5 keine internationalen Handelsverträge gäbe, Kobatsch*) meint überhaupt, daß die Weltwirtschaft noch nicht da ist, sondern erst dann da sein wird, wenn ein Weltstaat bestehen wird. Calwer spricht von der „Weltmarktwirtschaft". In der ganzen Polemik zwischen Harms und C. Diehl**) findet man nicht einmal die Spur einer richtigen Fragestellung. Die Suche nach einer „Regulierung" als konstitutivem Merkmal der Wirtschaft geht gerade von einer absolut irrigen Vorstellung über die Natur des kapitalistischen gesellschaftlichen Organismus aus. Zur Begründung einer Wissen schaft sucht man ein Prinzip, das den Tod dieser Wissenschaft bedeutet. Nun entsteht die Frage, was die bewußt wirkenden Bestand teile der kapitalistischen Weltwirtschaft sind. Theoretisch ist ein Weltkapitalismus denkbar als System von einzelnen Privat unternehmen. Doch die Struktur des modernen Kapitalismus ist derart, daß kollektiv-kapitalistische Organisationen auftreten als Subjekte der Wirtschaft; „staatskapitalistische Trusts".*“*) Das Finanzkapital hat die Anarchie der Produktion inner halb der großkapitalistischen Länder aufgehoben. Die monopo listischen Unternehmerverbände, die kombinierten Unternehmen und das Eindringen des Bankkapitals in die Industrie haben einen neuen Typus der Produktionsverhältnisse geschaffen, in dem sie das unorganisierte warenkapitalistische System in eine finanzkapitalistische Organisation verwandelten. An Stelle des unorganisierten Zusammenhanges des einen Unternehmens mit *) Kobatsch; „La politique economique internationale", Paris, Giard et Briere, **) Carl Diehl; „Privatwirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre, Weltwirt schaftslehre" in „Conrads Jahrbüchern". B. Harms: „Volkswirtschaft und Weltwirtschaft" (Antikritische Darlegungen) im „Weltwirtschaftlichen Archiv“ 1914, 1, S, 196 ff. ***) Dieser Begriff ist vom Verfasser dieses Buches eingeführt worden. Siehe N. Bucharin; „Weltwirtschaft und Imperialismus". Petersburg 1918 (russisch).