikolaibahn

.  1  858

1  355

30  372  W,  30  457  W
Wie  man  sieht,  weichen  die  Schlußzahlen  nicht  sehr  voneinander  ab,
obwohl  in  den  mehr  als  drei  Jahren  bedeutende  Bahnbauten  zustande
kamen.  Die  Zählung  des  Jahres  1910  ist  eben  in  vielen  Punkten  durchaus
unglaubwürdig.  Man  vergleiche  nur  die  beiden  für  die  Nikolaibahn
mitgeteilten  Zahlen.
Zu  den  30  457  W  kommen  die  Strecken  der  verstaatlichten  Wiener
Bahn  (1913:  704  W),  die  europäischen  Strecken  der  sibirischen  (etwa
206  W)  und  der  Taschkenter  Bahn  (550  W),  so  daß  das  gesamte  staatüche
Bahnnetz  des  europäischen  Bußland  (ohne  Einnland)  sich  im  Sommer
1913  auf  31917  W  oder  34  044  km  beläuft.
*)  Letzteres  scheint  tatsächlich  vorzukommen.  Wie  wären  denn  sonst  die
außerordentlich  hohen  Zahlen  für  die  Nikolaibahn  zu  erklären?  The  Russian
Yearbook  1913  (S.  238)  enthält  für  die  Nikolaibahn  die  Ziffern  1858  versts,  lenght
of  railways  exploited,  1960  versts,  lenght  of  railways  constructed.
2 )  Russian  Yearbook  1913  S.  238.
        <pb n="38" />
        —  33  —
Dagegen  haben  die  Privatbahnen  (wieder  ohne  Finnland)  eine  Ausdehnung ­
  von  fast  genau  20  000  km  (19  983  km,  rund  18  800  W).  Die

wichtigeren  Gesellschaften  sind*):
Rjäsan—Uralsk  4  081  W,  4  032  W
Südostbahnen  3  252  3  178
Moskau—Kiew—Woronesh  2  478  2  499
Moskau  —Kasan  2  070  2  430
Moskau—Windau—Rybinsk  ....  2  460  2  415
Wladikawkas  (im  europ.  Rußland)  .  .  464
(Wladikawkas,  überhaupt  2  333  2  355)
Nord  Donez  572
Südzufuhr  bahnen  574
Wolga—Bugulma  340
Pernau-Revaler  Zufuhrbahn  ....  314
Svenziany  Zufuhrbahnen  255
Livländische  Zufuhrbahn  197
Rjäsan—Wladimir  Zufuhrbahn  ...  196
Bogoslowsker  Eisenbahn *  2 )  ....  203  194
Bjelgorod—Sumy  147  139
Herby—Kielzi  125
Nowosybkower  Zufuhrbahn  ....  113
Wolmarer  Zufuhrbahn  107
Troizker  Eisenbahn  103

Außerdem  gibt  es  im  europäischen  Rußland  noch  ein  starkes  Dutzend
weiterer  Privatbahngesellschaften,  deren  kleinste,  die  polnische  Piotrkow-Sulejewer
  Zufuhrbahn,  nur  eine  16  W  lange  Linie  unterhält.  Die  meisten
dieser  und  eine  Reihe  der  oben  angeführten  Gesellschaften  befriedigen
nur  rein  lokale  Zwecke,  wie  sie  äußerlich  schon  in  der  Bezeichnung
Zufuhrbahnen,  also  in  dem  Abhängigkeitsverhältnis  zu  größeren  Bahnsystemen ­
  zum  Ausdruck  kommt.  Viele  Gesellschaften,  wie  die  zwei
größeren  baltischen  Zufuhrgesellschaften,  haben  nur  schmalspurige
Bahnen.  Und  selbst  die  Gesellschaft  der  Südzufuhr  bahnen  mit  ihrem
ausgedehnten,  in  vier  Gouvernements  gelegenen  Liniennetz  hat  nur
schmalspurige  Trassen.
Finnland,  das  sich  von  vorneherein  für  das  Staatsbahnsystem
entschloß  und  dieses  trotz  zeitweilig  veränderter  Anschauungen  beibehielt, ­
  hat  nur  ganz  kurze,  fast  rein  lokalen  Zwecken  dienende  Privatbahnen. ­
  Die  wichtigsten  sind  die  Linien  Kerava—Borgä  (33  km)  und
Walkom—Lovisa—Lachti—Niemi  (82  km).  Sämtliche  finnischen  Privatx ­
 )  Die  ersten  Zahlen  beziehen  sich  wieder  auf  amtliche  Mitteilungen  von  1910,
die  zweiten  auf  die  Berechnungen  vom  Sommer  1913.
2 )  Die  Bogoslowsker  Bahn,  die  als  ihre  Hauptstrecke  die  Linie  Goroblegodatskaja—Nadeshdinskij
  Sawod  betreibt,  gehört  der  gleichnamigen  Uralbergwerk^.
gesellsehaft.
Tuckermann,  Verkehrsgeographie.

3
        <pb n="39" />
        34

bahnen  haben  eine  Länge  von  269  km.  Dem  steht  ein  Staatsbahnnetz
von  3409  km  gegenüber,  so  daß  sämtliche  Bahnsysteme  Rußlands  und
Finnlands  im  ganzen  rund  57  700  km  .  umfassen.
Bei  der  Betrachtung  der  russischen  Verkehrswege  darf  freilich  das
dichte  Netz  der  Wasserstraßen  nicht  außer  acht  gelassen  werden.  Kein
europäischer  Staat  kann  ein  gleiches  Flußnetz  sein  eigen  nennen.  Die
Flüsse,  die  meist  wasserreich  und  schnellenfrei  sind,  sind  bis  hoch  hinauf
schiffbar.  Es  ist  durchaus  nicht  selten,  daß  drei  Viertel,  ja  vier  Fünftel
des  Gesamtflußlaufes  schiff-  oder  zum  wenigsten  mühelos  flößbar  sind.
Selbst  ein  so  zurückgebliebenes  Verkehrsgebiet  wie  die  Poljesje  hat  ganz
ausgezeichnete  Schiffahrtsbedingungen,  günstig  auch  deshalb,  weil  das
Gefälle  der  Flüsse  sehr  gering  ist.  Die  Gesamtlänge  der  flöß-  und
schiffbaren  Flußstrecken  im  europäischen  Rußland  ohne  Finnland
betrug  1906:  169  104  W.  Davon  waren  42  377  W  nach  beiden  Richtungen ­
  hin  schiffbar.  Dem  Personenverkehr  waren  22  689  W  zugänglich
gemacht.  So  groß  ist  auch  ungefähr  die  Länge  der  Strecken,  die  regelmäßig ­
  von  den  Dampfergesellschaften  befahren  werden.  Fast  alle
größeren  Flüsse,  am  wenigsten  freilich  der  ungeheure  Don,  werden  einen
großen  Teil  des  Jahres  von  Dampfern  befahren-  Selbst  die  durch  äußerst
spärlich  besiedelte,  unwirtliche  Gegenden  fließende  Petschora  ist  von
Jakschinskaja  im  nördlichen  Teil  der  Permer  Provinz  an  auf  1200  W
bis  Kuja  im  Delta  der  Dampf  Schiffahrt  offen.  Ja  sogar  den  Unterlauf
der  bei  Ust  Ussa  mündenden,  dem  kaum  seßhaft  besiedelten  Tundrengebiet ­
  entstammenden  Ussa  befahren  an  einigen  wenigen  Tagen  im  Hochsommer ­
  Dampfschiffe 1 ).
Länger  als  in  West-  und  Mitteleuropa  wurde  in  Rußland  der  Grundsatz ­
  des  Miteinanderarbeitens  von  Schiffahrt  und  Eisenbahn  beachtet.
Es  ist  wohl  sicher  anzunehmen,  daß,  wenn  der  Lauf  der  Norddwina  ein
süd-nördlicher,  also  in  der  Richtung  Moskau—Archangelsk  gestreckt
wäre,  die  Bahn  nach  Archangelsk  nicht  bereits  1898  gebaut  worden  wäre.
Die  Wjatka-Kotlasbahn  erreicht  auf  kürzestem  Wege  ziemlich  genau
in  der  Richtung  der  nördlichen  Dwina  die  Suchona  (Dwina).  Die  Notwendigkeit, ­
  der  Dwina  entlang  von  Kotlas  bis  Archangelsk  eine  Bahn  zu
bauen,  hätte  sich  ebenfalls  so  bald  nicht  ergeben,  wenn  nicht  der  Weltkrieg ­
  die  weitestgehende  Ausnutzung  des  möglichst  von  verschiedenen
Seiten  her  zugänglich  zu  machenden  Hafens  gefordert  hätte,  ln  den
letzten  Jahren  scheint  man  trotz  des  Bestehens  eines  Wasserweges  den
Bahnbau  auch  an  anderen  Stellen  nicht  mehr  umgehen  zu  können.  Daß
Petrosawodsk,  die  Hauptstadt  der  Olonezprovinz,  erst  jetzt  eine  Bahn
erhalten  wird,  liegt  sicherlich  mit  daran,  daß  die  Stadt  von  der  Newa  aus
1 )  Die  Annahme,  daß  selbst  auf  größeren  Flüssen  nur  eine  Taldampfschiffahrt
möglich  sei,  trifft  heute  nur  noch  selten  zu.  Selbst  auf  Petschora  und  Ussa  ist
Bergfahrt  durchgeführt.  Freilich  ist  bei  einigen  Flüssen  die  Talfahrt  länger  geöffnet
als  die  Bergfahrt.
        <pb n="40" />
        35

3*

■

in  einer  (l 1 ^—2  tägigen)  Dampfschiffahrt  zu  erreichen  ist.  Doch  glaubt  man
einer  direkten  Bahn  Nischni-Kasan  noch  nicht  das  Wort  reden  zu  müssen,
und  bezeichnenderweise  ist  von  Nischni  wohl  Moskau  und  auch  Pensa
vorteilhaft  mit  der  Bahn  Zu  erreichen,  Kasan  aber  nur  auf  großem  Umwege, ­
  so  daß  das  Dampfschiff  den  Vorzug  verdient 1 ).  Man  wird  ja  auch
trotz  der  Unterbrechung  der  Schiffahrt  im  Winter  vorläufig  nicht  daran  '
denken,  etwa  eine  Bahn  von  Kasan  wolgaabwärts  nach  Zarizyn  zu  bauen.
Die  Bedeutung  der  Dampfschiffahrt  ist  also  gerade  in  Rußland,
wo  sie  noch  vielerorts  die  Eisenbahn  ersetzt,  auch  bei  einer  Gegenüberstellung ­
  der  Eisenbahnen  zum  Raum  und  zur  Bevölkerung  nicht  auszuschalten. ­
  Es'  ist  zwar  behauptet  worden,  stimmt  aber  mit  den  Tatsachen ­
  nicht  überein,  daß  das  russische  Binnenschiffahrtsnetz  seit  dem
weiteren  Ausbau  des  Bahnnetzes  an  Bedeutung  verloren  habe,  wenigstens
bis  jetzt  noch  nicht.
Es  ist  natürlich,  daß  in  einem  derartigen  Reich  wie  dem  Russischen
die  Verteilung  der  Eisenbahnen  in  den  einzelnen  Landschaften  ungleich
ist.  In  einer  Statistik,  welche  die  Länge  des  russischen  Bahnnetzes  im
Vergleich  zum  Flächenraum  stellt,  müssen  selbstverständlich  die  großräumigen ­
  Nord-  und  Ostprovinzen  höchst  nachteilig  auf  das  Ganze
wirken.  Die  außerordentlich  ausgedehnten  Provinzen  des  Nordens,
die  einer  intensiven  Kultur  nie  zugänglich  sein  werden,  wirken  gewissermaßen ­
  als  Ballast.  Auf  100  qkm  kommen  in  Rußland  einschließlich
Finnland  noch  nicht  1,1  km  Eisenbahnen.  Auf  Länder  bezogen  wie
Rußland  mit  grundverschiedenen  Boden-,  Wirtschafts-  und  Kulturbedingungen ­
  haben  Berechnungen  solcher  Art  nur  sehr  geringen  Wert.
Trotzdem  sei  hier  die  Länge  des  Bahnnetzes  in  den  einzelnen  russischen
Provinzen  nach  den  Berechnungen  von  1913  angegeben  und  diese  im  Verhältnis ­
  zum  Flächenraum  und  zur  Einwohnerzahl  gesetzt.  Wenn  derartige
Ergebnisse  für  den  Norden,  teilweise  auch  für  den  Osten  wertlos  sind,  so
vermögen  sie  für  andere  Gebiete  immerhin  ein  richtigeres  Bild  zu  geben.

Polen
Lublin  ....

233  W,

248  km

auf  100  qkm  kommen
km  Eisenbahnen
1,47

auf  100000  Einw.
kommen  km  Eisenbahnen
16

Radom  ....

221

235

1,9

21,7

Kielzi  ....

240

256

2,54

26,5

Piotrkow  .  .  .

460

490

4

25,3

Kalisch  ....

75

80

0,71

7,1

Plozk  ....

52

55

0,58

7,8

Warschau  .  .

716

765

4,38

30,8

Sjedlez  .  .  .

465

495

3,46

50,4

Lomsha  .  .  .

269

287

2,66

42

Suwalki  .  .  .

225

240

1,95

36

1 )  Das  Dampfschiff  gebraucht  von  Nischni  Nowgorod  bis  Kasan  kaum
20  Stunden,  während  man  auf  der  Eisenbahn  etwa  24  Stunden  zubringen  muß.
        <pb n="41" />
        36  —

Westrußland  (Pskow,  Litauen,  Weißrußland  und  Wolynien).

auf  100  qkm

auf  100  000  Einw

kommen  km

Eisenbahnen

Grodno  .  .

.  1267  W

1352  km

3,5

69,4

Wilna  .  .

.  1060

1131

2,7

58,6

Kowno

.  533

569

1,41

32

Pskow  .  .

.  832

887

2,05

65,5

Witebsk  .

.  1094

1169

2,67

64

Mobilew  .

704

750

1,56

33.7

Minsk  .  .

.  1216

1297

1,42

46,2

Wolynien  .

.  1104

1178

1,64

30,6

Baltische

Provinzen

Kurland  .  .

.  541  W,

577  km

2,14

77,8

Livland  ..  .

.  1095

1168

2,48

80,3

Esthland  .  .

468

509

2,51

109

St.  Petersburg.  975

1014

2,32

36,1

Nördliches  Großrußland

Nowgorod

.  1092  W,

1165  km

0,98

69,9

Wologda  .  .

708

754

0,19

45,7

Olonez  .  .  .

178

190

0,15

42,8

Archangelsk

220

234

0,028

53,4

Mittleres

Großrußland

Smolensk  .  .

798  W,

850  km

.  L52

43,6

TVer  ....

930

991

1,53

45,1

Moskau  .  .

.  1292

1378

4,14

42,9

Jaroslawl  .  .

.  391

404

1,1

32,1

Kostroma

.  523

557

0,66

32,7

Wladimir

.  1006

1073

2,2

56,6

NischniNowgorod  408

422

0,82

21,1

Südliches

Großrußland

Kaluga  .  .  .

618  W,

659  km

2,13

47,5

Tula  ....

953

1017

3,29

57,3

Rjäsan  .  .  .

.  1071

1143

2,73

47,4

Tambow  .  .

.  1261

1345

2,02

39,4

Pensa  .  .  .

.  735

783

2,02

43,5

Woronesh

.  1234

1318

2

39,3

Kursk  .  .  .

.  1246

1330

2,86

44,4

Orel  ....

.  1096

1170

2,5

45,3

Östliches  Rußland

Kasan  .  .  .

.  163  W,

174  km

0,27

6,4

Wjatka  .  .  .

.  569

607

0,395

16,2

Perm  .  .  .

.  1969

2101

0,64

56,5

Ufa  .  ,  .  .

.  639

680

0,56

23,5
        <pb n="42" />
        Östliches

Rußland

auf  100  qkm
kommen  km

auf  100  000  Einw.
Eisenbahnen

Orenburg  .  .

692  W,  737  km

0,39

35,7

Samara  .  .  .

1656

1766

1,12

49,7

Saratow  .  .  .

1316

1404

1,66

45,4

Astrachan  .  .

559

596

0,275

47,8

Simbirsk  .  .

586

625

1,26

32,3

Kleinrußland

Tschernigow

1091  W,  1164  km

2,22

39,1

Podolien  .  .  .

1129

1205

2,87

32,3

Kiew

1080

1152

2,26

25,2

Poltawa  .  .  .

1050

1121

2,25

31,3

Charkow  .  .  .

1413

1502

2,76

46,3

Pontische  Provinzen

Bessarabien  .  .

790  W,  841  km

1,84

34,5

Cherson  .  .  .

1235

1318

1,85

38,2

Taurien  .  .  .

709

755

1,21

40,4

J  ekaterinoslaw

1900

2027

3,2

66,2

Donprovinz

2050

2189

1,3

61,1

Finnland

'  y

Wiborg

673  km

1,56

133

Kuopio  ....

461

1,08

139,3

Nyland

502

4,23

136

Abo—B  j  örneborg

352

1,46

71,1

Tavastehus  .  .

402

1,88

119,3

St.  Michel  .  .

155

0,69

78,7

Nikolaistad  (Vasa)  .  .

688

1,65

136,2

Uleäborg  .  .  .  .

445

0,27

142,6

Die  im  Vergleich

zum  Areal  längsten  Bahnstrecken  haben  somit

die  Gouvernements  Warschau  (4,38  km),  Nyland  (4,23),  Moskau  (4,14),
Piotrkow  (4),  ferner  Grodno  (3,5),  Sjedlez  (3,46),  Tula  (3,29),  Jekaterinoslaw
  (3,2).  Zehn  Provinzen  haben  zwischen  3  und  2,5  km  Eisenbahnen ­
  auf  100  qkm,  nämlich  Podolien  (2,87),  Kursk  (2,86),  Charkow
(2,76),  Rjäsan  (2,73),  Wilna  (2,7),  Witebsk  (2,67),  Lomsha  (2,66),  Kielzi
(2,54),  Esthland  (2,51),  Orel  (2,5).  ln  weiteren  12  Provinzen  beträgt  die
Bahndichte  zwischen  2,5  und  2  km;  Livland  (2,48),  St.  Petersburg
(2,32),  Kiew  (2,26),  Poltawa  (2,25),  Tschernigow  (2,22),  Wladimir  (2,2),
Kurland  (2,14),  Kaluga  (2,13),  Pskow  (2,05),  Tambow  (2,02),  Pensa
(2,02),  Woronesh  (2).  Die  Zahlen  bringen  keine  besonderen  Überraschungen. ­
  Selbst  das  Gouvernement  mit  der  größten  Eisenbahndichte
hat  noch  nicht  ganz  so  viel  Eisenbahnen  als  das  bisher  vernachlässigte,
abgelegene  und  gebirgige  deutsche  Fürstentum  Waldeck  (4,7) 1 ),  und

J )  Zu  Anfang  1913  betrug  übrigens  die  Bahndiehte  in  Waldeok  bereits  6,54  km.
        <pb n="43" />
        38

steht  bedeutend  zurück  hinter  dem  nächstdem  verkehrsschwachsten
Bundesstaat  Lippe  (7,87),  während  das  doch  sicherlich  für  deutsche
Verhältnisse  nicht  gerade  verkehrsreich  zu  nennende  Großherzogtum
Mecklenburg-Schwerin  reichlich  die  doppelte  Bahndichte  hat  wie  die
Provinz  Warschau.  Auch  die  Gouvernements  mit  dem  längsten  Bahnnetz ­
  haben  somit  eine  mäßige  Bahndichte,  die  sich,  etwa  auf  derselben
Höhe  bewegt  wie  die  Schwedens,  der  iberischen  Halbinsel,  Süditaliens
und  Rumäniens.  Bemerkenswert  ist  immerhin  eine  gewisse  gleichmäßige ­
  Dichte  in  den  bevölkerten  und  fortgeschrittenen  Provinzen,  die
kein  allzu  großes  Abweichen  nach  oben  und  nach  unten  zuläßt.  So
haben  die  industriellen  und  ackerbautreibenden  Provinzen  Großrußlands
mit  Ausnahme  von  Moskau  und  Tula  zwischen  2  und  3  km  Eisenbahnen,
und  ebenso  groß  ist  die  Bahndichte  in  den  kleinrussischen  und  baltischen
Provinzen.  Was  die  Dichte  der  Eisenbahnen  in  den  einzelnen  Landschaften ­
  betrifft,  so  steht  Polen  (mit  2,48  km)  obenan,  ihm  folgen  aber
auf  dem  Fuße  die  kleinrussischen  Gouvernements  (2,46),  während  das
südliche  Großrußland  (2,38)  und  das  baltische  Land  (2,35)  ebenfalls
nur  wenig  nachstehen.  Diese  27  Provinzen  enthaltenden  Landschaften
haben  somit  eine  für  russische  Verhältnisse  große  Bahndichte.  In
diesen  Landschaften  haben  nur  fünf  Provinzen,  bezeichnenderweise
sind  es  nur  polnische,  eine  Bahnlänge  von  unter  2  km  auf  100  qkm.
Weniger  groß  ist  die  Bahndichte  in  den  acht  westrussischen  Provinzen
(2  km),  die  aber  noch  erheblich  kleiner  sein  würde,  wenn  nicht  die  Gouvernements ­
  Grodno  und  Wilna  mit  ihrer  engen  Anlehnung  an  das  polnische
Netz  das  Resultat  günstig  beeinflußten.  Das  pontische  Rußland  hat
eine  Bahndichte  von  1,76  km,  das  mittlere  Großrußland,  zu  dem  hier
auch  die  Provinzen  Moskau  und  Wladimir  gerechnet  werden,  eine  solche
von  1,52  km.  Wenig  unter  dem  Reichsdurchschnitt  bleibt  das  Großfürstentum ­
  Finnland  (0,99  km) 1 ),  während  das  östliche  Rußland  mit
seinen  ungeheuren  Steppen-,  Wüsten-  und  Berggebieten  (0,64)  und
erst  recht  das  nördliche  Rußland  (0,156)  erheblich  unter  dem  Reichsdurchscbnitt
  stehen.  Wie  bei  den  Nordprovinzen,  so  hat  auch  bei  vielen
Ostprovinzen  die  Berechnung  wenig  Wert.  Freilich  nicht  bei  allen
östlichen  Provinzen.  Wenn  z.  B.  im  Gouvernement  Kasan  nur  eine
Bahndichte  von  0,27  km  besteht,  die  somit  der  des  großräumigen  Astrachan ­
  noch  ein  klein  wenig,  der  der  ebenfalls  großen  und  dazu  wie  Astrachan ­
  dünn  bevölkerten  Provinzen  Orenburg,  Perm  und  Nowgorod  sogar
erheblich  nachsteht,  so  spricht  dies  für  eine  Vernachlässigung  der  Provinz,
die  allerdings  teilweise  ihre  Erklärung  in  dem  gut  entwickelten  Fkißsystem
  findet,  an  dem  auch  die  benachbarten,  ebenfalls  eisenbahnarmen ­
  Provinzen  Nischni  Nowgorod,  Kostroma,  Ufa  und  Wjatka  Anteil
l )  Dieses  Resultat  führt  im  wesentlichen  neben  dem  kleinen,  im  Zentrum
der  Seenwirmis  gelegenen  Gouvernement  St.  Michel  die  ausgedehnte,  fast  die
Hälfte  des  finnischen  Gesamtflächenraumes  einnehmende  Provinz  Uleäborg  herbei.
        <pb n="44" />
        39

haben.  Unwillkürlich  sind  somit  auch  die  Bevölkerungsverhältnisse
gestreift.
Für  manche  Gebiete  ist  das  Verhältnis  der  Länge  der  Eisenbahnstrecken ­
  zur  Volkszahl  noch  instruktiver.  Auch  hier  können  für  die
nördlichen  Provinzen  nur  verhältnismäßig  wertlose  Zahlen  gewonnen
werden.  Infolge  dünner  Besiedlung  müssen  bei  än  sich  kurzen  Bahnstrecken ­
  die  Verhältniszahlen  steigen.  Umgekehrt  sinken  diese  beträchtlich ­
  in  den  Provinzen  der  Millionenstädte.  Während  in  ganz
Rußland  auf  100  000  Einwohner  etwa  47  km  Eisenbahnen  kommen,
ungefähr  so  viel  wie  in  Italien  und  in  Rumänien,  steigen  die  Zahlen
namentlich  in  den  Gebieten  des  Nordens,  des  baltischen  Nordwestens
und  des  Südostens.  Es  ist  bezeichnend,  daß  von  den  27  Provinzen,
die  über  dem  Durchschnitt  stehen,  17,  darunter  sämtliche  finnische,
eine  geringere  Volksdichte  als  35  Einwohner  auf  den  qkm  haben.  Unter
diesen  Provinzen  befinden  sich  die  von  Archangelsk,  Uleäborg,  Nowgorod,
Perm  und  Astrachan.  In  Finnland  kommen  auf  100  000  Einwohner
120,2  km  Eisenbahnen,  ähnlich  wie  in  den  nordgermanischen  Staaten 1 ).
Es  folgen  im  Mittel  die  baltischen  Provinzen  (58,9  km)  und  das  nördliche ­
  Großrußland  (56,5),  ferner  das  pontische  Rußland  (49,8),  das
südliche  Großrußland  (44,4),  das  mittlere  Großrußland  (40,1),  Ostrußland
(34,8)  und  zuletzt  die  bevölkertsten  Landschaften,  nämlich  Kleinrußland
(34)  und  Polen  (25,2).  Wie  hinsichtlich  des  Flächenraums,  so  springt
auch  hinsichtlich  der  Volkszahl  die  Vernachlässigung  der  Provinzen  an
der  mittleren  Wolga  besonders  stark  in  die  Augen:  nach  beiden  Seiten
gehören  sie  zu  den  zurückgesetzten  Strichen  des  europäischen  Rußland.
Die  Provinz  Nischni  Nowgorod,  die  wie  Kasan  zu  den  mäßig,  nicht
gerade  schlecht  besiedelten  Gouvernements  gehört,  hat  auf  100  000  Einwohner ­
  nur  21,1  km  Eisenbahnen,  Wjatka  nur  16,2,  während  Kasan
sogar  nur  6,4  km  aufweist.  Hiermit  ist  die  Kasaner  Provinz  der  eisenbahnärmste ­
  Verwaltungsbezirk  Rußlands:  hinsichtlich  seiner  Einwohnerzahl ­
  wohl  ohne  Beispiel  in  Europa.  Aber  auch  hinsichtlich  des
Verhältnisses  der  Bahnlänge  zum  Flächenraum  haben  nur  die  drei
nördlichsten  russischen  Provinzen  noch  niedrigere  Zahlen.  Zeigen  so
nach  beiden  Seiten  hin  die  nordöstlichen  Wolgaprovinzen  eine  arge
Zurücksetzung,  so  kaum  weniger  die  Gouvernements  an  der  Westgrenze, ­
  auf  die  unten  im  Zusammenhang  bei  der  Betrachtung  des  polnischen ­
  Eisenbahnwesens  überhaupt  hingewiesen  wird 2 ).  Auch  die
Provinzen  des  Südwestens  haben  ein  Mißverhältnis  ihrer  Bahnstrecken
zur  Volksstärke.  Denn  sie  sind  nicht  so  dicht  bevölkert  und  bei  Vor') ­

  In  fünf  finnischen  Provinzen  kommen  auf  100  000  Einwohner  mehr  als
130  km  Eisenbahnen.  Die  Höchstziffer  Finnlands  wie  Rußlands  weist  das  nördliche
Gouvernement  Uleäborg  (142,6  km)  auf.
a )  S.  56  ff.,  S.  65.
        <pb n="45" />
        40

herrschen  der  Landwirtschaft  noch  lange  nicht  so  industrialisiert,  daß
sich  die  niedrigen  Zahlen  etwa  aus  den  Verhältnissen  des  Königreichs
Sachsen  oder  des  Niederrheins  erklären  ließen.  Bemerkenswert  ist,
daß  das  Eisenbahnnetz  der  industriell  noch  andauernd  sich  schnell  entwickelnden ­
  Provinz  Jekaterinoslaw  sowohl  dem  Flächenraum  wie  der
Einwohnerzahl  nach  befriedigende  Ergebnisse  liefert.  —
Wenn  wir  einen  Blick  auf  die  heute  noch  bestehenden  Privatbahnen
werfen,  so  sei  hier  zunächst  die  Stellung  Moskaus  berührt.  Moskau,
die  gewaltige  Industrie-  und  Handelsstadt,  die  bei  weitem  den  größten
Eisenbahnverkehr  hat,  ist  immer  noch  ein  Zentrum  der  Privat  bahnen.
Von  seinen  10  Hauptbahnen  sind  5  Privatbahnen,  die  4  Gesellschaften
gehören.  Nur  die  Südostbahnen  haben  von  den  5  großen  europäischen
Gesellschaften  keine  in  Moskau  endende  Linie 1 ).  Wie  auf  dem  Gebiete
der  Industrie  mit  ihrer  stark  betonten  Eigenart  und  Selbständigkeit
behauptet  also  Moskau  auch  auf  dem  Verkehrsgebiet  eine  gewisse  selbständige ­
  Stellung  gegenüber  Petersburg,  das,  wie  im  gewerblichen  Leben,
so  auch  hier  mehr  der  Mittelpunkt  staatlicher  Unternehmungen  ist.
In  Moskau  hat  die  Kasaner  Bahn  den  Sitz  ihrer  Verwaltung,  ferner
wie  in  St.  Petersburg  die  Moskau-Windau-Rybinsker  Gesellschaft,  deren
Liniennetz  am  wenigsten  geschlossen  ist.  Die  Verwaltung  der  Moskau-Kiew-Woroneshbahn
  ist  in  Kursk,  die  der  Südostbahnen  in  Woronesh,
der  Nord-Donezbahnen  in  Charkow,  der  Wladikawkasbahn  in  Rostow
und  der  Rjäsan-Uralsker  Eisenbahn  in  Saratow.  Die  kleineren  Gesellschaften ­
  haben  ihre  Verwaltung  entweder  in  den  Endpunkten  oder  in
den  größeren  Städten,  die  in  ihrem  Arbeitsgebiet  liegen,  so  die  Südzufuhrbahnen ­
  in  Shitomir,  die  Herby-Kielzibahn  in  Tschenstochow  usw.
Die  verstaatlichten  ehemaligen  Privatbahnen  bestehen  häufig  in
ihrer  alten  Verwaltungsorganisation  fort  und  führen  ebenso  ihre  früheren
Benennungen  weiter.  Auch  der  Sitz  der  staatlichen  Verwaltung  blieb
häufig  am  Sitz  der  ehemaligen  Gesellschaft.  Doch  sind  den  Verwaltungen
verstaatlichter  Privatbahnen  auch  staatliche  Neubaustrecken  zugewiesen ­
  worden,  z.  B.  der  Nikolaibahn,  oder  verschiedene  Privatbahnstrecken ­
  sind  zu  einer  Verwaltung  vereinigt,  wie  bei  der  Riga-Oreler
Bahn.  Die  Riga-Oreler  Bahn  hat  ihren  Sitz  in  Riga,  die  Libau-Romnyer
Bahn  in  dem  zentral  gelegenen  Minsk.  Während  die  ausgedehnten
Südwestbahnen  in  Kiew,  die  Südbahnen *  2 )  in  Charkow,  die  Weichselund
  die  Warschau-Wiener  Bahn  in  Warschau,  die  stark  militärisch
beeinflußten  Poljesjer  Bahnen  in  dem  militärischen.  Mittelpunkt  Wilna  3 )
*)  Die  Moskauer  Verhältnisse  haben  eine  gewisse  Ähnlichkeit  mit  denen
von  Paris.  Auch  hier  haben  neben  den  Staatsbahnen  vier  Gesellschaften  Endbahnhöfe, ­
  und  nur  die  Südbahn  hat  keine  an  der  Seine  endende  Linie.
2 )  Zur  Südbahn  gehören  seit  1906  die  Linien  Kursk—Losowaja,  Losowaja—
Sewastopol  und  Charkow—Nikolajew.
3 )  Wilna  ist  wie  Warschau  und  Kiew  der  Sitz  eines  Militärbezirks.
        <pb n="46" />
        verwaltet  werden,  ist  St.  Petersburg  der  Sitz  der  Nikolaibahn  und  der
Nordwesteisenbahnen,  wie  man  seit  1906  die  beiden  kombinierten  Systeme
der  Baltischen  und  der  Petersburg-Warschauer  Bahn,  denen  ferner  die
vom  Staate  gebaute  Bahn  Pskow—Riga  zugeteilt  ist,  nennt.  In  Moskau
haben  von  staatlichen  Verwaltungen  ihren  Sitz  die  Kursker,  die  Nischni
Nowgoroder,  die  Nord- 1 )  und  die  Alexander  bahn.
Die  Eisenbahnpolitik  des  russischen  Staates  hat  bewirkt,  daß  die
Domäne  großer  Privatbahnsysteme  im  wesentlichen  der  Osten  ist.  Östlich ­
  von  der  Linie  Moskau—Kaschira—Jelez—Waluiki—Liski—Rostow
herrschen  bis  zur  Wolga,  im  Südosten  auch  über  diese  hinweg,  Privatbahnen. ­
  Die  Kasaner  Bahn,  die  Rjäsan-Uralsker  Bahn,  die  Südostbahnen
und  die  sich  an  diese  anschließenden  wenigen  europäischen  Linien  der
Wladikawkasbahn  haben  hier  ein  von  anderen  Bahnen  kaum  unterbrochenes ­
  Liniennetz.  Nur  der  europäische  Zweig  der  sibirischen  und
der  zentralasiatischen  Bahn,  die  Strecken  Tula—Samara—Tscheljabinsk
und  Samara—Orenburg,  sind  in  Staatsbahnverwaltung.  In  Tscheljabinsk, ­
  dem  Ausgangspunkt  nach  Sibirien,  schließt  sich  an  die  wichtige
Linie  St.  Petersburg—Perm—Kungur—Jekaterinburg—Tscheljabinsk
ein  kleineres  Netz  staatlicher  Bahnen  an,  das,  der  Direktion  in  Perm
unterstellt,  teilweise  noch  größere  Bedeutung  erhalten  wird,  wie  die
Linie  Jekaterinburg—Tjumen—Omsk,  von  der  die  Strecke  Tjumen—
Omsk,  über  die  wohl  der  Petersburger  Sibirienzug  geleitet  wird,  kürzlich
vollendet  wurde.  Auch  westlich  über  die  Linie  Moskau—Waluiki—Rostow
hinweg  reicht  das  Netz  der  Privatbahnen.  Die  Moskau-Kiew-Woroneshbahn
  hat  ihr  Netz,  das  sich  bis  nach  Kiew  erstreckt,  sogar  fast  ganz
westlich  liegen,  und  die  Rjäsan-Uralsker  Bahn  hat,  wie  früher  hervorgehoben ­
  wurde,  ihr  Netz  fast  ebenso  weit  westlich  ausgedehnt  und
erreicht  in  Smolensk  gleichfalls  die  Westgrenze  des  moskowitischen
Rußland.  Dem  völlig  abendländischen  Rußland  gehören  aber  teilweise
die  Linien  der  Moskau-Windau-Rybinsker  Bahn  an.  Sonst  sind  aber
die  Privatbahnen  des  Westens,  wie  noch  zuletzt  die  den  Polen  zu  ihrem
Leidwesen  entwundene  Warschau-Wiener  Bahn,  verstaatlicht,  gleichwie
auch  die  Bahnen,  die  kolonialpolitischen  Zielen  dienen.  Bis  auf  die
neue  Bahn  Herby—Tschenstochow—Kielzi  sind  alle  Bahnen,  die  zu
den  westlichen  Grenzen  führen,  im  staatlichen  Besitz.  Vortrefflich
wird  die  russische  Politik  auch  durch  einen  Blick  auf  die  kaukasischen
Besitzverhältnisse  beleuchtet.  Während  die  diesseits  des  Kammes
befindlichen  Bahnen,  also  die  Linien  in  einem  durchaus  befriedigten,
ganz  überwiegend  von  einer  russischen,  klein-  und  großrussischen,  Bevölkerung ­
  bewohnten  Lande  der  privaten  Wladikawkasbahn  gehören,
sind  die  jenseits  des  Kammes,  somit  in  dem  von  zahlreichen  unruhigen

x )  Der  1906  gebildeten  Nordbahn  sind  unterstellt  die  Bahnen  der  alten
Jaroslawler  Gesellschaft  und  die  Neubaustrecke  St.  Petersburg—Wologda—Wjatka.
        <pb n="47" />
        42

Völkerschaften  bewohnten  Berglande,  angelegten  Strecken,  deren  Ausläufer ­
  bis  an  die  persische  Grenze  reichen,  Kronsbahnen.  Hier  war
ja  mit  in  erster  Linie  zu  erwarten,  daß  die  Eisenbahnen  offensiven
Zwecken  dienstbar  gemacht  würden.  So  ist  es  natürlich  begreiflich,
daß  auch  die  Bahnen  in  Zentralasien,  deren  Benutzung  sogar  teilweise
der  Öffentlichkeit  entzogen  ist,  in  staatlichem  Besitz  sind.  Die  Verstaatlichungsbewegung, ­
  die  nach  den  vor  dem  Kriege  herrschenden
Ansichten  noch  weiter  ausgedehnt  werden  sollte  —  auch  die  alte  Lodser
Fabrikeisenbahn  sollte  1915  verstaatlicht  werden 1 )  —,  hat  sich  also
auf  die-.sogenannten  strategischen  Gebiete  sowohl  Europas  wie  Asiens
konzentriert.  Demgegenüber  darf  die  Tatsache,  daß  die  alte  Bologoje-Rybinsker
  Bahn  durch  die  Erweiterung  der  Gesellschaft  ihr  Netz  bis
an  die  Ostsee  ausdehnte,  nicht  als  außergewöhnliche  Abweichung  bewertet ­
  werden,  handelt  es  sich  doch  um  den  allen  Schiffen,  nach  den
Bestimmungen  vom  Frühjahr  1914  auch  fremden  Kriegsschiffen  ohne
Förmlichkeit  zugänglichen  Hafen  Windau,  dem  man  vor  dem  Kriege
in  russischen  Militär  kreisen  eine  größere  strategische  Bedeutung  absprach.
Gerade  der  Ausbau  der  Bologoje-Rybinsker  Bahn  beweist,  daß  der
Staat  überhaupt  die  Privatinitiative  nicht  entbehren  kann,  und  zwar
um  so  weniger,  als  er  mit  kostspieligen  Plänen  im  Amurland,  in  Zentralasien, ­
  im  Kaukasus  und  in  Persien  vollauf  beschäftigt  ist,  zu  denen  nach
der  ursprünglichen  Absicht  etwas  später  der  Ausbau  des  polnischen
Bahnnetzes  kommen  sollte.  Auch  die  Neugründung  zahlreicher  kleinerer
Gesellschaften  konnte  so  zustande  kommen,  teilweise  auch  im  Westen.
Ferner  wurde  1908  eine  größere  Gesellschaft,  die  (belgische)  Nord-Donezeisenbahn
  begründet  zur  Erschließung  des  von  belgischen  Kapitalien
stark  beanspruchten  Donezindustriegebietes  und  seiner  Verbindung  mit
Großrußland:  ein  ausgezeichnetes  Unternehmen,  das  sich  schnell  ausdehnt ­
  und  das  trotz  des  kurzen  Bestehens  schon  zum  zweigeleisigen
Ausbau  der  Hauptlinie  geschritten  ist.  Ist  doch  die  Nord-Donezbahn
eine  der  ganz  wenigen  russischen  Bahngesellschaften,  die  in  den  Kriegsmonaten ­
  nicht  unter  dem  fast  gänzlichen  Ausfall  der  gewöhnlichen
Frachten  zu  leiden  hatte.  Die  Bahn  arbeitete  sogar  mit  steigenden
Erträgnissen,  da  sie  die  meisten  Kohlentransporte  nach  Petersburg  und
dem  baltischen  Gebiet,  die  früher  mit  englischer  und  deutscher  Kohle
versorgt  wurden,  leitet.  In  den  letzten  Jahren  wurde  privaten  Gesell*) ­

  Die  von  der  Lodser  Fabrikbahn  nachgesuchte  Hinausschiebung  der  Verstaatlichung ­
  um  10  bis  15  Jahre  wurde  im  Juli  1914  abgelehnt.  Man  war  einer
weiteren  Verstaatlichung  auch  größerer  Gesellschaften  anscheinend  nicht  abgeneigt. ­
  Die  Absicht,  die  Moskaus-Kiew-—  Woroneshbahn  auf  Rechnung  des
Staates  zu  übernehmen,  wurde  im  Sommer  1913  vereitelt.  Im  Sommer  1914  hieß
es,  daß  man  der  Verstaatlichung  der  größten  russischen  Privateisenbahn,  Rjäsan—
Uralsk,  näher  treten  wolle,  da  sie  bei  dem  weiteren  Ausbau  des  Bahnnetzes  versagt
habe.
        <pb n="48" />
        43

schäften  eine  große  Zahl  von  Plänen  genehmigt,  teilweise  von  einiger
Bedeutung,  und  zwar  nicht  nur  im  Osten.  Der  Staat  mußte  eben  wieder
auf  die  Mitarbeit  Privater  zurückgreifen,  so  daß  die  endgültige  ausschließliche ­
  Herrschaft  der  Staatsbahnidee  für  Rußland  noch  nicht  zu
erwarten  ist.  Werden  doch  jetzt  sogar  in  Zentralasien  Bahnen  von
privaten  Unternehmern  angelegt,  wie  das  Projekt  Kokand—Namangan.
Und  die  im  Sommer  1914  dem  Reichsrat  vorgelegte  südsibirische  Bahn
soll  ebenfalls  von  Privaten  gebaut  werden.  Bis  zum  Herbst  1913  waren
an  privaten  Bahnkonzessionen  ungefähr  10  000  W  genehmigt 1 ),  und
der  damalige  russische  Ministerpräsident  Kokowtzow  hat  in  Paris  bei
den  Erörterungen  über  die  Anleiheaufnahmen  die  unumgänglich  nötige
Mitarbeit  der  Privatgesellschaften  scharf  hervorgehoben.  Im  Januar
1914  wurden  die  Verhandlungen  über  die  staatlich  garantierte  4 1 / 2 %ige
Anleihe  in  Höhe  von  665  Millionen,  die  aber  nur  der  erste  Teil  der  von
der  französischen  Regierung  verbürgten,  auf  5  Jahre  verteilten  Anleihe
russischer  Eisenbahngesellschaften  von  2 1 / 2  Milliarden  sind,  endgültig
abgeschlossen.  Neun  Eisenbahngesellschaften  waren  daran  beteiligt,
darunter  die  Kasaner,  die  Rjäsan-Uralsker  und  die  Kiew-Woroneshbahn.
Zur  Erschließung  des  Nordwestens  wurde  eine  neue  Gesellschaft,  Olonez.
begründet.  Eine  neue  in  London  unterzubringende  Anleihe  von  100  bis
120  Millionen  Mark  (Sommer  1914)  sollte  vornehmlich  der  Südostbahn
zugute  kommen.  Das  Ziel  der  Kokowtzowschen  Finanzpolitik,  daß
Rußlands  Wirtschaft,  gestützt  auf  gute  Staatsfinanzen,  große  Budgetüberschüsse ­
  usw.  das  ungeheure  Bahnprogramm  so  viel  und  so  schnell  als
möglich  in  sich  bewältigen  könnte,  hat  sich  nicht  befolgen  lassen *  2 ).
Rußland  wird  seine  Unterstützungspolitik,  nach  der  die  privaten  Bahnen
mit  Zuschüssen  bedacht  werden  und  die  Regierung  für  die  Gewähr  von
Dividenden  eintritt,  weiter  befolgen.

