76 III. flAÜPTTEIL. altdeutscher Herkunft in Baden, nachdem sie an den Rheinbrücken erfahren hatten, daß nach Elsaß-Lothringen zurückkehrende Soldaten in vielen Fällen von den Fran zosen als Kriegsgefangene abgeführt worden waren, um auf den Tag zu warten, an dem die Grenzsperre aufgehoben würde, und sie zu ihren Angehörigen zurüokkehren könnten. Daß Frankreich die Grenzsperre jahrelang, bis zum heu tigen Tage, aufreohterhalten würde, konnte man damals noch nicht ahnen. Alle Ratschläge von seiten der Behörden fruchteten nichts, und so stieg die Flüchtlingsnot und vor allem die Wohnungsnot in Baden aufs höchste, und es mußten Schritte unternommen werden, um dieser Not zu steuern. Berlin lag in jenen unruhigen Zeiten viel zu weit entfernt, um eine Einwirkung auf diese Verhältnisse ausüben zu können. In Freiburg in Baden hatten sich besonders viele Flüchtlinge angesammelt. Am 20. Dezember 1918 ergriff ein Kaufmann aus Mülhausen die Initiative, und berief eine Versammlung der Flüchtlinge. Ein Ausschuß wurde gewählt, der damit beauftragt wurde, zu untersuchen, welche Schritte zur Linderung der Not und zur Sicherung der Zu-; kunft der Flüchtlinge zu tun seien und die nötigen Maß nahmen zu treffen. Der Ausschuß sandte sofort eine Protestnote gegen die Ausweisungen Deutscher aus Elsaß- Lothringen und die brutale Art ihrer Durchführung, sowie gegen die völkerrechtswidrige Zurückbehaltung sämtlichen Privateigentums an den Volksbeauftragten Ebert, an die deutsche Waffenstillstandskommission, an den schweize rischen Bundespräsidenten Calonder, den schweizerischen Bundespräsidenten Ador und den Präsidenten Wilson. Außerdem trat der Ausschuß sofort in Verbindung mit den Landesarbeitsämtern Süddeutschlands, um einen Arbeits nachweis für die Flüchtlinge einzurichten. Es war be deutsam, daß der Ausschuß als Beratungsstelle für die Flüchtlinge sich dazu entschloß, ein Nachrichtenblatt für alle elsaß-lothringischen Flüchtlinge herauszugeben, das alle die Flüchtlinge betreffenden und interessierenden Fragen handeln und je nach Bedarf erscheinen sollte. Die erste