4 Wesen und Bedeutung der Wirtschaf tsbetricbc. versucht). Beides: Güter und Dienstleistungen werden neuerdings zusammengefaßt ­ auch kurz als Leistung bezeichnet. Wir wollen diese Bezeichnung auf einen bestimmten Fall beschränken (vgl. III. Betrieb) und im Bereiche des Begriffes Wirtschaft an der herkömmlichen Bezeichnung Gut festhalten. Der Mensch legt den Gütern nach dem Nutzen, den sie ihm mit Rücksicht auf ihre Eignung zur Bedürfnisbefriedigung gewähren, einen entsprechenden Wert bei. In gleicher Weise bewertet er die Mühen und Opfer, die er für die Bereitstellung der Güter aufzubringen genötigt ist. Nur wenn ein Vergleich ergibt, daß der Nutzen größer ist als der Wert, der dem aufgewendeten Opfer entspricht, wird der Mensch geneigt sein, das in Aussicht genommene Gut zu beschaffen. Dieser Tatbestand ­ hat zu einer weiteren Erklärung des Begriffes Wirtschaft Veranlassung gegeben ­ : wirtschaften sei ein Vergleichen von Nutzen und Opfer oder noch einfacher: ein Wählen zwischen verschiedenen Werten. Diese Aussagen enthalten zweifellos einen richtigen Kern; sie lassen aber nicht den ganzen Vorgang erkennen, der in der Wirtschaft eingeschlossen ist, und sie bleiben daher für den unverständlich, der die Vorgänge nicht im einzelnen erkennt. Wirtschaften bedeutet: Ausübung der Wirtschaft. Es geht darum, auf der einen Seite die Bedürfnisse, die befriedigt werden sollen, nach Art und Größe sowie Dringlichkeit abzuschätzen und auf der anderen Seite zu erwägen, welche Mittel in Betracht kommen, wie sie beschafft, hergestellt oder bereitgestellt werden, welche Verfahren anzuwenden sind, um die Bereitstellung durchzuführen. Hierbei ist ein ständiges Äbwägen und Vergleichen von Nutzen und Opfern erforderlich. Der Vorgang des Wirtschaftens kann auch so liegen, daß von vorhandenen Mitteln auf deren Eignung zur Befriedigung von Bedürfnissen geschlossen wird und abgeschätzt werden muß, welche Opfer noch bis zur Befriedigungsreife zu bringen sind. Und schließlich ist im Wirtschaften eingeschlossen, daß die Einrichtungen ­ geschaffen und die Veranstaltungen getroffen werden, durch die die Güter tatsächlich ihre Eignung zur Bedürfnisbefriedigung erhalten. Das Wirtschaften ­ stellt also sowohl gedankliche Überlegungen als auch praktische Handlungen ­ dar, die — zusammengefaßt als Arbeit ■— recht verwickelter Natur sein können. (Man kann sich das Wirtschaften auch als Werteschaffen vorstellen; dann hätte man zum Einprägen die Worte: Wirtschaften gleich Werteschaffen.) Wenn das Wirtschaften von Erfolg sein soll, dann ist es von Vorteil (und meist notwendig), die einzelnen Teile des Vorganges in einer bestimmten Ordnung und Folge zu erledigen. Also: zuerst zu überlegen, welche Bedürfnisse befriedigt werden ­ sollen, dann: welche Mittel hierfür in Betracht kommen, und besonders: in welcher Reihenfolge und Zusammenwirkung die Stoffe und Kräfte anzusetzen sind, damit die Bereitstellung der Güter gelingt. Dieses ordnende Überlegen und Handeln des Menschen wird als Planen bezeichnet; somit liegt der Wirtschaftstätigkeit ­ ein bestimmter Plan — der Wirtschaftsplan zugrunde. So wird Wirtschaft ­ als die planmäßige menschliche Tätigkeit zur Bereitstellung von Gütern bezeichnet. Und da dieses ordnende Planen von der menschlichen Vernunft vorgenommen ­ wird, sagt man weiter, daß Wirtschaften zugleich ein vernunftgemäßes (rationelles) Handeln sei. Doch muß man sich hierbei vor dem Mißverständnis hüten, als ob es sich in der Wirtschaft immer nur um den höchsten Grad menschlicher ­ Vernunft handeln müsse. Die im einzelnen vorgesehene oder durchgeführte Ordnung kann selbstverständlich ebensogut einer weniger zweckmäßigen oder gar einer schlechten Ordnung entsprechen. So gibt es Wirtschaften, die ihren Zweck erfüllen, und die vielleicht nach ihrer Ordnung als Lotterwirtschaften zu bezeichnen ­ sind. Nicht selten haben unordentliche Wirtschaften einen künstlerischen oder spielerischen Beigeschmack. Endlich ist zu beachten, daß das Wirtschaften trotz besten Planens und größter Ordnung sein Ziel auch mal nicht erreichen