3.  Die  Aufgaben  (1er  nächsten  Zukunft,  Nordbalmprojekte ­
  des  Kriegsjahres  1914/1915.
Es  schien  vor  Kriegsbeginn  für  die  meisten  Gebiete  des  Russischen
Reiches  —  eine  Sättigung  mit-Bahnen  besteht  ja  noch  nirgendwo  —
wieder  eine  Zeit  außerordentlicher  Tätigkeit  im  Ausbau  des  Schienennetzes ­
  sich  anbahnen  zu  wollen.  Daneben  ging  freilich  hier  und  da  ein
unnützes,  zuweilen  uferloses  und  phantastisches  Planen,  das  Rußland  nie
ganz  fremd  war.  Man  kann  sagen,  daß  Pläne,  die  plötzlich,  gewissermaßen ­
  von  der  Not  des  Augenblicks  gefordert  werden  und  die  in  der
Öffentlichkeit,  dem  Streit  widerstrebender  Interessen  entrückt,  am
*)  Von  Juni  1911  bis  Juni  1912  waren  4S18  W  zur  Ausführung  von  der  Regierung ­
  genehmigt,  während  allein  14  855  W  eingereioht  waren.  Bis  zum  1.  Januar
1913  traten  weitere  2482  W  genehmigte  Neubaustreoken  hinzu.
2 )  Frankftr.  Ztg.  141,  22.  Mai  1914.
        <pb n="49" />
        44

wenigsten  besprochen  werden,  häufig  schnell  vorbereitet  und  ausgeführt
werden.  Das  alte  Elend,  daß  Projekte,  die  schon  vor  vielen  Jahren,  ja
vor  Jahrzehnten  genehmigt  wurden  oder  wenigstens  zur  Debatte  standen,
immer  noch  nicht  gebaut  werden,  beherrscht  freilich  auch  die  neueste
Entwickelung.  Es  ist  kaum  Zufall,  daß  der  Westen  und  Süd  westen  des
Reiches  unter  diesen  Verhältnissen  besonders  leidet.  Wie  oben  erwähnt
wurde,  mußten  von  der  Regierung  genehmigte  Baupläne,  z.  B.  in  der
Gegend  von  Odessa,  wieder  kassiert  werden.  Ähnlich  verschwanden
Projekte  in  den  Weichselprovinzen.  Es  seien  nur  Warschau—Radom,
Nowo  Georgijewsk—Plozk,  Lublin—Tomaschow  genannt.  Wo  aber  der
Staat  den  Bahnbau  in  seine  feste  Hand  nimmt  oder  Bedingungen  an
die  Zeitdauer  der  Ausführung  knüpft,  da  kann  die  Bauentwickelung  häufig
gelobt  werden.  Freilich  bestimmen  den  Fiskus  in  solchen  Fällen  nicht
zuletzt  strategische  und  politische  Gründe.  Wenn  nun  auch  strategische
Motive  den  Bau  begründeten,  so  haben  die  Bahnen  doch  fast  stets  die
wirtschaftliche  Hebung  des  neu  erschlossenen  Bezirks  zur  Folge.
Im  europäischen  Reichsteile  ist  in  der  jüngsten  Bahnpolitik  die
Bevorzugung  der  eigentlich  kolonialen  Gebiete  bemerkenswert:  die  Taktik
schließt  sich  also  hier  der  in  Asien  befolgten  an.  Unter  den  zur  Ausführung ­
  empfohlenen  und  teilweise  vor  dem  Kriegsausbruch  bereits  in
Angriff  genommenen  Arbeiten  seien  zunächst  die  Bauten  der  politischen
Provinzen  genannt.
Die  Wladikawkasbahn  wird  im  Süden  der  Donprovinz  ihre  Bahnen
Rostow—Tiohorjezkaja  und  Zarizyn—Tichorjezkaja,  die  Stationen
Bataisk  und  Welikokniashewskaja  verbinden  und  so  vermutlich  einer
neuen  West-Ostverbindung  nach  Astrachan  Vorarbeiten.  Der  Süden
leidet  ja  gerade  schmerzlich  an  Querverbindungen,  während  er  mit
dem  Innern  des  Reiches  gut  verbunden  ist.  Eine  solche  stellt  auch  die
neue  Bahn  durch  das  verkehrspolitisch  sehr  zurückgebliebene  Taurien
dar.  Von  Zarekonstantinowka  an  der  Jekaterinenbahn  Alexandrowsk—
Wolnowacha  baut  die  neugebildete  Schwarzmeergesellschaft  (Tokmakeisenbahn)
  eine  Linie  über  Tokmak  (an  der  Linie  Tschaplino—Berdjansk)
durch  das  deutsche  Mennonitengebiet  von  Halbstadt  nach  Fedorowka
an  der  großen  Südbahn  (124  W),  die  durch  die  ebenfalls  von  deutschen
Kolonistengemeinden  besetzte  Nogaische  Steppe  bis  zum  Hafen  Skadobsk
am  Schwarzen  Meere  (200  W)  weitergeführt  wird.  Mit  diesem  Neubau
wird  das  alte  Projekt  (Cherson—)  Aleschki—Nowo  Alexejewka  (—Genitschesk)
  wohl  für  längere  "Zeit  verschwinden.  Endlich  erhält  auch  die
russische  Riviera  der  südlichen  Krim  durch  die  1912  genehmigte  Bahn
Sewastopol—Aluschta  mit  einer  Zweigbahn  nach  Balaklawa  einen
Schienenweg.  Die  von  der  Moskau  -  Kiew  -  Woroneshbahn  seit  1910  in
Angriff  genommene  und  vermutlich  bereits  1914  vollendete  Linie  Bachmatsch—Wosnessensk—Odessa ­
  wird  voraussichtlich  einen  neuen  QuerlimenanscEIüß
  von  Wosnessensk  nach  Nikolajew  erhalten,  den  die  Neben ­
        <pb n="50" />
        buhlerin  Cherson  mit  dem  Gesuch  um  die  Anlage  einer  neuen  Bahn  nach
Charkow  beantworten  will.
Dem  Osten  ist  ein  noch  reicheres  Bündel  von  Bauplänen  beschieden.
Freilich  ist  eine  Verbindung  der  großen  Wolgastädte  Nischni  und  Kasan
und  ihres  Hinterlandes  mit  den  Uralplätzen  noch  immer  nicht  zu  erwarten. ­
  Auch  hier  liegen  ältere  Projekte  vor.  Perm  hatte  sich  um
1870,  nachdem  der  Handelsweg  nach  Sibirien  --  die  Kasansche  oder
Sibirische  Straße  —  hierhin  verlegt  worden  war,  zu  einem  bedeutenden
Handelsplatz  entwickelt,  dem  man  eine  glänzende  Zukunft  voraussagte.
Noch  bevor  überhaupt  im  Ural  eine  Bahn  vorhanden  war,  wurde  schon
1868  der  Plan  einer  Bahn  von  Tjumen  an  der  schiffbaren  Tura  nach
Sarapul  an  der  wasserreichen  Kama  erwogen.  In  der  gleichen  Richtung,
das  Stromgebiet  der  Wolga  mit  dem  der  sibirischen  Flüsse  durch  eine
Eisenbahn  zu  verbinden,  bewegen  sich  noch  manche  andere  Vorschläge.
Man  konnte  sich  zunächst  nur  für  eine  verhältnismäßig  nördlich  geführte
russisch-sibirische  Bahn  erwärmen.  Neben  der  beiden  Hauptstädten
zugute  kommenden  Strecke  Rybinsk—Wjatka—Perm—Jekaterinburg—
Tjumen x )  kam  ein  südlicheres  Projekt,  von  Nischni  über  Kasan  nach  Perm
in  Frage.  Die  Regierung  hatte  sich  1876  für  das  letztere,  das  allgemein
für  das  vorteilhafteste  erachtet  wurde,  entschieden  und  bereits  die
Arbeiten  verordnet,  als  der  russisch-türkische  Krieg  sie  unterbrach 1  2 ).
Und  als  im  Jahre  1882  die  Untersuchungen  wieder  aufgenommen  wurden,
da  tauchte  die  dritte  Linienführung  auf,  die  südlichste,  die  siegreich
durchdrang,  wie  sehr  auch  gerade  infolge  der  Durchführung  der  Uraleisenbahn ­
  bis  Tjumen  immer  wieder  die  Leitung  über  die  Kamastädte
befürwortet  wurde.  Selbst  nachdem  am  6.  Januar  1885  die  Strecke
Samara—Ufa  verordnet  und  im  Jahre  1892  Tscheljabinsk  endgültig
zum  Ausgangspunkt  der  sibirischen  Bahn  bestimmt  war,  war  man  noch
1898  im  Zweifel,  ob  man  nicht  durch  den  Bahnbau  Kasan—Jelabuga—
Menselinslt—Tscheljabinsk  auch  die  Petersburger  Interessen  vertreten
könne,  so  daß  der  damals  erstmalig  auftretende  großartige  Plan,  St.  Petersburg ­
  über  Wologda  und  Wjatka  mit  Perm  zu  verbinden,  wegfallen  würde.
Seitdem  sind  ernsthafte  Pläne,  Kasan  mit  Perm  durch  eine  Bahn  zu
verbinden,  Pläne,  die  mit  einer  gewissen  Selbstverständlichkeit  auch
jetzt  noch  auftreten  könnten  wie  nur  wenige  in  Rußland,  nicht  wieder
erwogen  worden,  und  der  Kasaner  Wolgawinkel  ist  nach  wie  vor  noch
auf  den  Flußverkehr  mit  seinem  östlichen  Hinterland  angewiesen 3 ).
Dagegen  geht  südlicher  verhältnismäßig  schnell  ein  wichtiges  Wolga-1
 )  Auch  die  Variation  über  Kineschma,  die  allerdings  verhältnismäßig  einseitig ­
  auf  Moskauer  Verhältnisse  zugesehnitten  war,  tauchte  auf.
2 )  Claus,  Die  sibirische  Eisenbahn,  AEW  11  (1888)  S.  232.
3 )  Ganz  neuerdings  heißt  es,  daß  die  Kasaner  Bahn  eine  Linie  Nischni  Nowgorod—Kotelnitsch ­
  (an  der  Bahn  Wologda—Wjatka)  bauen  werde.
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        Uralunternehmen  seiner  Vollendung  entgegen,  seitdem  die  Bugulma-Privatbahn
  den  Brückenbau  über  die  Wolga  zwischen  Simbirsk  und
Tschasownja  und  die  Einleitung  der  1911  bis  Bugulma  geführten  Bahn
in  die  sibirische  Bahn  nach  Tschischmy  kurz  vor  Ufa  beschlossen  hat.
Eine  größere  Bedeutung  hat  auch  das  am  20.  Juni  1911  genehmigte
Projekt  einer  Bahn  von  Berdjausch  unweit  Slatoüst  nordwärts  nach
Lyswinskij  Sawod,  der  Endstation  der  Zweiglinie  von  Kalino  (an  der
alten  Bahn  Perm—Jekaterinburg),  das  dem  Westabhang  des  Ural  folgen
wird  (524  W).  Desgleichen  sind  jenseits  des  Urals  genehmigt  Bahnen
von  Alapajewsk  nach  Bogdanowitsch  (an  der  Strecke  Jekaterinburg—
Tjumen,  146  W),  von  Sinarskaja  nach  Schadrinsk  (1912,  110  W),  das
also  endlich  auch  seine  Bahn  erhalten  wird,  und  von  Jekaterinburg  nach
Seitkowo  am  Tawdafluß  (Provinz  Tobolsk,  338  W),  an  die  auch  Rußlands ­
  zweitgrößter  Meßplatz,  Irbit,  angeschlossen  wird  Die  Tawdinbahn,
  deren  Vollendung  voraussichtlich  noch  1915  zu  erwarten  ist,  wird
für  Irbit  von  besonderem  Wert  sein,  die  Messe  wird  dadurch  an  Bedeutung
sicherlich  wieder  steigen.  Versucht  doch  die  Stadtverwaltung  ernstlich, ­
  den  vor  dem  Kriege  alljährlich  in  Leipzig  stattgehabten  internationalen ­
  Rauchwarenmarkt  nach  hier  zu  verlegen.  Ferner  sind  Bahnbauten ­
  beschlossen  von  Troizk  nach  Kustanai  in  der  sibirischen  Provinz
Turgai  (167  W,  sollte  1914  fertig  werden)  und  von  Orenburg  nach  Orsk
am  Uralfluß  (310  W).  Während  später  wahrscheinlich  auch  die  erstere
Linie  in  ihrer  Fortsetzung  die  südsibirischen  Steppengebiete  erreichen
wird  wird  die  zweite  im  Verein  mit  dem  verhältnismäßig  sicheren  Plan
Uralsk—Zarizyn  ein  wichtiges  Glied  einer  pontisch-südsibirischen  Verbindung ­
  werden,  das  um  so  mehr  als  die  südsibirische  Bahngesellschaft
sich  kurz  vor  Kriegsbeginn  (Juli  1914)  um  die  Genehmigung  einer  Linie
von  Orsk  über  Akmolinsk  nach  Semipalatinsk  an  der  im  Bau  befindlichen
Altäibähhbem  ühte.
Mit  diesen  Plänen,  deren  Ausführung  durchweg  sicher  ist,  sind  die
Aufgaben  im  europäischen  Osten  noch  nicht  erschöpft 1 ).  Projekte
kühner  Art  tauchen  auch  im  Norden  auf,  so  wenn  man  eine  ostwärts
gerichtete  Verbindung  von  Archangelsk  über  den  Ural  zum  Ob  sowie
eine  siidostwärts  gerichtete  zur  Bogoslowsker  Bahnlinie  im  Mittelural

1 )  Die  Regierung  hat  z.  B.  (bereits  1912)  eine  Denkschrift  über  eine  zu  erbauende ­
  Linie  von  Koslow  durch  die  Gouvernements  Woronesh,  Dongebiet,  Stawropol
  nach  Prochladnaja  an  der  Wladikawkasbahn  (1135  W)  herausgegeben.  Wie
in  westeuropäischen  Staaten,  so  legt  auch  die  russische  Regierung  dem  Parlament
bei  wichtigen  Neubauten,  namentlich  in  Asien,  umfangreiche,  mit  Tabellen  und
Karten  ausgestattete  Denkschriften  vor,  in  denen  die  Landschaft,  die  wirtschaftlichen ­
  Zustände  und  Aussichten  geschildert  werden.  So  beschäftigt  sich  eine
dieser  offiziellen  Arbeiten  mit  einem  Projekt  Petropawlowsk—Akmolinsk  (Ischim)—
Spasskij  Sawod,  dessen  Bau  übrigens  noch  nicht  beschlossen  ist.  Auch  die  Bahn
Koslow—Prochladnaja  ist  noch  nicht  in  Angriff  genommen.
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        47

vorschlägt').  Freilich  das  Ziel,  die  Polarmeere  mit  den  sibirischen
Strömen  zu  verbinden,  ist  auch  nicht  mehr  neu:  entstand  doch  schon
1888  der  Plan  einer  400  W  langen  Verbindung  von  Obdorsk  am  Ob
zum  Karischen  Meer  und  ein  ähnlicher  im  Jahre  1907,  nur  daß  als  sibirir
scher  Ausgangspunkt  die  Mündung  des  Sob  in  den  Ob  bei  Sobskaja
oberhalb  Obdorsk  dligenommen  wurde.  Gleichzeitig  interessierte  sich
auch  Archangelsk  damals  für  eine  Linie  zum  Ob *  2 ).
Es  ist  Verständlich,  daß  gerade  im  Norden  die  Bahnprojekte  jnit
Kriegsausbruch  eine  neue  faßbare  Gestalt.annahmen.  Sowohl  die  Ausschaltung ­
  der  Ostsee,  deren  militärisch-  wie  im  Frieden  kulturell-germanische ­
  Einflußsphäre  der^Krieg  Rußlands  mit  Deutschland  öffenlegte,
als  auch  clie  des  Schwarzen  Meeres,  dessen  Ausgänge  in  fester  türkischer
Hand  sind,  bedingten,  daß  .Rußland*  von  dem  fernen  Wladiwostok -
abgesehen,  einzig  und  allein  auf  den  Eismeerhafen  Archangelsk  ange-,
wiesen  war.  Rußlands  Seegeltung  war  somit  infolge^des  WelUingens  fast
auf  den  Macht^andpmnkt'  zurückgedrängt  worden,  den  das  Zarenreich
vor  der  Zeit  Peters  des  Großen  einnahm.  Die  eingeleisige  Schmalspurbahn ­
  Wologda—Archangelsk  zeigte - *:,  sich  den  unvorhergesehenen  Anforderungen ­
  gar  nicht  gewachsen.  Hüpfer  nicht  sehr  festen  Anlage  wegen,
noch  mehr  aber  wohl  wegen  des  völlig  unzureichenden  rollenden  Materials ­
  —  waren  doch  auf  der  ganzen  Nordbahnlinie  Jaroslawl—Archangelsk
nicht  lange  vor  dem  Kriege  nur  18  Personenwagen  und  387  Güterwagen
eingestellt  nebst  kaum  50  Lokomotiven 3 )  —,  das  zwar  sicherlich  nach
Kräften  ergänzt  wurde,  aber  doch  nicht  die  schwierige  Aufgabe  zu  lösen
vermochte,  konnte  sich  die  Abfuhr  der  im  Hafen  aufgespeicherten  Munitions-
  und  Warenbestände  zum  Kriegsschauplatz  nur  sehr  behindert
und  langsam  vollziehen.  Kaum  14  Tage  nach  der  vollen  Eröffnung
der  Schiffahrt  auf  dem  Eismeer  (Ende  Mai  1915)  war  die  Bahn  durch
die  Waffen-  und  Munitionssendungen  englischer  und  amerikanischer
Herkunft  so  stark  beansprucht,  daß  sie  für  die  private  Güterbeförderung
gesperrt  werden  mußte.  So  mußte  man  zum  Umbau  der  Strecke  schreiten.
Während  die  Umarbeitung  der  südlichen  Teilstrecke  Wologda—Njandoma
noch  1914  beschlossen  wurde,  bewilligte  der  Ministerrat  im  Juli  19.15
auch  die  Mittel  für  den  Umbau  des  nördlichen  Teils  Njandoma—Archangelsk. ­
  Das  Zufrieren  der  Dwina  während  etwa  9  Monate  im  Jahre
forderte  gebieterisch,  daß  man  sogar  den  Bau  der  Bahn  von  Kotlas

x )  Nach  der  „Nowoje  Wremja“  soll  tatsächlich  die  Regierung  im  März  1915
den  Bau  einer  Linie  vom  „Zentralgebiet  des  Ural  zum  Eismeer“  beschlossen  haben.
Einzelheiten  fehlen  noch  völlig.
2 )  Mertens,  Der  Ausbau  des  Eisenbahnnetzes  im  Norden  des  europäischen
Rußlands,  AEW  32  (1909)  S.  188.
3 )  Hier  ist  also  die  Reichsspurstrecke  Jaroslawl—Wologda  einbegriffen.  Man
berücksichtige  die  Schwierigkeiten,  rollendes  Material  von  den  Reichsspurstrecken
auf  die  Schmalspuratreeke  zu  fördern.
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        48

dem  Strom  entlang  nach  Archangelsk  in  Angriff  nahm,  den  man  angeblich ­
  noch  im  Jahre  1915  fertigstellen  wollte.  Die  Transporte  können
dann  von  Archangelsk  auch  über  den  Weg  Kotlas—Wjatka  zu  den
westlichen  Teilen  des  Reiches  gehen.  Mit  diesem  wesentlichen  Umweg
ist  von  vorneherein  der  Vorteil  russischer  Einheitsspur  verbunden. 1 )
Ohne  die  mit  elementarer  Wucht  nach  neuen  Verkehrswegen  durchbrechende ­
  Forderung,  um  so  die  Küste  des  Weißen  Meeres  von  möglichst
vielen  Seiten  zugänglich  zu  machen  und  auszunutzen,  kann  man  es  immerhin ­
  als  fraglich  bezeichnen,  ob  die  Dwinabahn  gebaut  worden  wäre.
Aber  auch  die  Hafenverhältnisse  von  Archangelsk  erwiesen  sich,
obwohl  auch  Seedampfer  die  18  km  oberhalb  der  Mündung  des  Flusses
in  das  Meer  gelegene  Stadt  bequem  erreichen  können,  als  ungenügend.
Der  Ministerrat  bewilligte  deshalb  im  Februar  1915  einen  Kredit  für  die
Vorarbeiten  zum  Bau  einer  Bahn  aus  dem  Gebiet  der  Nordbahn  Wologda—Archangelsk
  bis  zu  einem  Punkte,  der  als  Seehafen  für  Archangelsk
gewählt  werden  soll.  Man  begründete  diesen  Bahnbau  vor  der  Öffentlichkeit ­
  damit,  daß  er  den  Zweck  habe,  dem  russischen  Handel  dauernd
einen  freien  Seeweg  zu  sichern,  eine  Begründung,  die  der  Wirklichkeit
nicht  entsprechen  dürfte,  obwohl  die  Frage  nach  eisfreien  Häfen  unter
Benutzung  der  ungeheuer  starken  Eisbrecher  nicht  mehr  so  ganz  ungelöst
erscheint.  Glaubt  man  doch  annehmen  zu  können,  daß  es  durch  die
Verlegung  des  Hafens  von  Archangelsk  nach  Lapomusha,  dem  zukünftigen ­
  Seehafen,  möglich  werde,  die  Schiffahrt  während  10  Monate
im  Jahre  aufrecht  zu  halten,  was  freilich  sicher  übertrieben  ist.  Aber
man  will  durch  den  triumphierenden  Hinweis  auf  die  Eisfreiheit  russischer
Häfen  und  den  „dauernd“  freien  Seeweg  die  skandinavische  Öffentlichkeit ­
  einlullen,  für  die  die  Gefahr,  daß  Rußland  nach  Narwik  streben
könnte,  nicht  beseitigt  ist *  2 ).  Denselben  Zweck  verfolgt  auch  ein  anderer,
noch  großartigerer  Plan.  Auch  er  ist  nicht  neu.  Sprach  man  doch
schon  1869  von  dem  Bau  einer  Bahn  von  Petersburg  zum  Weißen  Meer
und  hatte  man  sogar  bereits  damals  die  Weiterführung  über  die  Halbinsel
x )  Auch  die  den  Archangelsker  Fluß-  und  den  Kotlaser  Bahnverkehr  übernehmende ­
  Hauptlinie  Wjatka—Wologda—Petersburg  war  im  Sommer  1915  durch
die  Gütertransporte  .so  überlastet,  daß  man  im  August  bereits  an  die  Neuanlegung
einer  weiteren  Strecke  dachte.
2 )  Bezeichnend  ist  das  Vordringen  des  russischen  Einflusses  in  den  norwegischen ­
  Finnmarken,  der  auf  dem  Landwege  eine  10  m  breite  Strasse  in  der  Richtung
nach  Lyngen  zu  erreichen  sucht.  So  soll  dort  die  russische  Flagge  in  allen  Fischplätzen ­
  vorherrschen.  Mit  der  Einwanderung  russischer  Kaufleute  bürgert  sich
die  russische  Geschäftssprache  ein.  Norwegische  Blätter  behaupten  sogar  schon,
sicherlich  übertrieben,  daß  der  norwegische  Handel  vom  russischen  drohe  erstickt
zu  werden.  —  Vielleicht  steht  den  beiden  binnenwärts  weit  nach  Norden  geführten
finnischen  Bahnen  noch  die  Erfüllung  einer  größeren  Aufgabe  bevor.  Denn  es
ist  nicht  anzunehmen,  daß  ihre  jetzigen  Endpunkte,  Kajana  und  Nurmes,  dauernde
bleiben.  Es  ist  ja  immerhin  zu  befürchten,  daß  die  teilweise  der  Küste  entlang
gestreckte  Bahn  Uleäborg—Torneä  zerstört  werden  kann.
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        49

Kola  zum  eisfreien  Katharinenhafen  (Jekaterinskij  Port),  dem  Vorgänger
des  durch  Wittes  Initiative  (1894)  ins  Leben  gerufenen  benachbarten
Alexandroswk  im  Auge 1 ),  ein  Plan,  der  später  wieder  auf  tauchte  und
der  nun,  zum  Teil  durch  die  Gründung  der  Olonezgesellschaft,  verwirklicht ­
  wird.  Es  rächt  sich  jetzt,  daß  die  Rüssen  diesen  Bahnbau
immer  wieder  äufschoben:  durch  eine  fast  unglaublich  erscheinende
Schnelligkeit  will  man  retten,  was  noch  zu  retten  ist.  Die  in  Swanka
an  der  Bahn  Petersburg—-Wologda  beginnende  Privatbahn  hoffte  man
noch  im  Herbst  1915  bis  Petrosawodsk  fertigstellen  zu  können.  Zu
gleicher  Zeit  sollte  aber  auch  schon  die  in  den  ersten  Tagen  des  Januar  1915
vom  Ministerrat  mit  möglichster  Beschleunigung  beschlossene  Bahn
von  Petrosawodsk  zur  Sorozkajabucht  und  nach  Kern  zum  regelmäßigen
Betriebe  fertig  werden.  Schwierigere  Brücken  bauten  sollen  im  Jahre  1916
vollendet  sein.  In  der  gleichen  Pebruarsitzung,  in  der  die  Bahn  zum
Seehafen  von  Archangelsk  verordnet  wurde,  fand  auch  das  Nordbahnprojekt ­
  seinen  Abschluß.  Die  Vorarbeiten  zum  Bahnbau  von  Kem
über  Kandalakscha  nach  Kola  wurden  bewilligt,  und  im  Juni  wurden
dem  Verkehrsminister  vom  Ministerrat  die  Baukosten  bereitgesteilt.
Daran  anschließend  soll  auch  das  Schlußstück  von  Kola  nach  Alexandrowsk,
  mit  dem  Katharinenhafen  dem  einzigen  wirklich  eisfreien  Hafen
an  der  russischen  Nordküste,  gebaut  werden 2 ).  Der  ebenfalls  zu  Beginn
des  Jahres  1915  erörterte  Plan,  von  Rovaniemi  aus  eine  Bahn  an  der
Ostseite  des  Enaresees  entlang  nach  Alexandrowsk  zu  bauen,  die  sonach
überwiegend  auf  finnischem  Boden  anzülegen  und  auch  wohl  den  finnischen ­
  Staatsbahnen  anzugliedem  wäre 3 ),  hat  jetzt  wohl  keine  Aussicht
auf  Erfolg  mehr.
Aber  alle  diese  Pläne  müssen  noch  ausgeführt  werden.  Die  Not,
in  der  Rußland  durch  die  Eisblockade  seines  Hafens  Archangelsk  sich
9  Petermanns  Mitteil.  1869  S.  106.
2 )  Die  Bedeutung  von  Alexandrowsk,  das  nach  seiner  Entdeckung  bald  wieder
halb  vergessen  wurde,  beweist  auch  die  im  März  1915  geschehene  Vollendung  eines
Telegraphenkabels  nach  Peterhead  an  der  Ostküste  Schottlands,  über  das  der
gesamte  englisch-russische  Telegraphenverkehr  geleitet  wird.  —  Angeblich  sollte
die  Bahn,  sogar  als  zweigeieisige  Anlage,  nach  englischen  und  russischen  Nachrichten ­
  bereits  im  Oktober  1915  vollendet  worden  sein.  Unter  der  Leitung  amerikanischer ­
  Ingenieure  sollen  10  000  Mann,  meist  Kriegsgefangene,  beschäftigt  gewesen ­
  sein.  Die  aus  politischen  Gründen  verbreitete  und  mit  großer  Bestimmtheit
auftretende  Meldung  war  indes  durchaus  falsch.  Es  steht  nur  fest,  daß  die  Olonezbahn
  über  Petrosawodsk  hinaus  im  Oktober  gediehen  war,  fraglich’  aber  ist,  ob
damals  bereits  die  Sorozkajabai  oder  gar  Kem  erreicht  war.  Die  Fertigstellung
der  über  die  Halbinsel  Kola  gestreckten  Trasse  Kandalakscha—Alexandrowsk  ist
wahrscheinlich,  wurde  aber  auch  bestritten.  Dagegen  ist  sicher,  .daß  die  schwierigste
Strecke,  das  Mittelstück  Kem—Kandalakscha,  überhaupt  kaum  in  Angriff
genommen  ist,  so  daß  es  noch  einer  längeren  Zeit,  vielleicht  noch  Jahre,  bedarf,
ehe  die  Bahn  von  Petersburg  über  Petrosawodsk  das  Eismeer  erreicht.
3 )  Auch  dieser  Plan  tauchte  schon  1893  auf.
Tuckermann,  Verkehrsgeographie.

4
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        50

im  Winter  1914  befand,  verlangte  indes  ein  schnelles  Zugreifen,  ein
augenblickliches  Handeln  an  anderer  Stelle.  Da  die  schwedischen  und
die  finnischen  Überfahrtshäfen  am  bottnischen  Meerbusen,  auch  abgesehen ­
  von  der  Minengefahr  (Minenkatastrophe  auf  der  Höhe  von
Maentyluoto),  nicht  in  Betracht  kamen,  so  blieb  als  einziger  Ausweg
der  Versuch,  das  finnische  mit  dem  schwedischen  Bahnnetz  zu  verbinden. ­
  Die  russische  Regierung  hatte  auf  ein  Entgegenkommen  der
schwedischen  gehofft.  Sie  hatte  zunächst  während  der  Wintermonate
1914  einen  Schlittenverkehr  von  der  finnischen  Grenzstation  Tomeä
zu  dem  etwa  20  km  nördlich  gelegenen  finnischen  Karungi  und  dann
über  das  Eis  des  Tome-elf  nach  Schwedisch  -  Karungi  (Kukkola),  dem
Schlußpunkt  der  schwedischen  Nordbahn,  eingerichtet.  Seit  dem
11.  Dezember  war  ein  Schnellzugsverkehr  Petersburg—Torneä  hergestellt, ­
  am  5.  Januar  1915  sogar  die  Bahn  Torneä—Karungi  vollendet
und  am  21.  für  den  allgemeinen  Verkehr  freigegeben.  Die  Ausführung
dieser  Bahn  war  allerdings  nur  als  vorläufig  anzusehen,  da  nach  dem
Auftauen  der  Erde  die  Festigung  des  Untergrundes  sich  als  unzulänglich
erwies.  Einen  vollen  Ersatz  konnte  somit  die  nur  provisorisch  gebaute
Bahn  für  die  abgeschnittenen  Zufuhrstraßen  nicht  bieten.  Der  Übergang ­
  zwischen  dem  finnischen  und  dem  schwedischen  Karungi  erfolgte
über  das  Eis  des  Torne-elf  auf  Schlitten  und  Kraftwagen.  Die  Entfernung ­
  von  Station  zu  Station  beträgt  kaum  3  km.  Sowohl  der  finnische
wie  der  schwedische  Grenzort  entwickelten  sich  schnell:  man  sprach
schon  von  einem  nordischen  «Klondylie.  Die  gesamte  russisch-deutsche
Post,  die  den  Gefangenen  der  beiden  Staaten  zugeführt  wird,  ging  über
Karungi.  Der  russischen  Regierung  lag  daran,  einen  lebhaften  Transithandel ­
  ins  Leben  zu  rufen.  Um  aber  von  provisorischen  zu  befestigten
Zuständen  zu  gelangen,  arbeitete  sie  darauf  hin,  die  Erlaubnis  zur  Anlage
einer  von  ihr  selbst  zu  errichtenden  Brücke  über  den  Torne-elf  zwischen
den  beiden  Karungi  von  der  schwedischen  Regierung  zu  erhalten,  stieß
aber  bei  dieser  auf  energischen  Widerstand,  da  Schweden  aus  militärischen ­
  Gründen  und  aus  Neutralitätsrücksichten  seine  Einwilligung  nicht
geben  zu  können  glaubte  1 ).  Nach  längeren  Verhandlungen  gab  Rußland

*)  Etwas  mysteriös  klingt  die  Meldung  einer  nordschwedischen  Zeitung,
„Norbottens  Kuriren“,  vom  Dezember  1914,  daß  russische  Ingenieure  bei  Naerki
und  Aayasaksa  eine  Bahnlinie  trassierten.  Die  Trassierungsarbeiten  verrieten,
daß  Rußland  die  Anschlußbahn  nicht  in  Karungi  enden  lassen  wolle,  sondern  der
schwedischen  Grenze  entlang  bis  nach  Norwegen  weiterzubauen  plane.  Tatsächlich ­
  verlautete  bis  Anfang  Oktober  1915  nichts  mehr  über  diesen  angeblichen
Bahnbau.  —  Die  Schweden  haben  auch  den  Bahnbau  Kemi—Rovaniemi  mit  Mißtrauen ­
  verfolgt:  auch  von  ihm  erwarteten  sie  eine  Offensivzwecken  dienende
Fortsetzung  zu  dem  nordwestfinnischen  Keil,  der  sich  bedeutsam  zwischen  Norwegen, ­
  Schweden  und  Rußland  schiebt  und  der,  ein  Stück  des  schwedischen  Finnmarken, ­
  nach  den  Worten  des  schwedischen  Militärs  und  Reichstagsmitgliedes
Ernst  Liljedahl,  1809  als  Zukunftshoffnung  eingetrieben  wurde.
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        r

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—  51  —
nach.  Die  Zusammenknüpfung  des  schwedischen  und  des  finnischen
Eisenbahnnetzes  wurde  Ende  April  1915  durch  die  Vereinbarung
erreicht,  daß  die  Brücke  über  den  Torne-elf  zwischen  Haparanda
und  Torneä  mit  doppelter  Spurweite  gebaut  wird,  so  daß  die
schwedischen  Züge  direkt  bis  Torneä  und  die  finnischen  bis  Haparanda
fahren  können.  Man  nimmt  übrigens  an,  daß  die  Verbindung  erst
Frühjahr  1917  völlig  beendet  sein  wird.  Dagegen  wurde  der  Bahnbau ­
  auf  schwedischer  Seite  derart  gefördert,  daß  bereits  im  Hochsommer ­
  1915  die  Züge  bis  Haparanda  durchgeführt  werden  konnten.
Auch  der  Austausch  deutscher  und  russischer  Schwerverwundeter
vollzieht  sich  seitdem  über  Torneä  und  Haparanda,  die  durch  eine
Holzbrücke  miteinander  verbunden  sind.  Mit  der  Fertigstellung  der
Bahn  bis  Haparanda  verloren  die  beiden  Karungi  wieder  jedwede
Bedeutung.  —
Wenig  soll  für  das  Innere  des  Reiches  und  den  Westen  geschehen,
wiewohl  es  an  noch  nicht  genehmigten  Projekten  auch  hier  nicht  mangelt.
So  entwickelt  das  natürliche  Verkehrszentrum  Moskau  bedeutende  Pläne,
wie  den  einer  direkten  Verbindung  mit  Wilna,  wodurch  der  denkbar
kürzeste  Weg  nach  Mitteleuropa  zustande  käme.  Ein  privates  Unternehmen ­
  will  Lgow,  den  Ausgangspunkt  der  Nord  Donezbahnen  über
Trubschewsk,  Surash,  Mohilew  mit  Ponewjesh  verbinden  und  so,  wie
es  sagt,  einen  neuen  abkürzenden  Bezugsweg  für  englische  Kohle  von
Libau  zum  Süden  gewinnen  1 ).  Das  sind  aber  noch  Projekte.  Wie  bei
Petrosawodsk,  der  Hauptstadt  der  Olonezprovinz,  steht  dagegen  auch
die  Anknüpfung  des  anderen  bisher  ohne  Bahn  gebliebenen  Gouvernementssitzes ­
  im  eigentlichen  Rußland  an  das  Bahnnetz  ganz  nahe  bevor.
Die  podolische  Eisenbahngesellschaft  (Graf  Potozki)  erhielt  am  21.  Februar
1909  die  Erlaubnis,  eine  Linie  von  Schepetowka  an  der  Bahn  Rowno—
Kasatin  über  Proskurow  (an  der  Bahn  Wolotschisk—Shmerinka)  nach
Kamenez,  der  podolischen  Hauptstadt  (224  W),  anzulegen 2 ).  Auch  das
noch  immer  sehr  verkehrsarme  Waldsumpfland  Poljesje  wird  eine  neue
Bahn  erhalten,  Shlobin—Korosten  (an  der  Bahn  Sarny—Kiew),  die  voraussichtlich ­
  über  Mosyr  und  Owrutsch  geführt  wird.  Ferner  soll  in  Polen,
über  das  an  anderer  Stelle  ausführlich  die  Rede  sein  wird,  einiges  geschehen. ­
  Die  Nachrichten  widersprechen  sich,  doch  ist  die  Bahn  Lowitsch—Kolo—Stralkowo
  schon  vor  mehreren  Jahren  genehmigt  worden.
Anscheinend  sollten  die  beiden  der  preußischen  Grenze  nicht  fern  gelegenen ­
  Provinzhauptstädte  Plozk  und  Lomsha  nach  russischer  Absicht
*)  Es  liegt  ja  auch  nahe,  daß  durch  diese  Bahn  der  Transport  der  Donezkohle
zu  den  baltischen  Provinzen  erleichtert  wird.
2 )  Die  Bahn  ist  bereits  1914  vollendet  worden.  Proskurow  wurde  nach
dem  Zurück  weichen  der  Russen  aus  Lemberg  der  Sitz  der  galizi,sein  russischen
Eisenbahndirektion.
4*
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        52

zunächst  noch  die  einzigen  Regierungssitze  in  Rußland  ohne  Eisenbahn
bleiben 1 ).  —
Hier  seien  im  Zusammenhang  auch  kurz  die  Aufgaben  in  Asien
berührt,  um  einen  Überblick  über  den  Unternehmungsgeist  der  russischen
Bahn  Verwaltungen  im  ganzen  zu  erhalten.  Gerade  hier  hat  sich  die
Leistungsfähigkeit  des  Riesenreiches  des  öfteren  erwiesen,  die  auch  in
kritischen  Zeiten  vor  einer  zielbewußten  Durchführung  der  Pläne  nicht
zurückschreckte,  freilich  nicht  zuletzt  aus  dem  Grunde,  da  es  sich  um
politisch  und  strategisch  wichtige  Anlagen  handelte.  Sollen  doch
auch  jetzt  während  des  Weltkrieges  die  Arbeiten  namentlich  an  den
asiatischen  Bauten  vorwärts  schreiten,  allerdings  unter  Zuhilfenahme
von  Kriegsgefangenen,  so  an  der  Amurbahn,  an  der  Minussinsker  Bahn,
an  dem  für  die  Goldindustrie  wichtigen  Bahnbau  Irkutsk—Bodaibo  2 ).
Immer  noch  hemmen  die  außerordentlich  hohen  Ausgaben  im  fernen
Osten,  der  Bau  der  Amurbahn,  vor  deren  Anlage  Graf  Witte  warnte,
und  die  kürzlich,  obwohl  die  mit  Hochdruck  betriebenen  Arbeiten  1906
begonnen  wurden,  zur  Hälfte  (Strjetensk—Blagowjeschtschensk)  fertig
wurde 3 ),  den  Angriff  anderer  für  die  Kulturerschließung  wichtigerer
Aufgaben,  wie  erneute  Klagen  beweisen.  Die  Bahn,  die  Sibirien  mit
Zentralasien  verbinden  soll,  mußte  immer  wieder  verschoben  werden,
und  erst  am  28.  Mai  1912  konnte  der  Bau  von  dem  ungewöhnlich  schnell
aufgeblühten  Nowo  Nikolajewsk  nach  Barnaul  und  Semipalatinsk  sowie

L  Wie  verlautet,  soll  im  Haushaltungsplan  für  1914  tatsächlich  eine  Linie
Nowo  Georgijewsk—Plozk  aufgenommen  sein.  Ferner  wurden  einige  Bahnen
genannt,  die  strategischen  Charakter  haben  und  die  offenbar  die  erste  Antwort
auf  die  französischen  Klagen  sein  sollten.  Die  meisten  liegen  übrigens  außerhalb
des  eigentlichen  Polen,  so  die  Strecken  Kiew—Shitomir—Schepetowka,  Dwinsk-Kowno
  (also  unter  Umgehung  von  Wilna)  und  Kowno—Rossieny—Polangen;
die  letztere  würde  somit  längs  der  ostpreußischen  Grenze  gelegt  werden.  Auch
die  baltisch-litauischen  Projekte  Riga—Wilna  und  Mitau—Tauroggen  tauchen
auf,  wie  nicht  zum  ersten  Male  polnisch-galizische  Linien.  Nur  wenige  Pläne  können
Anspruch  auf  erstmaliges  Auftreten,  auf  Originalität  machen.  Dazu  gehört  das
große  Ostwestprojekt  Rjäsan  —Tula  —  Ljudinowo  —  St.  Bychow  —  Baranowitschi
(—Warschau).  Ob  tatsächlich  alle  diese  Linien,  auch  ohne  daß  der  Krieg  ausgebrochen ­
  wäre,  so  bald  gebaut  worden  wären,  ist  zu  bezweifeln.  Das  Plozker
Projekt  soll  aber  angeblich  in  Angriff  genommen  sein.  Und  der  Bauplan  Cholm  —
Tomaschow—Belzec  (Galizien)  sollte  sich  ebenfalls  nicht  mehr  im  Stadium  der
Erwägungen  befinden.  Immerhin  ist  es  gut,  wenn  man  hinsichtlich  der  Verwirklichung ­
  all  dieser  Pläne,  die  stets  in  Fülle  auf  treten,  wenn  militärpolitische  Fragen
in  stärkerem  Maße  erörtert  werden,  eine  gewisse  Skepsis  beachtet,  wie  sie  durch
die  Geschichte  des  russischen  Eisenbahnwesens  begründet  ist.
2 )  Mit  welchem  Zielbewußtsein  auch  während  des  gewaltigen  Krieges  die
Erledigung  der  Bahnprojekte  betrieben  wird,  dafür  zeugt  eine  Meldung  vom  Juli
1915,  daß  Rußland  in  Amerika  60  000  t  Eisenbahnschienen  für  sibirische  Bahnbauten ­
  bestellt  habe.
3 )  Der  erste  Zug  Blagowjeschtschensk—Baikalsee  ging  Mitte  Dezember
1913  ab.
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        53

die  Zweigbahn  von  Barnaul  nach  Biisk  verordnet  werden 1 ).  Ebenso
Wurde  die  Anschlußbahn,  die  Semirjetschinsklinie  (536  W)  genehmigt,
ferner  die  Linie  Atschinsk—Minussinsk  (451  W),  an  deren  Bau  im  Juni
1915  2500  Kriegsgefangene  beschäftigt  waren.  Aber  auch  in  Zentralasien ­
  gewinnen  alte  Pläne  jetzt  greifbare  Gestalt:  so  wird  von  Kagan
(Buchara)  aus  endlich  der  Weg  nach  Termez  geschient  und  der  friedliche
Vormarsch  nach  Kabul,  somit  in  anderer  Absicht  als  in  den  Projekten
vor  30  Jahren,  geebnet  werden.  Die  verhältnismäßig  geringfügige  Entwickelung ­
  des  zentralasiatischen  Bahnnetzes  seit  der  Vollendung  der
Bahn  Orenburg—Taschkent  (1905)  geht  mit  der  Beruhigung  des  Landes
und  der  Tatsache  Hand  in  Hand,  daß  Rußlands  politisch-aggressive
Politik  in  Zentralasien  vorläufig  wohl  so  ziemlich  zum  Stillstand  gekommen ­
  ist *  2 ).  Anders  in  den  Ländern  des  Kaukasus,  die  teilweise  neuerdings ­
  verwaltungstechnisch  zu  Europa  gerechnet  werden.  Hier  entstehen ­
  Pläne  in  größter  Reichhaltigkeit.  Nördlich  vom  Kamm  ergreifen
die  Initiative  die  Privatbahnen,  die  Ärmawir  und  namentlich  dieWladikawkasgesellschaft,
  im  Süden  die  Staatsbahn.  Es  sind  in  den  letzten
Jahren  eine  derartige  Fülle  wertvoller  Projekte  erwogen  und  teilweise
auch  schon  genehmigt  worden,  wie  in  keinem  anderen  Teile  des  Russischen
Reiches.  Sollten  alle  Pläne  zur  Ausführung  kommen,  so  wäre  kein
beträchtlicher  Ort,  keine  Siedlung  über  5000  Einwohner  mehr  ohne  Bahnverbindung. ­
  Hingewiesen  sei  auf  die  wichtige  Verknüpfung  der  ersten
Station  in  der  ziskaukasischen  Kubanprovinz,  Kuschtschewka,  mit
Krymarskaja,  kurz  vor  Noworossijsk  (277  W),  wodurch  die  Wladikawkasbahn
  eine  bedeutend  abkürzende  Verbindung  mit  dem  Schwarzmeerhafen ­
  schaffen  wird.  Von  besonderem  Wert  sind  natürlich  die  Projekte,
die  auf  die  Reichsgrenzen  hinzielen.  Von  Aljat  südlich  von  Baku  wird
eine  Bahn  nach  Astara  an  der  persischen  Grenze  in  der  Richtung  auf
Rescht  gebaut  werden.  Die  Grenze  ist  schon  am  9.  November  1913
von  dem  neuen  Bahnbau  Dschulfa—Täbris  durch  die  Überbrückung
des  Arax  überschritten  worden.  Das  türkische  Armenien  (Erserum)
erstrebt  die  seit  1912  im  Bau  befindliche  Bahn  Kars  —Sarikamysch,  die
nach  den  neuesten  Beschlüssen  bis  Kara  Urgan  direkt  an  der  türkischen
Grenze  weitergeleitet  wird.  Alle  diese  Pläne  erhalten  eine  Rückenstärkung ­
  im  Bahnbau  Wladikawkas—Tiflis,  dessen  Genehmigung  wohl  nur
durch  den  Kriegsausbruch  hinausgeschoben  ist.  Auch  dieser  großartige
Plan  hat  seine  Geschichte 3 ).
*)  Nach  russischen  Meldungen  wurden  am  20.  Oktober  1915  die  ganze  Strecke
Semipa.latinsk—Barnaul  (399  W)  und  die  Teilstrecke  Barnaul—Altaiskaja  (14  W)
eröffnet.
2 )  Die  zentralasiatische  Bahn  endet  seit  1898  in  Andidshan.  Das  kleine  Projekt
der  Weiterleitung  bis  Osch  (1901)  ist  noch  nicht  durchgeführt.
3 )  Wurden  doch  schon  1890/91  vorbereitende  Arbeiten  unternommen.  1898
tauchte  übrigens  der  Plan  einer  mehr  westlich  unter  dem  Elbrus  zu  legenden
Bahn  auf.
        <pb n="59" />
        54

4.  Die  strategische  Bedeutung  der  russischen  Bahnen
und  die  Eisenbahnpolitik  in  Polen.  Zweigeleisige
Bahnen.  Straßenbaupolitik.
Die  strategische  Bedeutung  des  russischen  Bahnnetzes  ist  schon
oft  hervorgehoben  worden.  Man  hat  sie  aber  auch  übertrieben,  so  wenn
man  sagt,  daß  militärische  Gründe  in  stärkerem  Maße  den  Ausbau
gefördert  hätten  als  Verkehrs-  und  Wirtschaftsrücksichten.  Bahnen
sollen  gebaut  sein  oder  werden  noch  gebaut,  ohne  wirtschaftliche  Interessen ­
  in  Betracht  zu  ziehen.  Strategische  Gründe  sollen  besonders
auch  die  Warschau-Wiener  Bahn  gefordert  haben,  die  doch  in  einer
Zeit  (1845—1848)  entstand,  in  der  doch  wenigstens  keine  Feindschaft,
um  nicht  die  letzthin  angegriffene  Wendung  traditionelle  Freundschaft
zu  gebrauchen,  Rußland  mit  den  deutschen  Staaten  verband.  Es  ist
doch  übrigens  bezeichnend,  daß  die  Verbindung  Warschaus  mit  Österreich ­
  um  viele  Jahre  früher,  erfolgte,  als  die  Verknüpfung  mit  Petersburg, ­
  und  auch  die  beiden  ältesten  Verbindungen  Polens  mit  Preußen
erfolgten  um  dieselbe  Zeit,  wie  die  Fertigstellung  der  Petersburger  Linie.
Sicherlich  habest  die  linksseitigen  Weichselbahnen  strategische  Bedeutung, ­
  wie  aber  schließlich  jede  Bahnlinie,  die  zur  Grenze  führt 1 )
Für  die  Entstehung  der  Wiener  Bahn  dürfte  aber  ohne  Zweifel  der  Grund,
ein  bevölkertes  und  schon  damals  industriell  nicht  unentwickeltes  Gebiet
mit  dem  ihm  auch  kulturell  verwandten  mitteleuropäischen  Wirtschaftskreis
  zu  verbinden,  nicht  zu  übersehen  sein.  Man  hat  kürzlich  an  ein
Wort  Wittes  erinnert *  2 ),  nach  dem  „die  strategischen  Erwägungen  nicht
nur  einen  Einfluß  für  den  Bau  der  rein  militärischen  und  politischen
Linien,  sondern  auch  den  ganzen  Fortgang  des  Eisenbahnbaues  im
Sinne  der  Auswahl  der  Richtungen  fast  aller  Linien  ohne  Ausnahme
gehabt  haben“.  Auch  hier  wird  die  wirtschaftliche  und  geographische
Notwendigkeit  vieler  Eisenbahnen  übersehen  oder  unterschätzt.  Wenn
die  russischen  Eisenbahnen  in  früherer  Zeit  keine  Rente  abwarfen,  so
kann  man  die  Schuld  doch  nicht  der  angeblich  nur  strategischen  Gründen
entspringenden  Anlage  der  Linien  zuschreiben.  Hätten  andere  Bahnverwaltungen ­
  etwa  die  Linien  Warschau—Petersburg,  Warschau-Moskau,
  Moskau—Charkow,  die  alle  bedeutenderen  Plätze  berühren,
anders  trassiert,  als  es  russischerseits  geschehen  ist!  Und  wenn  die
Nikolaibahn,  die  in  diesem  Zusammenhang  gern  herangezogen  wird,
der  von  einer  Seite  geäußerten  Anregung  folgend  die  stille  Provinzhauptstadt ­
  Nowgorod  berücksichtigt  hätte,  so  hätte  sich  in  einer  späteren
J )  Auch  Kawkaski  (Petermanns  Mitteil.  1910  S.  56)  betont  wohl  zu  stark,
daß  für  eine  mögliche  Offensive  —  man  denke  an  die  wenigen  Bahnen  —  die  Anlage
des  Bahnnetzes  zwischen  der  Weichsel  und  der  Grenze  von  einschneidender  Bedeutung ­
  gewesen  sei.
2 )  Ischchanian,  Die  ausländischen  Elemente  in  der  russischen  Volks-  V
Wirtschaft,  S.  219.
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        55

Zeit  doch  höchstwahrscheinlich  die  Notwendigkeit  der  jetzigen  Abkürzung ­
  über  Malaja  Wischera  ergeben,  wie  zahlreiche  Beispiele  aus
jüngster  Zeit  in  anderen  Staaten  beweisen 1 ).  Gewiß  heben  die  Verwaltungen ­
  bei  der  Gründung  neuer  Bahnen  die  strategische  Bedeutung
einseitig  hervor *  2 )  und  stellen  wirtschaftliche  Momente  ganz  zurück,
entsprechend  übrigens  vielen  Vorgängen  auch  in  West-  und  Mitteleuropa.
Aber  aus  dem  Stillschweigen  der  Befürworter  über  die  wirtschaftliche
oder  verkehrsgeographische  Bedeutung  einer  Bahn  wäre  es  doch  verfehlt,
diese  zu  übersehen,  wie  es  häufig  geschieht.  Man  kann  sagen,  daß  von
Amts  wegen  strategische  Gründe  den  Bahnbau  erforderlich  machen
mußten,  daß  aber  der  Bau  meist  große  wirtschaftliche  Folgen  mit  sich
brachte.  Damit  soll  natürlich  nicht  verschwiegen  werden,  daß  bei
manchen  Anlagen  allerdings  der  strategische  Gesichtspunkt  augenscheinlich ­
  zutage  trat.  Meist  handelt  es  sich  um  weniger  wichtige
Bahnen,  so  bei  der  Linie  Sjedlez—Polotzk—Bologoje,  einer  Reihe  von
Linien  zu  den  polnischen  Festungsplätzen  und  den  meisten  Poljesjebahnen.
  Im  geschichtlichen  Teil  wurde  bereits  auf  diese  Bahnen  hingewiesen. ­
  Bei  den  neuerdings  weit  nach  Norden  hingestreckten  finnischen
Bahnen  sprechen  strategische  Gründe  ebenfalls  mit,  sind  aber  sicherlich
nicht  allein  maßgebend  gewesen.  Es  ist  zweifellos  übertrieben,  wenn
nach  publizistischen  Äußerungen  auch  das  finnische  Bahnnetz  ausschließlich ­
  nach  strategischen  Gesichtspunkten  gebaut  worden  sei.
Wenn  gesagt  worden  ist,  daß  die  für  die  wirtschaftliche  Erschließung
des  Landes  notwendigen  Eisenbahnen  abgelehnt  worden  seien,  daß  dagegen ­
  gegen  den  Wunsch  der  Finnländer  der  Bau  der  Eisenbahnen
sich  nach  der  Küste  und  der  schwedischen  Grenze  richte,  so  wird  hier
die  Lage  der  meisten  bedeutenderen  Städte  an  der  Küste  einfach  ignoriert.
Es  ist  auch  auf  die  Bahn  nach  den  Quarken  hingewiesen  worden,  wo  der
bottnische  Meerbusen  leicht  zu  überschreiten  ist.  Wer  die  Bahnbauten
in  diesen  Gegenden  bekämpft,  würde  also  für  die  Bahnlosigkeit  von
Nikolaistad  (Vasa),  einer  der  größeren  finnischen  Provinzstädte,  eintreten
 3 ).  Man  kann  fragen,  wie  ein  nicht  von  strategischen  Gesichtspunkten ­
  geleitetes  Unternehmen  das  finnische  Bahnnetz  gebaut  hätte.

