12 Wesen und Bedeutung der Wirtschaftsbetriebe. liegen ferner vor, wenn Beamte einer öffentlichen Körperschaft (Staat, Gemeinde) ­ ein Gehalt beziehen, für das die Geldmittel aus Steuern, d. h. Abgaben aus der Wirtschaft oder dem Einkommen der einzelnen Personen, aufgebracht werden. Endlich rechnet man zu den abgeleiteten Einkommen die Geldeinnahmen ­ der sog. freien Berufe, d. h. derjenigen Personen, die geistige oder künstlerische ­ Leistungen anderen Wirtschaften oder Personen anbieten. Die Erzielung der Geldeinkommen erfolgt des Erwerbs wegen; daher die Bezeichnung; ­ Erwerbswirtschaft. Es ist nun üblich, diese Bezeichnung auf jede Erzielung von Geldeinkommen anzuwenden; also gibt es eine Erwerbswirtschaft des Arztes, des Künstlers, der Angestellten, des Arbeiters, der Kapitalisten -— und eine Erwerbswirtsehaft, die Güter herstellt. (Wirtschaft im C-Sinne.) Den hierbei zutage tretenden Unterschied zwischen ursprünglichen und abgeleiteten Einkommen ­ will man dadurch kennzeichnen, daß man von selbständiger und unselbständiger ­ Erwerbswirtschaft spricht. Deutlicher ist es, zu sagen: eigentliche und uneigentliche Erwerbswirtschaft. Dann ist die eigentliche Erwerbswirtschaft gleichbedeutend mit der Wirtschaft, die Güter für die Befriedigung materieller Bedürfnisse herstellt (und den Haushalt nicht umschließt). Mit dieser eigentlichen Erwerbswirtschaft haben wir es im weiteren Verlauf unserer Darstellung zu tun. (Wirtschaft im B-Sinne.) Endlich: wenn auch — im ganzen gesehen — es die Einkommen sind, die die in den Erwerbswirtschaf ten hergestellten Güter kaufen sollen, so können sich doch im einzelnen Unausgeglichenheiten ergeben, die für den beabsichtigten Ablauf der Wirtschaften von entscheidender Bedeutung sind. Denn die Einkommensbezieher haben in der Verfügung über ihre Mittel grundsätzlich freie Hand; das gilt sowohl ­ für den Zeitpunkt, zu dem sie die Mittel ausgeben wollen, als auch für die Menge und Art der Güter, die sie erwerben wollen. Das bedeutet für die Wirtschaft, ­ die Güter bestimmter Art erstellt, eine mehr oder minder große Unsicherheit ­ hinsichtlich ihres Erfolges: ob gerade das Gut, das sie erzeugt, auch für seine ihm zugedachte Zweckbestimmung wirklich gekauft wird. Es kommt hinzu, daß das Einkommen nur zu einem Teil zur Anschaffung von Gütern verwendet wird: ein anderer Teil kann gespart werden. Die Herstellung der Güter, aus der das Einkommen geflossen ist, ist aber bereits erfolgt: wenn jetzt das Einkommen in Geldform einfach im Geldschrank verbleibt, ist von hier aus eine Störung in den Marktbeziehungen eingetreten. Endlich ist zu beachten, daß das ersparte Geldeinkommen ­ anderen Personen und Wirtschaften leihweise •— als Kredit, durch Vermittlung der Banken -— überlassen werden kann und es von deren Verwendung wieder abhängig ist, was an Gütern gekauft wird. Auf jeden Fall ergibt sich aus diesem Zusammenspiel von Erwerbswirtschaft und Einkommen sowohl eine Unsicherheit des Wirtschaftserfolges als auch eine Unsicherheit des Einkommensbezugs. Allerdings wird diese Unsicherheit durch vier Umstände in etwa wieder eingeschränkt: 1. Es gibt eine Zahl unverrückbarer Bedürfnisse, deren Befriedigung mehr oder weniger feststeht, wie z.B. Wohnung, Nahrung, Kleidung, 2. insbesondere innerhalb der abgeleiteten Einkommen ist die große Masse des Einkommens nur geringen Schwankungen unterworfen, wie z.B. Löhne und Gehälter, 3. haben sich hinsichtlich des Sparens und der Verwendung von Spargeldern bestimmte Gewohnheiten (Kreditpolitik) herausgebildet, denen eine gewisse Regelmäßigkeit innewohnt, 4. gibt die Preisgestaltung am Markt gewisse ­ Fingerzeige für die Richtung, Größe und Dringlichkeit der Nachfrage wie des Angebots von Gütern, so daß eine entsprechende Einstellung der beteiligten ­ Wirtschaften möglich ist. Immerhin ist daran festzuhalten, daß die Erwerbswirtschaft, die Güter für die Bedürfnisse anderer Personen herstellt und gegen Geld verkauft, mit einer erheblichen Unsicherheit hinsichtlich ihres Erfolges