fordert gerade vom Standpunkt der gesellschaftlichen Organisa tionstechnik den Ucbergang zu sozialistischen Produktionsverhält nissen? Es genügt, nur die Frage allgemein zu stellen, wie ein Sy stem auch nur relativen Gleichgewichtes möglich sei, oder rich tiger, wie die Schaffung von Bedingungen der Bewegung zu einem solchen Gleichgewicht möglich sei, um die kategorische Notwen digkeit der zentralisierten und formal vergesellschafteten Wirt schaft einzusehen. Wir sahen bereits, daß der Rückgang der Res sourcen der Produktion eine der Hauptbedingungen war, die schon im Rahmen des Kapitalismus nach einer planmäßigen, geregelten, organisierten Wirtschaft hin trieben. Darin besteht die innere wirtschaftliche Logik, die bei einer nichtkapitalistischen Gestal tung der Produktionsverhältnisse keineswegs verschwindet, son dern, im Gegenteil, sich noch mehr bemerkbar macht. Der Arbeitsprozeß kann bei der Herrschaft der Bourgeoisie nicht fortgesetzt werden. Die Großproduktion kann bei der Herrschaft des Proletariats nicht anders als expropriiert und nationalisiert werden. Die wirtschaftliche Erschöpfung treibt schließlich noch mehr zu Methoden der Rationalisierung des gesellschaftlichen Wirtschaftsprozesses.*) Die Gesamtheit dieser Bedingungen er- ’) Rudolf Goldscheid geißelt recht geistreich die feige Haltung der „Führer"; „Es ist geradezu unglaublich, mit wie offensichtlich unhaltbaren Argumenten man jetzt mit Erfolg die Beschleunigung der Sozialisierung der Wirtschaft aufzuhalten imstande ist. So z. B., indem man geltend macht, momentan, wo alle Produktion und aller Verkehr stockt, wo es an den nötigen Betriebsmitteln fehlt, sei doch der ungeeignetste Moment zur So zialisierung der Wirtschaft. Herrschte umgekehrt Hochkonjunktur, würde man zweifellos erklären; man darf doch nicht mit Experimenten kommen, während alles im besten Gange ist. Gegen das, was man nicht will, findet man immer leicht Gründe. Und jedenfalls ist es offenbar, daß in einer Zeit, wo der Betrieb herabgesetzt ist, und wo eine tiefgreifende Umstellung der Wirtschaft unter allen Umständen unvermeidlich erscheint, die Um wandlung der individualistischen in die sozialistische Wirtschaft noch am ehesten durchzuführen wäre.“ („Sozialisierung der Wirtschaft oder Staats bankerott", Wien, 1919, S. 11.) Dies schreibt — ad notam der Sozial demokratie — ein bürgerlicher Pazifist.