WANDERUNGSVORGANG ELS.-LOTHR. BEVÖLKERENGSRGUPPEN. 59 Auch werden die wenigen altdeutschen Landwirte in Elsaß-Lothringen alles versucht haben, um nicht von der Scholle fort zu müssen. Bedenkt man ferner, daß gerade diese Landwirte zum großen Teil durch Heirat mit der ein heimischen Bevölkerung verbunden waren, so erhellt dar aus, daß wir mit keiner nennenswerten Zahl von Land wirten unter den vertriebenen Elsaß-Lothringern rechnen können, da solche enge Beziehung zur einheimischen Be völkerung einen gewissen Schutz vor Ausweisung ge boten hat. Aus der landwirtschaftlichen Betriebsgliederung läßt sich der Schluß ziehen, daß wir in Elsaß-Lothringen nur mit einer geringen Zahl von Landarbeitern zu rechnen haben, da bei den kleinen und mittleren Bauernstellen eine Verwendung fremder Arbeitskräfte in größerem Umfang nicht in Betracht kommt. Bedeutend größer ist der Anteil der altdeutschen Be völkerung in der Industrie. Wir bemerken vor allem die hohe Beteiligungsziffer im Bergbau. Der Erzbergbau und die Eisenindustrie Lothringens haben sich erst in der Zeit nach 1871 stärker entwickelt, die einheimische Bevölkerung des östlichen Bezirks Lothringens war zu schwach, um der rasch emporwachsenden Industrie genügend Kräfte stellen zu können. Auch entschloß sich nur ein kleiner Teil der Bevölkerung, von der Landwirtschaft in den Bergbau oder in die Hüttenwerke einzutreten. Nur unter großen Schwie rigkeiten gelang es den verschiedenen Unternehmungen, altdeutsche Arbeiter durch den Bau von mustergültigen Arbeiterkolonien und durch Ausnützung ihrer engen Be ziehungen zum Ruhrgebiet, wo die meisten dieser Firmen selbst ihre Kohlenbergwerke besaßen, heranzuziehen. Außer diesen altdeutschen Arbeitern war eine. sehr große Zahl von Italienern in den lothringischen Hüttenwerken be schäftigt. Im Bergbau waren 1907 16406 in Elsaß-Loth ringen, 8922 im übrigenee Deutschland und 15730 im Aus land geborene Arbeiter beschäftigt. Zum Bergbau gehört allerdings außer dem Erzbergbau auch der lothringische Kohlenbergbau, sowie der unterelsässische Kalibergbau.