73 Was ist die „Phaseologie" des revolutionären Prozesses? Diese Frage muß beantwortet werden. Denn durch das Ver kennen der gesetzmäßigen Aufeinanderfolge der verschiedenen Phasen ist auch eine ganze Reihe der blödsinnigsten Vor stellungen zu erklären. Ein deutscher Ingenieur, Hermann Beck,*) „widerlegt“ Marx, indem er behauptet, daß die „sozialen Katastrophen (Revolu tionen) wirtschaftlich nicht durchaus bedingt“ sind, denn, wie es das Beispiel der „antimilitaristischen" Revolutionen gezeigt hat, steht hier die „Machtverschiebung, die ganz am Ende der Ent wicklungsreihe stehen sollte, ganz am Anfang“. Es ist jedoch leicht einzusehen, welche Gesetzmäßigkeit dem revolutionären A» Prozeß zugrunde liegt. Als historischer prius erscheint der Konflikt zwischen den Produktivkräften und den Produktionsver hältnissen; dieser Konflikt findet seinen subjektiven Klassenaus druck in der „Empörung des Proletariats", d, h. determiniert den Klassenwillen auf bestimmte Art. Der Anstoß kommt aus der Sphäre der Wirtschaft oder, richtiger, aus dem Zusammenstoß zwischen den Produktivkräften und der ökonomischen Hülle, Weiter beginnt die katastrophal rasche „Gegenwirkung" von der ideologischen Sphäre zu den Produktivkräften; dabei entstehen während dieses Prozesses Gleichgewichtsbedingungen auf neuer Grundlage. Dieser dialektische Prozeß passiert folgende Phasen:**) I, Ideologische Revolution. Die ökonomischen Bedingungen zerstören die Ideologie des Burgfriedens, Die Arbeiter klasse wird sich ihrer selbst bewußt als Klasse, die die Herrschaft *) Hermann Beck: „Eröffnungsansprache" (“Wege und Ziele der Soziali sierung", S. 10—12). Nebenbei bemerkt, die Art und Weise, wie Herr Beck die Revolution behandelt, erinnert ganz an unsere selige „Nowaja Schisn”. **) Diese Formulierung wurde zum ersten Mal von Gen. Kritzmann in einem geistvollen Artikel: „Heber die nächstliegende Aufgabe der prole tarischen Revolution 1 in Rußland" gegeben. („Narodnoje chosjastwo“ 1918, Nr. 5.)