*)  Eine  kleine  Verlängerung  trat  übrigens  in  den  Jahren  1877—80  auf  der
Nikolailinie  durch  die  Umgehungsbahn  von  Werebje  zwischen  den  Stationen
Burga  und  Torbino  ein.  Die  Länge  der  Nikolaibahn  erhöhte  sich  dadurch  von
605  auf  610  Werst.
2 )  So  wenn  Graf  Berg  den  Bau  der  Bahn  von  Smolensk  nach  Brest  befürwortet ­
  (Ischchanian  S.  219,  Anm.  1).
3 )  Die  im  Bau  begriffene  Bahn,  die  von  Wiborg  aus  quer  durch  das  Großfürstentum ­
  nach  Nikolaistad  geführt  werden  soll,  wird  sicherlich  in  erster  Linie
aus  strategischen  Gründen  heraus  gebaut,  kommt  aber  auch  der  ostbottnischen
Küste  zugute,  die  bisher  nur  auf  eine  einzige,  große  Umwege  machende,  eingeleisige
Bahn  angewiesen  war.  Die  Fahrt  nach  Nikolaistad  und  den  nördlich  gelegenen
Küstenplätzen  wird  durch  sie  erheblich  abgekürzt.
        <pb n="61" />
        56

Und  wenn  etwa  die  Bahn  von  Uleäborg  nach  Torneä  nicht  vor  12  Jahren
angelegt  worden  wäre,  so  wäre  sie  schließlich  auch  in  den  an  den  russischschwedischen ­
  Gegensätzen  uninteressierten  Kreisen  als  notwendig  erachtet ­
  worden  sein.
Auch  die  russische  Breitspur  muß  immer  wieder  dazu  herhalten,
wie  stark  Gründe  der  nationalen  Verteidigung  das  Bahnsystem  beeinflußt
hätten.  Dabei  hat  doch  sogar  der  Staat,,  nicht  eine  Privatgesellschaft,
die  auf  russischem  Gebiet  gelegenen  Strecken  von  Warschau  nach  Graniza
und  Lowitsch  (Bromberg)  in  der  Spurweite  der  österreichischen  und
preußischen  Bahnen  angelegt.  Wenn  also  tatsächlich  militärische
Gründe  maßgebend  gewesen  wären,  so  hätte  doch  sicherlich  der  Staat
die  beiden  wichtigen  Grenzbahnen  in  der  breiteren  Spur  angelegt 1 ).
Sehr  häufig  kommt  übrigens  der  strategische  Charakter  bei  Bahnen,
die  an  und  für  sich  einen  ganz  schwachen  Verkehr  haben,  im  zweigeleisigen
Ausbau  zum  Ausdruck,  von  dem  weiter  unten  die  Rede  sein  wird.
Am  stärksten  machen  sich  militärpolitische  Maßnahmen  im  Eisenbahnwesen ­
  Polens  geltend.  Die  Verhältnisse  in  Russisch-Polen,  die  ja
für  die  Beziehungen  Rußlands  zu  Preußen-Deutschland  und  Österreich
von  größter  Wichtigkeit  sind,  seien  deshalb  hier  im  Zusammenhang
betrachtet,  weil  sie  offenbar  ein  und  derselben  Ursache  entspringen.
Die  Vernachlässigung  eines  großen  Teiles  des.  dichtbevölkerten,  in
den  mitteleuropäischen  Kulturkreis  einbezogenen  Polen  ist  ohne  Beispiel
in  Europa.  Schon  vor  mehr  als  40  Jahren  sprach  Hermann  Wagner
von  der  weiten  Lücke,  die  an  der  deutschen  Ostgrenze  bestand 2 ).  Und
doch  hatte  man  damals  verhältnismäßig  noch  wenig  Grund  zu  derartigen ­
  Ausstellungen  in  Hinsicht  auf  die  geringe  Entwickelung  der
Bahnen  in  den  nordöstlichen  Provinzen  Preußens.  Ein  Blick  auf  die
Karten  ließ  sogar  die  Vermutung  aufkommen,  daß  das  russisch-polnische
Netz  verhältnismäßig  gut  ausgebaut  sei  und  daß  ihm  obendrein,  oberflächlich ­
  betrachtet,  auch  abgesehen  von  den  alten  Hauptbahnen,  eine
gewisse  Verkehrsbedeutung  zukomme.  Die  älteren  Bahnen  Preußens
wirken  förmlich  auf  einen  Anschluß  russischerseits  hin:  man  arbeitet
auf  beiden  Seiten  noch  Hand  in  Hand.  Im  Jahre  1873  war  die  ostpreußische ­
  Südbahn  Königsberg—Lyck—Prostken  von  derselben  deutschen ­
  Gesellschaft  über  Grajewo  nach  Bjelostok  und  Brest-Litowsk
durchgeführt  worden  und  fand  hier  Anschluß  nach  Kowel,  Kiew  und
Odessa.  Später  kam  dann  der  ganze  Linienzug  von  Grajewo  bis  Odessa
in  die  Hände  einer  Gesellschaft.  Und  im  Jahre  1877  war  im  Anschluß
an  die  deutsche  Privatbahn  Marienburg—Mlawa  von  der  Weichselbahngesellschaft ­
  eine  Verbindung  von  Danzig  mit  Warschau,  Lublin  und
Kowel  geschaffen  worden.  Man  versprach  sich  viel  von  diesen  beiden
!)  Vgl.  oben  S.  3.
2 )  Petermanns  Mitteil.  1873  S.  227.
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        57

Bahnen.  Der  Güterverkehr,  namentlich  über  Mlawa,  war  schon  bald
sehr  bedeutend,  und  in  den  achtziger  Jahren  machte  man  sogar  den
interessanten  Versuch,  Getreide  aus  den  Odessaer  Magazinen  über
Grajewo  und  Königsberg  zu  exportieren.  Aber  die  russische  Spur  dieser
neuen  Bahnen  war  einem  durchgehenden  Verkehr  von  Königsberg  und
Danzig  zum  Schwarzen  Meer  hinderlich  und  ließ  nicht  zuletzt  manche
Hoffnung  unerfüllt.  Noch  mehr  hatte  man  sich  wohl  von  einer  Linie
Breslau—Warschau  versprochen,  zumal  man  die  Übernahme  der  russischen ­
  Strecke  wenn  nicht  durch  die  deutsche  Gesellschaft,  so  vielleicht
durch  die  Warschau-Wiener  Bahn  und  hiermit  die  Durchführung  mitteleuropäischer ­
  Spur  erhoffte.  Schon  um  1870  hatte  sich  die  Breslau-Warschauer
  Bahngesellschaft  gebildet,  die  deutscherseits  Breslau  über
Oels  mit  dem  Grenzort  Wilhelmsbrück  verband.  Auf  den  Eisenbahnkarten ­
  der  folgenden  Zeit  wird  das  Projekt  Wilhelmsbrück—Wieruszow—
Sjerads—Lods  stets  eingezeichnet  und  ebenso  das  an  die  oberschlesische
Bahn  Oppeln—Vossowska—Herby  anschließende  Stück  nach  Tschenstochow.
  Erst  in  den  neunziger  Jahren  tritt  an  die  Stelle  des  ersteren
die  mehr  nördlich  von  Lods  und  Sjerads  nach  Kalisch  zu  führende  Trasse,
die  im  nahen  Skalmierzyce  Anschluß  an  die  preußische  Staatsbahn
finden  sollte.  Aber  auch  dieser  Plan  gebrauchte  beinahe  zwei  Jahrzehnte ­
  zur  Ausführung.  Die  schon  damals  erörterte  Verstaatlichung
und  die  gegnerische  Stellungnahme  des  Staates  zur  mitteleuropäischen
Schienen  breite  bewirkten,  daß  die  Linie  entgegen  den  älteren  Strecken
der  Warschau—Wiener  Bahn  bis  Kalisch  in  russischer  Spur  angelegt
wurde,  ferner,  um  wenigstens  eine  weitere  Bahn  von  Warschau  in  russischer ­
  Spurweite  an  die  Westgrenze  zu  haben,  daß  von  Lods  aus  eine
neue  Linie  über  Lowitsch  und  Sochatschew  nach  Warschau,  also  etwa
parallel  der  alten  Warschau-Wiener  Bahn  angelegt  wurde.  So  verkehren ­
  von  Kalisch  zwar  direkte  Wagen  über  Warschau  nach  Moskau  und
Baku,  aber  die  alte  Idee  einer  weiteren  deutsch-russischen  Durchgangslinie ­
  verwirklichte  sich  nicht,  indem  nur  die  Grenzstadt  Kalisch  mit
Deutschland  (Breslau,  Berlin,  Leipzig,  Kassel)  in  unmittelbarer  Wagenverbindung ­
  steht.  Die  Geschichte  der  Breslau-Warschauer  Bahn  ist
typisch  für  eine  Zahl  anderer  Bahnprojekte,  die  sogar  teilweise  überhaupt
nicht  verwirklicht  wurden.
Seit  beinahe  30  Jahren  ist  in  dem  linksseitigen  Weichselland,  wenn
wir  von  der  Linie  Kalisch—Warschau,  der  kürzlich  erfolgten  Durchführung ­
  der  Bahn  Herby—Tschenstochow  nach  Kielzi  und  der  kurzen
Lokalbahnstrecke  Piotrkow—Tarshak  absehen,  nichts  geschehen.  Das
fruchtbare,  an  Städten  reiche  Land  im  Warthegebiet  harrt  noch  völlig
der  Aufschließung,  und  ebenso  hat  der  etwas  weniger  dicht  bevölkerte
Strich  des  Radomer  Weichselbogens  erhebliche  Verkehrslücken.  Noch
immer  endet  seit  nunmehr  reichlich  30  Jahren  die  von  Koljuschki  ausgehende ­
  Bahn,  welche  die  strategische  Linie  Iwangorod—Dombrowa
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        58

bei  Skarshisko  (früher  Bsin)  schneidet,  ziemlich  willkürlich  in  Ostrowiez,
ohne  die  benachbarte  Kreisstadt  Opatow,  geschweige  denn  die  alte
polnische  Königsstadt  Sandomir  an  der  Wei.chsel  zu  erreichen.
Seitdem  man  sich  immerhin  zum  Ausbau  der  beiden  Strecken  nach
Posen  und  Schlesien  verstanden  hat,  herrscht  die  größte  Verkehrsöde
jetzt  im  russisch-österreichischen  Grenzgebiet.  Auf  einer  Strecke  von
reichlich  500  km  —  zwischen  Graniza  und  der  Bahn  Rowno—Lemberg—
besteht  seit  nunmehr  40  Jahren  nicht  die  geringste  Eisenbahnverbindung,
wiewohl  auf  galizischer  Seite  7  Stichbahnen,  zu  denen  weiter  südwärts
noch  5  Bahnen  kommen,  etwaigen  neuen  Verbindungen  im  Zarenreiche
entgegengearbeitet  haben.  Noch  größer  ist  freilich  die  Zahl  der  Stichbahnen ­
  an  der  preußisch-russischen,  namentlich  an  der  altpreußischen
Grenze,  während  1878  z.  B.  zwischen  Preußen  und  Rußland  überhaupt
bereits  5  Anschlüsse  bestanden  und  nur  eine  einzige  preußische  Bahn,
bei  der  der  fremde  Anschluß  noch  fehlte,  eben  die  Bahn  Breslau—Wilhelmsbrück. ­
  Die  in  der  älteren  Zeit  zum  wenigsten  nicht  eisenbahnfeindliche ­
  Politik  in  Polen,  die  einem  nachbarlichen  Zusammenarbeiten
nicht  gerade  abgeneigt  war,  ist  seit  einigen  Jahrzehnten  einer  Politik
gewichen,  die  weitere  Anknüpfungen  an  die  Bahnen  der  Zentralmächte
möglichst  zu  verhindern  sucht.  Die  zahlreichen  Stichbahnen  in  Preußen
und  Österreich  fanden  nach  Rußland  hin  keinen  Anschluß.
Im  Gegensatz  zu  diesen  polnischen  Landstrichen  ist  im  mittleren
rechtsseitigen  Weichselgebiet,  in  den  Provinzen  Warschau  und  Sjedlez,
ferner  in  dem  anschließenden  Gouvernement  Grodno,  das  der  Lage,
der  Geschichte  und  namentlich  der  Verkehrs-  und  militärpolitischen
Bedeutung  zum  vorgeschobenen  (polnischen)  Kriegstheater  gehört,  das
Bahnnetz  dicht  gestaltet.  Handelt  es  sich  doch  hier  um  die  Unterstützung ­
  und  Festigung  der  wichtigsten  russischen  Verteidigungslinie,
der  Weichsel-Bug-Narew-Bobr-Njemenlinie  mit  ihren  vielgenannten
Festungen,  Stützpunkten  und  Brückenköpfen,  die  am  mittleren.  Bug
als  starken  Rückenschutz  das  zum  Gouvernement  Grodno  gehörige
Brest-Litowsk  haben.
Die  Zurücksetzung  des  linksseitigen  Weichsellandes,  des  kulturell
am  kräftigsten  fortgeschrittenen  und  am  dichtesten  bevölkerten  Teiles
von  Russisch-Polen,  dem  weit  in  andere  Machtsphären  vorgeschobenen
und  am  meisten  exponierten  russischen  Landesteil,  entspringt  militärpolitischen ­
  Gründen.  Man  konnte  annehmen,  daß  Rußland  vermutlich
in  einem  Kriege  mit  den  Zentralmächten  die  Defensive  beobachten
würde.  Unsere  Militärschriftsteller,  Stavenhagen,  von  Liebert
(Sarmaticus),  Schmidt,  nahmen  übereinstimmend  an,  daß  gerade
die  Defensive  Rußlands  die  Preisgabe  des  links  der  Weichsel  gelegenen
Gebietes  und  die  Zusammenziehung  der  russischen  Hauptmacht  in
Warschau,  Nowo  Georgijewsk  und  Iwangorod  verlangen  würde.  Die
Defensive  fordert  die  Preisgabe  des  offenen,  flachen  linksseitigen  Landes
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        59

und  die  Hinausschiebung  der  Befestigungen  an  die  Weichsel  und  ihre
rechten  Zuflüsse,  die  obendrein  durch  weite  Sumpfländer,  die  der  Trockenlegung ­
  und  durch  unwirtschaftliche  Wälder,  die  der  Rodung  entzogen
werden,  verstärkt  werden.  Die  Verteidigungstaktik  verlangt  aber  auch,
um  dem  Gegner  den  Vormarsch  nicht  zu  erleichtern,  ein  Hintanhalten
des  Ausbaues  des  Verkehrsnetzes  auf  der  linken,  einen  planmäßigen
Ausbau  auf  der  rechten  Seite.  Hier  deutet  ein  verhältnismäßig  enges
Netz  von  Längs-  und  Querbahnen,  das  auch  die  Verbindung  der  Festungsplätze
  unter  sich  ermöglicht,  auf  die  Wichtigkeit  des  Festungskriegsschauplatzes ­
  hin.  In  beiden  Teilen  aber  fehlen  noch  Wege,  deren  Mangel
durch  die  Behörden  teilweise  systematisch  aufrecht  erhalten  wird.  Hat
man  doch  in  manchen  Gegenden  aus  politischen  und  strategischen
Gründen  vorhandene  Straßen  sogar  absichtlich  eingehen  lassen 1 ).
Polen  war  nun  mal  nach  behördlicher  Auffassung  das  Glacis  des  russischen
Reiches.  Und  wie  mit  den  Straßen  und  Eisenbahnen,  so  stand  es  mit  den
Wasserstraßen.  Auch  hier  sprach  das  Moment  mit,  im  Kriegsfälle  dem
eindringenden  Gegner  den  Vorteil  eines  schiffbaren,  leistungsfähigen
Stromes,  wie  ihn  die  Weichsel  bei  Vertiefung  der  Wasserrinne  naturgemäß
abgeben  könnte,  zu  versagen.  Wie  die  Ufergestaltung  des  Stromes
namentlich  zwischen  Iwangorod  und  Warschau  starke,  dicht  bewachsene
Böschungen  aufweist,  die,  im  ursprünglichen  Zustand  belassen,  den  Anmarsch ­
  und  den  militärischen  Brückenbau  erschweren,  so  wurden  auch
sonst  Meliorationsarbeiten  vermieden,  um  die  strategischen  Vorteile
den  Russen  zu  erhalten.  Alles  freilich  Momente,  die  in  einem  modernen
Krieg  den  Vormarsch  eines  hervorragend  geschulten  und  ausgerüsteten
Gegners  doch  nicht  aufhalten  können.
Die  militärpolitischen  Mutmaßungen  faßte  Stavenhagen  (1898)
dahin  zusammen,  daß  es  Rußland  kaum  gelingen  dürfte,  selbst  an  der
Seite  Frankreichs  eine  strategische  Offensive  gegen  Deutschland  und
Österreich-Ungarn  zugleich  zu  unternehmen.  Derartige  Ansichten
wurden  durch  einen  Teil  der  russischen  Öffentlichkeit  gestützt,  der
sich  sogar  zeitweise  überhaupt  für  die  Aufgabe  der  Festungen  im  Weichselgebiet ­
  aussprach.  Man  verteidigte  schon  vor  Jahren  in  russischen
Militärkreisen  die  Linie  Kowno—Grodno—Bjelostok—Brest  als  normale
Aufstellungs-  und  „Grundlinie“  der  russischen  Kriegstaktik.  Tatsächlich ­
  wurde  ja  auch  im  Jahre  1909  nach  den  Vorschlägen  Suchomlinows
')  Damit  vergleiche  man,  daß  die  deutschen  Heere  auf  zahlreichen,  mitten
im  Vormarsch  neugebauten  Straßen,  z.  B.  in  Richtung  auf  Iwangorod,  den  Nachschub ­
  von  Nahrungsmitteln,  also  auf  recht  leistungsfähigen  Wegen,  besorgten.
Selbst  der  „Rjetsch“,  der  freilich  entsprechend  seiner  politischen  Stellung  sich
ein  freieres  Urteil  erlauben  kann  als  die  „Nowoje  Wremja“,  bewunderte  im  September ­
  1915  die  Tatkraft  der  Deutschen  bei  der  Instandsetzung  von  Wegen  durch
unwirtsame  Sümpfe,  namentlich  beim  Vordringen  in  die  Poljesje.  —  Über  die
russische  Straßenpolitik  vgl.  unten  S.  67—69.
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        beschlossen,  nicht  nur  das  linksseitige  Weichselgebiet,  sondern  auch
den  Festungsgürtel  preiszugeben.  Für  die  Konzentration  russischer
Truppenmassen  wurde  die  Grundlinie  gewählt,  die  sich  gegen  die  deutsche
und  österreichisch-ungarische  Offensive  halten  würde.  Die  meisten
der  vorgeschobenen  Festungen  wurden  deklassiert  und  als  halbpermanent
erklärt 1 ).  Die  Räumungsbeschlüsse  scheinen  aber  keine  dauernden
gewesen  zu  sein.  Denn  schon  im  folgenden  Jahre  scheint  Sucho  mlino  w
offenbar  französischen  Machenschaften  nachgegeben  zu  haben,  die
den  Ausbau  der  russischen  Westfront  forderten.
Ganz  neuerdings  konnte  man  nämlich  unzweifelhaft  auf  das  Drängen
ausländischen  Einflusses  hin  eine  Änderung  des  russischen  Kurses  in  der
Beobachtung  seiner  militärischen  Absichten  feststellen 2 ).  Schon  1911
wurde  der  Bau  einer  Bahn  von  Lowitsch  über  Kolo—Konin—Slupzy  nach
Stralkowo  genehmigt;  wodurch  eine  direkte  Verbindung  von  Warschau
nach  Posen  (Berlin)  geschaffen  würde.  Das  linksseitige  Weichselland,
namentlich  die  Provinz  Kalisch,  sollte  also  endlich  eine  weitere  Bahn
erhalten.  Nicht  in  allen  politischen  Kreisen  war  man  ja  mit  den  Maßnahmen ­
  Rußlands  einverstanden.  Das  kam  nicht  zum  ersten  Male,
aber  am  nachdrücklichsten  beim  Besuch  des  Ministerpräsidenten  Kokowtzow
  zu  Anfang  November  1913  in  Paris  bei  der  Frage  einer  neuen
Eisenbahnanleihe  zum  Ausdruck.  Man  hob  in  Paris  hervor,  daß  man
erwartet  hätte,  daß  Rußland  in  seinen  polnischen  Landesteilen  sein  Bahnnetz ­
  tatkräftiger  ausgebaut  hätte,  in  erster  Linie  natürlich  zu  offensiven
Zwecken.  Die  Aufnahme  einer  neuen  Anleihe  machte  man  von  dem
Bau  strategischer  Bahnen  abhängig.  Sollen  doch  die  Arbeiten  der
letzten  zehn  Jahre,  wie  gewisse  französische  Kreise  betonten,  für  Linien
verausgabt  worden  sein,  die  nichts  mit  der  Wehrkraft  Rußlands  im  Fall
eines  Krieges  mit  Deutschland  zu  tun  haben.  So  aber,  folgerte  die
chauvinistische  Presse,  hat  das  Bündnis  Frankreichs  mit  Rußland  nur
geringen  Wert.  Die  russischen  militärischen  Anschauungen,  die  in  der
Defensive,  nicht  mit  Unrecht,  ihre  Stärke  sahen,  sollten  somit  in  wesentlichen ­
  Dingen  eine  Änderung  erfahren.
x )  Bezeichnend  ist,  daß  u.  a.  das  russische  Militärblatt  „Russkij  Invalid“,
ferner  die  „Times“  Ende  Juli  1915  von  dieser  Auflassung  sprachen,  als  man  auch
an  amtlicher  Stelle  mit  der  Räumung  des  Festungsrayons  rechnete,  den  man
nunmehr  eine  vorgeschobene  Stellung  nannte.  Während  man  in  den  verflossenen
Kriegsmonaten  die  Bedeutung  der  Weichselstützpunkte  sicherlich  nicht  verkleinert
hatte,  tröstete  man  sich  mit  den  früher  stattgefundenen  Räumungsbeschlüssen
und  mit  dem  Hinweis  auf  die  neue,  besonders  starke  natürliche  Defensivstellung.
Charakteristisch  ist  ja  auch,  daß  man  russischerseits  die  deutsche  Siegesmeldung
von  dem  Fall  der  befestigten  russischen  Plätze  Pultusk  und  Roshan  dahin  „richtigstellte“, ­
  daß  die  eroberten  Orte  niemals  befestigte  Punkte  gewesen  wären.
2 )  Ein  deutsches  Blatt,  der  „St.  Petersburger  Herold“,  berichtete  übrigens
im  September  1907  über  die  Anwesenheit  des  englischen  Generals  French  in  Rußland, ­
  der  schon  damals  eine  „Reorganisation  des  russischen  Eisenbahnwesens  im
Aufmarschgelände  und  eine  Verstärkung  des  Festungswesens“  beantragt  haben  soll.
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        61

Den  Wechsel  in  der  von  Rußland  zu  beobachtenden  Politik  beleuchtete ­
  ein  Artikel  des  Kriegsministers  Suchomlinow  in  der  „Birshewija
Wjedomosti“  (Juni  1914),  in  dem  er  sagte,  daß  ein  ganzes  Netz  strategischer ­
  Linien  projektiert  sei  und  mit  dem  Bau  teilweise  begonnen  werde.
Auf  diese  Weise,  betonte  der  Minister,  haben  wir  alles  getan,  um  dem
Gegner  bei  einer  Mobilmachung  zuvorzukommen  und  gleich  in  den
ersten  Tagen  des  Krieges  möglichst  schnell  eine  Armee  zu  konzentrieren.
So  hatte  sich  auch  die  Ansicht  maßgebender  russischer  Politiker  geändert
und  den  französischen  Wünschen  vollauf  Rechnung  getragen.  Der
Ausbruch  des  Weltkrieges  kam  freilich  der  Möglichkeit,  ein  nach  Offensivgedanken ­
  ausgebautes  Bahnnetz  zu  besitzen,  zuvor.  Keine  einzige
Bahn  ist  auf  dem  linken  Weichselufer  vollendet  worden,  die  dem  französischen ­
  Drängen  nach  einer  anderweitigen  Orientierung  der  russischen
Bahnpolitik  entsprochen  hätte.  Im  großen  und  ganzen  war  das  polnische
Bahnwesen  zu  Beginn  des  Krieges  noch  in  demselben  Zustand  wie  vor
zehn  Jahren,  und  auch  während  des  Krieges  konnte  der  englischen
Initiative,  den  Ausbau  des  linksufrigen  Bahnnetzes  zu  beschleunigen,
nicht  mehr  entsprochen  werden,  denn  die  von  den  Russen  angelegten
Feldbahnen  dienten  nur  provisorischen  Zwecken  und  kamen  somit  für
weitergesteckte  Ziele  nicht  in  Betracht.  Anders  auf  dem  rechten  Ufer,
auf  dem  von  den  kriegführenden  Parteien  Voll-  und  Schmalspurbahnen
gebaut  wurden,  die  über  die  augenblicklichen  Bedürfnisse  hinaus  den
Anforderungen  eines  Friedensverkehrs  dienen  können.  Es  ist  aus  naheliegenden ­
  Gründen  begreiflich,  daß  noch  nicht  viele  authentische  Nachrichten ­
  über  derartige  Bahnanlagen  vorliegen.  Ein  verhältnismäßig
nicht  unwichtiger  Bau  wurde  im  Sommer  1915  bekannt.  Die  Besetzung
von  drei  Vierteln  des  Kronlandes  Galizien,  die  die  Russen  als  russische
Gouvernements  und  somit  als  dauernden  Besitz  verwalten  ließen,  zwangen
sie  endlich,  auch  eine  Verbindung  des  galizischen  mit  dem  polnischen
Bahnnetz  herzustellen,  die  nach  dem  Abzug  der  Russen  von  den  Österreichern ­
  übernommen  wurde.  Von  Lublin  führt  die  übrigens  in  Normalspur ­
  angelegte  Bahn  —  vielleicht  verdankt  die  mitteleuropäische  Spur
ihre  Wahl  der  Tatsache,  daß  die  Russen  so  das  rollende  Material  österreichischer ­
  Herkunft  benutzen  konnten  —  das  Tal  der  Bystryza  aufwärts ­
  nach  Zakrzowek  und  erreicht  über  Krasnik  in  dem  galizischen
Rozwadow  die  Santalbahn 1 ).  Aber  auch  eines  der  älteren  polnischgalizischen
  Projekte,  dessen  Bau  vor  dem  Kriege  beschlossen  war,  kam
der  Verwirklichung  nahe.  Eine  Vollbahn  sollte  in  Cholm  die  südpolnische
Linie  verlassen  und  über  Samostje  und  Tomaschow  in  Belzec  die  bestehende ­
  galizische  Stichbahn  von  Lemberg—Rawa  Ruska  erreichen.  ■
Die  Linie  war  beim  Vorrücken  der  Österreicher  bereits  nahezu  fertig
trassiert  und  im  Unterbau  hergerichtet.  Schon  am  5:  September  1915
1 )  Die  Strecke  Lublin—Rozwadow  wurde  Anfang  Oktober  1915  auch  für  den
privaten  Personen-  und  Güterverkehr  in  vollem  Umfange  in  Betrieb  gesetzt.
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        62

wurde  die  Strecke  Belzec—Tomasehow—  Samostje  für  den  allgemeinen
Verkehr  freigegeben,  und  ein  paar  Wochen  später  eröffneten  die  Österreicher ­
  die  Bahn  Samostje—Lublin,  ebenfalls  ein  lang  geplantes  russisches
Projekt,  so  daß  eine  direkte  Verbindung  zwischen  Lemberg  und  Lublin
(Warschau)  zustande  kam.  Galiziens  Russenzeit  verwirklichte  auch
die  in  Frieden,szeiten  noch  nie  aufgetretene  Verbindung  von  Wladimir
Wolynski  mit  Sokal,  so  daß  eine  weitere  Verknüpfung  der  südpolnischwolynischen
  Bahn  (Kowel)  mit  Lemberg  ermöglicht  wurde.  Was  den
Russen  in  ihren  gen  Preußen  gelegenen  Grenzmarken  infolge  des  aufund
  abwogenden  Kampfes  nicht  gelingen  konnte,  war  ihnen  infolge  der
zehnmonatlichen  Besetzung  von  Galizien  teilweise  gelungen:  die  Schaffung ­
  neuer  Bahnverbindungen  zwischen  Polen  und  Mittel-  sowie  Ostgalizien ­
 1 ).  Die  Besitznahme  des  größten  Teiles  des  Gouvernements
Plozk  seit  Dezember  1914  durch  die  Deutschen  ermöglichte  in  diesem
bahnlosen  Gebiet  die  Herstellung  eines  Kleinbahnnetzes,  so  zunächst
die  Verbindung  der  Hauptstadt  mit  Sierpez  und  Szrensk,  der  eine  Linie
von  Plozk  nach  Lipno  und  Kikol  folgte.  Was  eine  Jahrzehnte  hindurch
mit  bewußter  Absicht  aufrecht  gehaltene  volks-  und  kulturfeindliche
Politik  versäumte  und  vernachlässigte,  das  machte  eine  kurzmonatliehe
Friedensarbeit  der  Deutschen,  dazu  im  Kriege,  wieder  gut 1  2 ).  —
Es  ist  natürlich  nach  Beendigung  des  ersten  Kriegsjahres  noch  nicht
möglich,  sich  über  die  Bewährung  des  russischen  Bahnnetzes  während
der  kriegerischen  Operationen  auszulassen.  Schon  vor  der  Kriegserklärung ­
  sagte  man  von  der  russischen  Ministerbank,  daß  Rußland
ein  Recht  habe,  mit  der  Mobilmachung  früher  zu  beginnen  als  Deutschland, ­
  da  ihm  nicht  das  ausgezeichnete  Bahnnetz  zur  Verfügung  stehe
und  sich  ohnehin  in  einem  so  ungeheuren  Reiche  die  Mobilmachung
schwerfälliger  vollziehen  müsse.  Sicherlich  hat  sich  die  Mobilisation
und  der  Aufmarsch  nicht  zuletzt  dank  dem  leidlich  ausgebauten  Bahnnetz ­
  und  den  für  den  Anmarsch  namentlich  in  Betracht  kommenden
zweigeleisigen  Linien  für  russische  Verhältnisse  überraschend  gut  und
flott  vollzogen.  Auch  in  Westeuropa  hielt  man  mit  der  Anerkennung
nicht  zurück 3 ).  Während  der  kriegerischen  Vorgänge  selbst  konnte
1 )  Auch  sonst  hatten  die  Russen  in  dem.  von  ihnen  geräumten  Südostpolen
Bahnen  verschiedener  Art  angelegt.  So  fanden  sich  bei  der  Kreisstadt  Bilgoraj
Reste  einer  von  Norden  hergeleiteten  Pferdeeisenbahn.  In  Rejowiec  an  der  Strecke
Lublin—Cholm  begann  eine  Feldbahn,  die  der  Straße  entlang  über  Krasnostaw
nach  Samostje  (Zamosc)  führte.  Vor  dem  Abzug  der  Russen  nach  Norden  wurde
freilich  diese  Bahn  ziemlich  gründlich  zerstört.
2 )  Auch  die  Bahnverbindung  des  seit  dem  7.  Mai  1915  besetzten  Libau  mit
der  nur  75  W  entfernten  preußischen  Grenze  wurde  in  die  Wege  geleitet,  nach
englischen  Berichten  auch  die  des  litauischen  Schawli  (Schaulen)  mit  Preußen.
3 )  Eine  englische  Quelle  berichtete,  daß  sich  auf  dem  Doppelgeleise  von  Moskau
nach  Brest  eine  endlose  doppelte  Reihe  von  Zügen  bewegt  habe.  Tag  und  Nacht  soll
das  angehalten  und  die  Mobilmachung  angeblich  in  16  Tagen  beendet  gewesen  sein.
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        63

man  öfters  feststellen,  wie  das  östlich  der  Weichsel  und  im  Rücken
Warschaus  dichter  gestaltete  Bahnnetz  einer  Verschiebung  der  Truppen
zugute  kam.  Die  Bahnen  zwischen  der  Linie  Kowno—Wilna—Minsk
im  Norden  und  der  Linie  Warschau—Lublin—Kowel—Rowno  im  Süden
sind  sicher  den  Russen  sehr  wertvoll  gewesen.  Wie  sich  hier  vom  Reichsinnern
  her  sechs  Bahnlinien  Warschau  nähern,  die  bis  auf  eine  zweigeleisig ­
  sind,  so  stellen  fünf  Linien  Querverbindungen  dar:  und  gerade
diese  —  Wilna—Sarny—Rowno—Galizien,  Grajewo—Bjelostok—Brest
—Cholm  sowie  Brest—Kowel,  Ostrolenka—Sjedlez—Lublin,  Ostrolenka
—Warschau  sowie  Ostrolenka—Iwangorod,  Mlawa—Nowo  Georgijewsk—
Warschau—Iwangorod  (—Südpolen)  —  werden  im  Bunde  mit  den
Längsstrecken  und  kleineren  Verbindungslinien  ausgezeichnete  Dienste
geleistet  haben.  Die  Bedeutung  der  von  Warschau  ostwärts  führenden
Linien  beleuchtete  der  Festungskrieg  und  die  Zurückdrängung  der
Russen  an  die  Weichsel  und  ihre  Zuflüsse.  Äußerst  wichtig  war  die  südostpolnische
  Linie  Warschau—Iwangorod—Lublin—Cholm—Kowel,  deren
Besitz  den  Russen  nachdrücklichste  Verteidigung  durch  gute  Truppenteile ­
  auf  zwang.  Die  Bahn  durchschneidet  ostwärts  Iwangorod  ein  durch
Festungen  zwar  nicht  geschütztes,  aber  hügeliges  Gelände,  das  weiter
infolge  zahlreicher,  teilweise  versumpfter  Fluß-  und  Bachläufe  dem
Angreifer  wesentliche  Schwierigkeiten  bietet.  Als  trotzdem  die  Linie
nach  erbitterten  Kämpfen  zunächst  bei  Biskupize  (29.  Juli),  wenig
später  bei  Lublin,  Cholm  und  durch  die  von  den  Russen  kaum  als  ausführbar ­
  gehaltene  Übersetzung  über  die  Weichsel  bei  der  Radomkamündung
  nördlich  von  Iwangorod  in  den  Besitz  der  deutschen  und
österreichisch-ungarischen  Truppen  gelangt  war,  war  die  Lage  von
Iwangorod,  das  nur  noch  auf  die  Linie  nach  Lukow  angewiesen  war,
besiegelt.  Auch  die  Besetzung  von  Wladimir  Wolynski,  dem  Endpunkt
einer  von  Kowel  herführenden  Stichbahn  in  den  ersten  Augusttagen  1915
war  als  das  Vorspiel  des  Versuchs,  den  wichtigen  Knotenpunkt  Kowel  zu
erobern,  zu  betrachten.  Denn  damit  ist  die  direkte  wichtige  Linie  Brest—
Berditschew—Odessa  und  der  Zugang  in  die  südliche  Poljesje  (über
Sarny  nach  Kiew)  gesperrt,  wie  der  Verkehr  von  Brest  nach  Südwestrußland ­
  sich  überhaupt  nur  auf  großen  Umwegen  vollziehen  kann 1 ).
Weit  hartnäckiger  und  langwieriger  war  der  Kampf  um  die  Warschau-Petersburger
  Linie.  Sie  war  schon  in  den  Wintermonaten  gefährdet
durch  die  bedrohliche  Nähe,  in  der  sich  die  deutschen  Geschütze  gegenüber ­
  der  Stadt  Grodno  befanden  und  geriet  dann  durch  die.Eroberung
der  Narewpunkte  in  eine  noch  weit  gefährlichere  Lage.  Da  obendrein
1 )  Als  am  24.  August  Kowel  besetzt  wurde,  mußte,  nachdem  auch  die  Bjelostok-Brester
  Balm  an  verschiedenen  wichtigen  Stellen  den  Russen  entrissen  war,
die  Räumung  Brests  (26.  August),  das  nur  noch  auf  die  Moskauer  und  die  Poljesjebahn
  (nach  Homel)  angewiesen  war,  für  die  russischen  Waffen  als  die  vorteilhafteste
Lösung  angesehen  werden,  um  der  Umzingelung  zu  entgehen.
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        64

seit  Ende  Juli  in  der  groß  angelegten  Offensive  in  Litauen  und  Samogitien
die  deutschen  Truppen  sich  der  Bahn  Dwinsk—Wilna  näherten  und
von  Norden  her  über  Wilkomir  der  Marsch  auf  Wilna,  auf  dessen  Besitz ­
  schon  Napoleon  I.  großen  Wert  legte,  zu  erwarten  war,  so  lag
die  Gefahr  nahe,  daß  auch  die  große  Hauptbahn  an  wichtigen  Stellen
den  Russen  entrissen  würde.  Trotzdem  war  die  Bahnstrecke  bis  zur
Einnahme  von  Warschau  (am  5.  August  1915)  im  festen  Besitz  der
Russen,  so  daß  sich  der  Abzug  der  Truppen  glatt  vollziehen  konnte.
Auch  die  Besetzung  des  Knotenpunktes  Malkin  (am  10.  August)  trat
erst  ein,  als  die  Besatzungen  aus  den  Narewfestungen  bereits  rückwärts
gezogen  waren,  so  daß  die  Strecke  Warschau—Malkin  für  die  Russen
keinen  erheblichen  Wert  mehr  hatte.  Falls  der  Betrieb  der  Warschau-Petersburger
  Bahn  an  anderen,  nicht  zusammenhängenden  Stellen  für
die  Russen  gestört  wird,  so  steht  ihnen  immer  noch  die  in  Sjedlez  von  der
Terespoler  Bahn  abzweigende  Linie  nach  Bologoje  zur  Verfügung,  eine
durch  mehrere  Quertrassen  mit  der  Hauptlinie  verbundene,  militärisch
sehr  wichtige  Strecke,  die  den  Russen  bei  der  Mobilisation  des  Nordwestens ­
  sicherlich  ganz  hervorragende  Dienste  geleistet  hat 1 ).  —
Unter  den  militärpolitischen  Maßnahmen  litt  natürlich  Polen  sehr.
Ein  wirtschaftlich  entwickeltes  Gebiet,  das  im  Südwesten  die  größte
industrielle  Entfaltung  in  Rußland  zeitigt,  dazu  sehr,  dicht  besiedelt  ist,
Der  großartige  Umfassungsversuch  des  Generals  von  Eichhorn  im  September
1915  führte  zunächst  zum  Angriff  auf  die  Bahn  Wilna—Dwinsk,  die  an  mehreren
Stellen,  u.  a.  in  Nowo  Swenziany  erreicht  wurde  (12./13.  September),  und  dann
am  17.  September  wider  Erwarten  zur  Ergreifung  des  Knotenpunktes  Molodetschno
an  der  strategischen  Bahn,  durch  die  der  Fall  Wilnas  unvermeidlich  war.  Dieser
führte  aber  auch  zur  Besitznahme  der  Bahn  Wilna—Rowno  über  Lida  hinaus  und
zur  Konzentrierung  des  deutschen  Angriffes  zu  Ende  des  Monats  auf  Baranowitschi
  (genommen  28.  September).  Seitdem  die  Bahn  Wilna—Rowno  nicht  mehr
in  völligem  Besitz  der  Russen  ist,  ist  die  letzte  wichtige  strategische  Linie  im  Rücken
des  vorderen  Kriegstheaters  in  die  Hände  der  Verbündeten  übergegangen.  Denn
östlich  dieser  Strecke  machen  sich  die  Lücken  namentlich  in  der  Linienführung
von  Nord  nach  Süd  sehr  fühlbar,  und  für  die  flotte  Neukonzentrierung  und  den
neuen  Aufmarsch  fehlen  die  nötigen  Bahnen:  auch  ein  Zeichen,  daß  die  Russen
offenbar  mit  einem  Rückzug  hinter  die  zweite  Festungslinie  kaum  gerechnet  hatten.
Wie  sich  überhaupt  in  diesem  Kriege  die  Unterlassungen  der  Verwaltung  hinsichtlich ­
  des  Ausbaues  der  Eisenbahnen  gerade  in  Gebieten  rächen,  die  an  und  für  sich
für  die  Kriegführung  weniger  in  Betracht  kommen  und  daher  kaum  strategisch
genannt  werden  können,  so  muß  jetzt  auch  der  Aufschub  der  Bahn  Shlobin—Kiew
besonders  schmerzlich  bemerkt  werden.  Gehört  doch  auch  die  Bahn  Petersburg—
Witebsk—Shlobin,  auf  der  im  wesentlichen  seit  September  die  Verbindung  der
Hauptstadt  mit  den  meisten  Abschnitten  der  Front  ruht,  durchaus  nicht  zu  den
leistungsfähigsten  Linien.  Möglich  wäre  es  freilich,  daß  die  Russen  noch  während
des  Krieges  den  zweigeleisigen  Ausbau  der  Bahn  betrieben,  vielleicht  auch,  daß
sie  unter  Zuhilfenahme  der  kurzen  Strecke  Wassiljewitschi—Choiniki  die  Linie
Shlobin—Kiew  anlegten  oder  den  bereits  geplanten  Bahnbau  von  Shlobin  über
Mosyr  nach  Korosten  an  der  Linie  Sarny—Kiew  und  über  diese  hinaus  nach  Schepetowka
  an  der  Bahn  Rowno—Kasatin  ausführten  (vgl.  S.  51).
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        65

dessen  Volksdichte  auf  den  qkm  100,  im  Gebiet  westlich  der  Weichsel
sogar  130  Seelen  übersteigt,  ist  Polen  auch  heute  noch  derjenige  Teil
Rußlands,  der  die  stärkste  Zunahme  aufweist.  Die  Bevölkerung  stieg
in  den  10  polnischen,  dem  Generalgouvernement  in  Warschau  unterstehenden ­
  Provinzen  im  Zeitraum  von  1905  bis  1910  um  1  354  000,  in
den  zwei  folgenden  Jahren  um  647  000  Seelen,  so  daß  von  1905  bis  1912
allein  ein  Zuwachs  von  2  Millionen  festzustellen  ist.  Nichts  zeigt  die
Zurücksetzung  der  polnischen  Gouvernements  besser  als  ein  Vergleich  mit
den  ausländischen  Nachbarprovinzen.  Denn  wenn  auch  die  Provinzen
Warschau  (4,38  km  Eisenbahn  auf  100  qkm),  Piotrkow  (4  km),  Sjedlez
(3,46  km)  neben  dem  angrenzenden  Grodno  (3,50  km)  verhältnismäßig
Zu  den  räumlich  am  besten  mit  Eisenbahnen  ausgestatteten  Bezirken
gehören,  so  besagen  diese  Zahlen  wenig  zu  den  der  anstoßenden  preußischen ­
  Provinzen.  Kamen  doch  in  Ostpreußen  Ende  März  1913  auf
100  qkm  Eläche  10,18,  in  Westpreußen  11,46  und  in  dem  überwiegend
von  Polen  bewohnten  Posen  sogar  12,47  km  Eisenbahnen.  Mit  Ausnahme ­
  von  Piotrkow  liegen  die  genannten  polnischen  Provinzen  in  der
wichtigen  Verteidigungssphäre.  Bei  den  Provinzen,  die  außerhalb  dieser
Zone  liegen,  sinken  die  entsprechenden  Zahlen  an  der  österreichischen
Grenze  auf  1,90  km  (Radom)  und  1,47  km  (Lublin)  herab,  ja  an  der
preußischen  auf  0,71  (Kalisch)  und  0,58  km  (Plozk) 1 ).  Damit  steht
Plozk  tiefer  als  das  ausgedehnte,  35  mal  größere  Gouvernement  Perm,
das  geographisch  schon  teilweise  zu  Asien  gehört.  Noch  schärfer  wird
die  Bahnpolitik  durch  eine  Gegenüberstellung  des  Bahnnetzes  zur  Volkszahl ­
  beleuchtet.  Während  in  Posen  auf  100  000  Einwohner  169,2,  in
Westpreußen  169,5  und  in  Ostpreußen  181,4  km  Eisenbahnen  kommen,
sind  die  entsprechenden  Zahlen  für  Warschau  30,8,  Kielzi  26,5,  Piotrkow
25,3,  Radom  21,7,  Lublin  16,  Plozk  7,8  und  Kalisch  7,1  km.  In  Rußland
hat  nur  ein  einziges  Gouvernement,  das  östliche  Kasan,  noch  niedrigere
Zahlen  als  Kalisch.  Das  nur  35  W  von  der  ostpreußischen  Grenze  entfernte ­
  Lomsha  und  das  73  W  von  der  westpreußischen  Grenze  weichselaufwärts
  gelegene  Plozk  sind  Provinzhauptstädte  und  Mittelstädte,  die
noch  vor  dem  Kriege  der  Bahn  entbehrten.  Heute  haben  noch  42  Kreisstädte, ­
  somit  genau  die  Hälfte  sämtlicher  russisch-polnischer  Kreisorte,
keine  Bahnverbindung.  Von  den  426  polnischen  Städten  überhaupt
liegen  nur  120  an  einer  Eisenbahn 1  2 ).  Bahnlos  sind  noch  Orte  wie
Pultusk,  Kalwarija,  Mariampol,  Tomaschow,  Ozorkow,  Lentschiza,
Alexandrow  (bei  Lods),  Sandomjr,  Konin,  Kolo  u.  a.  25  Kreise  werden
von  keinem  km  Eisenbahn  berührt.  —-Ein
  nicht  kleiner  Teil  des  russischen  Bahnnetzes  ist  zweigeleisig
ausgebaut.  Nur  wenige  europäische  Staaten  haben  verhältnismäßig
1 )  Auch  das  dem  preußischen  Litauen  benachbarte  Gouvernement  Kowno
ist  in  ähnlicher  Weise  benachteiligt  (1,41  km  Eisenbahn  auf  100  qkm).
2 )  Vgl.  S.  94  u.  95.
Tuckermann,  Verkehrsgeographie.  5
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        66

ein  größeres  Netz  doppelgeleisiger  Linien.  Viel  kleiner  ist  es  in
Skandinavien  und  Dänemark,  während  es  auf  der  iberischen  und  der
südosteuropäischen  Halbinsel  fast  völlig  fehlt.  Auch  in  Staaten  mit  einer
größeren  Verkehrsdichte,  wie  in  der  österreichisch-ungarischen  Monarchie,
in  Italien,  ja  in  der  Schweiz,  ist  das  Netz  zweigeleisiger  Bahnen
kleiner  als  in  Rußland.  Reichlich  23%  der  Bahnen  im  europäischen
Rußland  sind  zweigeleisig 1 ).  Viele  dieser  Linien  verdanken  ihre  Erweiterung ­
  in  erster  Linie  strategischen  Gesichtspunkten.  Deshalb  findet
sich  die  dichteste  Gestaltung  zweigeleisiger  Bahnen  im  mittleren  rechtsseitigen ­
  Weichselgebiet.  Westlicher  Einstrahlungspunkt  ist  hier  Warschau ­
  ;  weitere  Zielpunkte  strategischer  zweigeleisiger  Bahnen  sind
Bjelostok,  Baranowitsehi *  2 ),  Kowel  und  namentlich  Brest  und  Sjedlez
(—Lukow).  Daß  eine  Reihe  von  Bahnen,  namentlich  im  Gouvernement
Sjedlez,  also  unmittelbar  in  der  Rückenlage  des  Festungssystems,  nur
oder  hauptsächlich  aus  militärischen  Gesichtspunkten  zweigeleisig  ausgebaut ­
  wurde,  beweisen  die  Strecken  Bjelostok—Brest,  Malkin—  Sjedlez,
sowie  namentlich  die  nur  von  je  zwei  Zugpaaren  befahrenen,  für  den
galizischen  Kriegsschauplatz  wichtigen  Strecken  Lukow—Lublin  und
Brest—Cholm.  Die  äußerst  verkehrsschwache  Strecke  Weliki  Luki—
Polotzk  der  Bahn  Sjedlez—Bologoje  ist  von  vornherein  zweigeleisig
ausgebaut  worden.  Die  Bedeutung  des  polnischen  Kriegsschauplatzes
beleuchtet  also  das  zweigeleisig  ausgebaute  Bahnnetz  in  vortrefflicher ­
  Weise.  ■
Auch  der  Nordostgrenze  Galiziens  nähern  sich  zweigeleisige  Bahnen.
Sowohl  die  Bahn  von  Shmerinka  nach  Wolotschisk  wie  namentlich  die
von  Sdolbunowo  nach  Radsiwilow  besitzen  tatsächlich  nicht  sehr  große
verkehrspolitische  Bedeutung.  Und  doch  ist  die  erstere  Bahn  bis  auf
einige  30  km  von  der  Grenze  zweigeleisig  eingerichtet,  und  die  letztere,
die  unbedeutendere,  bezeichnenderweise  bis  zur  Festung  Dubno.  Auch
der  zweigeleisige  Ausbau  der  allerdings  auch  verkehrsgeographisch
wichtigen  Bahnen  Brest—Kowel—Rowno  (Festung)  —Kasatin  und
Kiew—Kasatin—Shmerinka  erhöht  die  Kriegsbereitschaft  in  Wolynien-Podolien.
  Wie  sehr  die  Erweiterung  mancher  Bahnlinien  militärischen
Zwecken  dient,  ersieht  man  daraus,  daß  die  beiden  an  die  rumänische
Grenze  führenden  Bahnen  Bender—Kischinew—Ungeni  und  Bender—
Reni  mit  Ausnahme  einer  kurzen  Strecke  noch  eingeleisig  sind.  Man
schien  eben,  der  Bedeutung  eines  Kriegsschauplatzes  in  Rumänien  und
auf  dem  Balkan  nicht  mehr  gerecht  werden  zu  brauchen  und  die  Bahn
J )  Im  Jahre  1889  waren  es  15,7%.  In  manchen  Jahren,  in  denen  die  Erweiterung ­
  des  Bahnnetzes  ganz  geringfügig  war,  war  die  Legung  zweiter  Geleise
verhältnismäßig  umfangreich.  So  erhielt  1891  das  Bahnnetz  eine  Vermehrung
von  nur  123  Werst,  dagegen  wurden  1223  Werst  zweite  Geleise  gelegt,
2 )  In  Baranowitsehi  an  der  Alexanderbahn  sind  drei  Eisenbahnbataillone
stationiert.
        <pb n="72" />
        —  67  —
Bender—Reni,  obwohl  ihr  eingeleisiger  Trakt  bei  der  Beförderung  der
russischen  Trußpenmassen  1877/78,  soweit  er  fertiggestellt  war,  sich  als
unzulänglich  erwies,  in  dem  alten  Zustand  belassen  zu  können.
Abgesehen  von  den  strategischen  Bahnen  gibt  es  noch  weitere
Bahnen,  die  mit  aus  demselben  Gesichtspunkt  zweigeleisig  ausgebaut
sind,  so  die  aus  dem  Innern  zum  Westen  führenden  Linien.  Es  sind
das  aber  mit  ganz  wenigen  Ausnahmen  auch  wirtschaftlich  sehr  wichtige
Strecken,  die  großen  Eörderlinien  des  Verkehrs  zwischen  den  Hauptstädten ­
  und  Mitteleuropa  (St.  Petersburg—Wilna—Warschau,  Wilna—
Wirballen,  Moskau—Warschau).  Die  zweigeleisige  Erweiterung  ist  im
Kriegsfälle  auch  bei  den  wichtigen  Zufuhrlinien  aus  dem  Innern  zu  den
baltischen  Gestaden  (so  bei  der  Linie  Smolensk—Riga)  bedeutsam.
Die  große  Südbahn  ist  bis  auf  die  taurische  Strecke,  die  Linie  Moskau-Woronesh—Rostow
  bis  auf  kleinere  Strecken  zweigeleisig  ausgebaut.
Sowohl  verkehrspolitisch  wie  strategisch  sind  die  zur  mittleren  und
unteren  Wolga  führenden  Bahnen  meist  von  geringer  Bedeutung.  Zweigeleisige ­
  Bahnen  sind  infolgedessen  nur  in  kleiner  Zahl  vorhanden  und
selbst  die  große  sibirische  Bahn  ist  in  ihrem  links  der  Wolga  gestreckten
Teil  noch  nicht  ganz  zweigeleisig,  während  ostwärts  von  Ufa  über  Tscheljabinsk ­
  bis  nach  Omsk  das  zweite  Geleise  gelegt  ist.  Es  ist  begreiflich,
daß  Bahnen,  wie  St.  Petersburg—Moskau,  Moskau—N.  Nowgorod,  die
ehemals  bedeutendere  Linie  Kiew—Kursk,  Losowaja—Taganrog  längst
zweigeleisig  ausgebaut  sind.  In  Finnland  haben  nur  die  verkehrsreichste ­
  Bahn  St.  Petersburg—Wiborg  und  die  Strecke  Helsingfors  —
Riihimäki  zwei  Geleise.  —
Mehr  noch  als  in  der  Eisenbahnpolitik  kommt  der  strategische  Gedanke ­
  im  Bau  und  in  der  Pflege  der  Straßen  zum  Ausdruck.  Wenn  hier
nur  die  Chausseen,  die  ja  allein  militärischen  Anforderungen  Rechnung
tragen,  berücksichtigt  werden,  so  ist  für  den  einseitig.  strategischen
Charakter  vieler  Straßen  schon  das  eine  bemerkenswert,  daß  von  den
nur  knapp  30  000  W,  die  das  Russische  Reich  in  Europa  an  Chausseen
aufweist,  ungefähr  zwei  Drittel  auf  Polen  und  die  angrenzenden  Westprovinzen ­
  kommen.  Trotzdem  also  Polen  verhältnismäßig  bevorzugt
ist,  steht  es  doch  in  der  Ausdehnung  der  Chausseen  weit  zurück  gegenüber
den  benachbarten  Teilen  Österreichs  und  namentlich  Preußens.  Man
braucht  die  militärische  Bedeutung  der  Steinstraßen  nicht  zu  übertreiben, ­
  denn  es  ist  zweifellos,  daß  bei  einer  großen  Zahl  von  Straßen
Verkehrs-  und  wirtschaftliche  Rücksichten  obenan  stehen,  mögen  sie
daneben  auch  militärischen  Ansprüchen  gerecht  werden.  Aber  ebenso
ist  bei  vielen  Chausseen  der  militärische  Entstehungsgrund  in  die  Augen
springend.  Dazu  gehört  es  z.  B.,  wenn  an  manchmal  unbedeutenden
Stationen  der  Grenzbahnen,  also  im  Aufmarschgebiet,  die  Chausseen
beginnen,  oder  wenn  zwischen  zwei  Bahnenj  die  noch  ohne  Querverbindung ­
  geblieben  sind,  Straßen  gebaut  sind,  ohne  daß  sie  jenseits  der
        <pb n="73" />
        68

