30 Krieges als eines gewaltigen organisierten Prozesses, Das Ausmaß .dieses Krieges, seine Technik, die komplizierten inneren Verhält nisse des Militärapparates, die ungeheuerliche Nachfrage nach Industrie- und Landwirtschaftsprodukten, die seitens der Kriegs organisation sofort einsetzte, schließlich die entscheidende Be deutung des Ausganges der Kriegsoperationen für die herrschen den Klassen stellten die größtmögliche Ueberwindung der Anarchie innerhalb der kämpfenden kapitalistischen Teilsysteme auf die Tagesordnung. Unter sonst gleichbleibenden Verhältnissen waren die Kriegserfolge dem Grad der wirtschaftlichen Organi- siertheit der staatskapitalistischen Trusts gerade proportional. Die genannten Ursachen wurden außerordentlich verschärft durch den Mangel an vielen Produkten, insbesondere an Rohstoffen, einen Mangel, der sofort nach dem Abbruch der internationalen Beziehungen in Erscheinung trat und mit der allgemeinen Er schöpfung und Verarmung immer zunahm.*) Dieser Mangel er forderte begreiflicherweise eine möglichst sparsame und folglich rationalisierte, organisierte Verteilung, Da aber der Prozeß der Verteilung eine der Phasen des Reproduktionsprozesses ist, so versteht es sich von selbst, daß die Organisierung der Verteilung ebenso unvermeidlich zu einer größeren oder geringeren Organi sierung des Produktionsprozesses führen mußte. Leicht begreif lich, daß die Klasse der Kapitalisten in ihrer Gesamtheit (und dynamisch sind es die Vertreter des Finanzkapitals) durch diese *) Dieses betont besonders scharf Arthur Feiler, Redakteur der „Frank furter Zeitung", in seiner Schrift; „Vor der Uebergangswirtschaft", Verlag der „Frankfurter Zeitung", 1918. S. insbesondere das Kapitel „Kriegssozialis mus und Wirtschaftsfreiheit", S, 33 ff. Seine Formel lautet: „Wir haben den Mangel organisiert“. Viel weiter wird die Frage von Emil Lederer gefaßt („Der Wirtschaftsprozeß im Kriege"); „Früher war der Krieg ökonomisch ein Problem der Staatsfinanzen. Heute aber ist der Staat omnipotent, daher erscheint seine Aktion nach außen hin nicht in Form der Unternehmung, sie ist nicht mehr ein finanzwirtschaftliches, nicht mehr ein Geldproblem, sondern es wird die Naturalsubstanz der ganzen Volkswirtschaft für den Krieg mobili siert." (S. 362.)