24 Hier interessiert uns nicht die technisch-organisatorische Seite des Kriegswesens (obwohl auch sie durch die allgemeinen technischen und ökonomischen Verhältnisse bestimmt wird). Hier interessiert uns die soziale Bedeutung dieser Erscheinung, Um die Frage nach dem „Wesen“ des Krieges beantworten zu können, müssen wir diese Frage genau so historisch anfassen wie die Frage des Staates. Dann werdön wir auch eine ähnliche Antwort be kommen, nämlich, daß der Krieg, vom soziologischen Standpunkt, ein Mittel zur Reproduktion jener Produktionsverhältnisse ist, auf Grund deren er entsteht. Der Staat ist ein „außerökonomischer Faktor“. Dessenunge achtet hat er eine gewaltige ökonomische Bedeutung. Ebenso bildet auch der Krieg, als Funktion der Staatsgewalt, während ei ern „außerökonomischer“ Faktor ist, einen der mächtigsten Hebel des ökonomischen Prozesses,*) Bei einer weiteren theoretischen Analyse muß die Frage detailliert werden. Der gesellschaftliche Prozeß ist ja nicht nur die Erweiterung einer bestimmten Produktionsstruktur. Er ist außerdem der Prozeß der Ablösung der einen Formen, der einen „Produktionsweisen“, der einen „ökonomischen Strukturen“ durch andere. Aber die Ablösung der „Grundlagen“ wird auch von der nötigen Veränderung ihrer staatlichen Hülle begleitet. Die neuen Produktionsverhältnisse sprengen die alte politische Schale. Jede Phase der historischen Entwicklung und jeder Typus der Produktionsverhältnisse hat jedoch auch seine spezifische Gesetzmäßigkeit. Um irgendeine Epoche theoretisch zu ver- *) Werner Sombart gibt in seiner bereits erwähnten Arbeit „Krieg und Kapitalismus“ eine Schilderung des Einflusses der Kriege auf das Entstehen des Kapitalismus selbst. Die Methode Sombarts, der verschiedene Mütter (bald den Krieg, bald den Luxus und die Liebe — vergl, sein Buch „Luxus und Kapitalismus") nacheinander den Krieg gebären läßt, je nach der Laune des würdigen Herrn Professors, zieht jedoch unvermeidlich fürchterliche Uebertreibungen nach sich.