Bahnen,  oder  höchstens  nur  einseitig  zur  Grenze  hin,  fortgesetzt  werden.
Im  allgemeinen  haben  alle  Teile  Polens  ein  mehr  oder  weniger  leidlich
entwickeltes  Netz  von  Chausseen,  das  auch  vor  dem  Kriege  noch  systematisch ­
  ausgebaut  wurde.  Es  entspricht  aber  wiederum  den  militärischen ­
  Plänen,  wenn  in  den  Provinzen  an  der  preußischen  Grenze,  und
hier  namentlich  im  nordöstlichen  Polen  das  Straßennetz  engmaschiger
ist.  So  ist  Augustowo  der  Knotenpunkt  von  4  Chausseen,  Suwalki
und  Pultusk  von  je  5,  das  halbpolnische  Grodno  von  6,  Ostrow  und
Lomsha  von  je  7.  In  den  angrenzenden  Provinzen  Grodno  und  Wolynien,
hier  namentlich  um  das  Festungsdreieck,  gibt  es  ebenfalls  eine  Reihe
von  Steinstraßen,  weniger  bereits  in  den  Provinzen  Wilna  und  Kowno,
und  erst  recht  in  der  Minsker  Provinz.  Manche  dieser  aus  Kongreßpolen ­
  führenden  Straßen  endigen  aber  an  den  Hauptbahnen  dieser
Provinzen,  ermöglichen  also  auch  umgekehrt  von  verschiedenen  Bahnpurikten
  aus  den  Anmarsch  zu  den  Festungen  oder  sonstigen  strategisch
wichtigen  Plätzen.  So  führt  von  Olita  über  Kronie  eine  Chaussee  nach
Koschedari,  dem  Bahnknotenpunkt  zwischen  Kowno  und  Wilna.  Zwischen
Wilna  und  Grodno  endigen  drei  aus  Polen  führende  Straßen  an  den  Bahnstationen ­
  Olkieniki,  Orany  und  Porzescze,  alles  natürlich  Tatsachen,  die
den  militärischen  Hauptzweck  dieser  Straßen  klarlegen.  Weiter  östlich
mündet  von  Grodno  her  eine  Straße  in  dem  Bahnkreuzungspunkt  Lida.
Eine  wichtige  Straße  endet  in  dem  südlicher  gelegenen  Baranowitschi.
Von  Bjelostok,  Bjelsk  uncl  Sokolow  zielen  Straßen  auf  diesen  Ort  hin,
der  einer  der  bedeutendsten  Bahn  verkehrspunkte  Westruß  l^nds  ist.
Die  von  Bjelsk  über  Gainowka  führende  Straße  vereinigt  sich  mit  der
von  Sokolow  über  Wysoko  Litowsk  gestreckten  in  Prushana  und  zieht
dann  nach  Slonim,  wo  sie  mit  der  Route  von  Bjelostok—Wolkowysk
zusammentrifft  und  endlich  als  Einheitsstraße  Baranowitschi  erreicht.
Ähnliche  Schlußpunkte  strategischer  Straßen  gibt  es  an  den  wolynischen
Bahnen,  so  an  der  Bahnstation  Kriwin  bei  Ostrog,  übrigens  auch  in
Galizien.
Nur  ganz  wenige  Straßen  führen  aus  dem  strategischen  Westgebiet
zum  Nordwesten  und  ins  Landesinnere.  Überwiegend  sind  es  ältere
Straßen,  aus  den  ersten  Jahrzehnten  des  19.  Jahrhunderts,  ein  Zeichen,
wie  sehr  gerade  auf  diesem  Gebiete  seitdem  die  Reichsverwaltung  gesündigt ­
  hat.  Zu  diesen  Straßen  gehört  die  von  Tilsit  über  Tauroggen,
Schawli,  Mitau,  Riga,  Arrasch,  Pskow,  Luga,  Gatschina  nach  Petersburg
gestreckte  Chaussee,  ferner  die  von  Wirballen  (bzw.  von  Warschau,
Augustowo,  Suwalki)  über  Mariampol,  Kowno,  Wilkomir,  Uzjany,
Nowo  Alexanclrowsk,  Dwinsk,  Rjeshiza,  Ostrow  nach  Pskow  und  somit
ebenfalls  zur  Reichsresidenz  gerichtete  Straße.  In  Ostrow  trifft  die
Kiewer  Straße  (über  Tschernigow,  Homel,  Dowsk,  Mohilew,  Orscha,
Witebsk,  Newel  und  Opotschka)  auf  die  polnische  Straße.  Von  Brest
(bzw.  von  Wlodawa)  führt  eine  Heerstraße  über  Kobryn,  Sluzk,  Bo-
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        69

bruisk 1 ),  Rogatschew,  südlich  Dowsk  (Kreuzungspunkt  der  Kiew-Petersburger ­
  Straße),  Tscherikow,  Roslawl *  2 )  nach  Moskau.  Ebenfalls  von  Brest
zieht  eine  Straße  mit  mehreren  bis  zu  10  m  breiten  Abzweigungen  im
wolynischen  Festungsgebiet  über  Kowel,  Luzk,  Klewan,  Rowno,  Nowograd
  Wolynsk,  Shitomir  nach  Kiew.  Die  beiden  letzteren  Straßen
säumen  die  Poljesje  ein.  Hiermit  sind  aber  auch  die  großen  Heerstraßen, ­
  die  aus  dem  Westen  ins  Innere  führen,  aufgezählt.  Die  Vernachlässigung ­
  des  russischen  Straßenwesens  in  den  meisten  Provinzen,  die
infolge  des  Ausbaues  des  Bahnnetzes  erst  recht  aufrecht  gehalten  wurde,
hat  zur  Folge,  daß  nicht  nur  eine  Stadt  wie  Minsk  mit  100  000  Einwohnern, ­
  sondern  auch  das  doppelt  so  große  Wilna,  die  Hauptstadt
Litauens,  nicht  von  einer  einzigen  großen  Straße  im  mitteleuropäischen
Sinne  berührt  wird.  Die  russische  Straßenbaupolitik  hat  aber  auch
bewußt  das  ältere  Straßenwesen  ignoriert.  Die  möglichste  Konzentrierung ­
  in  der  Richtung  auf  die  Reichszentren,  besonders  außerhalb  Kongreßpolens, ­
  springt  hier  noch  weit  mehr  in  die  Augen  als  auf  anderen  Gebieten. ­
  Minsk  war  z.  B.  im  alten  Polen  ein  sehr  wichtiger  Punkt  an
der  von  der  Ostgrenze  des  Reiches,  von  Mohilew,  führenden  großen
Straße,  die  sich  hier  gabelte  und  nordwestlich  über  Wilna,  Kowno  nach
Kurland,  südwestlich  über  Nowogrodek,  Grodno,  Bjelsk  nach  Warschau
und  Breslau  führte.  Wie  hier,  hat  man  auch  an  anderen  Stellen,  teilweise
freilich  begreiflich,  unter  dem  russischen  Regiment  an  die  alten  polnischen ­
  Reichsstraßen  nicht  angeknüpft,  sondern  dem  Verkehr  im  Sinne
der  neuen  Herrschaft  eine  andere  Richtung  gegeben.  Daß  seit  der
Okkupation  der  russischen  Westprovinzen  die  Verwaltungen  der  Zentralmächte ­
  auch  den  Straßenbau  nicht  vernachlässigen,  ersieht  man  daraus,
daß  nach  einem  Voranschlag  vom  November  1915  allein  im  Gebiet  des
deutschen  Generalgouvernements,  dem  drei  Fünftel  von  Polen  unterstehen, ­
  rund  5440  km  Straßen  gebaut  werden  sollen.
5.  Verkehrsgeographie  der  russischen  Eisenbahnen.
a)  Mängel  des  Systems  (Lücken  im  Balinnetz,  Brückenbauten).
Das  russische  Bahnnetz  hat  noch  große  und  empfindliche  Lücken.
Es  ist  oben  öfters  auf  die  Verkehrslosigkeit  und  die  geringe  Verkehrsdichte ­
  ganzer  Provinzen  hingewiesen  worden.  Die  klaffenden  Lücken
werden  offensichtlich,  wenn  man  die  Linienführung  der  Kurswagen,
also  der  Wagen,  die  zwei  verschiedene,  häufig  entfernt  gelegene  Ziele
miteinander  verbinden,  verfolgt.  Es  ist  noch  nicht  lange  her,  da  konnte
man  von  Moskau  nach  Kiew  nur  über  Kursk  (946  W)  gelangen.  Die
[ )  Die  ehemalige  Hauptfestung  Bobruisk  entsendet  einen  Strang  nach  Mohilew
zur  Petersburger  Straße.
2 )  In  Roslawl  kreuzt  sie  eine  von  Witebsk  über  Smolensk  zum  Südosten
ziehende  Straße.
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        70

neue  Linie  Moskau—  Brjansk—Konotop  (—Kiew)  kürzt  den  Weg  erheblich ­
  (803  W)  ab,  ist  aber  nur  auf  der  Teilstrecke  Moskau—Brjansk
der  von  der  Natur  vorgeschriebene  kürzeste  Weg.  Erst  eine  quer  durch
das  Gouvernement  Tschernigow  gelegte  Linie,  deren  Anlage  allerdings
Brückenbauten  über  die  Desna  nötig  machen  würde,  könnte  eine  allen
Anforderungen  entsprechende  Verbindung  herstellen.  Wie  schwer  ist
heute  noch  Odessa  von  Kiew  und  hiermit  auch  von  Moskau  zu  erreichen:
noch  heute  steht  die  Verbindung  auf  dem  Niveau  wie  vor  Jahrzehnten,
als  man  glaubte,  mit  der  Linie  Kursk—Shmerinka  als  einer  mittleren
Linie  sowohl  dem  podolisch-österreichischen,  als  dem  westpontischen
Verkehr  dienen  zu  können.  Auf  die  Dauer  kann  mit  dieser  Mittellinie
weder  der  Verkehr  mit  Wolotschisk,  noch  namentlich  mit  Odessa  und
Bessarabien  befriedigt  werden.  Die  nunmehr  vollendete  Linie  (Bachmatsch—) ­
  Tscherkassy—Odessa  wird  wenigstens  die  Verbindung  Moskau
—  Odessa  erheblich  verbessern,  den  Odessaer  Interessen  Kiews  aber
kaum  zugute  kommen.  Der  Süd  westen  Rußlands  leidet  überhaupt  am
stärksten  unter  dem  Fehlen  direkter  kürzester  Linien.  Eine  vorzügliche
Verbindung  Petersburgs  mit  Kiew  wäre  durch  den  Ausbau  der  neuen
Bahnlinie  Petersburg—Witebsk—Shlobin  leicht  herzustellen.  Auch
die  Verbindungen  Petersburgs  und  Polens  mit  Odessa  sind  noch  mangelhaft. ­
  Während  die  Verbindung  Petersburgs  über  Wilna  und  Sarny
mit  Rowno  verhältnismäßig  gut  ist,  erreicht  man  auf  der  Weiterfahrt
den  Pontus  nur  durch  eine  dreimalige  Richtungsänderung  (in  Rowno,
Kasatin  und  Shmerinka).  Eine  direkte  Verbindung  von  Rowno  —Sdolbunowo
  mit  Shmerinka  wäre  als  erhebliche  Verkehrsverbesserung  namentlich ­
  auch  für  Polen  zu  begrüßen.  Für  St.  Petersburg  und  hiermit  auch
für  Kiew  kann  das  letzte  Ziel,  um  eine  gute  Verbindung  mit  Odessa  anzustreben, ­
  nur  eine  direkte,  gerade  Linie  Kiew—Odessa  sein.  Eine
große  Verbindung  Petersburgs  mit  Odessa,  die  sich  im  wesentlichen
auf  dem  Petersburger  Längengrad  hält,  wäre  verkehrsgeographisch
glänzend  zu  nennen  und  müßte  für  das  eisenbahnfiskalisch  sehr  vernachlässigte ­
  Odessa  von  unschätzbaren  Folgen  sein 1 ).
In  den  baltischen  Landen  durchlaufen  die  Wagen  von  Riga  über
Murawiewo  und  Koschedari  nach  Wirballen  (drei  Teilstrecken  mit  veränderter ­
  Richtung)  eine  Strecke  von  453  W  (483  km),  während  eine
direkte  Bahnlinie  von  Riga  .nach  Wirballen  unter  Benutzung  der  Riga-Mitauer
  Strecke  nur  260—270  W  erfordern  würde,  abgesehen  davon,
daß  für  den  Verkehr  nach  Deutschland  Anknüpfungen  an  das  deutsche
Bahnnetz  in  der  Richtung  auf  Memel  oder  Tilsit  entschieden  vorteilhafter
und  kürzer  sein  würden  *  2 ).  In  Polen  seien  als  Beispiele  die  ebenfalls  von
Kurswagen  benutzten  Linien  von  Warschau  über  Iwangorod  und  Skarshisko
  nach  Ostrowiez  in  einer  Länge  von  232  W  genannt.  Eine  direkte
*)  Über  die  Eisenbahnverbindung  Nischni  Nowgorod  —Kasan  s.  S.  35.
2 )  Vgl.  S.  62,  Anm.  2.
        <pb n="76" />
        71

Linie  von  Warschau  über  Radom  nach  Ostrowiez  wäre  in  einer  Länge
von  140  W  zu  erbauen.  Diese  Beispiele  ließen  sich  noch  sehr  vermehren.
Wohl  nirgends  durchlaufen  die  Kurswagen  zwischen  zwei  Städten  so
seltsame,  kreuz  und  quer  sich  anschließende  Linien,  wie  in  Rußland,
das  beste  Zeichen,  daß  das  Bahnnetz  noch  große  Lücken  hat.
Einen  der  empfindlichsten  Nachteile  für  den  großen  russischen
Verkehr  bildete  lange  Zeit  das  Fehlen  von  Brücken.  Bereits  bei  älteren
Bahnanlagen  wurden  häufig  die  Brückenbauten  über  große  Flüsse  aufgeschoben. ­
  Die  Bahn  von  Rasdjelnaja  nach  Kischinew  wurde  schon  1871
gebaut,  aber  die  Brücke  über  den  Dnjestr  bei  Bender  kam  erst  1875
zustande.  Bereits  1876  hatte  das  in  der  Steppe  und  am  Wüstenrand
gelegene  Orenburg  seinen  Schienenstrang  erhalten,  aber  die  gewaltige
Wolgabrücke  bei  Batraki  wurde  erst  1880  vollendet.  Die  private  Losowaja-Sewastopolgesellschaft
  baute  zwar  im  Jahre  1873  eine  Zweiglinie
von  Sinelnikowo  bis  jenseits  Nischnednjeprowsk  zum  Dnjepr,  aber  die
Einmündung  über  den  Fluß  in  das  wichtige  Jekaterinoslaw  kam  erst
1884  zustande,  als  der  Staat  mit  dem  Bau  der  Kriwoi  Rögbahn  auch  die
1246  m  lange  Brücke  anlegte.
Bis  ganz  vor  kurzem  überschritt  als  einzige  Bahn  die  Wolga  unterhalb ­
  Rybinsk,  bis  wohin  man  den  Oberlauf  des  Flusses  reichen  lassen
kann,  die  sibirische  Bahn.  Erst  neuerdings  werden  diese  Unterlassungen
beseitigt.  Auch  hier  greifen  unsere  Kartenwerke  manchmal  den  Tatsachen ­
  voraus.  Bei  den  Wolgahäfen,  fast  regelmäßig  bei  Swijashsk
(—Kasan)  verzeichnen  sie  die  Brücken  als  bereits  bestehend.  Im  Frühjahr
1913  wurde  die  Bahnbrücke  bei  Jaroslawl  über  die  700  m  breite  Wolga
vollendet,  die  zugleich  mit  dem  Umbau  der  Schmalspurstrecke  Jaroslawl-—Wologda ­
  die  Leitung  von  Zügen  von  Moskau  über  Wologda  nach
Wjatka,  Perm  und  Tscheljabinsk  ermöglicht.  Die  Brücke  über  die
Wolga  bei  Swijashsk  ist  schon  seit  mehreren  Jahren  im  Bau,  aber  immer
noch  nicht  fertig.  Sie  wird  die  Fahrt  von  Moskau  nach  Kasan  erheblich
erleichtern  und  verbessern.  Im  Bau  begriffen  ist  auch  die  Brücke  über
die  Wolga  bei  Simbirsk.  Die  jenseits  der  Wolga  angelegte  Bahn  ist
von  Tschasownja  bereits  bis  Bugulma  gediehen  und  wird  nach  Tschischmy
kurz  vor  Ufa  in  die  sibirische  Bahn  geleitet  werden.  Im  Verein  mit  der
auf  dem  rechten  Ufer  gelegenen  älteren  Strecke  Insa—Simbirsk  wird
die  die  sibirische  Bahn  entlastende  Linie  ein  wertvolles  Glied  im  innerrussischen ­
  Verkehr  werden  und  Simbirsk  zu  einem  sehr  wichtigen  Punkt
im  Osten  machen.  Wie  Jaroslawl  über  Nacht  zur  Großstadt  erwuchs,
so  wird  auch  Simbirsk  ein  vortreffliches  Beispiel  sein,  wie  verhältnismäßig ­
  schnell  die  Flußorte  im  Verein  mit  Eisenbahnen  und  Brückenbauten ­
  auf  blühen.  Unterhalb  Batraki  erreichen  6  Bahnen  die  Wolga,
davon  endigen  allein  3  in  Zarizyn.  Auch  an  der  unteren  Wolga  sind
nach  den  neuesten  Beratungen  Brückenbauten  zu  erwarten.  In  Betracht ­
  kommen  in  erster  Linie  Brücken  bei  Zarizyn  und  bei  Saratow.
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        72

Der  Strom  ist  freilich  hier  schon  außerordentlich  breit,  bei  Saratow
mehrere  Kilometer  und  bei  Zarizyn  bereits  geteilt.  Die  Rjäsan-Uralsker
Bahn  hat  aber  tatsächlich  kürzlich  den  Auftrag  erhalten,  mit  dem  Umbau
ihrer  Strecke  Jerschow—Uralsk  vorbereitende  Maßnahmen  zum  Bau
einer  Brücke  zwischen  Saratow  und  Pokrowskaja  Sloboda  zu  treffen.
Der  Brückenbau  bei  Zarizyn  rückt  ebenfalls  in  den  Bereich  der  Möglichkeiten, ­
  seitdem  ganz  kürzlich  neue  südrussisch-sibirische  Projekte  erwogen ­
  werden,  die  wahrscheinlich  die  Anlage  der  Bahn  Orenburg  oder
Iletzk—Uralsk—Zarizyn  zur  Folge  haben.
Ein  außerordentlich  bemerkenswertes  Projekt  wurde  kurz  vor  Kriegsausbruch ­
  bekannt.  Die  Moskau-Kasaner  Bahn  soll  sich  Mitte  Juli  1914
für  das  Hinausrücken  des  Termins  der  Verstaatlichung  entschlossen
haben,  als  Gegenleistung  die  Anlage  einer  Untertunnelung  der  Wolga
bei  Nischni  Nowgorod  auszuführen,  gleichzeitig  mit  dem  Bau  einer
Bahn  von  Nischni  nach  Kotelnitsch,  so  daß  der  Weg  von  Moskau  nach
Wjatka  und  Perm  bedeutend  verkürzt  wird.  In  Nischni  Nowgorod
endigt  bisher  die  Bahnlinie  von  Moskau  auf  dem  linken,  die  von  Timirjasewo
  (Pensa,  Kasan)  auf  dem  rechten  Ufer  der  hier  650  m  breiten  Oka,
so  daß  ein  durchgehender  Verkehr  unterbunden  ist.  Vielerorts  erinnert
gerade  das  System  der  Bahnen,  die  den  Wolgahäfen  zugeführt  sind,
an  die  Frühzeit  der  Eisenbahnen  in  Mitteleuropa.  Man  merkt  allerwärts,
daß  die  Notwendigkeit  der  Brückenanlagen  den  Ausbau  der  Verkehrswege ­
  hemmt.  Darum  enden  die  Bahnen  des  Moskauer  Bezirks  in  Kineschma,
  am  rechten  Ufer  gegenüber  Kostroma  und  in  Sawelowo.
Brückenbauten  sind  hier  die  unumgängliche  Voraussetzung  für  die  Verbindung ­
  Moskaus  mit  dem  jenseits  der  Wolga  gelegenen  zukunftsreichen
Hinterland.
Die  Wolga  ist  das  beste  Beispiel,  wie  ein  hervorragender  Strom  den
Ausbau  des  Bahnnetzes  hintenanhält.  Freilich  treten  die  nördlich  und
östlich  von  der  Wolga  gelegenen  Landschaften  erst  neuerdings  in  die
Periode  einer  kräftigeren  wirtschaftlichen  Entwickelung,  mit  der  die
Anlage  der  Brücken  Hand  in  Hand  geht.  Aber  auch  sonst  zeigen  sich
noch  ähnliche  Verkehrsschranken:  doch  wird  auch  hier  der  eine  oder
andere  Ubelstand  in  der  nächsten  Zeit  beseitigt  werden.  So  wird  der
Dnjepr  bei  Tscherkassy  überbrückt  werden  durch  den  Ausbau  der
neuen  Linie  Bachmatsch—Wosnessensk—Odessa.  Immer  noch  fehlt
eine  Brücke  über  den  Prutb  und  hiermit  eine  Verbindung  mit  dem
rumänischen  Hafen  Galatz.  Die  Notwendigkeit  der  Brückenanlagen
ist  auch  häufig  die  Veranlassung,  daß  die  Bahnen  nicht  bis  an  die  Stadt
heranreichen.  Es  wurde  schon  Kostroma  erwähnt,  dessen  Bahnverbindung ­
  auf  dem  jenseitigen  Wolgaufer  endet.  Rußlands  nördlichste
Bahn  endet  auf  dem  linken  Ufer  der  hier  über  1  km  breiten  Dwina,
jenseits  Archangelsk.  Der  Bahnhof  der  Provinzhauptstadt  Tschernigow
liegt  auf  dem  linken  Desnaufer  und  3  W  von  dieser  entfernt.  Auf  dem
        <pb n="78" />
        rechten  Ufer  der  Desna,  in  derselben  Entfernung  wie  Tschernigow,
liegt  auch  Brjansk,  während  der  Bahnhof,  ein  wichtiger  Knotenpunkt,
auf  der  linken  Flußseite  liegt.
Auch  wo  der  Bahnbau  die  Anlage  von  Brücken  von  vornherein
nötig  machte,  sind  diese  häufig  von  Holz  gefertigt  worden.  Die  Verkehrsentwickelung ­
  namentlich  des  letzten  Jahrzehnts  führte  dann  freilich
zu  ihrer  Beseitigung  durch  Eisenbrücken.  So  wurden  auf  der  Wologda-Archangelsker
  Bahn  in  den  letzten  6—8  Jahren  die  zahlreichen  Holzbrücken ­
  durch  eiserne  ersetzt.  Aber  selbst  bei  Projekten  der  jüngsten
Zeit  sind  zuweilen  zunächst  noch  provisorische  Brückenanlagen  vorgesehen, ­
  wenn  nicht  selbst  derartige  Bauten  auf  geschoben  werden.
b)  Schnellzuglinien.
Nicht  leicht  wird  ein  sicheres  Urteil  über  die  Bewertung  der  Bahnlinien ­
  und  ihre  unterschiedliche  Behandlung  bei  der  Einzeichnung  in
das  Kartenbild  getroffen  werden  können.  Es  ist  schwerer,  als  es  scheint,
gewisse  Einheitspunkte  einer  europäischen  Verkehrskarte  zugrunde  zu
legen.  Denn  selbst  üi  Deutschland  wird  man  an  die  Bahnen  des  östlichen
Preußen  einen  anderen  Maßstab  anlegen,  als  an  die  des  Rheinlands,  des
Gebiets  mit  dem  stärksten  kontinentalen  Verkehr.  Es  ist  verständlich,
daß  man  auf  den  Kulturzustand  und  die  Verkehrsentwickelung  der
einzelnen  Länder  überhaupt  Rücksicht  nimmt.  Staaten  mit  mäßigem
oder  schwachem  Verkehr,  wie  der  skandinavische  Norden,  Rußland,
die  Staaten  der  südöstlichen  und  der  iberischen  Halbinsel  werden  bei
der  unterschiedlichen  Hervorhebung  der  Verkehrswege  im  Kartenbild
anders  bewertet  werden  müssen  als  das  westliche  Deutschland,  Belgien
und  die  Niederlande.  Daneben  laufen  aber  auch  häufig  in  unseren
Kartenwerken  und  Darstellungen  eine  Reihe  von  Irrtümern  unter.
Namentlich  herrschen  hinsichtlich  Rußlands  falsche  Anschauungen.
Veraltet  ist  es  z.  B.  auf  den  Verkehrskarten,  so  sogar  auf  der  Karte  unseres
Reichskursbuches,  den  Schnellzugverkehr  zwischen  Moskau  und  Kiew
über  Kursk—Konotop  leiten  zu  lassen.  Die  Linie  Kursk—Konotop
erscheint  ganz  allgemein  als  Schnellzuglinie,  während  auf  ihr  keine
Züge  größerer  Bedeutung  mehr  verkehren,  seitdem  die  Linie  Moskau—
Brjansk—Konotop  gebaut  ist,  die  entweder  überhaupt  nicht  beachtet
oder  in  ihrer  Bedeutung  unterschätzt  wird.  Auch  eine  der  beiden  Stammstrecken
  der  Südostbahngesellschaft,  über  die  noch  jetzt  teilweise  der
Verkehr  von  Moskau  über  Woronesh  nach  Rostow  und  dem  Kaukasus
geleitet  wird,  hat  auf  der  südlichen  Teilstrecke  Liski—Lichaja—Rostow
geringere  Bedeutung,  was  sich  schon  in  der  verminderten  Geschwindigkeit
und  in  dem  häufigen  Anhalten  ausprägt.  Wichtiger  ist  der  von  Moskau
über  Charkow  und  Losowaja  geleitete  Verkehr.  Hier  gabelt  sich  der
Kaukasus-  von  dem  Krimverkehr  und  erreicht  über  Charzysk  Rostow.
Die  Teilstrecke  Losowaja—Charzysk  wird  noch  allgemein  in  ihrer  Be ­
        <pb n="79" />
        74

deutung  verkannt,  wenn  sie  nicht  überhaupt  übergangen  wird.  Direkte
Wagen  von  Petersburg  nach  dem  Kaukasus  verkehren  über  Losowaja,
nicht  über  Woronesh.  Die  Verbindung  von  Charkow  nach  Snamenka
und  ihre  Fortsetzung  nach  Nikolajew  und  nach  Birsula  (Odessa)  ist
dagegen  nicht  so  wichtig,  wie  häufig  angenommen  wird.  Die  beste
Verbindung  zwischen  Moskau  und  Odessa  besteht  jetzt  auch  über
Brjansk—Kiew.  Die  Linie  nach  Nikolajew  (und  Cherson)  hat  als  Schnellzuglinie ­
  keine  sehr  große  Bedeutung.  Weiter  sei  erwähnt,  daß  die  alte
Bahn  von  Perm  über  Tschussowskaja  nach  Jekaterinburg  sehr  zurücktritt ­
  gegenüber  der  abkürzenden  Linie  über  Kungur,  die  ebenfalls  noch
recht  wenig  gewürdigt  wird.
Fast  regelmäßig  findet  man  auf  den  europäischen  Übersichtskarten,
die  „die  wichtigsten  Eisenbahnen“  enthalten,  auch  eine  Reihe  von
Bahnen  des  russischen  Nordens  und  Ostens.  Die  für  den  Personenverkehr ­
  unbedeutende  Bahn  von  Wjatka  nach  Kotlas  erfreut  sich  fast
stets  einer  ungebührlichen  Berücksichtigung.  Auch  sonst  fehlt  der
Gradmesser  einer  richtigen  Bewertung  noch  sehr  häufig.  Man  erinnert
sich  der  älteren  Karten,  auf  denen  die  ersten  Bahnen  von  Moskau  aus  bei
Jaroslawl  und  bei  Niscbni  Nowgorod  die  Wolga  erreichten.  Sie  galten
und  wurden  als  die  östlichsten  Ausläufer  der  neuzeitlichen  Verkehrswege ­
  tief  im  moskowitischen  Rußland  hoch  bewertet,  obwohl  sie  nur
einen  geringen  Verkehr  hatten.  Man  wich  auch  in  der  Folgezeit  nicht
davon  ab,  die  weiteren  die  Wolga  erreichenden  oder  über  sie  hinweg  -
ziehenden  Bahnen  systematisch  durch  ihre  Eintragung  hervorzuheben,
so  daß  auch  die  Bedeutung  dieser  meist  verkehrsarmen  äußersten  Ausstrahlungen ­
  des  europäischen  Verkehrs  übertrieben  gewürdigt  erscheint.
Konnte  man  vor  50  Jahren  in  der  Vollendung  der  Bahn  Moskau—Nischni
immerhin  ein  bedeutsames  Ereignis  sehen,  so  kann  heute,  wo  in  allen
Teilen  der  Erde  Bahnen  entstehen,  die  Tatsache,  daß  ein  Dutzend  Bahnen
unterhalb  Nischni  die  Wolga  erreichen  oder  über  sie  hinwegziehen,  nicht
mehr  als  besonders  wichtig  vermerkt  werden,  ebensowenig  wie  der  Bau
der  Schmalspurbahn  Wologda—Archangelsk  oder  der  an  und  für  sich
nicht  schlecht  ausgestatteten  finnischen  Nordbahn  Tojala—Uleäborg—
Torneä.  Zu  den  fast  regelmäßig  wiederkehrenden  Unrichtigkeiten  gehört
es  aber,  wenn  ein  großer  südrussisch-rumänischer  Verkehr  konstruiert
wird,  dessen  Leiter  die  „wichtige  Verbindung“  Galatz—Reni  sein  soll,
die  gar  nicht  existiert,  so  daß  natürlich  der  Verkehr  auf  der  Stichbahn
Bender—Reni  recht  unbedeutend  genannt  werden  kann 1 ).
Will  man  die  wichtigeren  russischen  Bahnen  unterschiedlich  hervorheben, ­
  so  müssen  zunächst  diejenigen  Hauptbahnen  genannt  werden,
1 )  Die  meisten  Atlanten  verzeichnen  eine  Bahnlinie  Galatz—Reni.  Immanuel
(Andrees  Geographie  des  Welthandels  I  S.  882  u.  909)  hebt  sie  als  wichtige  Verbindung ­
  hervor.  .
        <pb n="80" />
        die  einen  recht  guten  Schnellzugverkehr  haben,  der  auch  mitteleuropäischen ­
  Begriffen  entspricht.  An  zweiter  Stelle  folgen  diejenigen
Linien,  die  auch  befriedigende  Verbindungen,  durchweg  mit  Schnellzugverkehr, ­
  haben,  die  aber  ihren  Zielen  oder  auch  der  Beschleunigung
nach  nicht  zu  den  großen  Hauptbahnen  gerechnet  werden  können.
Auf  einigen  Linien,  so  auf  der  Linie  St.  Petersburg—Wologda—Wjatka—
Tscheljabinsk,  verkehren  die  Schnellzüge  nur  an  einem  oder  an  einigen
wenigen  Tagen  in  der  Woche.  An  dritter  Stelle  stehen  die  Linien  mit
verhältnismäßig  genügenden  Verbindungen,  aber  ohne  eigentlichen
Schnellzugverkehr.  Auf  fast  allen  Linien  dieser  Art  werden  durchgehende ­
  Wagen  geleitet,  so  daß  sie  dem  großen  Verkehr  angeschlossen
sind 1 ).
Die  besten  Verbindungen  vermitteln  die  Linien:
(Berlin—Bromberg—Thorn—)  Alexandra  wo—Warschau  und  (Wien—
Prerau—)  Graniza—Warschau,
Warschau—Wilna—St.  Petersburg,
(Berlin—Königsberg—)  Wir  ballen—Wilna  (  —  St.  Petersburg),
Warschau—Baranowitschi—Moskau,
(St.  Petersburg—)  Wilna—Baranowitschi—Rowno—Sarny—Kasatin—
Odessa,
Moskau—Brjansk—Kiew—Kasatin  (—Odessa),
St.  Petersburg—Moskau,
Moskau—Tula—Charkow—Losowa  ja—Sewastopol,
(Moskau—)  Losowaja—Rostow—Baku—Tiflis—Batum,
Moskau—Tula—Rjashsk  und  Moskau—Rjäsan—Rjashsk—Samara-Tscheljabinsk—
  Sibirien  und  Ostasien,
in  Finnland:  Abo—Tojala—Riihimäki  und  Helsingfors—Riihimäki—
St.  Petersburg.
Expreß-  oder  Luxuszüge  mit  einer  einzigen  Wagenklasse  verkehren
auf  den  drei  Hauptbahnen,  die  in  Wirballen,  Alexandrowo  und  Graniza
Anschluß  an  die  preußischen  und  österreichischen  Bahnen  haben  und
über  Kowno  bzw.  Warschau  nach  Wilna  und  St.  Petersburg,  sowie,  in
der  Besorgung  des  Verkehrs  von  Berlin—Alexandrowo,  von  Warschau
über  Brest  nach  Moskau  führen.  Es  sind  somit  diejenigen  Bahnen,
welche  enge  Fühlungnahme  mit  den  großen  mitteleuropäischen  Linien,
also  gewissermaßen  internationalen  Charakter  haben  und  die  den  westeuropäischen ­
  Verkehr  zu  den  beiden  Hauptstädten  des  Reiches  leiten.
Etwas  spezifisch  Russisches  sind  hiernach  die  einklassigen  Expreßzüge  nicht
geworden:  werden  sie  doch  auch  auf  der  auf  den  eigentlich  russischen
Binnenverkehr  begründeten  Hauptbahn  St.  Petersburg—Moskau  nicht
geführt.  Auf  den  sibirischen  Linien  laufen  ebenfalls  keine  Expreßzüge

*)  Vgl.  im  übrigen  die  beiliegende  Kartenskizze  über  die  wichtigsten  Eisenbahnen ­
  des  europäischen  Rußland.
        <pb n="81" />
        76

im  mitteleuropäischen  Sinne.  Nur  auf  sehr  wenigen  Linien  verkehren
ferner  aus  zwei  Klassen  bestehende  Schnellzüge,  so  in  Finnland  auf  der
Strecke  Helsingfors—St.  Petersburg,  ferner  auf  der  Bahn  St.  Petersburg—Moskau—Sewastopol, ­
  auf  den  politischen  Strecken  Losowaja—
Rostow—Tichorjezkaja—Noworossijsk  und  Kiew—Odessa,  auf  den
beiden  großen  Sibirienlinien  (St.  Petersburg  und  Moskau—Tscheljabinsk),
auf  der  Alexanderbahn,  wie  die  Moskau-Brester  Bahn  seit  1912  heißt,
und  auf  den  beiden  alten  Hauptstrecken  der  Warschau-Wiener  Bahn.
Dagegen  laufen  auf  den  von  Wirballen  und  Warschau  nach  St.  Petersburg ­
  führenden  Linien  solche  Schnellzüge  nicht  und  auf  den  turkestanischen
  und  den  eigentlichen  kaukasischen  Linien  verkehren  nur  aus  drei
Klassen  bestehende  Züge.  Man  kann  das  Verhalten  der  russischen
Eisenbahnverwaltungen  nach  dieser  Richtung  hin  wohl  gut  volkstümlich ­
  nennen,  ähnlich  wie  das  der  Bahnsysteme  der  nordeuropäischen
oder  einiger  süddeutscher  Staaten  (wie  Württemberg).  Wagen  der
internationalen  Schlafwagengesellschaft,  die  aber  verhältnismäßig  nur
auf  wenigen  Linien  eingeführt  sind,  sind  seit  November  1891  zugelassen;
neben  ihnen  verkehren  seit  1898  Wagen  der  national-russischen  Schlafwagengesellschaft. ­

c)  Schnelligkeit  (1er  Züge.  A  on  Schnellzügen  aufenthaltlos  durchlaufene
Strecken.
Der  jeweilige  Grad  der  Betriebstüchtigkeit  der  Bahnen  wird  auch
durch  die  Beschleunigung  der  Züge  gekennzeichnet.  Es  ist  eine  allgemein
verbreitete  Ansicht,  daß  die  Geschwindigkeit  auch  der  schnellsten  Züge
in  Rußland  ganz  minimal  ist.  So  sagt  Hettner 1 ),  daß  auch  der  Schnellzug ­
  von  Moskau  nach  Petersburg  nur  44  km  zurücklege.  Daß  diese
Annahme  schon  damals  (1905)  nicht  richtig  war,  geht  aus  dem  folgenden
Satz  hervor,  nach  dem  der  Schnellzug  die.  650  km  lange  Strecke  (also
einschließlich  des  Aufenthaltes)  in  12  Stunden  zurücklegt.  F.Immanuel
beziffert  1910  die  Fahrtgeschwindigkeit  „auf  den  befahrensten  Bahnen
mit  durchgehendem  Verkehr“  für  Schnellzüge  auf  50,  für  Personenzüge
auf  32  W  in  der  Stunde 2 ).
x )  Hettner,  Das  europäische  Rußland  S.  169.
2 )  Andrees  Geographie  des  Welthandels  I  S.  912.  Es  sei  übrigens  erwähnt,
daß  man  schon  für  1890  die  durchschnittliche  Geschwindigkeit  der  russischen
Schnellzüge  einschließlich  Aufenthalt  auf  46,4  km,  ausschließlich  auf  50,7  km
berechnet:  Zahlen,  deren  Richtigkeit  allerdings  angefochten  wurde.  In  der
älteren  Zeit  legten  die  Personenzüge  der  Nikolaibahn  31 1 / 2  W,  die  Güterzüge  15  W
zurück.  Im  Jahre  1901  bezifferte  man  die  Geschwindigkeit  der  ersteren  einschließlich ­
  des  Aufenthalts  auf  31—53  W,  der  letzteren  auf  13—21  W  (vgl.  AEW
25.(1902)  S.  918).  —  Daß  dann  in  den  Tageserzeugnissen  ähnlich  falsche  Anschauungen ­
  verbreitet  werden,  kann  nicht  wundernehmen.  AVenn  aber  in  einer  großen
Tageszeitung  einer,  der  sich  über  „das  russische  Kulturproblem“  verbreitet,  zunächst
mit  einem  Seitenhieb  über  die  russischen  doppelgeleisigen  Eisenbahnen,  den  er
        <pb n="82" />
        So  oder  ähnlich  lauten  fast  durchweg  die  Urteile  über  die  Geschwindigkeit ­
  der  russischen  Züge  und  der  Schluß  ist  meist  der,  daß  das
russische  Eisenbahnwesen  in  dieser  Hinsicht  rückständig  sei  und  sich  mit
dem  der  mitteleuropäischen  Systeme  nicht  messen  könne.  Es  mag  allerdings ­
  fraglich  sein,  ob  der  Grad  der  Beschleunigung,  den  Amerika  und
Westeuropa  jetzt  schon  kennen,  in  Rußland  erreicht  werden  kann,  da
das  russische  Wagenmaterial  sehr  schwer  ist.  Sicherlich  steht  einer  sehr
großen  Geschwindigkeit  auch  der  nicht  immer  solide  Bau  des  Bahnkörpers ­
  hinderlich  im  Wege.  So  werden  auf  der  Warschau-Moskauer
Bahn  sowohl  zwischen  Warschau  und  Brest,  wie  zwischen  Slawnoje
(im  westlichen  Teil  der  Mohilewer  Provinz)  und  Moskau  ziemlich  be
deutende  Geschwindigkeiten  erzielt,  dagegen  auf  der  Zwischenstrecke
(Provinzen  Grodno  und  Minsk),  die  die  Poljesje  und  andere  Sumpfgebiete
berührt,  weit  geringere.  Auch  auf  der  Linie  Wilna—Sarny,  die  die
Poljesje  von  Nord  nach  Süd  durchschneidet,  legen  die  Kiewer  Züge
eine  geringere  Geschwindigkeit  zurück.
Wenn  man  berücksichtigt,  daß  auch  auf  diesen  beiden,  das  große
sumpfige  Niederungsgebiet  durchquerenden  Bahnen  die  Geschwindigkeit
der  Schnellzüge  zwischen  50  und  57  km  die  Stunde  schwankt,  so  erkennt
man,  wie  wenig  die  landläufigen  Annahmen  den  Tatsachen  entsprechen.
Auf  einer  großen  Anzahl  von  Strecken  werden  diese  Zahlen  aber  weit
übertroffen.  Die  schnellsten  Züge  verkehren  auf  den  Strecken  Warschau  —
Sombkowizi,  Warschau—Petersburg,  Warschau—Moskau,  Petersburg
Moskau  und  Moskau—Kursk.  Auf  all  diesen  werden  Teilstrecken  in
einer  Geschwindigkeit  von  über  70  km  in  der  Stunde  zurückgelegt.
Obenan  steht  die  Strecke  Luga—Pskow  der  Petersburg-Warschauer
Bahn  mit  78  km;  fast  ebensogroß  ist  die  Beschleunigung  auf  der  Strecke
Koljuschki—Piotrkow  der  Warschau-Wiener  Bahn 1 ).  Auf  beiden
Bahnen  bleibt  die  Geschwindigkeit  nicht  gleichmäßig,  sinkt  aber  nirgendwo ­
  unter  60  km,  auf  den  großen  über  100  km  langen  Teilstrecken  schwankt
sie  zwischen  65  und  68  km.  Verhältnismäßig  gut  geregelt  ist  die  Beschleunigung ­
  der  schnellsten  Züge  auf  den  einzelnen  Teilstrecken  der
Nikolaibahn.  Sie  ist  durchschnittlich  71  km  groß  und  erhöht  sich  für
die  sehr  langen  Strecken  Bologoje—Twer  und  Twer—Moskau  auf  72  bis
73  km.  Auf  fast  allen  Teilstrecken  der  Moskau-Kursk-Sewastopoler
Linie  legen  die  schnellsten  Züge  60  oder  mehr,  bis  zu  71  km  zurück,

mit  dem  Ausruf  „du  lieber  Gott!“  begleitet,  und  dann  über  die  Geschwindigkeit  der
Bahnen  redet,  wonach  „keine  der  Bahnen,  mit  zwei  elenden  Ausnahmen,  auf  den
großen  Strecken  des  russischen  Weltverkehrs  mehr  als  40  Stundenkilometer  leistet“,
so  ist  eine  solche  Auslassung  von  Übelwollen  und  Bösartigkeit  nicht  mehr  entfernt,
Eigenschaften,  mit  denen  man  ja  auch  sonst  gern  russische  Einrichtungen  betrachtet. ­

*)  Es  wird  hier  die  Geschwindigkeit  aus  der  Fahrtzeit  von  Station  zu  Station
berechnet.  Selbstverständlich  ist  die  Schnelligkeit  auf  offener  Strecke  noch  größer.
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        und  nur  auf  der  letzten  Strecke  Simferopol—Baktschissarai—Sewastopol
bei  der  Überschreitung  des  Jailagebirges  43—44  km.
Falsch  ist  es  auch,  daß  „auf  den  befahrensten  Bahnen“  die  Personenzüge ­
  in  der  Stunde  nur  32  W  (34  km)  zuriickiegen.  Es  gibt  natürlich
Lokalzüge 1 ),  häufig  nur  aus  einer,  der  vierten  Wagenklasse  bestehend,
die  es  auch  auf  den  Hauptbahnen  auf  nicht  mehr  als  25—30  km  bringen,
in  dieser  Hinsicht  nicht  stark  abweichend  von  ähnlichen  Zügen  auf  westeuropäischen ­
  Bahnen,  z.  B.  in  Frankreich  und  Belgien.  Andererseits
legen  aber  sehr  häufig  die  Personenzüge  in  der  Stunde  40—  50,  etwa
45  km  zurück,  und  die  Beschleunigung  wäre  noch  größer,  wenn  der
auch  an  den  Nebenstationen  meist  nicht  kurze  Aufenthalt  vermindert
würde.  Aber  auch  auf  weniger  wichtigen  Bahnen  werden  gleiche  Geschwindigkeitsziffern
  erreicht.  So  legt  ein  Zug  auf  der  Bahn  Taps—
Walk  (—Riga),  die  man  nicht  zu  den  Hauptlinien  rechnen  kann,  die
46  km  lange  Strecke  Taps—Weggewa  einschließlich  eines  dreimaligen
Anhaltens  genau  in  einer  Stunde  zurück  und  erreicht  das  von  Taps
113  km  entfernt  gelegene  Dorpat  in  2 1 / 2  Stunden.  Ähnliche  Geschwindigkeiten ­
  erzielen  auch  andere  Züge  auf  dieser  Strecke.  Auf  Linien,  die  etwa
nur  von  zwei  Zugpaaren  befahren  werden,  wie  auf  einem  Teil  der  strategischen ­
  Linie  Bologoje—Sjedlez,  ist  häufig  ein  Zugpaar,  das  dem  größeren
durchgehenden  Verkehr  dient,  beschleunigt,  so  daß  z.  B.  die  Fahrtzeit
der  49  km  langen  Strecke  Juratischki—Lida  63  Minuten  beträgt.  Das
sind  nur  einige  wenige  Beispiele,  die  aus  den  meisten  Teilen  des  Reiches
vermehrt  werden  könnten  und  die  beweisen,  wie  unrichtig  unsere  Urteile
über  die  russischen  Eisenbahnen  häufig  noch  sind.  Werden  doch  auch
auf  der  Schmalspurstrecke  Wologda—Archangelsk  durchschnittliche
Geschwindigkeiten  von  reichlich  30  km  erzielt,  auf  der  Strecke  Urbach-Astrachan
  sogar  stellenweise  bis  zu  gut  40  km.
Eine  große  Bequemlichkeit  der  russischen  Eisenbahnen,  namentlich
auf  den  weniger  wichtigen  Linien  besteht  darin,  daß  recht  gute  Nachtverbindungen ­
  bestehen.  Es  ist  landesüblich,  zur  Nachtzeit  zu  reisen.
Auf  den  Strecken  mit  schwachem  Verkehr  laufen  die  besten,  die  beschleunigteren ­
  Züge  häufig  in  der  Nacht.  Hiermit  hängt  es  wohl  zusammen, ­
  daß  einige  Züge,  die  über  die  Nacht  hinaus  noch  den  Tag  zur
Fahrt  beanspruchen,  am  Tage  langsamer  fahren  als  zur  Nachtzeit.  —
Einen  gewissen  Maßstab  für  die  Leistungsfähigkeit  eines  Eisenbahnsystems ­
  gibt  auch  die  jeweilige  Zahl  langer,  von  den  Schnellzügen  ohne
Aufenthalt  durchfahrener  Strecken (  In  Frankreich  und  Großbritannien,
ferner  in  Deutschland,  neuerdings  auch  in  Italien *  2 ),  dagegen  viel  weniger
*)  Unter  diesen  Zügen  gibt  es  auch  mit  Güterwagen  gemischte  Züge.
2 )  In  Italien  ist  freilich  das  aufenthaltlose  Durchfahren  langer  Strecken  rein
theoretisch,  als  es  nur  für  den  Passagierverkehr  Geltung  hat,  technisch  aber  gar
nicht  durchführbar  ist,  weil  viele  dieser  Hauptlinien  eingeleisig  sind,  oder  die
Änderung  des  Dampfbetriebes  in  den  elektrischen,  wie  auf  der  151  km  langen
        <pb n="84" />
        in  Österreich-Ungarn,  ist  die  Zahl  der  Strecken,  die  in  einer  Länge  von
100  oder  mehr  km  ohne  Aufenthalt  zurückgelegt  werden,  schon  ganz
beträchtlich  und  wird  andauernd  vermehrt.  In  Deutschland  gibt  es
(Sommer  1913)  bereits  über  50  derartige  Linien.
In  Städte-  und  industriereichen  Ländern  sind  natürlich  der  Schaffung
derartiger  Strecken  gewisse  Grenzen  gezogen.  Im  westlichen  Deutschland ­
  fehlen  sie  fast  ganz,  in  Rheinpreußen  ganz 1 ).  Ohne  Zweifel  nimmt
man  hier  auf  größere  Orte  weitestgehende  Rücksicht,  weit  mehr  als  in
Belgien,  England  und  auch  in  einigen  Teilen  Frankreichs.  Offenbar
fehlen  z.  B.  im  Rheinland  auch  noch  die  technischen  Vorbedingungen,
die  zugleich  eine  gewisse  Verlangsamung  der  Züge  veranlassen.  In
landwirtschaftlichen  und  dazu  ebenen  Bezirken  ist  natürlich  eine  lange
aufenthaltlose  Strecke  viel  mehr  am  Platze.  Freilich  gibt  es  auch  hier
Grenzen.  Aufenthaltlose  Strecken  wie  Berlin—Schneidemühl  (246  km),
Berlin—Hannover  (254  km),  Berlin—Liegnitz  (264  km)  und  Berlin-Hamburg
  (287  km),  zu  denen  sich  neuerdings  die  315  km  lange,  durch
gebirgige,  teilweise  dichtbesiedelte  und  auch  nicht  industrielose  Landschaften ­
  führende  Strecke  Halle—Nürnberg  gesellt,  sind  schon  ganz
besonders  lange  Trassen,  deren  Länge  auch  in  der  Zukunft  nicht  wesentlich ­
  übertroffen  werden  dürfte.
Würde  man  an  die  russischen  Verhältnisse  den  Maßstab  Norddeutschlands ­
  anlegen,  so  daß  die  großen  Züge  nur  an  wirklich  bedeutenden
Siedlungen  und  an  Verkehrszentren  halten,  so  müßte  die  Strecke  St.  Petersburg—Wologda ­
  (fast  600  km)  ohne  Aufenthalt  zurückgelegt  werden.
Aber  abgesehen  davon,  daß  auch  auf  den  mitteleuropäischen  Bahnsystemen ­
  derartige  gewaltige  Strecken  wohl  nie  aufenthaltlos  zurückgelegt ­
  werden  können,  ist  zu  berücksichtigen,  daß  erst  recht  die  betriebstechnischen ­
  Einrichtungen  der  russischen  Eisenbahnen  zurückstehen
hinter  denen  der  mitteleuropäischen  Bahn  Verwaltungen.  Deshalb  legen
auch  die  schnellsten  Züge  auf  der  Linie  Petersburg—Wilna  die  273  km
lange  Strecke  Pskow—Dwinsk  nicht  ohne  Aufenthalt  zurück,  aber  sie
halten  nicht  an  den  größeren  Stationen  Ostrow,  Pytalowo  und  Rjeshiza,
sondern  sämtlich  an  der  kleinen,  etwa  in  der  Mitte  der  Strecke  gelegenen
Station  Korsowka.
Nichtsdestoweniger  gibt  es  auch  heute  in  Rußland  eine  Reihe
längerer  Strecken,  die  ohne  Anhalten  befahren  werden,  und  zwar  im  europäischen ­
  Gebietsteile  allein  28  von  über  100  km.  Dazu  müssen  weiter
Strecke  Mailand  —  Genua  ein  Halten  erforderlich  macht.  Ist  es  doch  auch  fast
die  Hegel,  daß  weniger  gute  Schnellzüge  nicht  nur  an  den  vielen  vorgesehenen
Punkten  die  Fahrt  unterbrechen,  sondern  auch  an  anderen.  Demnach  kann  die
von  den  Expreßzügen  amtlich  ohne  Anhalten  durchlaufene  316  km  lange  Strecke
Rom—Livorno  doch  nicht  sehr  hoch  •eingeschätzt  werden.
x )  Seit  Mai  1914  legt  allerdings  ein  Zug  die  182  km  lange  Strecke  Köln—Wiesbaden ­
  ohne  Aufenthalt  zurück.
        <pb n="85" />
        80

die  Strecken  gerechnet  werden,  die  durch  Nichtanhalten  an  den  Bedarfsstationen ­
  entstehen  können 1 ).  Die  längsten  aufenthaltlosen  Strecken
liegen  an  den  beiden  wichtigsten  Bahnen  des  Reiches,  an  den  Linien
Petersburg—Wilna—Warschau  und  Petersburg—Moskau.  An  der  ersteren
sind  es  die  Strecken  Dwinsk—Wilna,  mit  172  km  (161  W)  die  längste
im  Zarenreiche,  Wilna—Grodno  (158  km)  und  Lapi—Warschau  (150km) *  2 )
an  der  Nikolaibahn  als  zweitlängste  Strecke  Twer—Moskau  (168  km.
157  W),  dann  Bologoje—Twer  (163  km)  und  Malaja  Wischera—Bologoje
(158  km).  Die  schnellsten  Züge  St.  Petersburg—Moskau  halten  an  der
rund  650  km  (610  W)  langen  Strecke  fünfmal,  so  daß  auf  110  km  ein
Anhalten  erfolgt.  Der  wöchentlich  einmal  verkehrende  Petersburger
Sibirienzug  hält  an  der  747  km  (700  W)  langen  Strecke  Tscherepowetz—
Wologda—Ljangasowo  (kurz  vor  Wjatka)  sechsmal,  so  daß  auf  etwa
125  km  eine  Unterbrechung  der  Fahrt  stattfindet.  Von  weiteren,  einem
großen  durchgehenden  Verkehr  dienenden  Linien  sei  die  Teilstrecke
Wilna—Sarny  der  Bahn  nach  Kiew  erwähnt,  auf  der  die  vier  Teilstrecken ­
  95,  106jr  107  und  116  km  betragen.  Die  Bahn  Warschau-Brest—Moskau
  hat  namentlich  in  ihrem  westlichen  Teil  mehrere  lange,
von  den  Schnellzügen  ohne  Aufenthalt  durchfahrene  Teilstrecken.  Im
östlichen  Teil  können  von  Baranowitschi  ab  im  Nichtbedarfsfalle  weitere
große  aufenthaltlose  Strecken  bis  zu  132,  133  und  140  km  geschaffen
werden,  so  daß  im  günstigsten  Falle  auf  der  1430  km  langen  Strecke
nur  ein  dreizehnmaliges  Anhalten  stattfinden  kann.  Im  eigentlichen
Großrußland  und  im  Wolgaland  sind  lange  Schnellzugstrecken  verhältnismäßig ­
  selten.  Doch  können  z.  B.  auch  auf  der  Moskau-Sewastopoler
Linie  zu  den  vorhandenen  fahrplanmäßig  festgelegten  aufenthaltlosen
Strecken  im  Nichtbedarfsfalle  noch  weitere  entstehen.  In  Finnland  ist
die  längste  vom  Schnellzug  ohne  Anhalten  zurückgelegte  Strecke  die
128  km  lange  Linie  Abo—Tojala.
d)  Einstellung  von  durchgehenden  Zügen  und  Wagen  (Kurswagen)  auf
den  russischen  Eisenbahnen.
Haben  die  russischen  Bahnen  eine  größere  Zahl  guter  Schnellzuglinien ­
  geschaffen,  deren  Bedeutung  im  Westen  häufig  noch  verkannt
wird,  so  besitzen  sie  einen  weiteren  bemerkenswerten  Vorzug  in  der
Einrichtung  bequemer  durchgehender  Fahrtgelegenheiten.  Das  war
nicht  immer  so.  Noch  zu  Ende  der  sechziger  Jahre  gab  es  auf  russischem
Boden  weder  einen  direkten  größeren  Verkehr,  noch  einen  durchgehenden
Wagenlauf.  Das  Chaos,  das  im  Eisenbahnwesen  auch  noch  im  folgenden
J )  Auf  den  russischen  Hauptstrecken  gibt  es  noch  viele  Stationen,  an  denen
die  Schnellzüge  im  Bedarfsfälle  halten,  während  sie  z.  B.  auf  den  preußischen
Bahnen  schon  sehr  eingeschränkt  sind.
2 )  Außer  diesen  Strecken  gibt  es  an  der  Linie  Petersburg—Wilna(—Kowno)
noch  weitere  vier  Schnellzugsteilstrecken  von  über  100  km.

