Erwerbswirfcsohaft und Unternehmung. 13 behaftet ist. Diese Unsicherheit ist in der geschlossenen Hauswirtschaft wie auch in der eigentlichen Tauschwirtschaft, hei der sich der Tausch gewöhnlich nur am Rande der Herstellung für den eigenen Bedarf abspielt, nicht in dieser Weise gegeben. Sie wird durch die Auflösung des Tausches: Gut gegen Gut in den Verkauf ­ gegen Geld und Kauf mit Geld herbeigeführt. Für die Führung der Erwerbswirtschaft ­ ist daher eine genaue Kenntnis ihrer Zusammenhänge mit dem Bedarf, ­ dem Stande der jeweiligen Marktbeziehungen, wie von deren Entwicklungsmöglichkeiten ­ eine unerläßliche Voraussetzung. (Vgl. C. Die Gesamtwirtschaft.) Das letzte, doch nicht das geringste: in der Erwerbswirtschaft hat die Wirtschaft das Merkmal eines Mittels zum Zweck angenommen; sie will mit Hilfe der hergestellten und abgesetzten Güter einen Geldüberschuß erzielen. Je größer dieser Geldüberschuß ist, um so höher kann das Geldeinkommen des Wirtsohaftseigners sein (ob auch der im Verbände der Wirtschaft mitwirkenden Angestellten, Arbeiter, Kapitalgeber bleibt zunächst offen). Ein hohes Geldeinkommen ­ ermöglicht eine bessere oder umfangreichere Befriedigung der eigenen Bedürfnisse oder durch Rücklegung eine Ansammlung von Sparvermögen, das dem Besitzer zu einer günstigeren Lebenslage verhilft. Der Anreiz zur Erzielung möglichst hoher Geldeinkommen ist mit der Durchsetzung der Erwerbswirtschaft gegeben. Und wenn auch der Wettbewerb der Wirtschaften untereinander wie das ebenfalls eigennützige Verhalten der Käufer dafür sorgen, daß auch hier die Bäume nicht in den Himmel wachsen, so ist doch zweierlei möglich: 1. daß über das Geldeinkommen die Beschaffenheit, Brauchbarkeit (und Notwendigkeit) der hergestellten Güter vernachlässigt wird, und 2. daß die Personen, die über die Wirtschaft verantwortlich verfügen, von der Idee des Geldverdienens um jeden Preis ergriffen werden und dadurch leicht die sonst Beteiligten schädigen können. Beiden Gefahren ist in unseren weiteren Ausführungen Rechnung zu tragen. 2. Die Unternehmung. Wie der Begriff Wirtschaft, so ist auch das, was eine Unternehmung ist oder sein soll, sehr umstritten. Geht man, was nahehegend ist, von der Bedeutung des Wortes aus, so heißt unternehmen soviel, wie etwas tun, was mit einem Wagnis verbunden ist, dessen Ausgang also ungewiß ist. In diesem Sinne waren die Kreuzzüge des Mittelalters ebenso ein Unternehmen, wie die Handelskompanien einer späteren Zeit, ist die Zerstörung Karthagos wie die Errichtung ­ einer Automobilfabrik in der Gegenwart als ein Unternehmen anzusehen. Unternehmung kann also alles sein, was mit der Möglichkeit des Mißlingens behaftet ­ ist, eine Tätigkeit, deren Ausgang zweifelhaft ist, bei der etwas gewagt wird, die ergebnislos oder gar mit Einbußen verlaufen kann. Von diesem allgemeinen Sinn ist Unternehmung auf den Bereich der Wirtschaft übertragen worden und zwar im Laufe der Zeit in einem solchen Maße, daß, wenn von Unternehmung die Rede ist, man vorzugsweise oder gar ausschließlich eben nur an die Wirtschaft denkt, also an die Wirtschaftsunternehmung. Ist nun eine jede Wirtschaft zugleich auch eine Unternehmung ? Man könnte es fast behaupten. Denn in jeder Wirtschaft, sowohl in der einfachsten als auch in der größten und verwickeltsten Wirtschaft, in der Hauswirtschaft wie in der Erworbswirtschaft gibt es für den Menschen ein Wagnis, nämlich das: daß das Ziel der Wirtschaft, das Werteschaffen, nicht erreicht wird. In der geschlossenen Hauswirtschaft kann es Vorkommen, daß die Bedürfnisse der Angehörigen falsch eingeschätzt werden oder daß die Herstellung der Güter mißlingt, sei es, daß die Menschen versagen oder durch äußere Einflüsse die Menge oder Beschaffenheit der Güter eine Einbuße erleiden. Insbesondere in der Erwerbswirtschaft tritt dieses Wagnis in Erscheinung: die Wirtschaft, die Güter für andere Personen herstellt und für diese Güter einen Abnehmer am Markt sucht, läuft Gefahr, daß sie diesen Abnehmer nicht findet, sei es, daß für die Güter kein Bedarf besteht