48 II. HAUPTTEIL. am größten in den Städten. Aber wir brauchen trotzdem vor allem den Neubau von Wohn- und Wirtschaftsstätten auf dem Lande. In den Städten muß durch eine straff organisierte Rationierung der Wohnungen geholfen werden. Gelingt die Umschichtung der Bevölkerung in dem von uns vertretenen Sinne, so wird bald Platz geschaffen in den Städten, und die jetzt in den Städten angelegten Milli arden für Neubauten wären vergeudet. Dem Bau von Wohn- und Wirtschaftsheimstätten auf dem Lande dürfen wir hingegen mit gutem Gewissen weitere Milliarden zu wenden. Diese Milliarden sind produktiv angelegt. Wir können diese Schuldaufnahme in ganz anderer Weise gegen über der Zukunft vertreten, als z. B. die für die Erwerbs losenunterstützung verausgabten Mittel. Freilich um in dem Umfang und in der Art wie vor dem Kriege zu bauen, wäre eine Schuldaufnahme auf die Zukunft nötig, die das Erlaubte übersteigen würde. Wir müssen im Wohnen un sere Lebenshaltung herabsetzen und zu den einfachsten Bauweisen zurückkehren. Wir müssen an Arbeitskräften durch Heranziehung der Anzusiedelnden selbst sparen, da die Arbeitslöhne für Bauarbeiter mit das höchste Kosten element sind. Damit soll nicht von unsinnig hohen Löhnen gesprochen werden, da auch in ihnen nur unsere Armut zutage tritt. Wenn wir in dieser Weise Vorgehen, dann werden wir auch heute noch in der Lage sein, auf dem Lande und in den Rohstoffgebieten eine Ansiedelung in großem Maße durchzuführen. Dafür liegen Beispiele vor. Als Musterbeispiel sei die Siedelungsaktion des Haupt mann Schmude hervorgehoben. Mit Erwerbslosen aus Magdeburg zog Hauptmann Schmude am 2. Mai 1919 ins norddeutsche Braunkohlen revier. Durch die Arbeit in den Kohlenbergwerken er arbeiteten sich diese Männer die Mittel zur Erbauung von Heimstätten. Durch den Zusammenschluß in dem Kleinsiedelungsverein „Siedlungs- und Arbeitsgemeinschaft Neu-Deutschland“ (am 16. September 1919) wurde nicht nur das nötige Kapital zur Anzahlung auf den Kaufpreis der Heimstätten beschafft, wichtiger ist die Bestimmung / »