78 III. HAUPTTEIL. der Flüchtlinge und ihre Weiterleitung in das Innere Deutschlands getroffen würde. Am 1. Januar 1919 wurde er damit beauftragt, Übernahmestellen an den Rheinüber gängen, sowie eine Zentralstelle für die Übernahme der Vertriebenen in Freiburg einzurichten. Im Laufe des Januar wurden Übernahmestellen in Offenburg, Rastatt, Breisach, Mülheim, Weil-Leopolds- höhe, sowie die Reichszentralstelle für die Übernahme in Freiburg eingerichtet. Die Übernahmestelle Kehl mußte am 29. Januar 1919 wegen der Besetzung Kehls durch die Franzosen nach Offenburg verlegt werden. Sämtliche Stellen wurden mit Flüchtlingen besetzt, in erster Linie mit ausgewiesenen Beamten. Aufgabe der Reichszentralstelle und ihrer Übernahme stellen war es nun, die Flüchtlinge zu beraten, die Beamten und Lehrer an die Zentralstelle für die Beamten im Reichs ministerium des Innern, die Angehörigen der übrigen Be rufe an die Selbsthilfeorganisationen der Vertriebenen zu verweisen, den Bedürftigen mit kleinen Geldsummen, so wie mit Nahrungsmitteln und Kleidungsstücken auszuhel fen, und alle Vertriebenen möglichst nach ihren Heimat staaten, denen sie oder doch ihre Eltern angehörten, weiterzuleiten. Bei der Weiterleitung wurde auf die be sonderen Wünsche der Vertriebenen Rücksicht genommen, die in vielen Fällen Obdach bei Bekannten und Ver wandten suchten, oder aus anderen Gründen Süddeutsch land nicht verlassen wollten. Für den vorübergehenden Aufenthalt der Flüchtlinge wurden bei den Übernahme stellen Sammellager teils in Kasernen, teils in ehemaligen Gefangenenlagern, so z. B. in Rastatt, eingerichtet. Außer dem wurden die Flüchtlinge bei den Übernahmestellen mit Flüchtlingsausweisen versehen, um ihre Flüchtlings eigenschaft bei Beanspruchung weiterer Hilfe an anderen Orten kontrollieren zu können. Durch Gründung von Übernahmestellen in den ein zelnen deutschen Ländern wurde das System der Auf nahme der Flüchtlinge weiter vervollständigt. So wurde für Preußen am 12. März 1919 eine Übernahmestelle in