26 II. HAUPTTEIL. Einwanderungsbewegung für Deutschland eine ungleich schwerwiegendere Tatsache ist, als für die Vereinigten Staaten, und zwar auf Grund der bedeutend höheren Be völkerungsdichte in Deutschland. Aber wir erkennen, daß solche rein quantitative Be trachtungsweise nicht zu einer Beurteilung der inneren Bedeutung und zu einem vollkommenen Vergleich dieser Wanderungsbewegungen führen kann. Die Bedeutung einer seits, die solche Einwanderung für eine Volkswirtschaft besitzt, und andererseits die Aufgaben, die ihr durch sie erwachsen, sind nicht allein von der zahlenmäßigen Größe der Einwanderung allein abhängig. Der Entwicklungsgrad der Volkswirtschaft, der Grund und Boden, in der sie wur zelt, und ihre Entwicklungsmöglichkeiten müssen ebenso sehr berücksichtigt werden, wie die wirtschaftliche Lage der Einwanderer und ihre innere Einstellung zur Wande rung. Erst durch einen Vergleich solcher Gegebenheiten läßt sich die wahre Tragweite der von uns zu behandelnden Einwanderung der vertriebenen Elsaß-Lothringer erkennen. Doch bevor wir einen solchen Vergleich in aller Kürze versuchen, müssen wir noch ein Allgemeines zur Wande rungsfrage erläutern. Im Gegensatz zur Aus- bzw. Einwanderung steht die sogenannte Binnenwanderung. Auch diese Binnenwande rungen haben zeitweise bedeutenden Umfang angenommen. So hatte Ostpreußen in den 65 Jahren von 1840—1905 einen Verlust durch solche Wanderungen innerhalb der deutschen Staaten von 633000 Seelen, Berlin einen Zu wachs von 1000000, das Rheinland von 343 000 Seelen zu verzeichnen. Vor welche schwerwiegenden Aufgaben eine Volkswirtschaft durch solche Bevölkerungsbewegung innerhalb ihrer Grenzen gestellt wird, geht aus der zur Genüge bekannten Landarbeiterfrage hervor, die ihren Ur sprung in der Landflucht hat, d. h. der vor dem Kriege jährlich 400000 Menschen betragenden Abwanderung vom Lande in die Stadt. Wir müssen uns an dieser Stelle die Frage vorlegen, unter welche Kategorie von Wanderungen die elsaß-loth-