62 die Frage nach der sogenannten „Reife" der kapitalistischen Ge sellschaft für ihren Uebergang durch die Phase der proleta rischen Diktatur in die kommunistische Gesellschaft beantwortet wird. Früher wurde die Frage in sehr allgemeiner und etwas primitiver Formulierung gestellt. Nämlich als Grundkriterium der „Reife“, insofern es sich um „objektive" Voraussetzungen der kommunistischen Gesellschaftsstruktur handelt, wurde der Grad der Konzentration und Zentralisation des Kapitals betrachtet, ferner das Vorhandensein eines bestimmten „Gesamtapparates“ und die ganze Summe der Produktionsverhältnisse, die von der kapitalistischen Produktionsentwicklung zu einem Knoten ge schürzt sind. Jedoch genügt eine solche Fragestellung, wie sie sich aus der vorhergehenden Untersuchung ergibt, nicht. Denn gerade dieser zentralisierte „Apparat“ zerfällt im Prozeß der Revolution, und folglich kann er in toto als Grundlage der neuen Gesellschaft nicht dienen.*) *) Die liberalen Professoren und ihre opportunistischen Nachbeter, die den Sozialismus nicht sehen wollen, aber anstandshalber dies durch angeb lich „wissenschaftliche" Argumente rechtfertigen möchten, interpretieren daher Marx auf ihre eigene Manier. So z. B. schreibt Franz Oppenheimer, der Lehrer P. Maslows: „Die ungeheure Ueberzahl und Uebermacht des Proletariats , . . expropriiert die Expropriateure, die gar keinen ernsthaften Widerstand leisten können, und übernimmt den vollkommen fertigen Mecha nismus der Produktion und Verteilung, der unverändert und unerschüttert weiter läuft. . , . Das ist die Marx'sche Theorie der Vergesellschaftung." Franz Oppenheimer: „Zur Theorie und Vergesellschaftung”, im Sammelwerk „Wege und Ziele der Sozialisierung", hg. von Ingenieur Dr. Hermann Beck. (Verl. „Bund Neues Vaterland", Berlin, S. 16.) Dr. Prange (s. dasselbe Buch) nennt dies eine „klare Darstellung der marxistischen Theorie" (S. 79). Die ehrwürdigen Professoren glauben offenbar, daß die Börse, Agiotage und Spekulation für die sozialistische Gesellschaft ebenso charakteristisch sind wie die Tugend für die Heilige Jungfrau, und daß die Geburt des sozia listischen Apparates der Produktion und Verteilung die kapitalistische Jungfräulichkeit nicht im geringsten stört. Ihnen echot Otto Bauer: „Sie (die Expropriation) kann und soll sich nicht vollziehen in der Form einer brutalen (! !) Konfiskation . . . denn in dieser Form könnte sie sich nicht anders vollziehen als um den Preis einer gewaltigen Verwüstung der Pro duktionsmittel, die die Volksmassen verelenden, die Quellen des Volks-