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        81

Jahrzehnt  herrschte  und  das  von  einer  Konzentrierung  weiter  entfernt
war  als  in  anderen  europäischen  Staaten,  mußte  natürlich  einem  großzügigen ­
  Verkehr  in  hohem  Maße  hinderlich  sein.  Das  Eingreifen  des
Staates  und  die  Zusammenfassung  eines  'ausgedehnten  Bahnnetzes  in
seiner  Hand,  so  daß  der  russische  Staat  sich  in  Kürze  zum  Besitzer
des  größten  Eisenbahnsystems  in  Europa  entwickeln  wird,  haben  hier
verbessernd  gewirkt.
Das  Durchlaufen  ausgedehnter  Bahnstrecken  durch  ganze  Züge
wird  in  Rußland  dadurch  erleichtert,  daß  nicht  etwa  wie  in  Frankreich
den  Gesellschaften  ein  bestimmter,  territorial  immerhin  beschränkter
Wirkungskreis  eingeräumt  ist,  sondern  daß  die  ursprüngliche  Aufgabe
der  Gesellschaften  häufig  die  Verbindung  zweier  weit  entfernter  Orte,
etwa  eines  Hafens  mit  einer  zentral  gelegenen  Stadt,  war.  So  entstanden ­
  im  Besitz  des  Staates  und  der  Gesellschaften  ausgedehnte
Einheitslinien,  wie  sie  in  Frankreich  kaum  mehr  möglich  sind 1 ).  In
Rußland  ist  es  fast  selbstverständlich,  daß  die  Moskau-Windau-Rybinsker
Bahngesellschaft  auf  ihrer  Strecke  Windau—Kreuzburg—Rshew—Moskau
(1096  km,  1027  W)  ohne  weiteres  auch  durchgehende  Personenzüge
laufen  läßt  oder  daß  der  Staat  auf  der  ehemaligen  Privatlinie  Riga-Smolensk—Orel
  in  jeder  Richtung  vier  1000  km  und  hiermit  sehr  verschiedene ­
  Landschaften  durchquerende  Personenzüge  einstellt.
Es  ist  erstaunlich,  was  in  dieser  Hinsicht  im  Zarenreiche  geleistet
wird,  und  das  gilt  auch  für  die  Linien,  auf  denen  eigentliche  Schnellzüge
nicht  verkehren.  Von  den  in  nicht  großer  Zahl  vorhandenen  Stichbahnen
und  den  meist  privaten  Schmalspurbahnen  abgesehen,  gibt  es  kaum
eine  Linie,  die  nicht  in  den  Dienst  eines  durchgehenden,  mit  anderen
Strecken  korrespondierenden  Verkehrs  gestellt  wäre.  Selbst  Züge,  die
bei  einer  ganz  geringen  Geschwindigkeit  den  Eindruck  von  Lokalzügen
erwecken,  übernehmen  oft  Wagen  anderer  Linien.  Während  bei  uns
nur  selten  dieselben  Wagen  mehrere  Nichtschnellzuglinien  bedienen,
werden  sie  in  Rußland  über  verschiedene  weit  ausgedehnte  Strecken
geführt.  Aber  auch  in  russischer  Spur  gebaute  Stichbahnen  haben
zuweilen  einen  unmittelbaren  Zug-  oder  Wagenanschluß  an  die  größeren
Verkehrslinien.  Bemerkenswert  ist,  daß  Wagen  der  internationalen
Schlafwagengesellschaft  nicht  nur  in  sogenannte  Schnellzüge,  sondern
auch  in  Züge  eingereiht  werden,  die  schlechthin  nicht  Schnellzugcharakter ­
  haben,  so  zwischen  St.  Petersburg  und  Reval,  zwischen  Libau
und  Riga,  zwischen  Riga,  Kreuzburg  und  Moskau  usw.  In  Rußland
scheinen  bei  der  Wagenführung  fast  nirgendwo  derartige  Schwierigkeiten
zu  bestehen,  wie  sie  in  Mitteleuropa  bei  an  und  für  sich  freilich  weit

J )  Selbst  die  im  Besitz  der  größten  französischen  Bahngesellschaft  Paris-Lyon-Mediterranee
  befindliche  Strecke  Paris—Lyon—Marseille  ist  immerhin  nur
862  km  lang.
Tuckermann,  Verkehrsgeographie.

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        82

verwickelteren  Betrieben  leicht  auftreten.  Während  man  in  Preußen,
von  dem  zweimal  in  der  Woche  verkehrenden  Expreßzug  abgesehen,
auf  der  großen  Westostlinie  Köln—Königsberg  nicht  in  demselben
Wagen  vom  Rhein  nach  Altpreußen  gelangen  kann,  eröffnen  sich  in
Rußland  die  großartigsten  Perspektiven.  Da  fährt  man,  fast  möchte
man  sagen,  mit  einer  gewissen  Selbstverständlichkeit,  von  Kalisch  nach
Rostow  und  Baku,  von  Warschau  nach  Saratow  und  Taschkent,  von
Riga  nach  Sewastopol  und  Rostow,  von  St.  Petersburg  nach  Perm
und  Tscheljabinsk,  sowie  nach  Noworossijsk,  Baku,  Tiflis  und  Batum.
Es  war  schon  seit  einer  Reihe  von  Jahren  ermöglicht,  in  den  sibirischen
Zügen  ohne  Umsteigen  von  Moskau  und  St.  Petersburg  nach  Irkutsk
zu  gelangen.  Die  Vervollkommnung  der  Technik  hat  nun  aber  ein
Wagen-  und  Achsenmaterial  geschaffen,  das  auch  eine  ununterbrochene
zehntägige  Fahrt  aushält.  Seit  dem  Sommer  1914 1 )  fällt  infolgedessen
das  Umsteigen  in  Irkutsk  fort,  so  daß  die  Fahrt  im  durchgehenden
Wagen  zum  Stillen  Ozean  und  zur  Mandschurei  (bis  Tsehangtschun,
dem  Endpunkt  der  russischen  Spur)  vor  sich  gehen  kann.  Man  kann
jetzt  somit  im  selben  Wagen  (St.  Petersburg—Wladiwostok)  8850  km
zurücklegen,  eine  Rekordstrecke,  die  auch  in  der  neuen  Welt  bei  weitem
nicht  erreicht  wird.
Beinahe  möchte  man  glauben,  daß  man  in  Rußland  bei  der  Ausbildung ­
  des  durchgehenden  Verkehrs  hier  und  da  ein  wenig  übertreibt.
Zwar  nicht  so  sehr  dadurch,  daß  man  etwa  zwei  verschiedene  Verkehrsgelegenheiten ­
  von  St.  Petersburg  nach  Kiew  hat,  beide  von  der  gleichen
Länge 2 ).  Auch  daß  von  St.  Petersburg  durchgehende  Wagen  über
Dno  nach  Staraja  Russa,  dem  bekanntesten  Stahlbad  im  nordwestlichen ­
  Rußland,  geleitet  werden,  ist  verständlich,  da  die  Nowgorodbahn
(Tschudowo  an  der  Nikolaibahri—Nowgorod—Staraja  Russa)  schmalspurig ­
  ist.  Führt  man  doch  auch  aus  demselben  Grunde  durchgehende
Wagen  von  St.  Petersburg  und  Warschau  über  Iwangorod  nach  Graniza
an  der  österreichischen  Grenze.  Eigenartiger  mutet  schon  die  Verbindung ­
  Warschaus  mit  Petersburg  über  Sjedlez,  Lida,  Polotzk  und
Bologoje  an  der  Nikolaibahn  an,  wodurch  eine  Strecke  von  1412  W
(1506  km)  entsteht,  während  die  direkte  Strecke  nur  1046  W  (1117  km)
lang  ist.  Seltsam  ist  es  aber,  wenn  von  Bologoje  auch  Wagen  über
Dno  nach  St.  Petersburg  laufen  oder  von  Sonkowo  an  der  Rybinsker
Bahn  über  Bologoje  nach  Moskau  oder  gar  von  Moskau  über  Lichoslawl
*)  Frankfurter  Zeitung  12.  Juni  1914  (Xr.  101).
2 )  Die  westliche  Linie  führt  über  Wilna  und  Samy,  also  in  einem  großen,
nach  Westen  gezogenen  Bogen  (1246  W,  1329  km).  Die  östliche,  weniger  empfehlenswerte ­
  Route  benutzt  zunächst  die  scharf  südlich  gerichtete  Strecke  über  Witebsk
und  Mohilew  nach  Shlobin,  richtet  dann  aber,  da  die  naturgemäße  Fortsetzung
nach  Kiew  noch  fohlt,  ihren  Kurs  südöstlich  über  Homel  nach  Bachmatsch  und
erreicht  nach  einer  weiteren  scharfen  (südwestlichen)  Richtungsänderung  die
Dnjeprmetropole  (1244  W  1327  km).
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        83

nach  Wjasma,  wodurch  eine  Strecke  von  440  W  entsteht,  während  die
direkte  Strecke  Moskau—Wjasma  nur  228  W  lang  ist.  Natürlich  haben
derartige  Verbindungen  größeren  Wert  für  die  Zwischenstationen,  denen
hierdurch  ein  bequemer  Verkehr  mit  den  Hauptstädten  ermöglicht  ist.
Die  besten  Gelegenheiten,  auch  die  kleineren  Gouvernementshauptstädte ­
  aller  Reichsteile  möglichst  im  selben  Kurswagen  zu  erreichen,
haben  die  beiden  Hauptstädte,  St.  Petersburg  in  noch  höherem  Maße
als  Moskau.  Die  Verkehrserleichterung,  die  -so  geboten  wird,  kann
wohl  einzigartig  genannt  werden.  So  erreicht  man  von  Moskau  (über
Bologoje)  Pskow  und  die  etwas  abgelegene  Wolgastadt  Simbirsk,  so  von
St.  Petersburg,  wie  natürlich  auch  von  Moskau,  Poltawa.  Wenn  einige
Provinzhauptstädte  sich  nicht  derartiger  Verbindungen  erfreuen,  so  kann
dies  daran  liegen,  daß  der  Ort  nur  schmalspurig  an  die  Außenwelt  angeschlossen ­
  ist,  wie  Archangelsk,  Shitomir,  Tschernigow,  Nowgorod,  oder
daß  das  Fehlen  von  Brücken  Fahrtunterbrechungen  nötig  macht,  wie
zurzeit  noch  bei  Kasan  und  bei  Astrachan.  Von  den  59  Provinzhauptstädten ­
  des  europäischen  Rußland  haben  allein  43  eine  direkte  Verbindung ­
  mit  St.  Petersburg.  Von  den  übrigen  16  liegen  5  an  Bahnen,
die  nicht  die  russische  Reichsspur  haben  (so  auch  Piotrkow  an  der
Warschau-Wiener  Bahn),  4  haben  überhaupt  noch  keine  Bahnverbindung ­
 1 ),  bei  zweien  mangeln  noch  die  Brücken,  so  daß  nur  5  an  Reichsspurbahnen ­
  gelegene  Hauptstädte  keine  direkte  Verbindung  mit  der
Stadt  Peters  des  Großen  haben.  Kaum  ein  anderes  Eisenbahnsystem
wird  ähnlich  bequeme  Verbindungen  in  so  großer  Zahl  aufzählen  können.
Aus  den  Petersburger  Verbindungen  zieht  auch  Moskau  seinen  Vorteil,
da  die  Nikolaibahn  der  Hauptleiter  des  großen  eigentlich  russischen
Verkehrs  ist  und  über  Moskau  hinaus  ausgezeichnete  Verbindungen
ermöglicht,  so  nach  Charkow,  Sewastopol,  Feodossia  und  nach  Rostow.
Die  östliche  Hauptbahn  über  Rjäsan,  Koslow,  Woronesh  erwirkt  einen
weiteren  direkten  Verkehr  mit  Rostow,  beide  Linien  über  Rostow  mit
den  kaukasischen  Städten.
Selbst  das  peripherisch  gelegene  Warschau  unterhält  einen  direkten
Wagenverkehr  mit  27  (europäischen)  Gouvernementshauptstädten,  darunter ­
  mit  Pensa,  Samara,  Orenburg  und  Saratow.  Warschau  ist  zugleich ­
  auch  die  einzige  große  russische  Stadt,  die  einen  unmittelbaren
Verkehr  mit  dem  europäischen  Ausland  pflegt,  und  zwar  unter  Vermittlung ­
  der  beiden  alten  Hauptlinien  der  verstaatlichten  Warschau-Wiener
  Bahn.  Auf  der  nördlichen  Linie  verkehren  zweimal  täglich
Wagen  über  Thorn,  Bromberg  nach  Berlin,  einmal  wöchentlich  über
Thorn,  Posen,  Berlin,  Köln  nach  Ostende  und  Paris.  Die  südliche
Hauptbahn  vermittelt  einen  zweimaligen  Tagesverkehr  mit  Wien,  einen
einmaligen  mit  Rom  (1922  km).  Im  Sommer  bestehen  Anschlüsse

l )  Im  .Jahre  1913.  Seitdem  gibt  es  nur  noch  2  bahnlose  Hauptstädte.
6*
        <pb n="89" />
        nach  Karlsbad  und  über  Krakau  nach  dem  von  Polen  vielbesuchten
Westkarpatenbad  Zakopane.  Ein  zweimal  wöchentlich  in  den  Wintermonaten ­
  verkehrender  Expreßzug  verbindet  Warschau  mit  Wien,  Nizza
und  Cannes.  Die  dritte,  indes  in  russischer  Spur  gebaute  Hauptlinie
der  Warschau-Wiener  Bahn,  Kalisch—Lods—Lowitsch—Warschau,  ermöglicht ­
  einen  Verkehr  von  der  Grenze  zu  den  Hauptstädten  des  Reiches,
der  somit  auch  Schlesien  und  dem  südlichen  Posen  sowie  Mitteldeutschland ­
  zugute  kommt,  ferner  zum  Pontus  und  zum  Kaspischen  Meere.
Von  der  Südwestecke  Polens,  von  Graniza  aus,  bestehen  Verbindungen
nach  Petersburg  (über  Iwangorod)  und  Moskau,  ferner  nach  Charkow,
und  zwar  über  Kiew—Poltawa  und  über  Brest—Hornel.  Weniger  gut
sind  die  Verbindungen  der  baltischen  Städte  mit  dem  Reichsinnern.
Rußlands  zukunftsreichster  Hafen  an  der  Ostsee,  Libau,  ist  verhältnismäßig ­
  benachteiligt.  Günstiger  ist  Riga  gestellt,  das  (wie  Libau)  Verbindungen ­
  mit  Wirballen,  ferner  zwei  Verbindungen  mit  Moskau  hat,
endlich  Kurswagen  nach  Kiew  und  Odessa,  nach  Kursk  und  Charkow,
ja  nach  Zarizyn,  Rostow  und  Sewastopol  entsendet.
Nachfolgend  werden  sämtliche  Verbindungen  über  2000  und  die
wichtigeren  unter  2000  km  aufgeführt.  Nicht  alle  Linien  gehören  zu
den  ausgesprochenen  Schnellzugverbindungen 1 ).
a)  Von  der  preußischen  und  der  österreichischen  Grenze
(Polen  und  Wolynien)  ausgehende  Verbindungen:
Wirballen—Dwinsk  (—Riga  545  W)  —  St.  Petersburg  (837  W,  892  km)
Wirballen—Wilna—Minsk—Smolensk—Moskau  (1067  W,  1138  km).
Wirballen—Wilna—Rjeshiza—Rshew—Moskau  (1074  W,  1146  km).
Kaliseh—Warschau—St.  Petersburg  (1282  W,  1367  km).
Kalisch—Warschau—Brest—Moskau  (1460  W,  1557  km).
Kalisch—Warschau—Sarny—Kiew  (974  W)  —Poltawa—Rostow  (1869W)
-Baku  (3104  W,  3312  km).
Warschau  —  Brest  —  Smolensk  —  Bogojawlensk  —  Koslow  —  Saratow
(1871W,  1985  km).
Warschau—Smolensk—Wjasma—Tula—Rjashsk—Samara—Orenburg—
Taschkent  (4327  W,  4616  km).
Warschau—Kowel—Rowno—Kasatin—Odessa  (1122  W,  1197  km).
Graniza  —  Iwangorod  —  Warschau  —  Wilna  —  St.  Petersburg  (1424  W,
1519  km).
Graniza—Iwangorod—Lukow—Brest—Moskau  (1453  W,  1550  km).
Graniza  —  Iwangorod  —  Kowel  —  Kiew  (1019  W)  —  Poltawa—Charkow
(1480  W,  1578  km).
x )  Es  sind  hier  nur  stets  die  längsten  Wagenkurse  angegeben.  Kurse,  die
nur  eine  Teilstrecke  betreffen,  die  in  einer  entfernteren  Strecke  schon  enthalten
ist  (so  die  Verbindung  Wjasma—Tula—Samara—Taschkent  in  der  Strecke  Warschau-Taschkent) ­
  sind  nicht  besonders  aufgeführt,.
        <pb n="90" />
        85

Graniza—Brest—Homel—Bachmatsch—Woroshba—Charkow  (1440  W,
1539  km).
Wolotschisk—  Shmerinka  (—Kiew  401  W)  —Birsula  (  —  Odessa  513  W)  —
Snamenka—Jekaterinoslaw—Rostow—Baku  (2581  W,  2754  km).
b)  Von  den  baltischen  Provinzen  ausgehende  Verbindungen:
Libau—Wilna  —  Minsk—Homel—Romny  (1077  W)  —Krementschug
(1278  W,  1363  km).
Libau—Murawiewo—Riga  (215  W)  —Pskow—St.  Petersburg  (766  W,
826  km),
Windau—Mitau  —  Kreuzburg—Rshew—Moskau  (1027  W,  1096  km).
Riga—Kreuzburg—Rshew—Moskau  (865  W,  921  km).
Riga—Witebsk—Smolensk—Moskau  (972  W,  1037  km).
Riga—Dwinsk—Wilna—Sarny—Kiew  (1054  W,  1125  km)  und  Sarny—
Odessa  (1528  W,  1631  km).
Riga—'Smolensk—Orel  (940  W)  —  Grjasi—Zarizyn  (1795  W,  1914  km).
Riga—Orel—Kursk—Charkow  (1313  W)  —Losowaja—Rostow  (1851  W,
1974  km).
Riga—  Orel—Losowaja—Sewastopol  (2022  W,  2158  km).
Reval—Taps  (—Riga  414  W)—St.  Petersburg  (346  W,  369  km).
c)  Von  St.  Petersburg  ausgehende  und  Moskau  nicht  berührende ­
  Verbindungen:
St.  Petersburg—Riihimäki  (—Helsingfors  442  km)—Abo  (577  km).
St.  Petersburg—Wologda—Wjatka—Tscheljabinsk—Irkutsk  (5257  W,
5609  km)—Mandschurija  (6688  W,  7135  km)—Charbin  (—Tschangtschun
  7786  W,  8307  km)—Wladiwostok  (8294  W,  8850  km).
St.  Petersburg—Bologoje—Rybinsk—Jaroslawl—Kostrom  a  (747  W,
798  km).
St.  Petersburg—Witebsk—Homel—Bachmatsch  (—Kiew  1244  W)—Romodan
  (—Poltawa  1352  W)—Krementschug—Nikolajew—Cherson
(1713  W,  1828  km).
St.  Petersburg—Wilna—Sarny—Kiew  (1246  W,  1329  km).
St.  Petersburg  —  Sarny  —  Rowno  —  Rasdjelnaja  —  Kischinew  —  Ungeni
(1964  W,  2096  km).
St.  Petersburg—Rasdjelnaja—Odessa  (1820  W,  1940  km).
St.  Petersburg—Lichoslawl—Wjasma—Kaluga—Tula  (937  W,  1000  km).
d)  Von  St.  Petersburg  über  Moskau  ausgehende  Verbindungen:
St.  Petersburg—Moskau  (610  W)—Charkow—Losowaja—Dshankoi  (-Feodossia
  2002  W,  2136  km)—Sewastopol  (2049  W,  2186  km).
St.  Petersburg—Moskau—Losowaja—Rostow  (1879  W)—Baku—  Tiflis  —
Batum  (3956  W,  4221  km).
        <pb n="91" />
        86

St.  Petersburg  —  Moskau  —  Rostow  —  Tiehorjezkaja  —  Noworossijsk
(2304  W,  2458  km).
St.  Petersburg  —  Moskau  —  Tula  —  Batraki  —  Orenburg  —  Taschkent
(3291  W,  3511  km).
St.  Petersburg—Moskau—N.  Nowgorod  (1022  W,  1090  km).
St.  Petersburgs—Moskau—Koslow—Saratow  (1425  W,  1520  km).
e)  von  Moskau  ausgehende  Verbindungen:
Moskau-  Jaroslawl—Wologda—Wjatka—Tscheljabinsk  (2085  W,  2225  km).
Moskau—Kaschira—Ranenburg—Koslow—Saratow  (796  W,  848  km).
Moskau—Ranenburg—Koslow—Tambow—Kamyschin  (887  W,  945  km).
Moskau—Rjäsan—Koslow—Grjasi—Zarizyn  (1004  W,  1071  km).
Moskau—Rjäsan—Rjashsk—Pensa—Samara—Tscheljabinsk  (1968  W,
2100  km).
Moskau—Tula—Rjashsk—Tscheljabinsk—Irkutsk  (5111  W,  5453  km)  —
Charbin  (—Tschangtschun  7640  W,  8152  km)  —Wladiwostok
(8148  W,  8694  km).
Moskau—Woronesh—Rostow—Baku—Tiflis—Batum  (3317  W,  3540  km).
Moskau—Rjäsan—Rusa  j  ewka—Samara—Orenburg—Taschkent—Andidshan
  (3571  W,  3809  km).
Moskau—Konotop—Kiew  (803  W)—Odessa  (1415  W,  1509  km).
Moskau—Charkow—Sinelnikowo—Jekaterinoslaw  (1015  W,  1083  km).
f)  Von  anderen  Städten  ausgehende  Verbindungen:
Wjasma—Tula—Pensa—  Samara—Tscheljabinsk  (2142  W,  2286  km).
Charkow—Balaschow—Pensa—Tscheljabinsk  (2206.  W,  2353  km).
Charkow—Balaschow—Rtizewo—Saratow  (932  W,  995  km).
Kiew—Fastow—Snamenka—Jekaterinoslaw—Rostow—Baku  (2268  W,
2420  km).
Es  besteht  also  eine  Reihe  von  Wagenkursen,  die  mehr  als  2000  km
zurücklegen,  und  verschiedene  weitere  reichen  nahe  an  die  2000  km
heran.  Mehrere  liegen  ganz  auf  dem  Boden  des  europäischen  Rußlands.
Hier  legen  die  Kurswagen  Warschau—Wjasma—Samara—Taschkent
die  längste  Strecke  zurück,  die  mit  2868  km  (bis  Tschatkan  jenseits
Iletzk)  der  längsten  außerrussischen  Verbindung  in  Europa,  der  Linie
Paris—Straßburg—Wien—Belgrad—Konstantinopel  (3095  km)  nicht
viel  nachsteht.  Der  Petersburger  Sibirienzug  legt  2560  km  (bis  Syrjanka)
  auf  europäischem  Boden  zurück.
e)  Zughäufigkeit.  Zugverkehr  der  großen  Städte.
Die  verkehrsgeographische  Entwickelung  eines  Landes  charakterisiert ­
  die  Häufigkeit  der  Züge  auf  den  einzelnen  Strecken.  Der  Güterverkehr ­
  ist  auf  den  russischen  Bahnen  bei  weitem  stärker  als  der  Personen-
        <pb n="92" />
        87  —

verkehr.  Durchschnittlich  fahren  auf  ihnen  doppelt  so  viele  Güter-  als
Personenzüge.  Auf  den  durch  hochstehende  industrielle  oder  landwirtschaftliche ­
  Gebiete  gelegten  Strecken  erhöht  sich  die  Zahl  der  Güterzüge ­
  noch.  Der  gute  Schiffsverkehr,  auf  den  weite  Landschaften,  ja
für  einen  großen  Teil  des  Jahres  selbst  Großstädte  unter  sich  in  erster
Linie  angewiesen  sind,  mindert  die  Einnahmen  der  Eisenbahnen  zwar.
Aber  trotzdem  sind  die  Bahneinnahmen  aus  dem  Güterverkehr  weit
höher  als  die  aus  dem  Passagierverkehr.  Die  Untersuchungen  seien  hier
auf  den  Personenzugverkehr  beschränkt.  Man  wird  auch  hier  nicht
den  mitteleuropäischen  Maßstab  an  die  russischen  Bahnen  anlegen
wollen.  Es  klingt  zwar  zunächst  recht  rückständig,  wenn  auf  einer
.Reihe  von  Linien  tagtäglich  in  jeder  Richtung  nur  ein  Zug  verkehrt.
Tatsächlich  wird  man  aber  die  Leistung,  die  jeden  Tag  die  Stellung
eines  Zuges  nach  Archangelsk,  Kotlas,  Uralsk,  Astrachan  und  Kamyschin
ermöglicht,  doch  nicht  gering  veranschlagen  dürfen.  Handelt  es  sich
doch  um  vorgeschobene  Linien,  die  ohne  weitere  Verzweigung  die  letzten
Ausläufer  des  russischen,  ja  des  europäischen  Verkehrs  sind  und  sehr
gering  bevölkerte  Gegenden  durchziehen.  Daß  auf  der  Strecke  Moskau—
Murom—Kasan  je  zwei  durchgehende  Züge  täglich  verkehren,  ist  in
Anbetracht  dessen,  daß  auf  der  965  km  langen  Strecke  —  von  derselben
Ausdehnung  wie  die  Strecke  Köln—Berlin—  Schneidemühl—Thorn  —
nur  drei  Städte  über  10  000  Einwohner  liegen,  ebenfalls  beachtenswert.
Einem  täglich  von  sechs  Zügen  bedienten  Verkehr  auf  der  ungeheuren,
meist  durch  Wüsten  gestreckten  und  über  2200  km  langen  Trasse
(Samara—)Kinel—Orenburg—Taschkent  wird  auch  der  durch  eine
rege  Zugfolge  auf  seinen  heimischen  Linien  verwöhnte.  Westdeutsche
die  Achtung  nicht  versagen  dürfen.  Im  außerrussischen  Europa  sind
die  nur  von  zwei  Zügen  .gefahrenen  Linien  fast  ganz  auf  die  iberische
und  die  südosteuropäische  Halbinsel  beschränkt 1 ).  Auch  in  Rußland
ist  die  Zahl  der  Linien  mit  diesem  geringen  Verkehr  sehr  zurückgegangen.
Heute  haben  noch  6200  km  (über  12°/ 0  aller  Linien)  einen  Verkehr  von
nur  zwei,Zügen.  Im  westlichen  Rußland  fehlen  sie  fast  ganz,  in  Polen
ganz,  und  auch  in  Zentralrußland  sind  es  nur  noch  einige  Linien,  die
in  keinem  Zusammenhang  miteinander  stehen  und  meist  rein  landwirtschaftliche ­
  Bedürfnisse  befriedigen.  Dagegen  sind  im  östlichen  und
nördlichen  Rußland  eine  noch  große  Zahl  verkehrsarmer  Strecken
vorhanden:  außer  den  schon  genannten  eine  Reihe  von  Stichbahnen
im  Ural.
Weit  größer  ist  die  Zahl  der  Linien,  die  sich  mit  4  und  (ganz  selten
mit  3)  Zügen  begnügen  muß.  Etwas  über  14  200  km  (fast  27%  aller

x )  Auf  Sardinien  besteht  die  21  km  lange  Minen  bahn  Monteponi  —Porto  vesme
mit  gleicher  Verkehrsstärke.  Auch  in  Österreich-L T ngarn  gibt  es  noch  verschiedene
kurze  Linien  mit  dieser  Mindesttagesleistung.
        <pb n="93" />
        88

Linien  des  europäischen  Rußland)  fallen  in  diese  Stufe,  so  daß  im  ganzen
noch  reichlich  20  400  km  Eisenbahnen  einen  Tagesverkehr  von  vier  und
weniger  Zügen  haben.  Rund  39%  aller  Bahnen  haben  also  einen  schwachen
Verkehr,  dessen  hinreichende  Leistung  in  vielen  Fällen  freilich  damit
nicht  geleugnet  werden  soll.  In  Mitteleuropa  ist  eine  derartig  geringe
Zugfolge  schon  sehr  eingeschränkt.  Auf  den  deutschen  Bahnen  verkehren ­
  auch  auf  den  am  schwächsten  bedachten  Linien  wenigstens
6  Züge.  In  Frankreich  gibt  es  nur  noch  auf  Korsika  und  in  den  Landes
ein  paar  Lokalbahnen  mit  einem  Tagesverkehr  von  4  Zügen.  Auch  in
Italien  sind  die  Linien  mit  gleich  schwachem  Verkehr  fast  ganz  auf  Sardinien ­
  beschränkt.  Auf  der  Halbinsel  ist  die  Mindestleistung  (5  und)
6  Züge.  Sehr  ausgedehnt  sind  aber  die  Linien  mit  kleiner  Zughäufigkeit
auf  der  iberischen  Halbinsel,  in  den  Staaten  des  europäischen  Orients
und  in  kleinerem  Maße  auch  noch  in  der  österreichisch-ungarischen
Monarchie 1 ).  Während  indes  z.  B.  in  der  Donaumonarchie  diese  Linien
Nebenbahnen  sind,  finden  sich  in  Rußland  wie  in  Südosteuropa  und  in
Spanien  unter  ihnen  auch  Verkehrswege  von  verhältnismäßiger  Bedeutung. ­
  In  Polen  sind  freilich  alle  diese  Bahnen  Nebenlinien  oder
aber  auch  strategische  Bahnen  von  geringerer  wirtschaftlicher  Bedeutung.
Die  von  Sjedlez  ausgehende  zweigeleisige  strategische  Bahn  nach  dem
Nordwesten  wird  bis  Polotzk  nur  von  4  und  die  ebenfalls  doppelgeleisige
Fortsetzung  über  Newel  nach  Weliki  Luki  sogar  nur  von  2  Zügen  befahren. ­
  Es  dürfte  wohl  im  gesamten  Eisenbahnverkehr  der  Erde  einzig
sein,  daß  eine  zweigeleisige  Strecke  nur  von  einem  Personenzugpaar
benutzt  wird.  Bemerkenswert  ist  aber,  daß  selbst  der  größte  Teil  der
Moskau-Windauer  Bahn,  die  für  den  Verkehr  zwischen  dem  zentralen
Großrußland  und  den  Ostseehäfen  bedeutend  ist,  nur  von  4  Zügen  befahren ­
  wird.  Im  südlichen  Rußland  finden  wir  mehrere  Linien  von
einiger  Bedeutung  mit  gleicher  Verkehrsstärke,  und  im  Norden  und
Osten  sind  Linien  mit  höherer  Zugzahl  Ausnahmen.  Verkehren  doch
auch  auf  der  wichtigen  Linie  Rjäsan—Rusajewka—Sysran,  die  eine
erhebliche  Verkürzung  des  Weges  von  Moskau  zur  Wolga  darstellt
(865  W.)  gegenüber  den  Linien  über  Rjäsan—Rjashsk—Pensa  &amp;gt;(904  W)
und  namentlich  über  Tula—Rjashsk  (975  W),  nur  2  Zugpaare.
Linien,  die  täglich  von  (5)  6—8  Zügen  befahren  werden,  gehören
in  Rußland  schon  zu  den  Bahnen  mit  mittlerer  Verkehrsstärke.  Alte
Stammbahnen,  wie  Bologoje—Rybinsk,  (Libau—)Murawiewo—Koschedari
  (—Wilna),  die  wichtige  Poljesjebahn  Brest—Hornel  bringen  es  auf
6  Züge,  Libaus  Hauptverbindung,  Libau—Murawiewo—Mitau  (—Riga),
ferner  die  Strecke  Dwinsk—Smolensk—Orel  der  Riga—Oreler  Bahn,
1 )  Nach  Förster  und  Czegka  z.  B.  1907  in  Österreich  10,7,  in  Ungarn  21,1  °/ 0
aller  Linien,  Hassert,  Allg.  Verkehrsgeographie  S.  148.  In  Österreich  war  im
Winter  1913/14  die  Zahl  der  Linien,  die  von  vier  und  weniger  Zügen  befahren
wurden,-auf  etwas  über  6%  zurückgegangen.
        <pb n="94" />
        89

die  Hauptbahn  Moskau—Brjansk  der  Kiewer  Linie  und  das  bedeutsame
Zwischenglied  der  Moskau-Saratower  Bahn,  Tambow—Rtizewo  auf  8.
Da  in  diese  Zughäufigkeitsklasse  etwa  30%  der  russischen  Bahnen
fallen,  so  würde  für  die  Stufe  von  9  und  mehr  Zügen  reichlich  30%  zu
berechnen  sein.
Diese  Linien  haben  einen  für  russische  Verhältnisse  starken  Personenzugverkehr. ­
  Es  sind  meist  Hauptbahnen,  überwiegend  mit
Durchgangszügen,  mit  guten  oder  doch  genügenden  Fernverbindungen
ausgestattet.  Man  wird  auch  hier  mit  der  Anerkennung  nicht  zurückhalten ­
  dürfen.  In  den  Staaten  der  iberischen  Halbinsel,  namentlich  in
Spanien,  ist  die  Zahl  der  Linien  mit  gleich  starker  Zugfolge  weit  geringer, ­
  und  auch  Italien  würde  ungünstiger  abschneiden,  wenn  nicht
der  nördliche  Teil  des  Landes  die  Verkehrsschwache  des  Südens  wieder
auf  wiegen  würde.  Aber  auch  in  Ungarn  wird  diese  Zughäufigkeitsstufe ­
  verhältnismäßig  nicht  viel  stärker  sein,  denn  1907  hatten  28,1%
(36,6%  in  der  Gesamtmonarchie)  der  Bahnen  täglich  mehr  als  11  Züge 1 ).
Das  Gebiet  des  dichtesten  Verkehrs  liegt  im  mittleren  Westen  und
in  dem  um  Moskau  konzentrierten  großrussischen  Kernland.  Auch  im
Süden  finden  wir  eine  Reihe  von  Strecken  mit  beachtenswerten  Zuganhäufungen. ­
  Weit  schwächer  ist  der  Verkehr  aber  auf  den  Bahnen
des  auch  kulturell  zurückgebliebenen  Weißrußland.  Nur  2  Linien  bringen
es  hier  auf  einen  Verkehr  von  mehr  als  10  Zügen,  und  es  ist  bezeichnend,
daß  gerade  der  durch  Weißrußland  gestreckte  Teil  der  Bahn  Warschau—
Moskau,  die  Linie  Brest-Smolensk,  einen  geringeren  Zugverkehr  hat  als  die
anderen  Teile  dieser  großen  Strecke.  13,6%  aller  russischen  Linien  haben
einen  Tagesverkehr  von  15  und  mehr  Zügen.  Es  sind  dies  überwiegend  die
Linien  des  großen  Verkehrs,  die  sich,  was  die  Zughäufigkeit  anbelangt,
teilweise  mi:  den  großen  Linien  Mitteleuropas  messen  können,  u.  a.  die
beiden  ausgezeichneten  Haupttrassen  der  Warschau-Wiener  Bahn  mit
der  alten  Anschlußlinie  der  Lodser  Fabrikbahn,  Koljuschki—Lods,  die
Strecken  Warschau—Brest,  Warschau—St.  Petersburg,  St.  Petersburg
—Reval,  St.  Petersburg  —  Moskau,  Moskau  —  Charkow  —  Sewastopol,
Kiew—Odessa  u.  a.  Die  Zughäufigkeit  beträgt  auf  den  Linien 2 )

Alexandrowo—Zjechozinsk  .16  Züge
Alexandrowo—Skiernewizi  16
Sosnowizi—Sombkowizi  26
Graniza—  Skiernewizi  18—26
Skiernewizi—Warschau  38
Warschau—Iwangorod  16
W  arschau—Landwaro  wo  15  —17

l )  Hassert,  Allg.  Verkehrsgeographie  S.  148,  Anm.  2.
-)  Die  Vorortzüge  sind  hier  nicht  berücksichtigt.  Die  einzelnen  Teilstrecken
der  nachfolgenden  Linien  sind  nicht  weiter  namhaft  gemacht.
        <pb n="95" />
        90

Land  waro  wo—Wilna  27
Wilna—St.  Petersburg  24—32
St.  Petersburg—Moskau  38—50
Warschau—Brest  22—24
Brest  —  Smolensk  14
Smolensk—Moskau  16—20
Moskau—Bjäsan  17  —  19
Moskau—Tula  32
Tula—Orel  26
Orel—Kursk  24
Kursk—-Charkow—Losowaja  26—32
Losowaja—Sewastopol  16—18
Rowno—Kasatin  16
Kiew—Kasatin—Odessa  18—24
Am  stärksten  befahren  wird  —  von  50  Zügen  —  die  162  km  lange
Teilstrecke  S.t.  Petersburg—Malaja  Wischera  der  Nikolaibahn.  Mit

dieser  Zugzahl  kann  sich  diese  russische  Strecke  den  größten  Bahnen
Deutschlands  zur  Seite  stellen 1 ).
Verhältnismäßig  gut  mit  Zügen  ausgestattet  sind  die  finnischen
Bahnen.  Nur«*auf  der  112  km  langen  Strecke  (3%  des  gesamten  finnischen ­
  Bahnnetzes)  Seinajöki—Perälä—Kristinestad  verkehrt  nur  ein
Zugpaar.  Sonst  beträgt  die  tägliche  Mindestleistung,  selbst  auf  den
Strecken  Kemi—Rovaniemi,  die  den  Polarkreis  erreicht,  und  Sordavala—
Joensuu—Nurmes  4  Züge.  Die  Zahl  der  Linien  mit  einem  Verkehr
von  4  und  weniger  Zügen  ist  verhältnismäßig  kleiner  als  in  Rußland
(1204  km,  33,5%).  Dagegen  haben  die  Strecken  mit  einem  mittleren
Verkehr  (5—8  Züge)  eine  größere  Ausdehnung  (37%)-  Selbst  auf  Bahnen
wie  Torneä—Kemi  und  St.  Michel—Kuopio—Kajana  ist  ein  Tagesverkehr ­
  von  6  Zügen  eingerichtet.  Ungefähr  die  gleiche  Ausdehnung
wie  in  Rußland  haben  die  Bahnen  mit  einem  Verkehr  von  9  und  mehr
Zügen,  angesichts  der  äußerst  geringen  Besiedlung  des  Landes  sicherlich
eine  sehr  anerkennenswerte  Leistung *  2 ),  Den  stärksten  Verkehr  hat
die  Strecke  St.  Petersburg—Wiborg—Helsingfors.
Entsprechend  der  teilweise  noch  geringen  Entwickelung  des  Eisenbahnbetriebes ­
  ist  auch  der  Zugverkehr  vieler  großer  russischer  Städte
ganz  klein.  Man  bedenke,  daß  das  620  000  Einwohner  zählende  Odessa,
der  größte  russische  Hafen,  noch  im  Jahre  1913  nur  durch  eine  einzige
allerdings  zweigeleisige  Trasse  mit  der  Außenwelt  in  Verbindung  stand 3 ).
Wenn  man  von  2  Lokalzügen  nach  Datschnaja  absieht,  so  verlassen
*)  Auf  keiner  Linie  der  rechtsrheinischen  Bahnen  Bayerns  verkehren  z.  B.
so  viele  Züge.
2 )  Die  auf  einigen  Bahnen  eingelegten  Sommer-  und  Touristenzüge  sind  hier
nicht  berücksichtigt.
3 )  Es  sei  hier  von  der  kleinen  lokalen  Küstenbahn  nach  Kujalnik  abgesehen.
        <pb n="96" />
        91

•

den  Odessaei'  Bahnhof  Glawnaja  täglich  nur  12  Personenziige  und
ebensoviele  kommen  an.  Erst  72  km  nördlich,  in  Rasdjelnaja,  gabelt
sich  die  Linie.  Wie  winzig  ist  ferner  der  Verkehr  Kischinews,  das  freilich
diejenige  russische,  allerdings  von  einer  rumänischen  Volksmehrheit
bewohnte  Großstadt  ist,  die  in  den  letzten  Jahrzehnten  den  geringsten
Aufschwung  genommen  hat 1 ).  Zu  den  3  in  jeder  Richtung  verkehrenden
Zügen  Ungeni—Bender—Rasdjelnaja  gesellen  sich  je  2  Züge,  die  nur
dem'*,  Verkehr  Kischinews  mit  Bender  dienen.  Mit  einem  täglichen
Verkehr  von  10  Zügen  glaubt  also  die  Verwaltung  der  staatlichen  Südwestbahnen
  die  Bedürfnisse  der  großen  Stadt  befriedigen  zu  können.
Den  schwächsten  Verkehr  dürfte  aber  das  fast  190  000  Einwohner  zählende
Kasan,  die  einzigartig  lange  von  den  Bahnen  gemiedene  Metropole  des
mittleren  Wolgagebiets,,  mit  einem  täglichen  Verkehr  von  4  Zügen  haben *  2 ).
Diesen  Großstädten  mit  einem  geringen  Verkehr  stehen  andere
mit  entwickelterem  gegenüber,  so  Wilna,  Charkow,  Riga,  Warschau,
Petersburg  und  Moskau.  Die  meisten  dieser  Städte  haben  einen  regen
Vorortsverkehr,,  der  sich  an  Stärke  dem  vieler  großer  mitteleuropäischer
Städte  zur  Seite  stellen  kann.  Das  gilt  nicht  nur  für  die  drei  größten
Städte,  sondern  auch  z.  B.  für  Charkow  3 ).  Riga,  das  für  den  großen
Bahnverkehr  wenig  günstig  liegt,  hat  im  Sommer  namentlich  auf  der
Strecke  zum  Rigaer  Strand  (Kemmern)  eine  rege  Zugfolge,  so  daß  1913
auf  seinen  beiden  Bahnhöfen  154  Züge  verkehrten.  _  Wilnas  lokaler
Verkehr  ist  unbedeutend:  um  so  wertvoller  ist  die  Lage  der  Stadt  finden ­
  großen  Durchgangsverkehr.  Sind  doch  von  den  98  Zügen,  die  auf
seinem  Bahnhof  ankamen  und  abfuhren,  nur  2,  die  ausschließlich  lokalen
Bedürfnissen  dienen  4 ).

x )  Auch  verschiedene  der  größeren.  Städte  des  Königreichs  Rumänien  weisen
nur  eine  bescheidene  Entwickelung  auf.
2 )  Dazu  kommen  11  Lokalzüge  bis  Selenij  Dol,  von  denen  die  meisten  nur
in  den  Sommermonaten  verkehren.
3 )  Der  Charkower  Hauptbahnlnaf  hat  einen  täglichen  Verkehr  von  145  ankommenden
  und  abfahrenden  Zügen.  Viele  dieser  Züge  dienen  rein  lokalen  Zwecken.
Zu  dieser  Zahl  treten  noch  16  Züge,  die  auf  dem  Balaschower  Bahnhof  der  privaten
Südostbahn  (Charkow—Kupjansk—Balaschow)  einlaufen  bzw.  abgelassen  werden.
4 )  Mit  ein  paar  Worten  sei  auch  hier  der  mehr  friedlich  gerichteten  Leistungen
der  deutschen  Eisenbahnen  im  russischen  Okkupationsgebiet  bis  zum  Schlüsse  des
ersten  Kriegsjahres  gedacht.  Schritt  für  Schritt  wurden  mit  dem  Rückzug  der
Russen  die  Bahnen  für  den  deutschen  Verkehr  eingerichtet,  der  nach  einem  festen
Fahrplan  arbeitet  und  nicht  nur  der  Beförderung  von  Militärpersonen  dient.  Lods,
das  bereits  seit  Dezember  1914  in  deutschen  Händen  ist,  wurde  der  Sitz  einer
kaiserlichen  Linienkommandantur.  Bis  zur  Einnahme  von  Warschau,  also  bis
zum  Ende  des  ersten  Kriegsjahres,  war  ein  regelmäßiger  Personenzugverkehr
bis  nach  Grodzisk,  somit  bereits  bis  jenseits  der  Bsura-Rawka,  hergestellt.  Fast
das  ganze  linksuferige  Bahnnetz  unterstand  der  deutschen  Kommandantur.  Die
Strecke  Sombkowizi—  Graniza  und  die  von  Dombrowa  über  Kielzi,  Skarshisko,
Radom  auf  Iwangorod  zustrebende  Linie  waren,  soweit  sie  betriebsfertig  waren,
        <pb n="97" />
        f)  Bahnen  und  Siedlungen.  Bahnferne.

