Der Betrieb. 23 also im ganzen Bereich der menschlichen Betätigungen gibt es ein Betreiben und demzufolge auch einen Betrieb: Spielbetrieb, Sportbetrieb, Geselligkeitsbetrieb -— und einen Wirtschaftsbetrieb. Auch der Haushalt, den wir als außerhalb der Wirtschaft stehend gekennzeichnet hatten, wird betrieben; es gibt also auch einen Haushaltsbetrieb. Dieser Ausgangspunkt ist deshalb wichtig, weil — wie aus vorstehendem ersichtlich ­ ist — das Wort Betrieb zwar auf ein Tätigwerden hinweist, aber das Wort für sich noch nicht schon sagt, worauf sich die Veranstaltung bezieht, ob auf den Sport, das Spiel, den Haushalt oder die Wirtschaft. Das bedeutet, daß man aus dem Wort Betrieb allein nicht das Anwendungsgebiet des Betriebes ableiten kann; es sei denn, daß man eben das Betreiben aller menschlichen Tätigkeiten ins Auge faßt. (Das ist zu beachten, wenn man das Wort Betrieb zur Abgrenzung oder Inhaltsbestimmung ­ einer Wissenschaft machen will: Betriebswissenschaft, Betriebslehre, Betriebswirtschaftslehre; vgl. D). Nun läßt sich allerdings nicht leugnen, daß auch der Sprachgebrauch das Wort Betrieb nicht einheitlich verwendet. So ist es insbesondere üblich (geworden!), eine bestimmte Art der menschlichen Veranstaltung ­ als Betrieb zu bezeichnen, z.B. die Werkstatt, in der sich das Be- oder Verarbeiten ­ von Stoffen vollzieht. Hier wird der Betrieb als eine technische Veranstaltung ­ gesehen, die unter Umständen sogar außerhalb der Wirtschaft (in wissenschaftlichen Versuchsanstalten) vor sich gehen kann. Techniker und Ingenieure ­ fassen mit Vorliebe das Wort Betrieb in diesem (technischen) Sinne auf. Angesichts der Vielgestaltigkeit in der Verwendung des Wortes Betrieb kann es schließlich nicht wundernehmen, wenn es vorkommt (und empfohlen wird), das Wort Betrieb einfach dem Begriff: Wirtschaft gleichzusetzen. Dann sollen Wirtschaft und Betrieb (und ebenso: Unternehmung und Betrieb) nur zwei verschiedene ­ Ausdrücke für eine und dieselbe Sache sein. Eine solche Gleichsetzung bedeutet sicherlich eine Vereinfachung (sonst umständlicher) Auseinandersetzungen; ­ mit ihr ist aber eine arge Vergewaltigung der Sprache und eine solche Verschüttung ­ von Erkenntnismöglichkeiten verbunden, daß man von dieser Gleichsetzung ­ dringend abraten muß. Denn wie die Wörter Wirtschaft und Betrieb sprachlich grundverschieden sind, so auch ihr Inhalt und ihre Bedeutung. Betrieb kommt von betreiben; in betreiben liegt die bewußte, daher geordnete Ausführung einer Tätigkeit. Betrieb ist geordnete, zweckbewußte, planmäßige Durchführung einer Tätigkeit (des Spiels, des Sports, der Geselligkeit, des Haushaltes). ­ Auch das Wirtschaften, die Wirtschaft, schließt ein Betreiben, eine geordnete, ­ planmäßige Tätigkeit ein, wenn die Wirtschaft vollzogen werden soll; auch die Wirtschaft wird betrieben, stellt insofern einen Betrieb dar, eben den Wirtsohaftsbetrieb, zum Unterschied von Spiel-, Sport-, Haushalts- usw. Betrieb. Wenn wir von Betrieb der Wirtschaft sprechen, so denken wir an die Veranstaltungen, ­ die erforderlich sind, um das, was die Wirtschaft bezweckt, in die Tat umzusetzen, denken wir an die Menschen, die die Wirtschaft verwirklichen, an die Tätigkeit als solche, ihre Art, Durchführung, Gestaltung, an alles das, was der Mensch in Verfolg seiner Wirtschaft unternimmt, um seine Überlegungen, Pläne, Absichten zur Durchführung zu bringen. Wirtschaft ist dann dieser Wirtschaftsbetrieb, ­ gesehen als der Vollzug des Werte-schaffens. In diesem Sinne ist Betrieb mehr als der technische Teil des Wirtschaftsbetriebes, mehr als Werkstatt und als Büro; Betrieb ist die ganze Wirtschaft, soweit sie eben betrieben wird, ist die Durchführung dieser Wirtschaft. (Man könnte in Vergleich sagen; Wirtschaft ist das Leben, Betrieb der Körper, durch den das Leben vollzogen wird.) Wirtschaftsbetrieb soll daher heißen: Wirtschaft und Betrieb, und zwar diese und jene Wirtschaft mit diesem und jenem Betrieb. Wenn es eine Hauswirtschaft, ­ eine Tauschwirtschaft und eine Erwerbswirtschaft gibt oder gegeben hat,