Man  kann  in  Rußland  an  die  Vorteile  der  Bahnverbindungen  für
die  Siedlungen  nicht  den  Maßstab  legen  wie  in  westeuropäischen
Ländern.  Auch  die  Gouvernementshauptstadt  Kaluga  liegt  z.  B.  3  W
von  ihrem  Bahnhof  entfernt.  Das  über  50  000  Einwohner  zählende
Njeshin  (Tschernigow)  liegt  4,  das  podolische  Bar  5  W  von  seiner  Station.
Das  sind  immerhin  für  russische  Verhältnisse  kleine  Entfernungen  Lei

denen  es  begreiflich  ist,  daß  keine  Lokalbahn  in  den  Stadtkern

wiewohl  in  Deutschland,  zumal  es  sich  um  größere  Orte  handelt,  sicherlich ­
  diese  Verkehrserleichterung  vorhanden  wäre.  Aber  die  Städte
haben  auch  bis  zu  12  W  zur  Bahn,  so  Mosyr  und  Lipowez  (Gouv.  Kiew).
Ja  die  Stadt  Dorogobush  (Smolensk)  liegt  von  der  gleichnamigen  Station
24  W  und  die  Station  Perejaslawskaja  soll  dem  Verkehr  der  26  W  entfernt ­
  gelegenen  Stadt  Perejaslaw  (Poltawa)  dienen.  In  solchen  Fällen
kann  man  von  einer  Bahnverbindung  natürlich  nicht  mehr  reden.  Städte,
die  mehr  als  7  (Balta)  und  8  W  (Wassilkow,  Gouv.  Kiew)  von  der  Bahn
liegen,  entbehren  des  unmittelbaren  Bahn  Verkehrs 1 ).
Hier  soll  die  Frage  erörtert  werden,  inwieweit  überhaupt  bisher
den  größeren  Siedlungen  Rußlands  der  Nutzen  einer  Bahnverbindung

der  österreichisch-ungarischen  Verwaltung  unterstellt.  Soweit  die  Bahnen  in
der  russischen  Spur  gebaut  waren,  wurden  sie  in  der  mitteleuropäischen  umgestaltet.
So  konnte  ein  direkter  Verkehr  von  Lods  über  die  ehemalige  Breitspurlinie  nach
Lowitsch  und  über  die  deutsche  Spurweitenlinie  nach  Alexandrowo  und  Thorn
eingerichtet  werden,  so  daß  ein  Umsteigen  in  Lowitsch  wegfiel.  Die  Zugzahl
erreichte  begreiflicherweise  noch  nicht  die  Stärke  des  Friedensverkehrs,  wies  aber
doch  auf  den  meisten  Trassen  bereits  die  Hälfte  der  ehemaligen  russischen  Zugzahl
auf,  so  auf  der  Strecke  Skiernewizi—Lowitsch—Alexandrowo  (8  statt  16).  8  Züge
verkehrten  auch  auf  der  Hauptlinio  Orodzisk—Skiernewizi  —Sombkowizi—Sosnowizi
  und  auf  der  Strecke  Tschenstochow—Herby  (vor  dem  Kriege  10),  13  auf  der
Bahn  Lods—Koljuschki.  Den  gleichen  Verkehr  wie  im  Frieden  hatten  die  Strecken
Koljuschki—Tomaschow  (10  Züge)  und  Tschenstochow—Kielzi  (4  Züge).
In  gleichem  Sinne  arbeiteten  die  deutschen  Bahnverwaltungen  auch  in  der
Richtung  auf  Warschau  nach  Eroberung  der  Stadt.  Noch  im  August  war  die  alte
Warschau-Wiener  Hauptbahn  völlig  betriebsfertig,  und  vom  1.  September  ab
liefen  2  Schnellzugpaare  von  Warschau  über  Piotrkow  und  Sosnowizi  nach  Kattowitz
  und  ein  Schnellzugpaar  von  Warschau  über  Alexandrowo  nach  Berlin.  Am
10.  September  wurde  ein  weiteres  Schnellzugpaar  Warschau  —Berlin  über  die  neue
Strecke  der  Warschau-Wiener  Bahn  (über  Sochatschew,  Lowitsch,  Lods  und
Kalisch)  geleitet.  Der  Umbau  der  Breitspurbahnen  ist  auch  für  das  rechtsuferige
Polen  zu  erwarten,  so  daß  noch  im  Herbst  direkte  Wagen  von  Berlin  bis  Brest
fahren  werden.  —  Am  1.  Oktober  wurde  in  Warschau  eine  neugebildete  Militäreisenbahndirektion ­
  (IV)  eingerichtet,  während  die  Lodser  Linienkommandantur
das  Feld  ihrer  Tätigkeit  näher  an  die  Front  heran  verlegte  und  zugleich  auch  die
Geschäfte  der  neugegründeten  Militäreisenbahndirektion  (VI)  in  Brest-Litowsk
übernahm.
J )  Sonst  ist  es  üblich,  Entfernungen  von  über  5  km  nicht  mehr  als  eisenbahnnahe ­
  zu  bezeichnen.  Hassert,  Verkehrsgeographie  S.  143.
        <pb n="98" />
        93

zu  teil  geworden  ist.  In  Deutschland  hat  in  den  neunziger  Jahren  auch
die  letzte  Stadt  über  5000  Einwohner  eine  Bahn  erhalten,  und  heute
gibt  es  nur  noch  sehr  wenige  kleine  und  kleinste  Städte  ohne  Bahnverbindung ­
 1 ).  Ganz  anders  in  Rußland.  Statistische  Feststellungen
dieser  Art  stoßen  aber  auf  große  Schwierigkeiten.  Wir  haben  heute
noch  keine  einigermaßen  befriedigende  Statistik  der  russischen  Städte.
Die  Irreführung  ist  namentlich  auf  diesem  Gebiete  groß,  seltsamerweise
aber  derart,  daß  das  Siedlungswesen  ungünstiger  erscheint,  als  es  tatsächlich ­
  ist.  Es  ist  heute  beinahe  nur  möglich,  den  Fortgang  der  Bevölkerungsbewegung ­
  in  den  Großstädten  und  den  großen  Mittelstädten
zu  verfolgen.  Schon  bei  den  Mittelstädten  unter  50  000  Einwohner
setzen  Schwierigkeiten  und  Ungenauigkeiten  ein,  die  sich  bei  den  kleinen
Städten  noch  bedeutend  steigern.  Die  russischen  Zählungen  unterstützen ­
  unrichtige  Auffassungen,  indem  sie  nicht  immer  neugewonnenes
Material  mitteilen,  sondern  teilweise  das  früherer  Zählungen  einfach
übernehmen.  Man  benutzt  heute  noch  aushilfsweise  für  die  kleineren
Städte  Statistiken  aus  den  siebziger  Jahren 2 ).  Es  kommt  aber  auch
vor,  daß  die  Einwohnerzahl  mancher  Städte  sogar  noch  kleiner  ist,  als
die  auf  Grund  dieser  Zählungen  gewonnene,  so  daß  man  sich  hier  augenscheinlich ­
  auf  noch  ältere  Zählungen  stützt.  Es  wäre  ja  auch  ein  Irrtum,
wenn  man  aus  diesen  Angaben  etwa  auf  eine  Abnahme  der  Einwohnerzahl ­
  schließen  wollte,  da  sich  doch  im  eigentlichen  Rußland  von  1870
bis  1910  die  Bevölkerung  fast  verdoppelt  hat,  und  wenn  auch  in  einigen
Provinzen  des  Zentrums  die  Zunahme  eine  geringere  ist,  so  ist  doch  nur
in  den  drei  Ostseeprovinzen  die  Vermehrung  tatsächlich  klein  geblieben,
und  hier  allein  scheint,  sicherlich  in  Livland,  die  Vergrößerung  der  Städte
auch  auf  Kosten  des  platten  Landes  vor  sich  zu  gehen.  Bemerkenswert
ist  aber,  daß  in  den  anderen  westlichen  Provinzen  (Minsk,  Wolynien)
und  in  verschiedenen  polnischen  Gouvernements,  die  man  im  Gegensatz
zu  den  Provinzen  des  Südens,  des  Nordens  und  der  Wolga  nicht  als
koloniales  Neuland  bezeichnen  kann  und  die  ähnlich  wie  die  Ostseeprovinzen ­
  ein  altes  Städtewesen  ihr  eigen  nennen,  die  Einwohnerzahl
sich  mehr  als  verdoppelt  hat.  Und  gerade  in  diesen  westlichen  Provinzen,
hier  freilich  nicht  allein,  müßte  nach  den  Statistiken  das  Städtewesen
stagnieren  oder  gar  einen  Rückgang  erlitten  haben.  Es  soll  freilich
nicht  geleugnet  werden,  daß  in  diesen  von  den  Eisenbahnen  beispiellos
vernachlässigten  Provinzen  auch  das  Städtewesen  leidet.  Die  großenteils ­
  von  Juden  bewohnten  Landstädte  dürften  bei  ihrer  Abgelegenheit
einen  langsameren  Fortschritt  nehmen,  als  die  der  anderen  Teile  Rußlands. ­
  Daß  aber  eine,  wenn  auch  geringe  Entwickelung  in  den  meisten
l )  In  Rheinland,  Westfalen  und  Hessen-Nassau  gibt  es  keine  Stadt  mehr
ohne  Bahnverbindung.
-)  Solche  Statistiken  finden  sieh  in  Petermanns  geogr.  Mitteil.,  Ergh.  55
und  Ergh.  09.
        <pb n="99" />
        94

Fällen  vorhanden  ist,  dürfte  doch  schon  die  große  Volks  Vermehrung
der  Gouvernements  überhaupt  dartun.  Außer  den  beispielsweise  erwähnten ­
  Statistiken  aus  den  siebziger  Jahren  sind  natürlich  auch  noch
spätere  Tabellen  vorhanden,  die  aber  wie  die  berüchtigte  des  Jahres  1897
ebensowenig  wie  die  älteren  befriedigen  und  für  die  Verfolgung  der
äußeren  Entwickelung  der  kleineren  Städte  in  keiner  Weise  genügen.
Prüft  man  sämtliche  veröffentlichte  Statistiken  über  das  russische
Städtewesen,  so  müßte  man  für  viele  mittleren  und  die  meisten  kleineren
Städte  insbesondere  des  stark  und  schnell  zunehmenden  polnischen
Westens  eine  ruhige,  aufwärts  gerichtete  Entwicklung  überhaupt  verneinen. ­
  Nach  den  Tabellen  bewegen  sich  die  Städte,  wenn  sie  sich
nicht  im  Stadium  des  Stillstandes  befinden,  in  einem  seltsam  anmutenden
Auf  und  Ab 1 ).
Rußland  ist  heute  kein  städtearmes  Land  mehr.  Nach  vorsichtiger
Berechnung  wird  sich  in  seinem'  europäischen  Teil  die  Zahl  der  Städte
über  5000  Einwohner  auf  reichlich  700,  vielleicht  auf  etwa  750  belaufen.
Die  Zahl  der  Städte  über  50  000  Einwohner  dürfte  gegenwärtig  schon
fast  85  sein 2 ):  davon  haben  jetzt  bereits  über  30  über  100000  Einwohner ­
 3 ).  Da  die  Bahn  nach  Kamenez  Podolsk,  das  50  000  Einwohner
hat,  kürzlich  vollendet  wurde,  so  haben  sämtliche  größeren  Städte  mit
Ausnahme  natürlich  der  Inselstadt  Kronstadt,  jetzt  Bahnverbindung.
Bei  manchen,  wie  bei  dem  bald  100000  Einwohner  zählenden  Shitomir,
steht  diese  auf  einem  Niveau,  wie  es  in  Deutschland  nur  bei  ganz  wenigen
kleinen  Orten,  denen  eine  Lokalbahn  beschieden  ist,  sein  dürfte.  Zwischen
20  000  und  50  000  Einwohner  haben  im  europäischen  Rußland  etwa
120  Städte,  davon  entbehren  20  heute  noch  der  Eisenbahn.  Im  ganzen
dürften  von  den  reichlich  700  Städten  über  5000  Einwohner  heute  noch
über  280,  das  ist  mehr  als  ein  Drittel,  ohne  Bahnverbindung  sein.
Natürlich  ist  die  Zahl  der  größeren  Städte,  die  ohne  Bahnverbindung
geblieben  sind,  in  den  einzelnen  Landschaften  verschieden  groß.'  Das
größte  Mißverhältnis  besteht  in  dem  dichtbevölkerten  Polen,  in  dem
genau  die  Hälfte  aller  Siedlungen  über  5000  Einwohner  (52  von  104)
noch  einer  Eisenbahn  entbehrt.  Im  Gouvernement  Kalisch  liegen
nur  3  Städte  an  der  Bahn,  7  abseits  einer  solchen.  Im  Gouvernement
Lomsha  sind  die  entsprechenden  Zahlen  2  und  5,  in  Plozk  ebenfalls
2  und  5,  in  Lublin  3  und  9.  Nur  in  dem  industriellen  Gouvernement
x )  So  ist  es  erklärlich,  daß  manche  Werke  mit  statistischem  Material  nur
mit  sehr  großer  Vorsicht  zu  benutzen  sind.  Hierzu  gehört  z.  B.  das  wirtschaftliche
Handbuch  über  das  Russische  Reich  in  Europa  und  Asien  (2.  Aufl.  Berlin  1913),
das  auch  sonst  von  der  Mitteilung  zuverlässiger  Angaben  weit  entfernt  ist.
2 )  Hettner,  Das  europ.  Rußland  (1905,  S.  143)  beziffert  ihre  Zahl,  viel  zu
niedrig,  auf  43.
3 )  Hettner  nimmt  14  Großstädte  an,  ohne  Zweifel  zu  niedrig,  denn  schon
1897  hatte  Rußland  17  Großstädte.
        <pb n="100" />
        95

Piotrkow  und  in  der  verkehrspolitisch  wie  strategisch  wichtigen  Provinz
Sjedlez  ist  gleich  dem  benachbarten,  auf  ähnlicher  Struktur  aufgebauten
Gouvernement  Grodno  auch  die  Lage  der  Städte  zu  den  Bahnen  vorteilhaft, ­
  entsprechend  dein  günstigen  Verhältnis  der  Eisenbahnlänge  zum
Flächenraum  und  zur  Bevölkerung.  .Wie  die  Städte  der  polnischen
Grenzgouvernements,  man  möchte  sagen  systematisch,  vernachlässigt
wurden,  so  auch  die  der  litauischen  Grenzprovinz  Kowno,  in  der  Städte
wie  Wilkomir  (15,000  Einw.),  Rossieny  (12  000  Einw.)  und  Telschi,
von  denen  die  beiden  letzteren  die  Hauptorte  der  Ostpreußen  benachbarten ­
  Kreise  sind,  noch  keine  Bahn  haben.  Wesentlich  günstiger
sind  die  Verkehrsbedingungen  der  Städte  in  den  Ostseeprovinzen,  namentlich ­
  in  Livland  und  Esthland,  während  in  Kurland  u.  a.  die  Deutschordensstadt ­
  Goldingen  (11  000  Einw.)  von  den  nächsten  Bahnstationen
~  37,  44  und  52  W  entfernt  liegt.  Selbst  in  dem  industriell  und  landwirtschaftlich ­
  entwickelten  Großrußland,  in  dem  auch  das  Eisenbahnnetz
eine  verhältnismäßige  Dichte  erlangt  hat,  entbehren  noch  heute  viele
größere  Orte  eines  Bahn  Verkehrs.  So  gibt  es  im  Herzland  des  Russischen
Reiches,  im  Gouvernement  Moskau,  unter  den  16  Orten  über  5000  Einwohner ­
  noch  5  ohne  Bahnverbindung,  und  in  der  Oreler  Provinz  liegt
die  Hälfte  der  Städte,  darunter  das  stattliche,  über  20  000  Einwohner
zählende  industrielle  und  handeltreibende  Bolchow  —  dieses  mehr  als
30  W  —  abseits  der  Eisenbahn.  Auch  in  den  Gouvernements  der  Schwarzerde ­
  genügen  die  vorhandenen  Bahnen  bei  weitem  nicht  den  Bedürfnissen
der  größeren  Siedlungen.  Im  Gouvernement  Pensa,  das  in  den  letzten
Jahrzehnten  einen  überraschenden  Aufschwung  genommen  hat  und
das  von  den  beiden  großen  aus  Zentralrußland  zur  Wolga  (Sibirien)
führenden  Bahnen  durchschnitten  wird,  liegen  nur  2  Städte  (Pensa  und
Saransk)  an  der  Bahn,  11  dagegen  bahnfern,  von  reichlich  10  W  (Troizk)
bis  zu  50.  Das  dicht  bevölkerte  Gouvernement  Kiew  (über  90  Einwohner ­
  auf  den  qkm)  hat  unter  seinen  16  größereu  Städten  7  bahnlose.
Auch  in  den  pontischen  Gouvernements  läßt  die  Verknüpfung  der  Orte
unter  sich,  mit  Ausnahme  der  industriell  entwickelten  Provinz  Jekaterinoslaw,
  noch  sehr  viel  zu  wünschen  übrig.  So  fehlt  13  von  20  Städten
des  Gouvernements  Cherson,  9  von  den  15  bessarabischen  (darunter
4  Städten  über  20  000  Einw.)  jedwede  Bahnverbindung.  Gewiß  ist
manchen  Orten  durch  ihre  Lage  am  Meere  wenigstens  die  Möglichkeit
des  Schiffsverkehrs  gegeben,  während  sie  eine  gute  Verbindung  landeinwärts ­
  noch  vermissen.  Im  östlichen  Rußland,  namentlich  im  Stromgebiet ­
  der  Wolga,  ist  häufig  auch  für  die  größeren  Orte  die  Anlage  von
Bahnen  verhältnismäßig  nicht  so  dringend,  da  sie  wenigstens  für  den
größeren  Teil  des  Jahres  ausgezeichnete  Schiffahrtsgelegenheiten  haben.
So  ist  die  Tatsache,  daß  von  den  7  Städten  über  5000  Einwohner  des
Gouvernements  Kasan  nur  die  Hauptstadt  durch  eine  Bahn  verbunden ­
  ist,  nicht  so  ungünstig  zu  veranschlagen,  da  die  anderen
        <pb n="101" />
        96

Städte  an  der  Wolga,  der  Kama  und  deren  schiffbarem  Nebenfluß
Wjatka  liegen 1 ).
Gute  Verkehrsverhältnisse  bestehen  für  die  finnischen  Städte.
In  Finnland  hat  fast  jede  Stadt,  fast  jede  Siedlung  von  einiger  Bedeutung
eine  Bahnverbindung.  Obwohl  die  Städte  des  finnischen  Seenplateaus
im  Schiffsverkehr  stehen,  haben  doch  auch  Orte  wie  Joensuu  und  Nyslott,
teilweise  unter  großen  Kosten,  Eisenbahnanlagen  erhalten.  Und  die
ganz  wenigen  Städte  ohne  Bahnanschluß  haben  entweder  hinreichende
Binnenschiffahrtsverbindungen  (Heinola)  oder  liegen  an  der  See  (Nadendal,
  Nystad).
So  ist  es  begreiflich,  daß  in  den  meisten  Teilen  Rußlands  die  Eisenbahnferne ­
  noch  sehr  groß  ist.  Freilich  wird  man  auch  hier  wieder  von
vornherein  die  gewaltigen  Gebiete  des  Nordens  ausscheiden  müssen.
Für  den  Petschorakreis  der  Archangelsker  Provinz  muß  natürlich  die
Eisenbahnferne  viele  Hunderte  Werst  betragen 1  2 ).  Aber  sie  beträgt
auch  im  mittleren  Teil  des  Gouvernements  Nowgorod  noch  bis  zu  80  W.
In  den  östlichen,  unter  gleichem  Breitegrad  gelegenen  Provinzen  wird
die  Eisenbahnferne  weit  größer.  Von  der  Station  Neja  an  der  Bahn
Wologda—Wjatka  bis  zum  nächsten  südwärts  gelegenen  Bahnort,  bis
Nischni  Nowgorod,  sind  es  über  200  W.  Zwischen  den  von  Neja  weiter
östlich  gelegenen  Punkten  an  der  Nordbahn,  Atzwjesh  und  Kotelnitsch,
bis  zu  den  Orten  an  der  Kasaner  Bahn  auf  dem  linken  Wolgaufer  liegen
sicherlich  270  W.  Die  im  Südwesten  der  Wjatkaer  Provinz  gelegene,
nicht  unbedeutende  Kreisstadt  Jaransk  liegt  110  —120  W  von  den
nächsten  Bahnstationen.  Im  südlichen  Teil  derselben  Provinz  mögen
einige  Orte  bis  zu  200  W  von  der  Bahn  liegen:  freilich  haben  diese
Striche  eine  große  prächtige  Verkehrsstraße  in  der  Kama.
Auch  in  den  westlichen  Gouvernements  ist  die  Eisenbahnferne
stellenweise  noch  sehr  groß,  so  im  nördlichen  Teil  der  Smolensker  Provinz
(60—70  W).  In  den  noch  dichter  bevölkerten  östlichen  Kreisen  des
Gouvernements  Mohilew—Mstislawl  hat  z.  B.  eine  Volksdichte  von
über  50,  Gorki  von  55  Einwohnern  —  schnellt  sie  sogar  auf  etwa  100  W
empor.  Ähnliche  Entfernungen  von  den  nächsten  russischen  Bahnstationen ­
  haben  die  an  der  preußischen  Grenze  gelegenen  Orte  der
Provinz  Kowno 3 ).  Selbst  größere  Orte  im  nördlichen  Teile  der  sehr
dicht  besiedelten  polnischen  Provinz  Kalisch  haben  50^60  W  zur

1 )  An  der  Kama  liegt  u.  a.  die  25  000  Einw.  zählende  Getreidehandelsstadt
Tschistopol.  Auch  das  Gouvernement  Wjatka  wird  von  der  Kama  durchzogen,
an  der  Jelabuga  (12  000  Einw.)  und  Sarapul  (22000  Einw.),  beide,  ohne  Bahnverbindung, ­
  liegen.
2 )  Die  Eisenbahnfeme  beläuft  sich  zwischen  500  und  weit  über  1000  W.
3 )  Die  viel  näher  gelegenen  preußischen  Stationen  kommen  bei  den  eigenartigen ­
  Grenzverhältnissen  natürlich  kaum  in  Betracht.
        <pb n="102" />
        97

nächsten  Bahn 1 ).  Zwischen  den  Bahnen  Luninez—Homel  im  Norden,
Homel—Bachmatsch  im  Osten,  Bachmatsch—Kiew—Sarny  im  Süden
und  Sarny—Luninez  im  Westen  liegt  ein  Gebiet  von  wohl  50  000  qkm,
das  fast  völlig  bahnlos  ist  und  nur  zwei  nebensächliche  Zweigbahnen
von  Kruty  nach  Tschernigow  und  von  Wassiljewitschi  nach  Choiniki
aufweist.  Die  Eisenbahnferne  beträgt  hier  bis  zu  70  und  80  W.  Verhältnismäßig ­
  günstig  sind  die  Verkehrsbedingungen  in  den  kleinrussischen
Gouvernements  und  im  großrussischen  Kernland.  Freilich  sind  im
Norden  und  Nordwesten  der  Ukraine  sowie  im  östlichen  Podolien  noch
Eisenbahnfernen  von  über  50  W.  In  den  übrigen  Teilen  sind  Distanzen
von  50  W  selten,  solche  von  30  und  40  dagegen  noch  häufig,  auch  im
Moskauer  Gouvernement.  Je  weiter  nach  Osten  zur  Wolga  hin  und
nach  Süden  (Bessärabien,  Cherson,  Taurien,  Dongebiet),  um  so  größer
werden  wieder  die  Entfernungen  von  der  Eisenbahn,  so  daß  in  Taurien
und  im  Dongebiet  Distanzen  von  100  W  und  darüber  zu  verzeichnen  sind.
g)  Stationen  und  Haltepunkte.  Stationsdichte  der  russischen  Bahnen.
Der  Stationsausbau  eines  Bahnsystems  kann  als  Rückwirkung  der
Volksdichte  eines  Landes  und  seiner  kulturellen  Durchdringung  gelten.
Einschränkungen  sind  freilich  am  Platze,  auch  in  Rußland.  Im  Gebiet  des
Donschen  Heeres,  das  verhältnismäßig  reich  an  Siedlungen  aller  Art  ist,
aber  doch  nur  eine  Volksdichte  unter  dem  Landesdurchschnitt  hat *  2 ),  sind
z.  B.,  wohl  mit  veranlaßt  durch  die  eigenartige  militärische  Organisation,
viele  Stationen  an  den  Bahnen.  In  den  dichter  besiedelten  Provinzen
Nischni  Nowgorod,  Simbirsk  und  Kasan  liegen  sehr  lange,  offene  Bahnstrecken, ­
  und  die  bevölkerte  westliche  Ukraine  hat  ebenfalls  verhältnismäßig ­
  bedeutende  Strecken  ohne  Aufenthaltspunkte.  Schon  das  beweist, ­
  daß  die  Stationsdichte  nicht  immer  an  den  Grad  der  Besiedlung
geknüpft  ist.  Im  allgemeinen  kann  man  sagen,  daß  die  Hauptbahnen
reichlicher  mit  Unterbrechungspunkten  ausgestattet  sind  als  die  Nebenbahnen. ­
  Hier  und  da  scheint  auch  die  eine  Eisenbahn  Verwaltung  der
Ausstattung  ihrer  Bahnen  ein  größeres  Interesse  entgegenzubringen
als  die  andere.
In  der  nachfolgenden  Untersuchung  sind  alle  Arten  der  amtlich
festgelegten  Fahrtunterbrechung  berücksichtigt.  Sehr  groß  ist  nämlich
neben  den  eigentlichen  Bahnhöfen  mit  einem  Beamtenstab  die  Zahl
der  kleinen  Haltepunkte,  die  fast  überall  ganz  primitiv  eingerichtet
9  Die  Luftlinienentfernung  zwischen  den  beiden  Grenzstationen  Kalisch
und  Alexandrowo  beträgt  allein  schon  130  Werst.
2 )  Schon  um  1880  hatte  die  Donprovinz,  zu  der  damals  das  Gebiet  an  der
Donmündung  mit  den  Städten  Taganrog,  Rostow,  Asow  und  Nachitschewan,  das
erst  1887  von  der  Provinz  Jekaterinoslaw  abgetreten  wurde,  noch  nicht  gehörte,
1918  Siedlungen  (Petermanns  Mitteil.  Ergh.  71  (1884)  S.  32).  Seitdem  hat  sich
die  Bevölkerung  der  Donprovinz  reichlich  verdoppelt.

Tuckermann,  Vorkehrsgeographie.
        <pb n="103" />
        98

sind  und  im  Gegensatz  zu  den  Stationen  meist  keine  Beamten  haben.
Soweit  der  Zug  an  diesen  Punkten  nach  einem  festen  Fahrplan  hält,
dauert  der  Aufenthalt  durchweg  nur  einen  kurzen  Moment,  ohne  den
Förmlichkeiten  (dreimaliges  Läuten  usw.)  der  Stationen  zu  genügen.
Die  Zahl  dieser  „Plattformen“,  „Posten“  und  Weichenstellen  (Rasjesd)
ist  namentlich  im  östlichen  Großrußland,  jenseits  der  Wolga  und  im  Ural,
aber  auch  im  Gouvernement  Moskau,  sehr  groß.  Häufig  ist  die  einzige
Kennzeichnung  der  Plattform  oder  des  Rasjesds,  an  dem  der  Zug  hält,
die  Numerierung.  Daß  sogar  der  nur  einmal  in  der  Woche  verkehrende
Schnellzug  Petersburg—Wologda—Perm—Sibirien  im  Waldland  auf
der  Grenze  der  Provinzen  Wjatka  und  Perm  an  einem  Rasjesd  und
südlich  von  Jekaterinburg  an  einem  weiteren  hält,  desgleichen  der
große  Moskauer  Sibirienzug  in  der  Steppe  zwischen  Batraki  und
Samara,  mag  beweisen,  daß  im  Wald-,  Berg-  und  Steppenland  des
Ostens  auch  den  kleinen  Punkten  eine  gewisse  Bedeutung  zukommen
kann 1 ).
Verhältnismäßig  gut  sind  mit  Stationen  und  Haltestellen  die  Städte
ausgestattet.  Fast  jede  größere  Stadt  und  sehr  viele  kleinere  Städte
haben  zwei  und  noch,  mehr  Bahnhöfe.  Häufig  liegen  freilich  die  Bahnhöfe ­
  an  verschiedenen  Strecken,  die  sich  bei  der  Siedlung  kreuzen.
Fast  stets  wurden  in  diesen  Fällen  die  Bahnen  von  verschiedenen  Gesellschaften ­
  gebaut,  die  im  Zeichen  des  ungeregelten  Konkurrenzkampfes
und  des  mangelnden  Gemeinsinnes  kein  Interesse  an  der  Anlage  eines
gemeinsamen  Bahnhofes  hatten.  Erst  später,  zuweilen  nach  der  Verstaatlichungsaktiori,
  wurden  Verbindungsbahnen  zwischen  den  Stationen
angelegt 2 ).  Solche  Verbindungsbahnen  gibt  es  in  Gatschina,  Rjeshiza,
Polotzk,  Baranowitschi,  Dwinsk,  Minsk,  Newel,  Rshew,  Bachmatsch,
Brjansk  und  Lowitsch  (Polen).  Zwischen  den  Bahnhöfen  der  größten
Städte  bestehen  längere  Verbindungsstrecken,  so  in  Moskau  die  großartige, ­
  um  die  Stadt  geführte  Ringbahn,  in  St.  Petersburg  eine  Bahn
zwischen  dem  Warschauer-  und  dem  Nikolaibahnhof,  während  die  Anschlußbahn ­
  vom  Nikolai-  zum  finnischen  Bahnhof  beschlossen  und
zurzeit  noch  im  Bau  ist.  Neben  den  Bahnhöfen  bestehen  häufig  noch
weitere  Haltepunkte,  namentlich  in  den  Vororten  und  im  Weichbild
der  Stadt.  Verhältnismäßig  selten  ist  die  Konzentrierung  des  Bahnverkehrs ­
  in  einem  Hauptbahnhof  erreicht  worden.  Im  verkehrsreichen
Brest  wurde  für  die  vier  verschiedenen  Bahnsysteme  bereits  1885  die
Anlage  eines  Zentralbahnhofs  durchgeführt.  Ferner  ist  die  Zusammenfassung ­
  des  Verkehrs  ermöglicht  in  zwei  industrie-  und  verkehrsreichen
J )  Im  amtlichen  Kursbuch  sind  die  kleineren  Haltepunkte  dadurch  kenntlich
gemacht,  daß  bei  ihnen  keine  Werstangaben  gegeben  sind.
2 )  In  Rheinland-Westfalen  sind  ähnliche  Anlagen  kreuzender  Bahnen  in
Geldern,  Dorsten  und  Dülmen  vorhanden.
        <pb n="104" />
        99

7*

Großstädten,  in,  Charkow 1 )  und  namentlich  in  dem  günstig  gelegenen
Wilna.  Daneben  hat  auch  das  vom  Bahn  verkehr  weniger  bevorzugte
Kiew  einen  Sammelpunkt  seiner  Züge.  In  Riga,  dessen  Fernverkehr
noch  kleiner  ist  als  der  der  alten  Großfürstenresidenz,  geht  ein  Hauptbahnhof ­
  an  Stelle  des  Oreler  und  des  Tukkumer  Bahnhofs  seiner  Vollendung ­
  entgegen.  Eine  Zusammenfassung,  des  Bahn  Verkehrs  der  drei
größten  Städte  in  Hauptbahnhöfen  ist  begreiflicherweise  kaum  möglich.
Doch  verdient  die  Tatsache  hervorgehoben  zu  werden,  daß  sowohl  von
der  äußersten  Westgrenze,  von  Kalisch,  ein  direkter  Verkehr  über  die
Warschauer  Bahnhöfe  hinaus  zum  Osten  und  zum  Südosten  ermöglicht
ist,  als  auch  daß  von  St.  Petersburg  aus  durchgehende  Züge  über  die
Millionenstadt  Moskau  nach  Turkestan  und  zum  Kaukasus  geführt
werden *  2 ).
Wie  der  Einfluß  des  in  vielen  Dingen  rückständigen  St.  Petersburg
auf  seine  Umgebung  schwächer  ist  als  der  Moskaus,  so  ist  auch  hinsichtlich ­
  des  Verkehrs  Moskaus  Stellung  bei  weitem  die  machtvollste  unter
allen  russischen  Städten.  Der  Außen  verkehr  Moskaus,  der  gewaltigen
Industrie-  und  Handelsstadt,  kann  ohne  Bedenken  dem  mitteleuropäischer
Weltstädte  gleichgestellt  werden 3 ).  Nirgendwo  im  Weichbild  ist  die
Zahl  der  kleinen  Haltepunkte  so  groß  als  an  den  von  Moskau  ausstrahlenden ­
  Linien.  Auf  eine  größere  Station  kann  man  2—3  derartiger  kleiner
Aufenthaltspunkte  rechnen.  An  der  35  W  langen  Strecke  Moskau—
Kudinowo  der  Nischni  Nowgoroder  Bahn  liegen  neben  3  Stationen
9  Posten,  so  daß  durchschnittlich  alle  3  W  ein  Anhalten  erfolgt.  Noch
etwas  kleiner  ist  die  Stationsdistanz  auf  der  Teilstrecke  Moskau—
Ramenskoje  der  Rjäsaner  Bahn,  die  bei  42  W  4  Stationen  und  12  Haltepunkte ­
  zählt.  Die  66  W  lange  Strecke  Moskau—Sergijewo  der  Bahn
nach  Jaroslawl  hat  15  Haltepunkte,  die  84  W  lange  Strecke  Moskau—
Klin  der  Nikolaibahn  allerdings  16,  so  daß  hier  eine  Fahrtunterbrechung
immerhin  erst  auf  etwa  5  W  eintritt.  Das  entspricht  aber  der  wirtschaftlichen ­
  Entwickelung  des  westlichen  Striches,  die  schwächer  ist
als  in  den  anderen  Teilen  der  Provinz.  Je  weiter  sich  die  Bahnen  von
Moskau  entfernen,  um  so  länger  dauert  die  Fahrt  bis  zur  nächsten  Unterbrechung. ­
  Auf  der  Moskäu-Windauer  Bahnlinie  sind  bis  Nowojerusalimskaja
  auf  57  W  15  Haltepunkte,  auf  der  weiteren  Strecke  bis  zur
Gouvernementsgrenze  bei  Knjashi  Gory  auf  105  W  nur  9.  Die  mittlere
Stationsentfernung  erhöht  sich  also  auf  ungefähr  12  W,  ja  auf  der  letzten
Strecke  (Schachowskaja—Knjashi  Gory)  beträgt  die  Stationsdistanz
schon'18  W,  während  auf  der  Bahn  nach  Sawelowo  an  der  Wolga  zwischen

*)  Nur  die  private  Südostbahn  hat  für  ihre  schwach  befahrene  Balaschower
Linie  einen  besonderen  Bahnhof,  vgl.  oben  S.  91  u.  Anm.  3.

2 )  Vgl.  oben  S.  85/86.

3 )  Auch  der  eigentliche  innere  Stadtverkehr  Moskaus  (elektr.  Bahnen  usw.)
ist  großzügiger  organisiert  und  weitverzweigter  als  der  St.  Petersburgs.
        <pb n="105" />
        100

Dmitrow  und  Werbilki  sogar'  23  W  liegen.  Das  sind  allerdings  Ausnahmen, ­
  da  selbst  Entfernungen  von  14  und  15  W  im  Gouvernement
zu  den  Seltenheiten  gehören.  Die  in  der  Moskauer  Provinz  gelegenen
Strecken  der  11  von  ihrer  Hauptstadt  ausgehenden  Bahnen  haben
eine  Länge  von  1080  W 1 ).  Da  die  Zahl  der  Aufenthaltspunkte  rund  190
beträgt,  so  kommt  auf  nicht  ganz  6  W  eine  Station.  In  sämtlichen
anderen  russischen  Provinzen  ist  die  Zahl  der  Stationen  verhältnismäßig
kleiner,  die  Distanzen  somit  größer.
Mit  mehr  oder  weniger  großen  Einschränkungen  kann  man  die
Stationsdichte  der  zentralrussischen  Gouvernements *  2 )  mit  der  der
nordöstlichen  Provinzen  Preußens  vergleichen.  Freilich  bleibt  die
Tatsache,  daß  selbst  im  Gouvernement  Moskau,  wenn  auch  an  seiner
Peripherie,  Stationsdistanzen  von  18—23  W  vorhanden  sind,  in  Preußen
(und  in  Deutschland)  ohne  Parallele 3 ).
Die  Stationsverhältnisse  im  südlichen  Großrußland,  und  den  anschließenden ­
  kleinrussischen  und  politischen  Distrikten  mögen  einige
Beispiele  beleuchten.  Die  große  Südbahn 4 )  hat  auf  den  Strecken  Serpuchow—Tula
  (89  W)  10,  Tula  —Orel  (176  W)  18,  Orel—Kursk  (144  W)
13  Stationen,  so  daß  auf  der  502  W  (535  km)  langen  Hauptstrecke
Moskau—Kursk  57  Haltepunkte  liegen.  Die  durchschnittliche  Entfernung ­
  von  Station  zu  Station  beläuft  sich  also  auf  9  W  und  ist  somit
ungefähr  gleich  der  Durchschnittsdistanz  auf  der  etwas  längeren  Strecke
Eydtkuhnen—Königsberg—Kreuz  (554  km) 5 ).  Auf  der  Moskau-Kursker
4 )  Es  sind  nicht  berücksichtigt  die  Moskauer  Ringbahn  und  einige  ganz  kleine
Nebenbahnen.
2 )  Moskau,  Smolensk,  Kaluga,  Tula,  Rjäsan,  Orel,  Tambow,  Pensa.,  Die
Stationsdistanz  beträgt  in  diesen  Provinzen  etwa  8—9  W.  Im  nordöstlichen
Preußen  kommt  auf  7  km  eine  Station.
3 )  Im  östlichen  Deutschland  sind  16  km  lange  Strecken  jetzt  die  längsten
aufenthaltlosen  Trassen.  Es  sind  die  Strecken  Laskowitz—Warlubien  an  der
linksuferigen  Weichselbahn,  Weißwasser—Rietschen  an  der  Berlin-Görlitzer  Bahn,
sowie  Forst—Teuplitz  (15,9  km)  in  der  Lausitz.  Im  nordwestlichen  Deutschland
ist  die  Strecke  Dransfeld—Göttingen  (15,6  km),  im  westlichen  Deutschland  die
durch  den  Wald  „Bürge 1 '  gehende  Linie  Düren—Elsdorf  (15  km)  die  längste  aufenthaltlose ­
  Strecke.  Im  südlichen  Deutschland  gibt  es  überhaupt  keine  offenen
Strecken  von  15  oder  mehr  km.
4 )  Die  in  der  Moskauer  Provinz  gelegene  Strecke  Moskau  —  Serpuchow  hat
bei  93  W  16  Haltepunkte.
5 )  Während  auf  den  später  gebauten  Nebenbahnen  in  Ostdeutschland  größere
Distanzen  von  vornherein  seltener  waren,  sind  auch  auf  den  ostdeutschen  Hauptbahnen ­
  die  bedeutenderen  Stationsentfernungen  durch  Einschiebung  neuer  Haltepunkte ­
  herabgemindert  worden.  So  sind  auf  der  Strecke  Eydtkuhnen—Kreuz
den  vorhandenen  58  älteren  Stationen  11  weitere  hinzugefügt  worden.  Immerhin
sind  auf  der  Linie  auch  heute  noch  20  über  10  km  lange  stationsfreie  Strecken
vorhanden.  Von  allen  deutschen  Gauen  hat  Ostpreußen  die  größte  Zahl  längerer
aufenthaltloser  Strecken  (34  von  10  km  und  darüber).  Dann  folgt  das  größere,
bevölkertere  und  verkehrsreichere  Brandenburg  (29).
        <pb n="106" />
        101

Bahn  kommen  Stationsdistanzen  bis  zu  13,  14  und  15  W  vor,  größere
aber  nicht.  Die  Weiterfahrt  nach  dem  Pontus  geht  zunächst  durch
ergiebige  agrarische  Gebiete  mit  industriellem  Einschlag.  Die  229  W
lange  Strecke  Kursk—Charkow  hat  26  Zwischenpunkte  und  als  größte
Stationsdistanz  12  W.  Die  folgende  Strecke  Charkow—Losowaja—
Sinelnikowo,  die  zum  Steppengebiet  überleitet,  hat  bei  230  W  27  Halteorte, ­
  darunter  einmal  als  größte  Stationsdistanz  20  W.  Die  fast  ganz
dem  südrussischen  Steppengebiet  angehörige  Strecke  Sinelnikowo  —
Sewastopol  ist  478  W  lang,  hat  aber  48  Stationspunkte  und  als  größte
Entfernungen  14  und  18  W.  Die  1439  W  (1534km)  lange  Strecke  Moskau-Sewastopol
  hat  somit  158  Haltepunkte  und  hiernach  einen  durchschnittlich ­
  auf  rund  9  W.  Nur  ausnahmsweise  sind  Distanzen  von  15—20  W
vorhanden.  Ähnlich  günstig  liegen  die  Stationsverhältnisse  auf  der
östlichen  zum  Pontus  hinzielenden  Hauptbahn.  Sie  hat  auf  der  186  W
langen  Strecke  Moskau—Rjäsan  sogar  35  Haltestellen,  auf  der  199  W
langen,  ebenfalls  gut  bevölkertes  Gebiet  durchziehenden  Fortsetzung
Rjäsan—  Rjashsk—Koslow  allerdings  nur  18.  Dort  beträgt  die  Höchstdistanz ­
  13,  hier  bereits  21.  ^Die  Trasse  Koslow—Woronesh  hat  auf  168  W
19  Zwischenorte  und  als  Maximaldistanzen  13  und  14  W.  Auf  der
Weiterfahrt  zum  Süden,  auf  der  das  Tschernosjom  von  der  Steppe  abgelöst ­
  wird,  werden  die  Entfernungen  zwischen  den  Stationen  kaum
geringer.  Wie  im  Moskauer  Rayon  liegen  an  der  Linie  zahlreiche  kleine
Haltepunkte,  so  daß  die  700  W  lange  Strecke  Woronesh—Rostow
62  Stationen  und  als  größte  Distanzen  12  und  13  W  aufweist,  verhältnismäßig ­
  recht  günstig  für  die  weit  ausgedehnten  und  durchweg  nicht  dicht
besiedelten  Gebiete.  Auf  der  1165  W  (1243  km)  langen  Strecke  Moskau—
Woronesh—Rostow  sind  hiernach  134  Zwischenpunkte  vorhanden,  so
daß  auf  noch  nicht  9  W  durchschnittlich  eine  Unterbrechung  der  Fahrt
stattfindet.  Wie  auf  diesen  beiden  von  Moskau  den  pontischen  Küsten
zustrebenden  großen  Bahnen  die  Stationsfolge  eine  verhältnismäßig
rasche  ist,  So  haben  überhaupt  das  südliche  Großrußland,  die  östliche
Ukraine  und  die  angrenzenden  pontischen  Striche,  Gebiete,  die,  einen
wesentlichen  Teil  der  Schwarzerde  umfassend,  eine  durchschnittliche
Volksdichte  von  etwa  50  Menschen  auf  den  qkm  haben,  eine  für  russische
Verhältnisse  befriedigende  Zahl  von  Bahnhaltepunkten.  Man  wird  die
mittlere  Stationsdistanz  auf  rund  10  W  angeben  dürfen.
In  den  der  rechten  Seite  der  mittleren  Wolga  benachbarten  Strichen  x )  _
ist  bei  einer  geringeren  Volksdichte  (nicht  ganz  40  Einw.)  die  Entfernung
zwischen  den  Stationen  größer,  und  namentlich  gilt  dies  für  den  nördlichen ­
  Teil,  für  die  Gegend  zwischen  Nischni  Nowgorod,  Kasan,  Simbirsk
und  dem  Bahnknotenpunkt  Rusajewka.  Beispielsweise  sei  aus  diesem

J )  Provinzen  Kasan,  Simbirsk,  Saratow,  Anteile  der  Provinzen  Wladimi
und  Nischni  Nowgorod.
        <pb n="107" />
        102

von  den  Bahnen  vernachlässigten  Gebiet  die  Strecke  Nischni  Nowgorod-Kasan
  herausgegriffen.  Während  die  Strecke  Nischni  Nowgorod—
Arsamas  bei  120  W  immerhin  8  Zwischenpunkte,  darunter  aber  auch
Stationsdistanzen  von  23  und  28  W  hat,  verringert  sich  ihre  Zahl  für
die  165  W  lange  Strecke  Arsamas—Timirjasewo  auf  7,  und  es  werden
Entfernungen  von  30  und  32  W  erzielt,  die  aber  auf  der  306  W  langen
Strecke  von  Timirjasewo  nach  Swijashsk,  dem  Übergang  über  die  Wolga
nach  Kasan  (12  Haltepunkte),  auf  36,  in  zwei  Fällen  auf  37  W  erhöht
werden.  Die  durchschnittliche  Distanz  zwischen  den  Stationen  beträgt
im  nördlichen  Teil  des  Kasaner  Wolgabogens  rund  20  W;  dabei  muß
beachtet  werden,'daß  die  Bahnen  durch  nicht  schlecht  bevölkerte  Kreise
geführt  sind.  In  den  südlich  anstoßenden  Teilen  (südlicher  Teil  v der
Provinz  Simbirsk,  Gouvernement  Saratow)  verringert  sich  die  durchschnittliche ­
  Stationsdistanz  auf  etwa  13  W:  sie  ist  an  den  zum  Strom
führenden  Linien  meist  etwas  größer 1 ),  kleiner  dagegen  an  den  mehr
stromabseits  gelegenen  Strecken *  2 ).
Noch  größer  sind  die  Stationsdistanzen  in  den  Niederungen  und
Steppen  auf  dem  linken  Wolgaufer,  die,  im  wesentlichen  die  Provinzen
Astrachan  und  Samara  und  einige  anschließende  Kreise  (Orenburg,
Uralsk)  umfassend,  überwiegend  steppen-,  im  südlichen  Teil  salzsteppenund
  wüstenartigen  Charakter  haben.  Auf  der  Strecke  Pokrowskaja
Sloboda  (gegenüber  Saratow)—Astrachan  werden  neunmal  Distanzen
von  über  30  W  erreicht.  Auch  auf  anderen  Bahnen  finden  sich  Entfernungen ­
  von  38,  ja  von  41  W  (zwischen  Krasnij  Kut  und  Alexandrow
Gaj).  Die  mittlere  Stationsdistanz  in  dem  linksseitigen  Wolgasteppen  -
und  Niederungsgebiet  stellt  sich  auf  22  W.
Im  westlichen  Teil  des  südrussischen  Steppengebiets  und  der  Ukraine
ist  die  Stationsdichte  trotz  einer  erheblichen  Volksdichte  (etwa  70  Einw.
auf  den  qkm)  ebenfalls  nicht  sehr  groß.  Sie  wird  sich  teilweise  dadurch
erklären  lassen,  daß  namentlich  in  den  westpontischen  Gegenden  die
Bevölkerung  in  weniger  zahlreichen,  aber  bevölkerten  Ortschaften
wohnt.  Die  geringste  Stationsdichte  ist  in  Bessarabien,  wo  offene
Strecken  von  mehr  als  20  W  durchaus  nicht  selten  sind 3 ).  Auch  in
den  sehr  dicht  bevölkerten  Gouvernements  Kiew  und  Podolien,  die,
obwohl  sie  ihrer  ganzen  Struktur  nach  zueinander  gehören,  meist  getrennt ­
  behandelt  werden,  sowie  in  den  wolynischen  Grenzkreisen  sind
größere  Stationsdistanzen.  Besonders  an  den  nach  Österreich  führenden
Bahnen  sind  Entfernungen  von  20—24  W,  so  daß  für  das  südwestliche
Rußland  eine  mittlere  Stationsdistanz  von  13  W  angenommen  werden
kann.
v )  So  sind  an  der  Nebenbahn  Atkarsk—Wolsk  Entfernungen  von  27  und  30  W.
2 )  Z.  B.  an  der  Linie  Pensa—Tawolshanka  kaum  10  W.
3 )  Die  269  W  lange  Strecke  Bender—Reni  hat  nur  13  Stationen.  Die  Stations-I;
  distanz  schwankt  hier  zwischen  13  und  25  W.
        <pb n="108" />
        103

Wolvnien  leitet  zu  den  gering  bevölkerten,  an  Sumpf-  und  Morastdistrikten ­
  reichen  Landschaften  über,  den  östlichen  Grenzgebieten
Polens,  deren  Eroberung  schon  früh  von  den  moskowitischen  Waffen
erstrebt  wurde.  Unter  dem.  Sammelnamen  Poljesje  faßt  man  heute
die  gewaltigen,  strichweise  schwer  zugänglichen  Sumpfbezirke  im  Gouvernement ­
  Minsk  und  den  anschließenden  Kreisen  der  Provinzen  Wolynien
und  Grodno  zusammen.  Aber  auch  weiter  nordwärts  ändert  sich  das
Landschaftsbild,  reich  an  Seen,  Morästen  und  Sümpfen,  dazu  an  Wäldern,
im  wesentlichen  nicht  allzusehr.  Die  ausgedehnten,  wenig  entwickelten
Bezirke  stellen  an  den  Angriff  russischer  Gegner  große  Anforderungen,
die  durch  die  Verkehrsarmut  noch  gesteigert  werden.  Im  südlichen  und
mittleren  Teil  wohnen  neben  Ruthenen  namentlich  Weißrussen,  eine
sehr  arme,  rückständige  Bevölkerung,  deren  Siedlungsraum  zu  den  am
meisten  vernachlässigten  Teilen  des  ganzen  Reiches  gehört.  In  den
nördlichen  Distrikten  überwiegen  bereits  die  Großrussen.  In  den  einigermaßen ­
  ur-  und  gangbar  gemachten  Kreisen  ist  zwar  die  Zahl  der  Siedlungen ­
  nicht  gerade  gering,  doch  sind  die  Dörfer  fast  stets  sehr  klein
und  haben  selten  500,  geschweige  denn  1000  Einwohner.  Städte  sind
sehr  spärlich,  seltener  als  in  Litauen,  von  Polen,  der  Ukraine  und  Großrußland ­
  erst  recht  abgesehen.  Wenn  man  die  Volksdichte  des  Gebiets
auf  35  Einwohner  für  den  qkm  berechnet,  so  ist  dies  eine  mittlere  Ziffer,
denn  in  einigen  Kreisen  der  Provinzen  Minsk  und  Pskow  sinkt  die  Dichtezahl ­
  auf  unter  20.  Dem  entspricht  auch  die  größere  Stationsdistanz.
Die  durch  die  südliche  Poljesje  angelegte  neue  wichtige  Bahn  Kowel—
Sarny—Kiew  hat  zwar  auf  423  W  immerhin  36  Stationen,  auf  den
wolynischen  Teil  von  277  W  fallen  aber  nur  19  Stationen,  so  daß  die
Stationsferne  auf  20,  21,  22  und  27  W  steigt.  Ähnlich  sind  die  Distanzen
auf  der  Teilstrecke  Smolensk—Borissow—Baranowitschi  der  Alexanderbahn ­
  (397  W,  27  Stationen),  auf  der  11  Bahnorte  zwischen  20  und  25  W
entfernt  liegen 1 ),  oder  auf  der  eigentlichen  Pripetbahn  (Hornel—)Mosyr—
Luninez—Brest  (379  W,  29  Stationen).  Die  teilweise  Urbarmachung
der  Poljesje,  die  größte  Tat  der  russischen  inneren  Kolonisation,  hat
bewirkt,  daß  namentlich  im  Westen  mit  der  Entstehung  neuer  Ansiedlungen ­
  auch  eine  gewisse  Stationshäufigkeit  ein  trat,  so  daß  z.  B.
auf  der  für  den  Petersburg-Kiewer  Durchgangsverkehr  wichtigen  Bahn
Wilna—Luninez—Sarny  (397  W),  die  durch  das  vielverzweigte,  bereits
etwas  stärker  besiedelte  Tal  des  Goryn  führt,  31  Stationen  begründet
werden  konnten  und  die  größte  Distanz  überhaupt  nur  noch  15  W
beträgt 1  2 ).  Von  den  Bahnen  der  nördlich  anschließenden  Provinzen
besitzt  die  viel  Ackerland  durchquerende  Dwinsk-Oreler  Bahn  verhältnis1 ­
 )  Auf  der  durch  die  am  wenigsten  entwickelten  Kreise  des  Gouvernements
Grodno  geführten  Fortsetzung  nach  Brest  folgen  bei  190  W  nur  9  Stationen.
2 )  Die  Bahnbauten  sind  überhaupt  in  diesen  Teilen  Rußlands  die  Veranlassung
zu  neuer  Besiedlung.  Auch  die  Pripetbahn  rief  neue  Siedlungen  ins  Leben.
        <pb n="109" />
        104

mäßig  viele  Haltepunkte.  Anders  z.  B.  auf  der  Strecke  Rshew—Weliki
Luki—Rjeshiza—Kreuzburg  der  Moskau-Windauer  Bahn,  die,  durch
ein  waldiges,  auch  nicht  sumpfarmes,  gering  bevölkertes  Gebiet  führend,
bei  einer  Länge  von  523  W  nur  31  Zwischenpunkte  und  10  Distanzen
von  22—29  W  zählt.  Die  ebenfalls  das  Wald-  und  Seenland  anschienende
Bahn  Bologoje—Pskow  (334  W,  22  Stationen),  welche  die  Verbindung
der  Nikolaibahn  mit  der  Peters  bürg-Wilnaer  Bahn  herstellt,  hat  namentlich ­
  auf  der  in  der  Pleskauer  Provinz  gelegenen  Strecke  Morino—Dno—
Pskow  (116  W)  nur  wenige  (6)  Stationen.  Auch  die  neue  strategische
Bahn  Bologoje—Polotzk,  die  durch  die  ödesten  Teile  der  Provinzen
Twer  und  Pskow  führt  und  den  mittleren,  mäßig  besiedelten  Teil  des
Gouvernements  Witebsk  weiter  erschließen  soll,  hat  meist  große  Stationsentfernungen ­
  (434  W,  28  Stationen),  und  ihre  Fortsetzung  durch  den
seen-  und  flußreichen  Ostteil  der  Provinz  Wilna  (Polotzk—Bagrationowskaja,
  409  W,  24  Stationen)  und  durch  das  Gouvernement  Grodno  nach
Polen  (Sjedlez,  185  W,  10  Haltepunkte)  hat  sogar  noch  längere  stationslose ­
  Strecken  (bis  27  und  28  W).  In  dem  durch  diese  Bahnen  gekennzeichneten ­
  Gebiet  wird  auf  etwa  14—15  W  eine  Station  kommen.
Ähnlich  liegen  die  Verkehrs  Verhältnisse  in  Litauen,  zu  dem  die
Provinzen  Kowno  und  Suwalki,  der  westliche  Teil  des  Gouvernements
Wilna  und  die  nördliche  Spitze  der  Grodnoer  Provinz  zu  rechnen  sind.
Die  durchschnittliche  Volksdichte  beträgt  immerhin  40  —  50  Bewohner
für  den  qkm.  Große  stationslose  Strecken  sind  hier  fast  an  jeder  Bahn,
auch  an  den  Hauptverkehrsadern.  So  liegen  an  der  310  W  langen
Strecke  Grodno—Wilna—Dwinsk  (19  Stationen)  7  Strecken  von  20  bis
25  W.  An  der  Nebenbahn  Suwalki—Grodno  beträgt  die  Entfernung
zwischen  den  Stationen  der  beiden  der  preußischen  Grenze  benachbarten
Kreisstädte  Suwalki  und  Augustowo  sogar  30  W.  Die  durchschnittliche
Stationsdistanz  wird  man  für  Litauen  mit  14  W  angeben  können.
Wenn  sich  für  Russisch-Polen,  zu  dessen  Verkehrsgebiet  hier  nicht
das  Gouvernement  Suwalki,  wohl  aber  der  größere  Teil  der  Provinz
Grodno  gerechnet  wird,  eine  mittlere  Stationsferne  von  10  W  feststellen ­
  läßt,  so  ist  diese  angesichts  der  dichten  Besiedlung  und  der  wirtschaftlichen ­
  Entwickelung  des  Landes  doch  kaum  hinreichend  zu  nennen.
Im  Nordosten,  namentlich  an  den  nach  Ostrolenka  führenden  Bahnen,
sowie  im  Südosten  sind  die  Distanzen  häufig  bedeutend  größer;  zwischen
den  beiden  Städten  Sjedlez  und  Lukow  beläuft  sie  sich  sogar  auf  29  W.
Günstiger  liegen'  die  Kommunikationsverhältnisse  in  Rußlands
baltischen  Provinzen.  Zwar  ist  die  Volksdichte  selbst  mit  Einschluß
Ingermanlands  noch  geringer  als  in  den  östlich  anstoßenden  Bezirken;
aber  den  Provinzen  mangelt  es  jiicht  an  zahlreichen  kleinen  Ortschaften,
an  Einzelhöfen,  an  großen  und  mittleren  Landsitzen,  während  größere
Siedlungen  verhältnismäßig  seltener  sind  als  in  den  meisten  anderen
russischen  Gouvernements.  Bei  einem  ziemlich  entwickelten  Verkehrs ­
        <pb n="110" />
        105

netz  kommt  schon  auf  9  W  ein  Bahnhaltepunkt.  Freilich  trägt  zu  diesem
günstigen  Resultat  die  Umgebung  der  beiden  großen  Städte  Petersburg
und  Riga  mit  ihrem  Lokalverkehr  bei.  Aber  es  besteht  doch  auch  ohnehin
ein  ziemlich  gleichmäßig  verteiltes  System  von  Haltepunkten,  so  daß
nur  sehr  selten  eine  Distanz  von  20  und  mehr  W  entsteht 1 ).  Nur
im  südlichen  Teile  der  Petersburger  Provinz,  der  etwa  die  gleichen
Bedingungen  aufweist  wie  die  anschließenden  Teile  der  Gouvernements
Nowgorod  und  Pskow,  in  Mittellivland,  namentlich  auf  der  Strecke
Pskow—Werro,  im  bewaldeten,  sehr  schwach  besiedelten  Nordwesten
Kurlands  *  2 ),  aber  auch  in  den  Sumpfwiesen  zwischen  Mitau  und  Riga
findet  man  größere  Stationsdistanzen..
In  den  waldreichen  Gebieten  der  oberen  Wolga  und  ihrer  Zuflüsse,
die  durch  die  Bahn  Petersburg—Wologda—Wjatka—Perm,  ferner  durch
die  ältere  Bahn  Rybinsk—Bologoje  und  die  Bahnen  in  den  Provinzen
Jaroslawl,  Kostroma  und  einigen  kleineren  benachbarten  Distrikten
teilweise  erst  ganz  neuerdings  erschlossen  werden  und  so  das  verkehrsgeographische ­
  Zwischenglied  zwischen  dem  industriellen  Großrußland
und  dem  spärlich  besiedelten  Norden  darstellen 3 ),  ist  die  Stationsferne
verhältnismäßig  klein.  Sie  beträgt  im  Mittel  kaum  mehr  als  12  W 4 ),
so  selbst  auf  der  ungeheuer  weite  Sumpf-  und  Waldgebiete,  mit  dem
Übergang  über  die  Suda,  den  Nebenfluß  der  Scheksna,  aber  auch  bebautere
  Striche  durchschienenden  Bahn  Petersburg—Wologda,  die  auf
560  W  (46  Stationen)  nur  zwei  etwas  größere  Plätze,  Tichwin  und  Tscherepowetz,
  berührt  und  nur  8  Stationsentfernungen  von  20—22  W  zählt.
Auch  auf  der  östlichen  Fortsetzung  durch  das  Gouvernement  Kostroma
nach  Wjatka  (596  W,  36  Stationen),  die  durch  das  Flußgebiet  der
Kostroma,  der  Unza  und  der  Wetluga  führt,  sind  verhältnismäßig  wenige
(14)  Teilstrecken  zwischen  20  und  25  W  vorhanden.
Das  bei  weitem  schwächste  Verkehrsgebiet  stellt  der  Norden  dar.
Die  beiden  einzigen  Bahnen,  die  den  Verkehr  zwischen  Großrußland
und  dem  Ural  einerseits  und  der  nördlichen  Dwina  andererseits  herstellen,
  sind  die  Linien  Wologda—Archangelsk  und  Wjatka—Kotlas.
Die  Schmalspurbahn  Wologda—Archangelsk  zählt  auf  595  W  nur
24  Zwischenstationen,  ln  den  einsamen  Waldgebieten  der  Provinzen
Wologda 5 ),  Olonez  und  Archangelsk  werden  Entfernungen  von  37,  38,
4 )  In  Esthland  hat  nur  die  kleine  Nebenbahn  Reval—Hapsal  Stationsdistanzen ­
  von  19,  20  und  23  W.  Sonst  kommen  in  der-  Provinz  nur  noch  Entfernungen ­
  bis  zu  14  und  16  W  vor.
2 )  Der  Kreis  Windau,  der  von  der  Windau-Mitauer  Bahn  durchfahren  wird,
hat  mit  16  Einw.  auf  den  qkm.  (1907)  die  geringste  Dichte  in  den  drei  unter  deutschem ­
  Kultureinfluß  stehenden  Provinzen.
3 )  Die  durchschnittliehe  Volksdichte  bleibt  weit  unter  30.
4 )  Auf  der-  Bahn  Sergijewo—Jaroslawl—Wologda  liegen  auf  388  W  41
Stationen.
5 )  Wologda  ist  die  waldreichste  Provinz  Rußlands.
        <pb n="111" />
        106

39  (zweimal)  und  43  W  (zweimal)  erreicht.  Die  Distanz  von  43  W  ist
die  längste  Strecke  zwischen  zwei  Stationen  im  Russischen  Reich  beider
Erdteile.  Wenn  diese  Maximaldistanz  auf  der  Wjatka-Dwinabahn  auch
nicht  erreicht  wird,  so  ist  die  durchschnittliche  Entfernung  hier  noch
etwas  größer  (359  W,  14  Stationen).  Von  einem  Falle,  der  6W  vom
Ausgangspunkte  entfernten  Haltestelle  Wjatka  II  abgesehen,  ist  die
Stationsdistanz  hier  überall  23—32  W.  Die  durchschnittliche  Entfernung ­
  von  Station  zu  Station  beläuft  sich  auf  diesen  beiden  nördlichsten ­
  Bahnen  des  eigentlichen  Rußland  auf  25  W.
Ein  gesondertes  Verkehrsgebiet,  das  lange  Zeit  überhaupt  ohne  jede
Fühlung  mit  dem  übrigen  russischen  Eisenbahnnetz  geblieben  war,  ist
das  Uralland,  das  durch  die  neue  Petersburg-Permer  Linie  und  die
Anschlußlinie  von  Jekaterinburg  nach  Tscheljabinsk  in  engere  Verknüpfung ­
  mit  den  Reichszentren  gebracht  ist.  Ist  jener  schon  oben
gedacht  worden,  so  wird  der  europäische  Teil  der  sibirischen  Bahn  etwa
von  Kinel  ab,  wo  die  transkaspische  Bahn  über  Orenburg  nach  Taschkent
abzweigt,  bis  Tscheljabinsk  hier  berücksichtigt,  da  ihre  Aufgabe  auch
die  Aufschließung  des  mittleren  Urals  ist.  Von  einigen  Nebenbahnen
abgesehen,  auf  denen  Stationsentfernungen  bis  zu  27  W  vorhanden  sind,
sind  die  Verkehrs  Verhältnisse  im  Uralgebiet  günstig.  Die  schnell  aufgeblühte ­
  Bergwerksindustrie,  die  in  rascher  Folge  Hütte  auf  Hütte  entstehen ­
  ließ,  brachte  schon  an  der  älteren,  weit  nach  Nordost  ausbiegenden
Bahn  Perm—Nischni  Tagil—Jekaterinburg  eine  verhältnismäßig  enge
Aneinanderreihung  von  Stationen.  Ähnlich  auf  der  neuen  abkürzenden
Linie  Perm—Kungur—Jekaterinburg  und  der  Fortsetzung  nach  Tscheljabinsk. ­
  Wenn  sich  für  das  Uralgebiet  eine  mittlere  Stationsentfernung
von  11  W  erbringen  läßt,  so  trägt  zu  dem  günstigen  Ergebnis  wesentlich
die  Anstieglinie  Kinel—Ufa—Slatoüst—Tscheljabinsk  bei,  die  bei  einer
Länge  von  902  W  104  Zwischenpunkte  zählt.  Ist  schon  auf  der  Linie
Petersburg—Wjatka—Tscheljabinsk  die  Zahl  der  kleinen  Anhalteorte
groß,  so  steigert  sie  sich  noch  auf  der  Bahn  Kinel—Tscheljabinsk,  um
.eine  weitere  Erhöhung  auf  der  asiatischen  Fortsetzung  zu  erfahren 1 ).
Bei  weitem  die  günstigsten  Verkehrsverhältnisse  hat  Finnland.  Das
Großfürstentum,  das  hinsichtlich  seiner  unwirtlichen  Bodenverhältnisse
und  der  geringen  Besiedlungsmöglichkeiten  nur  von  ganz  wenigen
Provinzen  des  eigentlichen  Rußland  übertroffen  wird,  zählt  an  seinen
Bahnen  auf  rund  7  km  einen  Zwischenpunkt.  Dabei  sind  freilich  die
vielen  kleinen  Punkte,  an  denen  auch  die  Personenzüge  nur  bei  Bedarf
halten  und  die  zuweilen,  fast  allein  dem  Holztransport  und  den  Bedürfx

 )  Auf  der  Strecke  Tscheljabinsk—Irkutsk  kommen  auf  eine  Station  beinahe
zwei  Nebenhaltestellen.  An  der  3066  W  langen  Linie  liegen  278  Halteorte,  darunter
173  kleinere  Punkte.  Die  größte  Distanz  beträgt  nur  26  W,  ist  also  beträchtlich
kleiner  als  auf  vielen  Bahnen  im  europäischen  Rußland.
        <pb n="112" />
        —  107  —
nissen  der  Waldarbeiter  dienend,  jeglichen  Ausbau
eingeschlossen.  Ein  derartig  enges  und  verzweigtes  S
punkten,  das  völlig  mitteleuropäischen  Charakter  hat  und  bei
Flächenräumen  eine  besondere  Würdigung  verlangt,  ist  d
Rußland  fast  ganz  fremd.  Handelt  es  sich  doch  um  ein  Land,  in  dessen
ausgedehntesten  Teilen  die  Kulturerschließung  nur  sporadisch  vor  sich
gehen  kann.  Bei  Einbeziehung  auch  der  kleinsten  Haltepunkte,  auch
derjenigen,  die  nur  für  Vorortszüge  eingerichtet  sind,  ist  eine  Vervollkommnung ­
  wie  sonst  nirgendwo  in  Rußland  erreicht.  Stationsdistanzen
von  20  und  mehr  km  sind  im  ganzen  Lande  nicht  vorhanden.  Die  größte
Entfernung  von  19  km  findet  man  auf  der  durch  das  mittlere  Seengebiet
angelegten  Linie  Kuovola—Kuopio—Kajana.  Auf  der  nördlichen  eine
Verbindung  mit  der  schwedischen  Grenze  vermittelnden  Hauptlinie
Tammerfors—Uleäborg—Torneä  und  auf  der  Polarkreisbahn  Kemi—
Rovaniemi,  nach  der  Ofotenbahn  der  nördlichsten  Bahn  der  Erde,  sind
die  größten  Distanzen  16  und  17  km,  während  auf  der  das  Innere  erschließenden ­
  Bahn  Haapamäki  —  Suolahti  und  der  karelischen  Linie
Wiborg—Joensuu—Nurmes  die  Maximalentfernung  nur  12  km  ist.
Das  finnische  Bahnnetz  ist  mit  Zwischenpunkten  noch  besser  ausgestattet
als  das  des  benachbarten  schwedischen  Norrland,  obwohl  auch  hier
durch  Neubegründung  weiterer  Bahnpunkte  die  größte  Distanz  auf
25  km  herabgedrückt  ist  und  Stationsentfernungen  von  20  km  und  mehr
zu  den  Seltenheiten  gehören 1 ).
Ohne  Zweifel  haben  teilweise  die  russischen  Eisenbahnverwaltungen
in  genügender  Weise  den  Bedürfnissen  der  Bevölkerung,  wenn  auch
lange  noch  nicht  in  der  Anlage  von  Bahnen  überhaupt,  so  doch  in  der
Einrichtung  von  Stationen  und  Haltestellen  an  den  bestehenden  Linien
Rechnung  getragen.  Das  dürfte  hinsichtlich  eines  bedeutenden  Teiles
von  Großrußland  und  namentlich  hinsichtlich  Finnlands  zutreffen.
In  anderen  Landesteilen,  auch  dichter  besiedelten,  ist  dagegen  noch  sehr
viel  zu  tun.  Das  erkennt  man  am  besten  aus  einer  Vergleichung  der
russischen  Grenzbahnen  und  ihrer  deutschen  Anschlußstrecken.  Während
z.  B.  auf  der  Bahn  Königsberg—Lyck—Grajewo  die  größte  Stationsdistanz ­
  immerhin  noch  15  km  beträgt,  ist  die  Entfernung  zwischen  den
beiden  ersten  russischen  Stationen,  Grajewo  und  Ossowietz  24  W  lang.
Und  dabei  ist  zu  berücksichtigen,  daß  in  vielen  Fällen  die  Bahnen  aus
mäßig  besiedelten  deutschen  Gebieten  in  dichter  bevölkerte  russische
führen.  Häufig  steht  noch  heute  das  russisch-polnische  Bahn  wesen,
sogar  die  doch  stark  mitteleuropäisch  beeinflußte  Warschau-Wiener
Bahn  auf  dem  Standpunkte,  den  Preußen  um  1865  einnahm.  Zu  dieser
Zeit  bestanden  auf  der  150  km  langen  preußischen  Ostbahn  Schneide-*)

  Im  ganzen  siebenmal  in  Norrland.  Hahn  (Die  Eisenbahnen,  1905,  S.  75)
spricht  von  einer  Stationsdistanz  von  30  und  40  km.
        <pb n="113" />
        108

mühl—Ottlotschin  10  Stationen,  im  Jahre  1913  dagegen  20.  Die  149  W
lange  Strecke  Alexandrowo  —  Skiernewizi  hat  -dagegen  heute  noch  nur
12  Stationen.  Auf  der  152  km  langen  Bahn  Königsberg—Eydtkuhnen
waren  1865  13,  1913  18  Zwischenpunkte  vorhanden,  während  die  178  W
lange  Strecke  Wirballen—Wilna  heute  noch  nicht  mehr  als  13  Stationen
aufweist.  In  den  polnischen  Grenzgebieten  haben  nicht  nur  kleinere
an  den  Bahnen  gelegene  Siedlungen,  sondern  auch  volkreichere  Pfarrorte
keinen  Haltepunkt.  Wie  die  Verkehrsverhältnisse  Russisch-Polens  an
und  für  sich  noch  sehr  viele  Wünsche  unerfüllt  lassen,  so  ist  auch  hinsichtlich ­
  der  Errichtung  von  Haltepunkten  noch  manches  zu  tun 1 ).
Die  durchschnittliche  Stationsdistanz  ward  sich  im  europäischen
Reichsteile  noch  auf  reichlich  12  W  (etwa  13  km)  belaufen.

Zum  Schluß  noch  ein  Wort  über  die  Betriebsmittel  und  die
Leistungen  der  russischen  Bahnen,  verglichen  mit  denen  der  deutschen
Bahnen,  die  in  der  Ausdehnung  fast  gleich  lang  sind.  Hiernach  ergibt
sich,  daß  namentlich  der  Personenzugverkehr  im  Zarenreiche  noch  sehr
zurücksteht.  Die  großen  Entfernungen,  die  Güter  wie  Personen  in  Rußland ­
  zurücklegen,  lassen  dagegen  die  Leistungen  der  russischen  Bahnen
in  etwas  günstigerem  Licht  erscheinen.  So  wurden  im  Jahre  1909
4414596  Züge  in  Rußland  gefahren,  in  Deutschland  dagegen  15801749.
Auf  1  W  Bahnlänge  kamen  aber  6372  Zugwerst  im  Jahre,  in  24  Stunden
17,35  Zugwerst,  auf  1  km  Betriebslänge  im  Deutschen  Reich  11545  Zugkilometer, ­
  in  24  Stunden  31,63.
In  Rußland  macht  im  Jahre  eine  Person  nicht  viel  über  eine  (1,3)
Reise  mit  der  Bahn,  in  Deutschland  dagegen  reichlich  20  Reisen.  Hiergegen ­
  ist  die  Länge  der  auf  der  einzelnen  Reise  in  Rußland  zurückgelegten ­
  Strecke  bedeutend  ausgedehnter  als  in  Deutschland.  Dort
werden  auf  jeder  Reise  durchschnittlich  114,75  W  (123  km)  zurückgelegt, ­
  hier  aber  nur  22,90  km.  Dementsprechend  ist  auch  die  Einnahme
der  russischen  Bahnen  aus  der  Personenbeförderung  verhältnismäßig
höher  als  in  Deutschland,  und  dies  trotz  des  volkstümlichen  Entgegenkommens ­
  der  russischen  Bahnverwaltungen  in  der  Handhabung  der
Tarife  bei  Zurücklegung  langer  Strecken.  Die  russischen  Bahnen  erzielten ­
  1909  eine  Personengeldeinnahme  von  334,5  Mill.  Mk.  (154,23  Mill.
Rbl.),  die  deutschen  eine  solche  von  793,1  Mill.  Mk.
Auch  hinsichtlich  der  Güterbeförderung  bleibt  der  Abstand  der
russischen  Bahnen  von  den  deutschen  bedeutend:  allerdings  ist  er  in
x )  Dabei  soll  nicht  verkannt  werden,  daß  die  russischen  Bahnen  auch  hinsichtlich ­
  der  Errichtung  von  Stationen  weiter  ausgestattet  werden.  So  hatten  um
1880  (Petermanns  geogr.  Mitteil.,  Ergh.  71,  S.  19)  die  941  W  Eisenbahnen  im
Gebiet  des  Donschen  Heeres  61  Stationen.  Seitdem  hat  sich  die  Zahl  der  Haltestellen ­
  an  denselben  Bahnen,  also  ohne  Berücksichtigung  der  später  gebauten,
fast  um  das  Doppelte,  auf  110  vermehrt.
        <pb n="114" />
        109

dem  auf  landwirtschaftlicher  Grundlage  aufgebauten  Reiche,  in  dem
die  Beförderung  von  Massengütern  eine  beträchtliche  Rolle  spielt,  bei
weitem  nicht  so  groß  wie  auf  dem  Gebiete  des  Personenverkehrs.  Im
Jahre  1909  beförderten  die  russischen  Bahnen  225  375  Mill.  kg  (13759  Mill.
Pud),  die  deutschen  491024  Mill.  kg.  Bei  den  gewaltigen  Raum  Verhältnissen, ­
  bei  der  verschiedenartigen  Entwickelung  und  dem  sehr  voneinander ­
  abweichenden  wirtschaftlichen  Zustand  der  russischen  Provinzen, ­
  in  denen  infolgedessen  ein  lebhafter  Austausch  stattfindet,  ist
es  begreiflich,  wenn  die  Gesamtleistungen  in  beiden  Reichen  fast  gleiche,
in  Rußland  noch  etwas  höher  als  in  Deutschland  sind 1 ).  Auch  die
Einnahmen  aus  dem  Güterverkehr  weichen  nicht  zu  sehr  voneinander
ab,  sind  aber  in  Rußland  wieder  etwas  höher  als  in  Deutschland 1  2 ),  wo
auch  die  Durchschnittseinnahme  für  den  Kilometer  eine  Kleinigkeit
niedriger  ist  als  in  Rußland 3 ).
Was  die  Betriebsmittel  anbelangt,  so  stehen  auch  hier  die  russischen
Bahnen  gegenüber  den  deutschen  noch  durchweg  zurück.  Rußland
zählte  1910  20044  Lokomotiven 4 ),  Deutschland  26612.  Auf  1W
kamen  somit  in  Rußland  0,333,  auf  1  km  in  Deutschland  0,46  Lokomotiven. ­
  Entsprechend  dem  Rückstand  Rußlands  namentlich  auf
dem  Gebiete  des  Personenverkehrs  ist  die  Zahl  der  Personenwaagen
noch  besonders  klein.  Sie  betrug  1910  22369  Stück,  dagegen  55923
auf  den  deutschen  Bahnen.  Auch  der  Postverkehr  Rußlands  hält  dem
deutschen  bekanntlich  in  keiner  Weise  stand:  er  bleibt  sogar  noch
mehr  zurück,  als  das  Verhältnis  der  Bahnpostwagen  in  den  beiden
Reichen  zueinander  vermuten  läßt,  wonach  Rußland  712  Bahnpostwagen, ­
  Deutschland  2265  zählt.  Eine  Annäherung  findet  wieder  hinsichtlich ­
  der  Stärke  des  Güterwagenparks  statt.  Rußland  zählte  1910
445014  Güterwagen,  Deutschland  557  399 5 ).
1 )  In  Rußland  wurden  1909  3  325  546  045  000  Pudwerste  durchfahren,  in
Deutschland  48  576  181  000  Tonnenkilometer.  Die  Zahl  der  Kilogrammkilometer
ist  also  in  Deutschland  und  in  Rußland  rund  48  600  bzw.  54  500  Milliarden.
2 )  Die  Einnahmen  betrugen  in  Rußland  1  950  515  000  Mk.  (903  016  000  Rbl:),
in  Deutschland  1  772  988  000  Mk.
3 )  In  Deutschland  für  den  km  30,725  Mk-.,  in  Rußland  für  die  W  15,055  Rbl.
Die  mit  den  Einnahmen  aus  dem  Güterverkehr  zusammenhängenden  Zahlen
sind  übrigens  insofern  schwe»  vergleichbar,  als  ihnen  ja  auch  die  Tarifpolitik
zugrunde  liegt,  die  schon  ihrer  Intensität  nach  in  beiden  Ländern  sehr  verschieden ­
  ist.  Außerdem  spielen  auch  die  verschiedenen  Rücksichten  der  Staatsund ­
  Privatbahnpolitik  mit.
4 )  Die  Fortschritte  sind  freilich  bedeutend.  So  gab  es  am  1.  Januar  1901
erst  12  337  Lokomotiven.
°)  Die  Zahl  der  Güterwagenachsen  war  in  Rußland  908  166  (15,03  auf  1  W),
in  Deutschland  1  140  685  (19,60  auf  1  km).  —  Daß  daher  das  rollende  Material
den  Anforderungen  des  Krieges  nicht  genügte,  ist  begreiflich.  Der  Hauptkriegslieferant ­
  Rußlands  sind  die  Vereinigten  Staaten.  Einer  der  russischen  Aufträge
bestimmte,  daß  vor  Ablauf  des  August  1915  in  Wladiwostok  400  Lokomotiven
und  20  000  Eisenbahnwagen  abgeliefert  werden  müssen.
        <pb n="115" />
        110

Die  Betriebsmittel  der  einzelnen  russischen  Bähngesellschaften  sind
natürlich  verschieden  groß.  Die  Warschau-Wiener  Bahn  steht  z.  B.  mit
0,41  Lokomotiven  auf  1  W  auf  ungefähr  derselben  Stufe  wie  die  deutschen
Bahnen,  während  dagegen  die  kleine  Bjelgorod-Sumygesellschaft  und
die  lange  Strecke  Jaroslawl—Wologda—Archangelsk  der  Nordbahn  (mit
je  0,06  Lokomotiven  auf  1  W)  unter  den  russischen  Bahnen  auf  unterster
Stufe  stehen.  Auf  der  790  W  langen  Strecke  Jaroslawl—Archangelsk
sind  nur  18  Personenwagen  und  387  Güterwagen  eingestellt.
Man  würde  dem  heute  erre$hten  Stand  der  russischen  Bahnen,
namentlich  unter  Berücksichtigung  der  eigenartigen  Staats-  und  Kulturverhältnisse ­
  des  Landes,  nicht  gerecht  werden,  wenn  man  mit  der
Anerkennung  zurückhalten  wollte.  In  der  Tat  werden  ja  auch  im  Ausland, ­
  wenn  auch  Aussetzungen,  allerdings  nicht  immer  in  gerechter
Weise,  laut  werden,  wenigen  Einrichtungen  des  öffentlichen  Lebens
häufiger  Worte  des  Lobes  gezollt  wie  den  Bahnen.  Hier  hat  das
kapitalarme  Land,  freilich  mit  stärkster  Unterstützung  des  Auslandes,
immerhin  ein  großes  Werk  geschaffen  und  Kulturwerte  häufig  mit  geringer
Aussicht  auf  Verzinsung  in  arme  zurückgebliebene  Provinzen  gelegt,  die
sogar  der  Landstraßen  völlig  entbehren.
        <pb n="116" />
        R  e  g  i  s  t  e  r.
(Abkürzungen:  B  =  Bahnlinie,  Bb  =  Bahnbau,  Bpr  =  Bahnprojekt,  Bg  =  Eisenbahngesellschaft,
stl  =  staatlich,  pr  =  privat,  G  =  Gouvernement,  S  =  Siedlung,  Fl  =  Fluß).

Vayasaksa  S  50 2
Abo  S  16,  31
Abo-Björneborg  G  37
Abo-Karis-Helsingfors  B  26,  29
Äbo-Tojala  (-Riihimäki)  B  11,  16,  28,
75,  80,  85
Akmolinsk  (Isohim)  S  46,  46]
Aksaisk-Rostow  B  9  (s.  auch  B  Koslow-Woronesh-R.)

Alapaiewsk-Bogdanowitsch  Bpr  44
Alatyr  S  20
Aleschki-Xowo  Alexejewka  Bpr  44
Alexander  II.  12
Alexander  III.  20
Alexanderbahn  s.  B  Moskau-Brest
Alexandrow  (Lods)  S  65
Alexandrowo  (Kieszawa)  S  5,  97]  (s.
auch  B  Warschau-Bromberg)
Alexandrowo-Zjechozinsk  B  14 2 ,  89
Alexandrowsk  (Murmanküste)  S  49,
49 2
Aljat  (Baku)-Astara  Bpr  53
Altaibahn  s.  B  Nowo  Nikolajewsk-Semipalatinsk

Amurland,  Amurbahn  20,  42,  52,  52 3
Andidshan  S  -53 2 ,  86  (Moskau  A.)
Andidshan-Osch  Bpr  53 2
Antrea-Vuoksenniska  B  26
Arax  Fl  53
Archangelsk  G  36,  39,  96,  105
Archangelsk  S  25,  31,  46—48,  72,  83,
87  (s.  auch  B  Wologda-A.)
Archangelsk-Bogoslowsker  Bpr  46,  47]
Archangelsk-Kotlas  Bpr  34,  47,  48
Archangelsk-Obfluß  Bpr  46
Armawir  Bg  53
Armenien  7,  53

|  Asow  S  97 2
Astrachan  G  37—39,  102
i  Astrachan  S  16,  22,  31,  44,  83,  87  (s.
auch  B  Krasnij  Kut-A.)
Atkarsk-Wolsk  B  21,  29,  102j
Atsehinsk-Minussinsk  Bb  52,  53
Atzwjesh  S  96
Augustowo  S  68,  104
Bachmatsch  S  98  (s.  auch  B  Libau-Romnv,
  Moskau  u.  Kursk-Kiew,
|  Moskau-Odessa)
;  Baikalsee  52.,
|  Baktscbissarai  S  78
Baku  S  .82,  84—86  (Kalisch,  Wolotschisk,
  Moskau,  St.  Petbg-B.)
Balta  S  7,  92  (s.  auch  B  Kiew-Balta  u.
Odessa-Birsula)
Balta-Jelissawetgrad  B  u.  Bg  7,  8,  27,
74,  85  (Wolotschisk-Baku)
I  Baltische  Bahnen  (stl)  41
Baltische  Bg  (pr)  10,  11,  14,  17,  18,  29
Baltische  Provinzen  10,  36,  38,  39,  42,
67.  93,  95,  104,  105
|  Bar  (Podolien)  S  92
!  Baranowitschi  S  64],  66,  66 2 ,  68,  98
(s.  auch  B  Warschau-Brest  u.  Wilna-Rowno)

Baranowitschi-Bjelostok  B  15
Barnaul  S  52,  53,  Barnaul-Biisk  Bb
53,  53]
Baskuntschak  B  12,  13,  28,  32
Baskuntschaksee  13
Bataisk-Welikokniashewskaja  Bpr  14
Batraki  S  71  (s.  Wolgabrücke  u.  B
Sysian-Orenburg)
Batum  S  82,85,86  (Moskau,  St.  Petbg-B.)
        <pb n="117" />
        112

Bender-Reni  B,  Bender-Galatzer  Bg  7,  8,
12,  66,  67,  74,  74 1;  102 3
Bender-Ungeni  B  s.  B  Rasdjelnaja-IJngeni

Berditsehew  S  23,  30
Berdjansk  S  31
Berdjausch-Lyswinskij  Sawod  Bpr  46
Berg,  Graf  5ö 2
Bessarabien  G  37,  95,  97,  102
Bilgoraj  S  62j
Birshewija  Wjedomosti  61
Birsula  S  7  (s.  auch  Balta  u.  B  Odessa-Birsula)

Biskupize  S  63
Bjelostok  S  8,  30,  66,  68  (Straßen,  s.
auch  ß  Brest-Grajewo,  St.  Petbg-Warschau,
  Baranowitschi-Bj.)
Bjelgorod-Sumy  B  u.  Bg  33,  110
Bjelsk  S  68  u.  69  (Straßen)
Björneborg  S  25,  31
Blagowjeschtschensk  S  s.  Amurbahn
Bobraisk  S  30,  68  u.  69j  (Straßen)
Bogojawlensk-Smolensk  B  21,  29,  84
Bogoslowsker  B  u.  Bg  33,  33 2 ,  46
Bolehow  S  95
Bologoje  S  (an  der  Nikolaibahn)  s.  B  St.
Petbg-Moskau  u.  Rybinsk-Bologoje
Bologoje-Pskow  B  22,  23,  82,  104
Bologoje-Sjedlez  B  24,  30,  55,  64,  66,
78,  88,  104;  82  (St.  Petbg-B.-S.-Warschau)

Borissoglebsk  S  9  (s.  auch  B  Grjasi-Zarizyn)

Borowitschi  B  u.  Bg  (B.-Uglowka)  18,
18 8 ,  19
Bottnisches  Meer  16,  25,  50,  55
Breslau  S  69,  Br.-Warschauer  Bg  57
Breslau-Wilhelmsbrück  B  57,  58
Brest  (Litowsk)  S  10,  30,  58,  63,  63,,
66,  92  Anm,  98;  68  u.  69  (Straßen
nach  Moskau  u.  Kiew,  s.  auch  B
Warschau-Br.,.  Moskau-Br.,  Kiew-Br.)

Brest  (-Luninez-Homel)-Brjansk  B  15,
29,  63,’  85,  88,  103,  103 2
Brest-Cholm  B  15,  18,  63,  66
Brest-Grajewo  B  u.  Bg  8,  28,  56,  57,
63,  63j,  66,  107
Brjansk  S  15,  32,  73,  98  (s.  auch  B
Moskau  -  B.  -  K  i  ew,  Rigä-Orel,  Brest-B.)

Brückenbauten  10,  28,  46,  71—73
Bsin  S  s.  Skarshisko
Bsura-Rawka  Fl  91,

Bugulma  Bg  s.  Wolga-Bugulma  Bg
Bugulma-Tschischmy  Bpr  46,  71
Burga  S  55,
Bystryza  Fl  61
|  Charbin  S  85,  86
j.  Charkow  G  37
Charkow  S  30,  40,  91,  91 3 ,  99,  99 i;  84
bis  86  (Graniza,  Riga,  St.  Petbg,
Saratow,  Tscheljabinsk,  Kaukasus-Ch.)
  s.  auch  B  Kursk-Charkow-Asow,
  Moskau-Sewastopol,  Nord
Donez  Bg)
Charkow-Balaschow  B  21,  86  (-Saratow
u.  Tscheljabinsk),  91 3 ,  99 t
j  Charkow-Nikolajew  B  u.  Bg  7,  13,  13 2 ,
18 x ,  28,  40»,  74,  84,  85
Cherson  G  37,  95,  97
;  Cherson  S  24,  31,  85  (St.  Petbg-Ch.);
Cherson-Charkow  Bpr  45
j  Cholm  S  31,  63  (s.  auch  B  Brest-Ch.  u.
Warschau-Kowel)
Cholm-Samostje  (-Belzec)  Bb  52j,  61
Danzig  S,  56
Datschnaja  (Odessa)  S  90
Desna  Fl  70,  72,  73
Deutschland,  Preußen:  Bahndichte  37,
37 x ,  38,  65  (preuß.  Ostprovinzen);
Bahnverkehr  73 v  82  (Königsberg-Köln),
  90j;  79  u.  79x  (aufenthaltlose
Strecken  der  Schnellzüge);  Bahnlose
  Städte  93,  93j;  Stationsfreie
Strecken,  Stationsfolge  100,  100 3 ,
100 5 ,  107,  108  (vgl.  98»);  Deutschrussischer ­
  Verkehr:  Berlin-Warschau
75,  83,  92  Anm;  (Paris,  Ostende)
Köln-Berlin-Warschau  83;  Mittelu.
  Ostdeutschland-Kalisch  57,  84;
Kattowitz-Warschau  92  Anm;  (Berlin-) ­
  Posen-Warschau  Bpr  60;  Bahnstatistik ­
  108,  109.  Vgl.  auch  B
Königsberg  -  Prostken,  Marienburg-Mlawa,
  Breslau-Warschauer  Bg  usw.
Dnjepr  Fl  7,  13,  71,  72
Du  jepreis,  ngebiet  13,  24
Dnjestr  FI  71
Dno  S  s.  B  Bologoje-Pskow  u.  St.  Petbg-Witebsk

Dolinskaja-  Jekaterinoslaw  B  13  (s.  auch
B  Sinelnikowo-D.  u.  Charkow-Nikolajew) ­

Dombrowa  S  s.  B  Iwangorod-D.
-  Don  Fl  5,  6,  9,  34
        <pb n="118" />
        113

Donezbahnen,  Donezkohlendi«trikt  11,
13,"  14,  18,  18 3 ,  24,  42  (s.  auch  Nord
Donez  B)
Dongebiet  G  37,  46j,  97,  97 2 ,  108 4
Dorogobush  (Smolensk)  S  92
Dorpat  (Jurjew)  S  11,  31,  78
Dowsk(  Straßenkreuzungspunkt)  S  68,69
Dschulfa-Täbris  Bb  53
Dubno  S  66
Ilubno-Kremenez  B  20
Düna  (westliche  Dwina,  Sapadnaja
Dwina)  Fl  3
Dünaburg,  Dwinsk  S  18 4 ,  30,  68,  98
(s.  auch  B  Riga-Dünaburg  u.  St.
Petbg-Warschau)
Dünaburg-Kowno  Bpr  52,
Dünaburg  (Kalkuhnen)-Radsiwilischki
B  10
Diinaburg-Witebsk  B  u.  Bg  10,,  14,  18,
27,  29,  88,  103  (s.  auch  B  Riga-Orel)
Dwina  (Norddwina)  Fl  9,  25,  34,  47,
72,  105
v.  Eichhorn  64,
Eisenbahngesetzgebung  12,  16,  17,  23
Elbrus  53,
Elisenvaara-Nyslott  B  26
Enaresee  49
Erserum  S  53
Esthland  G  9,  36,  37,  95,  105,
Fastow-Snamenka  B,  Fastower  B  u.
Bg  7,  11,  14,  19,  86  (Kiew-Baku)
Fedorowka-Skadobsk  Bpr  44
Feodossia  S  83,  85  (St.  Petbg  u.  Moskau-F.)

Finnland,  finnische  Bahnen  6,  10,  14 4 ,
16,  25,  26,  33,  34,  37—39,  48„  50,  55,
55 3 ,  56,  67,  80,  90,  96,  106/107
Finnmarken  48»,  50,
Frankreich  40,  (Pariser  Bahnhöfe),  78,
81,  81  „  86  (Paris-Konstantinopel),
88  (Zughäufigkeit);  —Französ.-russ.
Verkehr  83,  84  (Paris-Warschau,
Cannes  u.  Nizza-Warschau).
French  60 2
Gainowka  S  68
Gaiworon  S  23
Galatz  S  72,  74
Galizien  galizische  Bahnen  5!  2  (galizischruss.
  Eis.b.direktion),  58,  61,  62,  68
luckermann,  Verkehrsgeographie.

Gatschina  S  (68),  98  (s.  auch  B  St.  Petbg-Warschau
  u.  St.  Petbg-Reval)
Gerstner  1,  3,  20
Goldingen  S  95
Gomel  S  s.  Hornel
Gorki  (Kreis)  96
Goroblegodatskaja-Nadeshdinskij  S:&amp;gt;-wod
  B  33 2
Goryn  I'l  103
Grafskaja-Ramon  B  24
Grajewo  S  107,  s.  auch  B  Brest-Gr.  u.
Königsberg-Prostken  (-Grajewo)
Graniza  S  84  u.  85  (St.  Petbg,  Moskau,
Charkow-Gr.,  s.  auch  Warschau-Wiener
  B)
Grjasi  S  9  (s.  auch  B  Orel-Gr.  u.  Koslow-Woronesh-
  Rostow)
Grjasi-Zarizyn  B  u.  Bg  9,  14,  21,  28,
86  (Moskau-Z.)
Grodno  G  14,  36—38,  58,  65,  68,  95,
103,  103j,  104
|  Grodno  S  30,  63,  6$  u.  69  (Straßen,  s.  auch
B  St.  Petbg-Warschau)
Grodno-Suwalki-Orany  B  20,  104
Grodzisk  S  91 4
!  Großbritannien  78
Große  Russische  Bg  4—6,  11,  13,  18,
27,  29
Großrußland  10,  14,  38,  39,  42,  80,  87,
89,  93,  95,  97,  100,  101,  107
Gruschewka  S  9;  Gruschewka-Aksaisk
B  9  (s.  auch  Koslow  -  Woronesh-Rostower
  B  u.  Bg)
Haapamäki-Suolachti  (-Äänekoski)  B
26,  107
Halbstadt  (Taurien)  S  44
Hangö  S  10,  30
Haparanda  S  26 1;  51
j  Heinola  S  96
!  Helsingfors  S  30,  85  (s.  auch  B  St.  Petbg-H.
  u.  Äbo-H.)
Helsingfors-Tavastehus  (-Tojala)  P.  6,  27
Herby-Tschenstochow-Kielzi  B  u.  Bcr
33,  40,  41,  57,  92  Anm.
Home!  S  30.  68  (s.  auch  B  Brest-Brjansk
u.  Libau-Romny)
Hyvinkä-Hangö  B  u.  Bg  10,  28
Jaila  Geb.  78
Jaksehinskaja  S  34
I  Jaransk  S  96
Jaroslawl  G  36,  105

8
        <pb n="119" />
        Jaroslawl  S  22,  30,  71,  85  (St.  Petbg-J.)
Jaroslawler  Bg  's.  B  Moskau-Jaroslawl
Jaroslawl-Köstroma  B  22,  85  (St.  Petbg-K
  )
Jaroslawl-Rybinsk  B  22,  85
Jaroslawl-Wologda.  B  8,  28,  47,  47»,
71  u.  86  (Moskau-Tscheljabinsk),
105 4 ,  110
Iberische  Halbinsel  38,  66,  73,  87,  89
Jekaterinburg  S  25,  31  (s.  auch  B  Perm-N.
  Tagil-J.,  Perm-Kungur-J  u.  St.
Petbg-Wjatka-Tscheljabinsk)
Jekaterinburg-Seitkowo  Bpr  46
Jekaterinburg-Tjumen  (-Omsk)  B  13,
15,  41  (St.  Petbg-Sibirien)
Jekaterinburg-Tscheljabinsk  B  29,  106
Jekaterinenbahnen  13,  18 3 ,  21 4 ,  32
Jekaterinoslaw  G  37,  40,  105
Jekaterinoslaw  S  13,  31,  71,  86  (s.  auch
B  Sinelnikowo-Dolinskaja)
Jekaterinskij  Port  s.  .Katharinenhafen
Jelabuga  S  96j
Jelez  S  30  (s.  auch  B  Orel-Grjasi  u.
Südost  B)
Jelez-Waluiki  B  21
Jelissawetgrad  S  7,  30  (s.  auch  B  Balta-J.)

Jelissawetgrad-  Snamenka  B  7,  13,,,  74
(s.  auch  B  Charkow-Nikolajew)
Jisalmi  S  26
Iletzk-Zarizyn  Bpr  72
Imatra  26
Ingermanland  s.  St.  Petersburg  G
Insa-Simbirsk  B  20,  71
Joensuu  S  96  (s.  auch  B  Wiborg-Nurmes)

Irbit  S  46
Irkutsk  S  82,  85,  86  (s.  auch  sibirische  B)
Irkutsk-Bodaibo  Bb  52
Italien  .38,  39,  66;  78  u.  78»  (aufenthaltlose
  Strecken  der  Schnellzüge);  83
(Rom-Warschau);  87—89  (Zughäufigkeit) ­

Juratischki  S  78
Jurjew  S  s.  Dorpat
Iwangorod  S  31,  58,  59,  59 4 ,  63  (s.  auch
B  Warschau-Kowel)
Iwangorod-Dombrowa,  B  u.  Bg  19,  28,
29,  57,  84,  91 4
Iwangorod-Lukow  B  19 4
Iwanowo  S  30  (s,  auch  B  Schuja-Iwanowo)

Iwanowo-Kineschma  B  22 a ,  72
Jyväskylä  S  26

Kabul  S  53
Kagan-Termez  Bb  53
Kajana  S  48 2  (s.  auch  B  Kuopio-K.)
Kalatsch  (Donskaja)  S  5
Kalino-Lyswinskij  Sawod  B  46
Kalisch  G  35,  60,  65,  94,  96
Ivalisch  S  31,  57  (K.-Deutschland)
84  (St.  Petbg,  Moskau,  Baku-K.)
97 x ,  99  (s.  auch  B  Warschau-K.)
Kalkuhnen  S  s.  B  Diinaburg  -  Rad
siwiiischki
Kaluga  G  36,  37,  100 2
Kaluga  S  14 1;  30,  92
Kalwarija  S  65
Kama  Fl  45,  96,  96 4
Kamenez  Podolsk  S  51,  94
Kamyschin  S  86  (Moskau-K),  87  (s
auch  B  Tambow-K.)
Kandalakscha  S  49,  49 2
Karelien  26
Karisches  Meer  47
Kars-Sarikamysch-Kara  Urgan  Bb  53
Karungi  S  26 1;  50,  50 4 ,  51
Kasan  G  36,  38,  39,  65,  95,  97,  101 4
Kasan  S  16,  20,  31,  35,  71,  83,  91,  95.
102  (s.  auch  Moskau-Kasaner  B)
Kasan-Jelabuga-Tseheljabinsk  Bpr  45;
Kasan-Kotlas  Bpr  25 1 ;  Kasan-Perm
Bpr  45
Kasatin-Brest  B  s.  B  Kiew-  Brest
Kaspisches  Meer  22
Katharinenhafen  S  49
Kaukasien.  kaukasische  Bahnen  31 4 ,  41,
42,  53,  73,  74,  76,  99
Kern  S  49,  48 2
Kemi-Rovaniemi  B  26,  30,  50j,  90
Kemmern  S  91
Kerava-Borgä  B  33
Kielzi  G  35,  37,  65
Kielzi  S  31  (s.  auch  B  Iwangorod-Dombrowa ­
  u.  Herby-K.)
Kiew  G  17,  37,  95,  102
Kiew  S  7,  30,  40,  40 3 ,  41,  69,  70,  84—86,
99  (s.  auch  B  Kursk-Kiew)
Kiew-Balta  (Birsula)  via  Kasatin-Shmerinka,
  B  u.  Bg  7,  8,  28,  63,  66,  70,
85  (Wolotschisk-Kiew),  90  (Kiew-Odessa)

Kiew-Brest  B  u.  Bg  (Kiew-Kasatin-Berditschew-Rowno-Kowel-Brest),
  7,
8,  .24,  28,  29,  56,  63,  66,  84,  85,  90,  103
Kiew r  (-Sarnv)-Kowel  B  24,  29,  63,  84,
85,  103
Kiew-Poltawa  B  .24,  29,  84,  85
        <pb n="120" />
        115

K  ie  w  -  Schepctowka  Bpr  52
Kiew-Woronesh  Bg  22  (s.  auch  Bg
Moskau-Kiew-Woronesh)
Kinel  S  10  (s.  auch  B  Sysran-Orenburg
u.  Samara-Tscheljabinsk)
Kineschma  S  72  (s.  auch  B  Iwanowo-K.)

Kischinew  S  30.  85  (St.  Petbg-K.},  91
(s.  auch  B  Rasdjelnaja-Ungeni)  |
Kiwerzv-Luzk  B  15,,  20
Kleinrußland  10,  23,  38,  39,  97,  100—102
Kobryn  S  68
Königsberg  S  56,  57
Königsberg-Lyck-Prostken  B  u.  Bg  56,  j
57,  107  (s.  auch  B  Brest-Grajewo)  |
Kokand-Namangan  Bpr  43
Kokowtzow  43,  60
Koljuschki-Lods  (Lodser  Fabrikbahn)  j
B  u.  Bg  14,  1-1 3 ,  42,  42„  89,  92 2
Koljuschki-Ostrowiez  B  57,  58,  92
Anm.
Kola,  Halbinsel  u.  S  49,  49 2
Kolo  S  51,  60,  65
Kolpino  S  2  (B  St.  Petbg-Moskau)
Konin  S  60,  65
Konstantinowka  B  (K.-Jelenowka)  14
Korosten-Schepetowka  Bpr  64,
Korsowka  S  79
Koschedari  S  68  (s.  auch  B  Libau-Romny
  u.  Wilna-Wirballen)
Koslow  S  30
Koslow-Prochladnaja  Bpr  46,
Koslow-Tambow  B  u.  Bg  9,  14,  18,  21,
27,  29,  84  u.  86  (Warschau,  St.  Petbg,
Moskau-Saratow)
Koslow-Woronesh-Rostow  B  u.  Bg  9,
14,  18,  20,  27,  29,  84  (s.  auch  B
Moskau-Wor.-R.)
Kostroma  Fl  105
Kostroma  G  25,  36,  38,  105
Kostroma  S  31,  72,  85,  (St.  Petbg-K.)
s.  auch  B  Jaroslawl-K.
Kotelnitsch  S  45 3 ,  96
Kotlas  S  34
Kowel  S  63,  63,,  66,  69  (s.  auch  B
Kiew-K.,  Kiew-Brest,  Warschau-K.)
Kowel-Lemberg  B  s.  B  Wladimir
Wolynski-Sokal
Kowel-Wladimir  Wolynski  B  24,  63
Kowno  G  36,  65„  95,  96
Kowno  S  30,  68  u.  69  (Straßen)  s.  auch
B  Wilna-Wirballen
Kowno-Polangen  Bpr  52,
Krasnij  Kut-Alexandrow  Gai  B  102

Krasnij  Kut-Astrachan  B  24,  30,  78,  102
Krasnostaw  S  62,
Krementschug  S  18„  30,  85  (Libau-Kr.,
s.  auch  B  Romny-Kr.  u.  Charkow-Nikolajew)

Krim  44
Krimkrieg  4
Kriwin  S  68
Kriwoi  Rog  B  s.  B  Sinelnikowo-Dolinskaja

Kronie  S  68
Kronstadt  S  94
Kruty-Tschernigow  B  22,  97
Kschen  S  22
Kubanprovinz  G  53
Kuja  S  34
Kukkola  S  s.  Karungi
Kuopio  G  37
Kuopio  S  16 3 ,  31
Kuopio-Kajana  B  26,  30,  90,  107
Kuovola-Kuopio  B  16,  90,  107
Kurgan  S  16
Kurland  G  36.  37,  69,  95,  105,  105 2
Kursk  G  36,  37
Kursk  S  6,  22,  30.  40  (s.  auch  B  Moskau-K.)

Kursk-Charkow-Asower  B  u.  Bg  (Kursk-Losowaia-Rostow)
  6,  7„  14,18,28,29,
40*  67,“  73,  74,  76,  85  (Riga-R.),  90,
101  (s.  auch  B  Moskau-Losowaja-Rostow)

Kursk-Kiew  B  u.  Bg  7,  14,  22,  28,  67,
70,  73,  85
Kursk-Woronesh  B  22
Kuschtschewka-Krymarskaja  Bpr  53
Ladogasee  26
Lapomusha  S  48
Lautiosari-Rovaniemi  B  s.  B  Kemi-Rovaniemi

Lemberg  S  51 2 ,  62  (s.  auch  galiziscbe
Bahnen  u.  B  Lublin-L.)
Lentschiza  S  65
Lgow  S  51  (s.  auch  Nord  Donez  Bahn)
Lgow-Ponewjesh  Bpr  51
Libau  S  10,  30,  51,  84,  85  (L.-Krementschug ­
  u.  L.-St.  Petbg)
Libau-Memel  Bb  62 2
Libau(  -Murawiewo)-Mitau  (-Riga-  St.
Petbg)  10,  70  (Wirballen-Riga),  81,
85,  88
Libau-Romny  B  u.  Bg  10,  14,  18,  18*
28,  29,  32,  40,  70  (Wirballen-Riga),
8o,  88

8*
        <pb n="121" />
        116

Lichaja-Zarizyn  B  22
Lichoslawl-Rshew  B  16 2 ,  83,  8ö  (St.
Petbg-Tula)
Lida  S  64j,  68
v.  Liebert  (Sarmaticus)  58
Liljedahl  50!
Lipowez  S  92
Liski  S  9,  Liski-Gruschewka  B  9  (s.
auch  B  Koslow  -  Woronesh  -  Rostow
u.  Charkow-Balaschow)
Litauen  10,  15,  64,  104.
Livland  G  36,  37,  93,  95,  105
Livländische  Zufuhrbahn  33
Liwny  B  (Werchowje-Liwny)  11,  22
Ljangasowo  S  80
Lods  S  14 3 ,  23,  30,  91 4  (s.  auch  B
Warschau-Kalisch)
Lodser  Kabrikbahn  s.  B  Koljuschki-Lods
Lods-Lowitsch-Thorn  B  92  Anm.
Lods-Sjerads-Wilhelmsbrück  Bpr  57
Lomsha  G  35,  37,  94
Lomsha  S  51,  65,  68
Losowaja  S  6  (s.  auch  B  Kursk-Charkow-Asow)

Losowaja-Sewastopol  B  u  Bg  7,  11,  14,
17,  18,  28,  29,  40 2 ,  71,  85,  90,  101
(s.  auch  B  Moskau-Sewastopol)
Lowitsch  S  98  (s.  auch  B  Warschau-Bromberg
  u.  Warschau-Kalisch)
Lowitsch-Stralkowo  Bpr  51,  60
Lublin  G  35,  65,  94
Lublin  S  31,  63  (s.  auch  B  Warschau-Kowel
  u.  Lukow-Lublin)
Lublin-Lemberg:  Lublin-  Samostje-Tomaschow-Belzec
  Bpr  u.  Bb,  Belzec-Rawa
  Ruska-Lemberg  B  —  Bpr
44,  Bb  61,  62
Lublin-Rozwadow  Bb  61,  61,,  62
Luga  S  4,  23,  68  (s.  auch  B  St.  Petbg-Warschau)

Lukow  S  66,  104  (s.  auch  B  Warschau-Brest
  u.  Iwangorod-Lukow)
Lukow-Lublin  B  19,  66
Luninez  S  15  (  s.  auch  B  Brest-Brjansk
u.  Wilna-Rowno)
Luzk  S  69  (s.  auch  B  Kiwerzy-Luzk)
Lyngen,  Fjord  u.  S  48 2
Maentyluoto  S  50
Malaja  Wischera  S  55,  80
Malkin  S  64  (s.  auch  B  Ostrolenka—M.
u.  Sjedlez-M.)
Mandschurija  S  85
Mariampol  S  65,  68

I  Marienburg-Mlawa  B  u.  Bg  11,  56
Mariupol  S  31
|  Memel  S  70  (s.  auch  Bb  Libau-M.)
Merefa-Ljubotin-Woroshba  B  13,
St,  Michel  G  37,  38 x
St.  Michel  S  16,  31
Minsk  G  14,  36,  68,  93,  103
Minsk  S  10,  30,  40,  69,  98  (s.  auch  B
Libau-Romny  u.  Moskau-Brest)
Minussinsker  Bb  s.  Bb  Atsehinsk-Minussinsk

'  Mitau  S  30  (s.  auch  B  Libau-Mitau  u.
Moskau-Windau)
Mitauer  Bg  s.  Bg  Riga-Mitau
Mitau-Tauroggen  Bpr  52 1;  70
Mlawa  S  s.  B  Marienburg-Ml.  u.  Warschau-Ml.

Mohilew  (Mogilew,  Weißrußld)  G  36,  96
Mohilew  S  24,  31,  51,  68  u.  69  (Straßen)
Molodetschno  S  64 4  (s.  auch  B  Libau-Romny
  u.  Bologoje-Sjedlez)
j  Morschansk  S  10
|  Morschansk  -  Sysran  B  u.  Bg  14,  16,
28,  29  (s.  auch  Bg  Rjashsk-  Sysran
u.  B  Moskau-Tula-Rjashsk-Sibirien)
Moskau  G  36—38,  95,  97,  99,  100
Moskau  S  2,  9,  10,  13,  30,  35,  40,  40 1;
41,  51,  69,  83—86,  91,  98—100
\  Moskau-Arsamas  (-Kasan)  B  25,  30,  87
;  Moskau-Brest  B  u.  Bg  (Alexanderbahn)
10,  14,  17,  19,  28,  29,  32,  41,  62 s ,
63^  67,  75—77,  80,  84,  85,  89,  90,
103,  103,
Moskau-Brjansk-Kiew  (-Odessa)  B  22,
22i,  29,.  70,  73,  75,  86,  89,  Moskau-Odessa:
  74,  75,  86,  89,  90
i  Moskau-Brjansk-Bachmatsch-Odessa  Bb
u.  B  44,  70,  72
Moskau-Jaroslawl  B  u  Bg  8,  8 X .  14,  22.
28,  74,  99,  105,;  71  n.  86  (Moskau-Wologda-Tscheljabinsk)

Moskau-Jaroslawl-Archangelsk  Bg  22,
25,  29  (s.  auch  B  Jaroslawl-Wologda
u.  Wologda-Archangelsk)
j  Moskau-Kasan  B  u  Bg  9,  20.  21,  24,  29,
33,  40,  41,  43,  72,  87,  88,  91 2 ,
102  (s.  auch  B  Moskau-Arsamas-Kasan)

Moskau-Kiew-Woronesh  Bg  7,  22,  24.
29,  33,  40,  42j,  44  (s.  auch  Kiew-Woronesh
  Bg)
Moskau-Kursk  B  u.  Bg  6,  12,  14,  18,
27—29,  32,  41,  54,  69  (M-Kiew),
77,  90,  100,  100 4
        <pb n="122" />
        117

Mosk  au  -  X  iseh  n  i  Nowgorod  B  5,  27,  32,
41,  07,  74,  86  (St.  Petbg-N.  N.),  90
Moskau-Ranenburg  B  21,  29
-Moskau-Rjäsan  B  u.  Bg  9,  14,  20,  27,
90,  99,  101  (s.  auch  Bg  Moskau-Kasan
  u.  B  M.-Woroncsh-Rostow)
Möskau-Rjäsan-Saratow  Bg  9
Moskau-Sawelowo  B  25 2 ,  99
Moskau-Sewastopol  B  (s.  auch  B  Moskau-Kursk, ­
  Kursk-Charkow-Asow,
Losowaja-Sewastopol)  7,  67,  75—77,
80,  85  (St.  Petbg-S.  u.  St.  Petbg-Losowaja-Rostow-Batum),
  100,  101
Moskau-Tula.-Rjashsk  u.  Moskau-Rjäsan-Rjashsk-Sibirien ­
  B  (s.  auch  B
Moskau  -  Kursk,  Rjashsk  -  Wjasma,
Moskau  -  Rjäsan,  Rjäsan  -  Koslow,
Rjashsk  -  Morschansk,  Morschansk-Sysran,
  Sysran-Samara,  Samara-Tscheljabinsk,
  sibirische  Bahn)  15,
16,  75,”  76,  82,  86,  88,  98
Moskau-Wilna  Bpr  öl
Moskau-Windau  B  23,  29,  81,  88,  99,
104,  105 2
Moskau-Windau-Rybinsk  Bg  23,  29,
33,  40—42,  81'
Moskau-Woronesh-Rostow  B  (s.  auch  B
Moskau-Rjäsan,  Rjäsan-Koslow,
Koslow-Woronesh-Rostow)  9,  67,
73,  74,  86  (M.-Batum),  101
Mosyr  S  51,  92
Mstislawl  (Kreis)  96
Murawiewo  S  10  (s.  auch  B  Libau-Romny
  u.  Libau-Mitau)
Muromer  B  u.  Bg  (Murom-Kowrow)  13
Nachitschewan  S  97,
Nädendal  S  96
Näerki  S  50 2
Narewbefestigungen,  Narewlinie  60„  63,
64  (s.  a.  Weichselbefestigungssystem)
Narwik  S  48
Neja  S  96
Newel  S  68,  98  (s.  auch  B  St.  Petbg-Witebsk
  u.  Bologoje-Sjedlez)
Nikolaibahn  s.  B  St.  Petbg-Moskau
Nikolaistad  G  37
Nikolaistad  S  16,  31,  55,  55 3
Nikolajew  S  7,  8,  19,  30,  85
Nikolajewer  Bg  s.  Bg  Charkow-Nikolajew

Nikolajew-Cherson  B  24,  85  (St.  Petbs.-Ch.)

Nikolaus  I.  2—4,  12

Nikolaus  II.  20
Nischnednjeprowsk  S  13,  13,,  71
Nischni  Nowgorod  (Nishegorod)  G  36,
38,  39,  97,  101,
Nischni  Nowgorod  S  30,  35,  72,  86,  96
(s.  auch  B  Moskau-N.  N.)
|  Nischni  Nowgorod-Kasan  Dampfschiff
35,
Nischni  Nowgorod  -  Kasan  Bpr  35,  45
Nischni  Nowgorod-Kotelnitsch  Bpr  45 s ,
72
Nischni  Nowgorod  -  Timirjasewo  (-Kasan) ­
  B  24,  72,  102*
Nischni  Tagil  S  25  (s.  auch  Bahn  Perm-Jekaterinburg)

Njandoma  S  47
Njeshin  S  92
Nogaische  Steppe  44
Nordbahnen  (stl)  25 2 ,  32,  41,  41,
Nord  Donez  Bahn  33,  40,  42,  51
Nördliches  Rußland  22,  25,  35,  36,  38,
39,  47—51,  74,  93,  105,  106
Nordwestbahnen  (stl)  32,  41
Norrland  (schwedisch)  107,  107,
Nowgorod  G  30,  36,  38,  39,  96
Nowgorod  S  30,  54,  83
Nowgorodbahn  u.  Bg  (Tschudowo-Nowgorod
  u.  N.-Staraja  Russa)  18,  18 ; ,
22,  23,  82
Nowki-Schuja-Iwanowo  B  22 2
Nowo  Georgijewsk  S  58;  Nowo  Georgijewsk-Plozk
  Bpr  44,  52,
Nowoje  Wremja  47„  59,
I  Nowo  Nikolajewsk  S  52
|  Nowo  Nikolajewsk-Semipalatinsk  (Altaibahn) ­
  Bb  46,  52,  53,
Noworossijsk  S  53,  86  (St.  Petbg-X.)
Nowoselizy  S  8„  17
Nowo  Sokolniki  S  24
Nowo  Swenziany  S  64,
|  Nowo  Sybkower  Zufuhrbahn  33
i  Nowotorshok  Bg  16 2 ,  18
Nowo  Tscherkask  S  30
.  Nurmes  S  48 2  (s.  auch  B  Wiborg-N.)
Nyland  G  37
Nyslott  S  96  (s.  auch  B  Elisenvaara-N.)
Nystad  S  96
Ob  Fl  46,  47
[  Obdorsk-Karisches  Meer  Bpr  47
I  Odessa  S  7,  8,  30,  57,  70,  84—86,  90,  91
j  Odessaer  Bg,  Odessa-Birsula  (Balta)  7,
8,  12,  27;  63  (Brest-O.);  70,  89,
90  (Kiew-O);  74  (Charkow-O.)
        <pb n="123" />
        118

Odessa-  Akkerman  Bpr  17 2
Odessa-Kujalnik  B  90 3
Odessa-Ovidiopol  Bpr  17
Odessa-Wosnessensk-Bachmatsch  Bb  u.
B  44,  70,  72
Oka  Fl  72
Okniza  S  17  (s.  auch  B  Shmerinka-O.  u.
Slobodka-O)
Okniza-Nowoselizy  B  17
Olita  S  20,  68
Olkieniki  S  68
Olonez  G  36,  105
Olonez  Bg  43,  49
Olwiopol  S  23
Opatow  S  58
Oppeln-Herby  B  57
Orany  S  68
Orel  G  36,  37,  95,  100 2
Orel  S  6,  9 1(  30  (s.  auch  B  Moskau-Kursk,
  Witebsk-O.  u.  Riga-O.)
Orel-Grjasi  B  u  Bg  9 1(  14,  18,  21
Orenburg  G  37,  38,  102
Orenburg  S  10,  31,  71,  83,  84,  86
Orenburger  B  u.  Bg  s.  B  Sysran-O.
Orenburg-Iletzk  Bpr  17;  Orenburg-Orsk
  Bpr  46
Orenburg-Taschkent  B  32,  41,  53,  76,
87,  106;  84  u.  86  (Warschau-T);
86  u.  99  (St.  Petbg-T.);  86  (Moskau-T.-Andidshan)

Orenburg-Zarizyn  Bpr  72
Orsk-Semipalatinsk  s.  Südsibirische  B
u.  Bg
Ossowietz  S  107
Österreich-Ungarn  66,  79,  87—89  (Zughäufigkeit; ­
  83  u.  84  (österr.  -  russ.
Verkehr,  Karlsbad,  Wien,  Zakopane,
Krakau  -Warschau),  s.  auch  Galizien
Östliches  Rußland  8,  15,  16,  20—22,
37—39,  45,  74,  80,  87,  88,  93,
95,  106
Ostpreußische  Südbahn  s.  B  Königsberg-Prostken

Ostrog  S  68
Ostrolenka  S  19,  31,  104
Ostrolenka-Lapy  B  19;  Ostrolenka-Malkin
  B  19,  63;  Ostrolenka-Piljawa
  B  19,  63
Ostrow  (Lomsha)  S  68
Ostrow  (Pskow)  S  68,  79
Ostrowiez  S  58
Ostrowska-Schadrinsk  Bpr  17
Ostseeprovinzen  s.  Baltische  Provinzen
Oulujärvisee  26

Oulunjoki  Fl  26
Owrutsch  S  51
Pensa  G  36,  37,  95,  100 2
Pensa  S  10,  31,  35,  83,  95  (s.  auch  B
Rjashsk-  Sysran)
Pensa-Rusajewka  B  21
Pensa-Tawolshanka  (-Balaschow)  B  21,
102 2
j  Perejaslaw  S,  Perejaslawskaja  92
I  Perm  G  34,  36,  38,  39,  65
Perm  S  15,  25,  31,  41,  45
Permsche  Bahnen  (stl)  32,  41
Perm-Kungur-Jekaterinburg  B  25,  30,
74,  106  (s.  auch  B  St.  Petbg-W T jatka-Tscheljabinsk)

Perm-Nischni  Tagil-Jekaterinburg  B  13
bis  15,  25,  28,  29,  74,  106
Perm-Wjatka-Kotlas  B  25,  29  (s.  auch
B  St.  Petbg-Wjatka-Tscheljabinsk
u.  Wjatka-Kotlas)
Pernau  S  31
|  Pernau-Revaler  Zufuhrbahn  33
|  Persien  Bpr  42,  53
I  Peterhead  (Schottld)  S  49 2
St.  Petersburg  G  36,  37,  104,  105
|  St.  Petersburg  S  1,  2,  13,  19,  23,  25,  30,
40—42,  82—86,  91,  98,  99,  99 3 ,
105;  68  u.  69  (Straßen  nach  Riga-Tilsit,
  Wirballen  u.  Warschau,  Kiew,
Bobruisk)
!  St.  Petersburger  Herold  60 2
St.  Petersburg-Alexandrowsk  u.  Katharinenhafen ­
  Bpr  u.  Bb  48,  49,  49 2
St.  Petersburg-HelsingforsB6,  6j,  27,67,
75,  76,  90  (St.  Petbg-Torneä,  Schnellzugverkehr ­
  50)
St.  Petersbürg-Moskau  (Nikolaibahn)  2
bis  6,  12,  18,  27,  32,  32 1(  40,  41,  54,
55,  ööj,  67,  75—77,  80,  82,  83,  85,
86,  89,  90;  85,  86  u.  99  (St.  Petbg-Feodossia,
  Sewastopol,  Noworossijsk,
Baku,  Tiflis  u.  Batum);  86  u.  99
(St.  Petbg-Taschkent)
St.  Petersburg-Peterhof  B  u.  Bg  5,  27
St.  Petersburg-Reval-Baltischport  B  10,
27,  81,  85,  89
St.  Petersburg-Rybinsk  Bpr  5,  6
St.  Petersburg  -  Wilna  -  Warschau  B  4
(-Gatschina),  5,  18,  27,  41  (stl),  54,
63,  64,  64j,  67,  75—77,  79,  80,  80 2 ,
82,  84,  85,  89,  90,  104;  82  u.  84
(St.  Petbg  -  Warschau  -  Graniza);  82,
82 2  u.  85  (St.  Petbg-Wilna-Kiew);  85
        <pb n="124" />
        119

(St.  Petbg-Wilna-Ungeni);  70  u.  85
(St.  Petbg-Wilna-Odessa)
St.  Petersburg-Witebsk  B  24,  29,  C4 1;
70,  82,  82 2 ,  85;  70  (St.  Petbg-Odessa
Bpr);  82,  82 2  u.  85  (St.  Petbg-Staraja
  Russa  u.  Bologoje,  St.  Petbg-Kiew);
  85  (St.  Petbg-Cherson)
St.  Petersburg-Wjatka-Tscheljabinsk
(-Sibirien)  B  25,  30,  41,  41 1;  48„
71,  75,  76,  79,  80,  82,  85,  98,  105,
106;  82  u.  85  (St.  Petbg-Wladiwostok) ­

St.  Petersburg-Zarskoje  Selo-Pawlowsk
B  u.  Bg,  Zarskoje  Selo  Bg  1—3,  12,
24,  27
Petropawlowsk-Spaskij  Sawod  Bpr  46,
Petrosawodsk  S.  34,  49,  49 2
Petschora  Fl  34,  34,
Petschorakreis  (G  Archangelsk)  96
Pielissee  26
Piotrkow  G  35,  37,  65,  95
Piotrkow  S  30,  83  (s.  auch  Warschau-Wiener
  B)
Piotrkow-Sulejewer  Zufuhrbahn  33,  57
Plozk  G  35,  62,  65,  94
Plozk  S  51,  65;  Plözk-Lipno-Kikol  Bb
62;  Plozk-Sierpez  u.  Szrensk  Bb  62
Podolien  G  37,  66,  97,  102
Podolische  Bg  51
Pokrowskaja  Sloboda-Uralsk  B  21,  29,
72  (P.  Sl.-Astrachan  102)
Polen  2,  10,  14,  15,  19,  24,  38,  39,  51,
54—71,  87,  88,  93,  94,  104,  107,
108
Poljesje  14,  15,  34,  51.  59 1;  63,  69,  77,
103
Poljesjebahnen  (stl)  32,  40,  55
Polotzk  S  98  (s.  auch  B  Dünaburg-Witebsk,
  Riga-Orel,  Bologoje-Sjedlez)
Poltawa  G  37
Poltawa  S  30,  83—85  (s.  auch  B  Charkow-Nikolajew
  und  Kiew-P.)
Poltawa-Losowaja  B  24,  84  (Kalisch-Poltawa-Baku)

Politisches  Rußland  7,  8,  37—39,  44,
88,  89,  93,  95,  100—102
Porzescze  S'68
Potozki,  Graf  51
Proskurow  S  51,  5h,
Prushana  S  68
Pruth  Fl  72
Pskow  G  36,  37,  103,  104
Pskow  S  30,  68,  83  (s.  auch  B  St.  Petbg-Warschau
  u.  Bologoje-Pskow)

Pskow-Riga  B  19,  29,  41,  85(St.  Petbg  -
Riga-Libau),  105
Pultusk  S  60j,  65,  68
Punkaharju  26
Putilow  B  (in  St.  Petbg)  13
Pytalowo  S  79
Quarken  (Finnland)  55
Radom  G  35,  65.
Radom  S  31,  71
Radomka  Fl  63
Radsiwilischki  S  10
Ranenburg  S  17  (s.  B  Moskau-R.  u.
Bogojawlen^k-  Smolensk)
Rasdjelnaja  S  7,  91  (s.  auch  B  Odessa-Birsula)

Rasdjelnaja-Kischinew-Ungeni  B  7,  28,
66,  71,  85  (St.  Petbg-Ungeni)
Rejowiec-Samostje  Bb  62,
Rescht  (Persien)  S  53
Reval  S  30,  85  (s.  auch  B  St.  Petbg-Reval
  u.  Pernau-Revaler  Zufuhrb)
Reval-Hapsal  B  105,
Riga  S  13,  19,  22,  30,  40,  68,  84,  85,  91
99,  105  (s.  auch  B  Pskow-R)
Riga-Bolderaa  B  u.  Bg  18,  18 5
Riga-Dünaburg  B  u.  Bg  5,  14,  18,  18 4 ,
27,  29;  81  u.  85  (Riga-Kreuzburg-Moskau);
  84  (Riga  -  Wirballen)  s.
auch  B  Riga-Orel
Riga-Mitau  B  u.  Bg  10 2 ,  18,  105  (s.
auch  B  Libau-Mitau-Riga)
Riga-Mühlgraben  B  18 4
Riga-Orel  B  10,  14,  19,  29,  32,  40,  67,
81,  85  (s.  auch  B  Riga-Dünaburg,
Dünaburg-Witebsk,  Witebsk-Orel)
Riga-Tukkum  B  u.  Bg  18,  19
Riga-Wilna  Bpr  52 4
Riga-Wirballen  B  70,  84,  Bpr  70
Riihimäki  S  6  (s.  auch  B  St.  Petbg-Helsingfors)

Riihimäki-Tavastehus  B  6
Rjashsk  S  9
Rjashsk-Morschansk  B  u.  Bg  9,  10,
14,  16,  28,  29,  88  (s.  auch  B  Moskau-Tula-Rjashsk-Sibirien)

Rjashsk-Wjasma  B  u.  Bg  14,  14,,  16,
28,  29  (s.  auch  B  Moskau-Tula-Rjashsk-
  Sibirien)
Rjäsan  G  36,  37,  100 2
Rjäsan  S  30  (s.  auch  B  Moskau-Kasan)
Rjäsan-Baranowitschi  Bpr  52,
        <pb n="125" />
        120

Rjäsan-Koslow  B  u.  Bg  (Rjäsan-Rjashsk-Koslow)
  9,  14,  17,  20,  27,
29,  88,  101
Rjäsan-Uralsker  Bg  9,  21,  24,  29,  33,
40—43,  72
Rjäsan-Wladimir  Zufuhrb.  33
Rjeshiza  S  68,  79  (s.  auch  B  St.  Petbg-Warschau
  u.  Moskau-Windau)
Rjetsch  59 x  (lies  „die“  Rj.,  nicht  „der“
Rj-)
Romny  S  10  (s.  auch  B  Libau-R.)
Romny-Krementschug  B  18„  85  (St,
Petbg-Cherson)
Roshan  S  60!
Roslawl  S  69,  69,
Rossieny  S  95
Rostow  S  7j,  8,  9,  28,  30,  40,  84—86,
97 2  (s.  auch  B  Koslow-Woronesh-R.,
Moskau-Woronesh-R.  u.  Kursk-Charkow-Asow)

Rostow  -  Wladikawkas  B  u.  Bg  6,  7,
22,  75  (s.  auch  Wladikawkas  Bg)
Rovaniemi-Alexandrowsk  Bpr  49
RownoS20,69  (s.  auch  BWilna-R.,Kiew-Brest
  u.  Sdolbunowo-Radsiwilow)
Rshew  S  98  (s.  auch  B  Moskau-Windau
u.  Lichoslawl-R.)
Rshew-Wjasma  B  16 2 ,  85
Rumänien  38,  39,  91j
Rusajewka  S  20  (s.  auch  B  Moskau-Kasan
  u.  Pensa-R.)
Rusajewka-Sysran  B  20
Russisch-mandschurische  Bahnen  31,
82,  85,  86.
Russisch-türkischer  Krieg  11,  45,  67
Rußkij  Invalid  60j
Rybinsk  S  6,  8,  22,  30,  71  (s.  auch  B
Ja'roslawl-R.)
Rybinsker  Bg  22,  23  (s.  auch  Moskau-Windau-Rybinsker
  Bg)
Rybinsk-Bologoje  B  u.  Bg  8,  14,  22,
27,  82,  83,  85,  88,  105
Rybinsk-Kineschma-Tjumen  Bpr  45 2 ;
Rybinsk-Wjatka-Tjumen  Bpr  45
Saimasee  26
Samara  G  37,  102
Samara  S  10,  31,  83
Samara-Orenburg  B  s.  B  Sysran-Samara-Orenburg

Samara-Slatoust  (stl.  B’verwaltg)  32
Samara-Tscheljabinsk  B  16,  29,  32,  46,
67,  106
Samogitien  64

Samostje  S  s.  B  Cholm-Belzec  u.  Lublin-Lemberg

Sandomir  S  58,  65
Santalbahn  (Rozwadow-Przemysl)  61
Saransk  S  95
Sarapul  S  96j
Saratow  G  37,  101,,  102
Saratow  S  9,  30,  40,  71,  72,  83,  84,  86
(s.  auch  B  Tambow-S.)
Savolaks  26
Sawelowo  S  72  (s.  auch  B  Moskau-S.)
Scbadrinsk  S  17,  46
Schawli  S  68;  Schawli-Tilsit  Bb  62 2
Scheksna  Fl  105
Schepetowka-Kamenez  Podolsk  Bb  51
Schmidt  58
Schuja-Iwanowo  B  u.  Bg  14,  22,  22 2
Schwarzmeer  Bg  s.  Tokmak  Bs
Schweden  s.  Skandinavien
Schweiz  66
Sdolbunowo-Radsiwilow  B  8,  28,  66
Seinajöki  S  16;  S.-Kristinestad  B  90;
S.-Niicolaistad  B  16;  S.-Ule&amp;amp;borg  B
16,  28,  74,  107
Seleidj  Dol  S  9l 2
Semirjetschinsk  B,  Bb  53
Sergijewo  S  s.  B  Moskau-Jaroslawl
Serpuchow  S  6,  30  (s.  auch  B  Moskau-Kursk)

Sewastopol  S  7,  8,  31,  85,  86  (s.  auch
B  Losowaja-S.  u.  Moskau-S.)
Sawastopol-Aluschta  u.  Balaklawa  Bpr
44
Shabinka  S  s.  B  Brest-Brjansk
Shitomir  S  23,  31,  40,  69,  83,  94
Shlobin  S  s.  B  Witebsk-S.  u.  Libau-Romny

Shlobin-Kiew  Bpr  64j;  Shlobin-Korosten
  Bpr  51,  64,
Shmerinka-Okniza  B  17,  17 3
Shmerinka-Wolotschisk  B  8,  28,  66,  70,
85  (W.-Kiew,  Odessa,  Rostow.Baku)
Sibirien,  sibirische  Bahn  10,  15,  16,
25,  26,  31],,  32,  41,  45,  67,  75,  76,
82,  85,  86,  98,  106  106j
Simbirsk  G  37,  97,  10R,  102
Simbirsk  S  31,  46,  71,  83  (s.  auch  B
Insa-S.)
Simferopol  S  31
Sinarskaja-Schadrinsk  Bpr  46
Sinelnikowo-Dolinskaja,  Kriwoi  Rog  B
13,  13i,  71
Sinelnikowo-Jasinowataja  B  13
Rjedlez  G  35,  37,  58,  65,  66,  95
        <pb n="126" />
        121

Sjedlez  S  10,  30,  60,  104  (s.  auch  B
Warschau-Brest  u.  Bologoje-S.)
Sjedlez-Malkin  B  15,  18,  66
Skadobsk  S  44
Skalmierzyce  S  57
Skandinavien  u.  Dänemark  38,  39,  66,  73
Skarshisko  S  58
Skiernewizi  S  2  (s.  auch  B  Warschau-Wien
  u.  Warschau-Bromberg)
Slatoüst  S  31  (s.  auch  B  Samara-Tscheljabinsk)

Slawnoje  (Mohilew)  S  77
Slobodka-Okniza  B  17,  17 3
Slonim  S  68
Sluzk  S  68
Smolensk  G  36,  96,  100,
Smolensk  S  10,  30,  41  (s.  auch  B  Moskau-Brest, ­
  Riga-Orel  u.  Bogojawlensk-Sm.)

Snamenka  S  s.  B  Charkow-Nikolajew
u.  Fastow-Sn.
Sob  Fl  47,  Sobskaja-Karisches  Meer
Bpr  47
Sokolow  S  68  (Straßen)
Sombkowizi-Sosnowizi  B  2 ä ,  27,  89,
92  Anm.  (Warschau-Kattowitz)
Sordavala  S  26
Sorozkajabucht  49,  49 2
Spanien  s.  Iberische  Halbinsel
Spurweitenfrage  3,  6  (Finnland),  56
Staraja  Russa  S  82
Statistik  des  Bahnnetzes  6 2 ,  11,  13,  14,
14 4 ,  19,  23,  23,,  31—40,  43,  43,,  65,
66,  66 x ,  108—110
Stavenhagen  58,  59
Stawropol  G  46,
Straßenbau  u.  Straßenbaupolitik  59,
67—69  .
Strategische  „Grundlinie“  (Kowno-Grodno-Bjelostok-Brest)
  59,  60,  64,
Strjetensk-Blagowjeschtschensk  B  s.
Amurbahn
Suchomlinow  59—61
Suchona  Fl  25,  34
Suda  Fl  105
Südbahnen  (stl)  32,  40,  40 2
Südost  Bg  (pr)  9,  21,  21j,  22,  24,  29,
33,  40,  41,  99,
Südosteuropäische  Halbinsel  66,  73,
87,  88
Südrußland  s.  Politisches-  u.  Kleinrußland ­

Südsibirische  B  u.  Bg  43,  46
Südwestbahnen  (stl)  32,  40

Südwest  Bg  (pr)  8,  11,  13,  17,  17 4 ,  18,  28
Südzufuhrbahnen  (pr)  33,  40
Surash  S  51
Suwalki  G  35,  104
Suwalki  S  31,  68
Svanka  S  49
Svenziany  Zufuhrb.  33
Swijashsk  S  20,  71
Syrjanka  S  16,  86
Sysran  S  10,  31
Sysran-Samara-Orenburg  B  u.  Bg,
Orenburger  Bg  10,  12„  14,  16,  18,
28,  29,  32,  41
Sysran-Wjasma  (stl.  B’verwaltg)  16,  32
Täbris  S  53  -
Taganrog  S  28,  30,  97 2
Tambow  G  36,  100 2
Tambow  S  30,  37  (s.  auch  B  Koslow-T.)
Tambow-Kamyschin  B  21,  29,  87
Tambow-Saratow  B  u.  Bg  9,  13,  21,
28,  89;  84  u.  86  (Warschau,  St.
Petbg,  Moskau-S.)
Tammerfors  S  16,  31
Tammerfors-Björneborg  B  25
Tammerfors  -  Seinajöki  (-Uleäborg)  B
16,  74,  107
Taps-Dorpat  B  11,  78  (-Walk)
Tarshak  S  57
Taschkent  S  s.  B  Orenburg-T.
Taurien  G  37,  44,  97
Tauroggen  S  52^  68
Tavastehus  G  37
Tavastehus  S  30  (s.  B  Riihimäki-T.)
Tavastehus-Tojala-Tammerfors  B  16,
28,  74
Tawda  Fl  46
Tawdin  B  s.  B  Jekaterinburg-Seitkowo
Tawolshanka-Pensa  B  s.  B  Pensa-Taw.
(-Balaschow)
Telschi  S  95
Terespoler  Bg  s.  B  Warschau-Terespol
(-Brest)
Tichorjezkaja  S  s.  B  Rostow  -  Wladikawkas

|  Tichorjezkaia-Noworossijsk  B  76
J  Tichorjezkaja-Zarizyn  B  22
I  Tichwin  S  105
Tilsit  S  68,  70
Timirjasewo  S  20  (s.  auch  B  Moskau-Kasan
  u.  N.  Nowgorod-T.)
Tjumen-Omsk  B  41
;  Tjumen-Sarapul  Bpr  45
i  Tobolsk  G  46
        <pb n="127" />
        122

Tojala  S  s.  B  Äbo-T.  u.  Tavastehus-Tammerfors

Tokmak  S,  Tokmak  Bg  44
Tomaschow  S  65
Torbino  S  55j
Tornea  S  31  (s.  auch  B  Uleäborg-T.)
Tornea-Haparanda  Bb  51
Tornea-Karangi  B  50,  51
Torneelf  Fl  26,,  50,  51
Torshok  S  16 2
Troizk  S  95,  Troizker  B  u.  Bg  33;
Troizk-Kustanai  Bpr  46
Trubschewsk  S  51
Tschangtschun  (Mandschurei)  S  82,
85,  86
Tschasownja-Bugulma  Bg  s.  Wolga-Bugulma
  B  u.  Bg.
Tschatkan  S  86
Tscheljabinsk  S  16,  31,  41,  45,  85,  86
(s.  B  Samara-T.,  St.  Petbg-Perm-T.
Jekaterinburg-T.  u.  sibirische  B.)
Tschenstochow  S  30,  40  (s.  auch  B
Warschau-Wien  u.  Herby-Kielzi)
Tseherepowetz  S  80,  105
Tscherkassy  S  72
Tschernigow  G  37,  68,  70
Tschernigow  S  22,  31,  72,  83,  97
Tula  G  36—38,  100 2
Tula  S  ü,  14„  30,  85  (s.  auch  B  Moskau-Kursk,
  Moskau-T.-Rj  ashsk-  Sibirien
u.  Rjashsk-Wjasma)
Tula-Liehwin  B  32
Tura  Fl  45
Turgai  G  46
Turkestan  s.  Zentralasien
Twer  G  2,  36,  104
Twer  S  30  (s.  auch  B  St.  Petbg-Moskau)
Ufa  G  36,  38
Ufa  S  31  (s.  B  Samara-Tscheljabinsk)
Ukraine  s.  Kleinrußland
Uleäborg  G  37—39
Uleäborg  S  16,  26,  29,  31  (s.  auch  B
Seinajöki-U.)
Uleäborg-Tornea  B  26,  48 2 ,  56,  90,  107
Umansche  Zweigbahnen  17
Umjet  S  9
Ungeni  S  s.  B  Rasdjelnaja-U.
Unza  Fl  105
Ural  Fl  46
Ural  Geb.  46,  87,  106
Uralgebirgs  B  u.  Bg  s.  B  Perm-N.
T  agil-  J  ekaterinburg
Uralsk  S  21,  31,  72,  87

Uralsk-Wolga  Bpr  17;  Uralsk-Zarizyn
Bpr  46
Urbach  S  78
Ussa  Fl  34,  34,;  Ust  Ussa  S  34
Vasa  S  s.  Nikolaistad
Vuoksen  Fl  26,  Vuoksenniska  S  26
Wagner  H.  56
Walkom-Niemi  B  u  Bg  33
Warschau,  Generalgouv.  (russ.)  65,
(deutsch.)  69
Warschau  G  35,  37,  38,  58,  65
Warschau  S  13,  23,  30,  40,  40 3 ,  54,  58,
59,  64,  66,  68  u.  69  (Straßen),
91,  92  Anm.,  99;  83,  84  u.  86
(W.-Saratow,  Taschkent,  Odessa)
Warschau-Breslau  Bpr  57  (s.  auch
Breslau-Warschauer  Bg)
Warschau-Brest,  Terespoler  Bg  10,  14,
15,  18,  27,  29,  67,  75,  80,  84,  89,  90,
104
Warschau-Bromberg  B  u.  Bg  2—5,  14,
20,  27,  29,  75,  83,  89,  92  Anm;
83  u.  92  Anm.  (W.-Berlin,  Köln,
Ostende,  Paris)  s.  auch  B  Warschau-Wien

Warschau  Kowel  B  11,  19„  28,  56,
63,  89
Warschau  -  Lods  -  Kalisch  -  Skalroierzyce
B  24,  29.  57,  84,  92  Anm.
Warschau-Mlawa  B  11,  19„  28,  56,  63
Warschau-Ostrowiez  B  70,  71  (s.  auch
B  Koljuschki-O.)
Warschau-Posen  Bpr  60
Warschau-Radom  Bpr  44 1;  71
Warschau-Wien  B  u.  Bg  2—4,  12,  14.
20,  24,  25,  27,  29,  30,  32,  40,  41,
54,  56,  57,  75,  77,  83,  84,  89,  92
Anm.,  107,  108,  110;  83  u.  84  (W.-Wien,
  Rom,  W-Krakau,  Zakopane,
Karlsbad,  W.-Nizza,  Cannes),  s.,
auch  B  Warschau-Bromberg  u.  W.
Lods-Skalmierzyce
Warthe  Fl  57
Wassiljewitschi-Choiniki  B  64,,  97
Wassilkow  S  92
Weggewa  S  78
Weichsel  Fl  58,  59,  63
Weichselbahnen  (stl)  32,  40
Weichsel  Bg  (pr)  11,  14,  17,  19,,  29,  56
Weichselbefestigungssvstem  58—60,  63
s.  auch  Narewbefestigungen
Weißes  Meer  25,  46—48
        <pb n="128" />
        123

Weißrußland  s.  Westrußland
Werchowje  S  s.  Liwnybahn
Werebje,  Umgehungsbahn  55 t
Westrußland  8,  10,  36,  38,  67—69,
87,  89
Wetluga  Fl  105
Whistler  3
Wiborg  G  37
Wiborg  S  30  (s.  auch  B  St.  Petbg-Helsingfors)

Wiboig-Joensuu-Nurmes  B  26,  30,  90,
107
Wiborg-Nikolaistad  Bb  55 s
Wilkomir  S  61,  68,  95
Wilna  G  36—38,  68,  101
Wilna  S  30,  40,  40 3  64,  64 1(  69,  91,  99
(s.  auch  B  St.  Petbg-Warschau  u.
Libau-Romny)
Wilna-Baranowitschi-Rowno  B  15,  28,
63,  61,  77,  80;  75  u.  85  (St.  Petbg-Wilna-Kiew
  u.  Odessa)
Wilna-Wirballen  B  5,  5 2 ,  27,  67,  75,  76,
80 2 ,  108  ;  84  (St.  Petbg,  B.iga,
Moskau-W.)
Windau  S  31,  42,  81  u.  85  (-Moskau)
Wirballen  S  68,  84  (W.-Riga,  St.  Petbg,
Moskau)
Witebsk  G  36,  37,  68,  104
Witebsk  S  24,  30  (s.  auch  B  Dünaburg-W.,
  Riga-Orel  u.  St.  Petbg-W.)
Witebsk-Orel  B  u.  Bg  10,,  14,  18,  27,
29,  88
Witebsk-Shlobin  B  24,  29,  64 l(  85  (St.
Petbg-Kiew-Cherson)
Witte  26. 2 ,  49,  52,  54
Wjasma  S  16,  84  (Warschau-Wj.-Tasehkent),
  85  (St.  Petbg-Wj.-Tula),
86  (Wj.-Tscheljabinsk)  s.  auch  B
Moskau-Brest,  Rshew-Wj.  u.Rjashsk-.Wj.)

Wjasma-Sysran,  stl.  B’verwaltg  16
Wjatka  Fl  96
Wjatka  G  36,  38,  39,  96,
Wjatka  S  31,  80,  106  (s.  auch  B  St.
Petbg-Wj.-Tscheljabinsk)  i
Wjatka-KotJas  B  25,  29,  34,  48,  74,  105
Wladikawkas  S  7
Wladikawkas  Bg  22,  33,  40,  41,  44,
53  (s.  auch  Rostow-Wl.  Bg)
Wladikawkas-Tiflis  Bpr  53

Wladimir  G  36,  37,  101,
Wladimir  S  30
Wladimir  Wolynski  S  63
Wladimir  Wolynski-  Sokal  (Kowel-  Lemberg) ­
  Bb  62
Wladimirowka  S  13
Wladiwostok  S  47,  82,  85,  86
Wlodawa  S  68
Wolga  Fl  5,  6.  8—10,  14 1(  20—22,  35,
45,  71,  72,  74,  95,  96
Wolgabrücke  bei  Batraki  10,  28,  71
(s.  auch  Brückenbauten)
Wolga-Bugulma  Bg  33,  46,  71
Wolga-Don  Dampfsch  iffah  rtsges.  6
Wolkowysk  S  68
Wolmarer  Zufuhrb.  33
Wologda  G  36,  105,  105 5
Wologda  S  30  (s.  auch  B  St.  Petbg-Wjatka-Tscheljabinsk
  u.  Jaroslawl-W.)

Wologda-Archaneelsk  B  22,  29,  34,  47,
73,  74,  78,  105,  110
Wolotschisk  S  70,  85  (W.-Kiew,  Odessa,
Rostow,  Baku)
Wolynien  G  8,  14,  20,  24,  36,  66,  68,
93,  102,  103
Woronesh  G  36,  37,  46,
Woronesh  S  9,  22,  30,  40  (s.  auch  B
Koslow-Wo.-Rostow,  Moskau-Wo.-Rostow,
  Kursk-Wo.  sowie  Moskau-Kiew-Woronesh
  Bg)
Wosnessensk-Nikolajew  Bpr  44
Wyschnij  Wolotschok  S  2  (B  St.  Petbg-Moskau)

Wysoko  Litowsk  S  68
Wytschegda  Fl  25
Zarekonstantinowka-Fedorowka  Bpr  44
Zarizyn  S  30,  71,  72,  85  u.  86  (Riga,
Moskau-Z.,  s.  auch  B  Grjasi-Z.,
Liehaja-Z.  u.  Tichorjezkaja-Z.)
Zarizyn-Kalatsch  (Donslcaja)  B  5,  6,  27
Zarskoje  Selo  S  30
Zarskoje  Selo  Bg  s.  B  St.  Petbg-Z.  S.-Pawlowsk

Zentralasien,  Turkestan,  Bahnen  8,  9,
31j,  42,  43,  53,  76,  99  (s.  auch  B
Orenburg-Taschkent.  usw.)
Zweigeleisige  Bahnen  32,  56,  62,  64,
(St.  Petbg-Witebsk),  65—67.
        <pb n="129" />
        /  Lowifc
i  Lods  ^Roqow  © n
\o  ^VKoij.  Kadorn

B.  Baedekar,  Verlagehandlung  in  Essen

König:!.  Universitätsdruckerei  H.  Stürtz  A.G.,  Würzburg.
        <pb n="130" />
        Könl«!.  Universitätsdruckerei  H.  Sttlrbi  A.  G.,  Würzburg.

Uteiborg

Aanekoskiö
Suotachti°

Niko/aisti

Seinajöki  °

\Joensuu

Haapamäki  O

Vilppula

Tammerfors
O  Björneborg
Peipohja
HumppHa  O,

Mäntyfootoi

f^Fojala  )
ofavastenps
p  0&amp;gt;Lacfiti
u'maki  *5  ''ftuovola  p“
A-^/äO- 0
Kerava  'Q.^LovisaO
/  y^'^'Walko*

Rauma

Vuoksenm.

O  KoHas

Wetikij  Ustjug  o

QNadeshdinski/  Sawod

Stockhoi

ßrinowka

Sestrorje
KronsU
Oranienbaju

t/e/singfdi

S.  Petersbui

,  Lunjewka

NorrkÖping

Ligowo'Q',
Gatschina

oSwanks
q  Gostinhpolje

N.  Turinskij  Q

N/ko/sk

Battischporb

Narwa

Tscherepowetz

Tschudowo

\  Weissensf.

Koteinitsch

•  Wut  See

Borowitschi

Ga/I/sch

Pernau

Ugtowka  Q

Rybinsk

'Moisekü!

Hainatsch

Sonkowo

Kostroma

Kalmar,

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Pskow:

Makarjew

Urshum

Jekaterinburg

Jaroslawl

Jaransk

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Kaschin

Krasno  Ufimsk

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Brjansk

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Kusnezk

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SäJialotfa?)  _  Pokrowskaja  Stoboda

Ura/sk

Korosten

Urbach

~  S.  Oskol  (
»Kleinmichelowo

Terschow

Poworino

•Jtschnja  «5\
oRomny
Lochwiza 0  Lebedin
O
S.  oadjatsch
^^ysornodan
&amp;gt;So/otonoscha  ^
-*Dnjeprkrasnoje  \

Sasanka

p  nowno
Jsßdotbunowo
3''  \ Q Schepetov,
/fösotsch**'»,'
Berditsthy
,  nremener  1
Semki  /
AWolotsddsk  Cho/onewskaja
f  ^fQfjoskurow
Winniza
Kam.Podo/sk  '*•,  .ß

\rasnij

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Atexikowo

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N.  Oskol  )

Urjupino

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£&amp;gt;Shitpmir
•  Popetnja

Grebe

Jaroslaw

Tarnow

Radsiwilow^

fiirikowkaf

) Ka/atsch

Kamyschin

'Watuiki

/ottschansk

jCharkow

Poftawa

Merefa 1

,Kupjansk

lumenni

'uner/nka"^y

Zwetkowo

Konstantinogrs
QKrementschug
foristowka  i 0i

i-J 0 ChoHr.

OMohitew  \
Wapnjarka

Donskaja  (Katätsch,
Knwomusgmskö

\Woroponowo
Sarepta

'Trostja'n'&amp;gt;f  JeHssawefgrad^
Sr-^P&amp;amp;[ W0K "
6  Berschact

Wladimir  wskajapr.

CzerftQwitz  \  Okn/za'

Millerowo

i  Baskuntschak

moslaw

Pjatichatki

\Sinetnikowo

\  Bje/zyO

Jusowo.

'Atexandr

ßirsu/a

f  Jetenowka
Wotnowacha

'"je*  o
Wosnessensk

J  tb/ogf^
Zarekonstantinowka

Taganrog,

Nowo  Tscherkask

Astracha/

$rnosfow
O  Bataisk

Fedorowka  0
Metitopo!

leris/aw

Cherson

■  Wetikoknjashewskaja

Nowo  Atexejewki

Akkerman

Eidiopof

Sadowsk

"'•^JiSosyk.
f  f
Tichorjezkaja

Brai/a

Dshanko/

0 -Kawkaskaja

Tschernawoda

Wtedistawowka  ■

lekaterinodar

G/Stawropol

Constanza

A  tuschha

xNoworossijsk

oMaikop

Kasko  (O  -Pfaräta
Krishhestad

Karte  3

Gefle  K

QJrb/i

Tjumen

O  Kamyschtow
Bogdanowitsch
OSinarska/a

°Werchne  Ura/sk

Kustana/O

Karte
der
Eisenbahnen
im
Europäischen
Russland
im  Jahre
1913

Stertitamak

O  Orsk

Paskani

Q.  D.  Baedeker,  Verlagshandlung  in  Essen.

Staatseisenbahnen
russische  Staa/seisenbehnen
der  russischen  Mililarverwallung  unterstehende  Eisenbahn
(  Kowet-  Wladimir  Wolynski)
finnische  Siaa/seisenhahnen
Privateisenbahngesellschaften
Moskau-Kasaner  Eisenbahn
,  Moskau-Kiew-  Woronesh  Eisenbahn
Moskau-  Windau-Rybinsk  Eisenbahn
Rj  'äsan-Ura/sk  Eisenbahn
Südosteisenbahn
Wladikawkas  Eisenbahn
Nord-  Donez  Eisenbahn

—  Kleinere  Privateisenbahnen
B-  ßogosknrsker  Eisenbahn,  P-R2*Pemau-Reva/erKufuhrb.,
W-B  -  Wolga-Bugulminsker  Esenbahn,  L  /-  Uvländische  Zufuhrb.,
L=  LodzerFabrikbahn,  WZ-  Weimarer  Zufuhrb.,
SZ=  Südzufuhrbahnen,  R-WZ=  Rjäsan-  Wladimir  Zufuhrb.
eingeieisige  Eisenbahnen

zweigeleisige  Eisenbahnen

Die  Sitze  der  Sfaa/sbahnverwaHungen  sind  unterstrichen,  die  der
Privatbahnen  unterstrichelt.
        <pb n="131" />
        Karte  4

*of  W.OOO  Gmv.
°' n 'nen  /fa  ßsenhahne.7
C3  weniger  a/s  35  Km
CO  zwischen  35  u.  50  Km
E3  zwischen  SO  u.70Km
6=3  über  70  Km

1  20.  000.000
l/erhä/inis  der  ßsenbahnen  zerr  Bevölkerung  der  einzelnen  Gou ^''ne m enfs.

G.  D.  Baedeker,  Verlagshandlung  in  Essen.

Abkürzungen
für  beide  Karlen.
SU.  =  S  Hiebei
7a  v.  -  Ta  va  sieh  us
hi  =  h/y/and
S.  =  Suwa/ki
L  -  Lomsha
fi  =  Plozk
IV.  =  Warschau
Sj.  =  Sjed/ez
Pi.  =  fioirkow
Ki.  =  Kie/zi
k.  ~  Kadom
K.  -  Kab  ’sch
iu.  =  iui/in
ß.  *=  ßessarabien
7schern.  -  Tschern/gow

Karte  5

König!.  Universitätsdrnckerei  H.  Stiirtz  A.  G.,  Würzburg.
        <pb n="132" />
        Karte  6

Astrachan
©'

Minerain  ija  Wodi

Baedeker,  Verlagehandlung  in  Essen

Die  wichtigsten  Eisenbahnen
des  Europäischen  Russland.
grosse  Schnellzuglinien
sonstige  Schnellzuglinien
weitere  wichtige  Linien

MaEsstab  1:  9.500.000
        <pb n="133" />
        3  CD

—  85  —
q  [za—Brest—Homel—Bachmatsch—Woroshba—Charkow  (1440  W,
1539  km).
fcschisk—Shmerinka  (—Kiew  401  W)  —Birsula  (—Odessa  513  W)  —
*  Snamenka—Jekaterinoslaw—Rostow—Baku  (2581  W,  2754  km).
:  on  den  baltischen  Provinzen  ausgehende  Verbindungen:
4  l  —Wilna  —  Minsk—  Homel—Romny  (1077  W)  —  Krementschug
(1278  W,  1363  km).
p—Murawiewo—Riga  (215  W)  —Pskow—St.  Petersburg  (766  W,
826  km),
^"jau—Mitaü—Kreuzburg—Rshew—Moskau  (1027  W,  1096  km).
—Kreuzburg—Rshew—Moskau  (865  W,  921  km).
—Witebsk  —  Smolensk—Moskau  (972  W,  1037  km),
i—Dwinsk—Wilna—Sarny—Kiew  (1054  W,  1125  km)  und  Sarny—
Odessa  (1528  W,  1631  km).
-—•Smolensk—Orel  (940  W)  —  Grjasi—Zarizyn  (1795  W,  1914  km).
Orel—Kursk—Charkow  (1313  W)  —Losowaja—Rostow  (1851  W,
1974  km).
—  Orel—Losowaja—Sewastopol  (2022  W,  2158  km).
'  il—Taps  (—Riga  414  W)—St.  Petersburg  (346  W,  369  km).
Ton  St.  Petersburg  ausgehende  und  Moskau  nicht  be-J
  rührende  Verbindungen:
Petersburg—Riihimäki  (—Helsingfors  442  km)—Abo  (577  km).
Petersburg—Wologda—Wjatka—Tscheljabinsk—Irkutsk  (5257  W,
5609  km)—Mandschurija  (6688  W,  7135  km)—Charbin  (—Tschangtschun
  7786  W,  8307  km)—Wladiwostok  (8294  W,  8850  km).
Petersburg—Bologoje—Rybinsk—Jaroslawl—Kostroma  (747  W,
798  km).
J;  Petersburg—Witebsk—Homel—Bachmatsch  (—Kiew  1244  W)—Romodan
  (—Poltawa  1352  W)—Krementschug—Nikolajew—Cherson
(1713  W,  1828  km).
Petersburg—Wilna—Sarny—Kiew  (1246  W,  1329  km).
Petersburg  —  Sarny  —  Rowno  —  Rasdjelnaja  —  Kischinew  —  Ungeni
(1964  W,  2096  km).
Petersburg—Rasdjelnaja—Odessa  (1820  W,  1940  km).
Petersburg—Lichoslawl—Wjasma—Kaluga—Tula  (937  W,  1000  km).
F on  St.  Petersburg  über  Moskau  ausgehende  Verbindungen:
’etersburg—Moskau  (610  W)—Charkow—Losowaja—Dshankoi  (-Feodossia
  2002  W,  2136  km)  —Sewastopol  (2049  W,  2186  km).
^Petersburg—Moskau—Losowaja—Rostow  (1879  W)—Baku—Tiflis  —
Batum  (3956  W,  4221  km).

9-  cd
O  CD

P^TMuiiigj
        <pb n="134" />
        ﻿
        <pb n="135" />
        ﻿
        <pb n="136" />
        ﻿
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        ﻿
        <pb n="138" />
        ﻿
        <pb n="139" />
        ﻿
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
