Die Zusammenschlüsse von Wirtschaftsbetriehen. 97 fabriken, die Elbe-Sohiffahrts- oder Köln-Rottweiler-Sprengstoffgesellsohaft waren sogar eindeutige ­ Ansätze zu Trusts mit monopolistischer Tendenz. Am weitesten in dieser Hinsicht schien schon 1901 die Reis- undHandels-A.-G. Bremen gekommen zu sein, die neun Fabriken umfaßte und damals nicht sehr weit von einem Reisschäl- und Handelsmonopol in Deutschland ­ entfernt war. Durch den Krieg wurde diese Entwicklung aufgehalten; Kriegslieferungen, Absatzsorgen, Arbeiter- und Rohstoffmangel ließen im allgemeinen große Umschichtungen nicht zu, in allen Zubringergewerben war Hochkonjunktur, wenn auch einseitiger Art. Bei Kriegsende, als diese Kriegskonjunktur aufhörte, setzte sofort ein ungeheuerer Bedarf an Eriedenswaren aller Art ein, die Kriegsfolgen mußten ausgeglichen werden, die Umstellung auf Priedensarbeit erforderte ­ Erweiterungen und ebenso die Neugruppierung ganzer Industrien, vor allem die der Schwerindustrie im Westen und in Oberschlesien infolge der Gebietsabtretungen. In der Folge verschärfte die Inflation mit ihrem Sachwerthunger einesteils die allgemeine Warenund Rohstoffknappheit bei anderteils heftigster Nachfrage auf allen Gebieten. Zwar hatte die Zahl der Kartelle, durch die Kriegswirtschaft gefördert, noch zugenommen, aber ihre Bedeutung ­ war geringer geworden. Diese Zeit ist gekennzeichnet in überwiegender Weise durch das Bestreben, vor allem Rohstoffe zu sichern: die Vor-Nach-Zusammenfassung beherrscht alle übrigen Entwicklungen. Daß daneben im Bestreben der Sachwerterhaltung häufig wahllos Angliederungen ganz wesenfremder Betriebe oder durch neue Pinanzgrößen Aufkäufe irgendwelcher ­ Art vorgenommen wurden, verwirrte zwar das Bild, ohne jedoch die Richtung verwischen ­ zu können. Die Stabilisierung der Mark brachte dann mit der Notwendigkeit genauer Rechnungen in allen Kreisen der Bevölkerung die ersten Absatzsorgen infolge mangelnder Kaufkraft und auch die Grundlage ernsthaften Wettbewerbs mit dem Ausland. Es stellte sich heraus, daß die meisten deutschen Betriebe sowohl in technischer als auch organisatorischer Hinsicht rückständig ­ geworden waren. Die Kapitalknappheit, hohe Steuerforderungen, steigende Löhne und Sozialabgaben u. a. kamen hinzu und stellten die deutsche Wirtschaft vor die gebieterische Notwendigkeit, unter allen Umständen zu erheblichen Kostensenkungen zu gelangen. Diese war — nach Lage der Dinge — fast ausschließlich eine Präge der Produktionserhöhung, welche nur über technische Verbesserungen und zunehmende Mechanisierung erreichbar schien. Entscheidend ­ für das Gelingen dieser Pläne war aber der Absatz; nur wenn es gelang, den Absatz der Erzeugnisse zu erhöhen, konnte eine volle Beschäftigung der Anlagen und damit die geringste ­ Kostenlage des Unternehmens für eine Wettbewerbsfähigkeit notwendig erreicht werden. So setzte mit der Rationalisierung auf allen Gebieten der ungeheure Drang zum Großbetrieb ­ ein, der, da die allgemeine Umsatzausweitung nicht Schritt hielt, nun zumeist auf Kosten der Mitbewerber vorgenommen wurde. Unterstützt durch Kreditaufnahmen im Ausland, ­ die freilich nur den größten Firmen des Geschäftszweiges entweder unmittelbar oder über die Banken zur Verfügung standen, wurde der technische und organisatorische Ausbau vorgenommen; die Vereinigten Stahlwerke, die verschiedenen Kali- und Kohlenkonzerne, die IG.-Parben, der Linoleum-Trust, der Nordwolle-Konzern waren die bekanntesten, eine große Anzahl weiterer Zusammenschlüsse in anderen Gewerbezweigen, die weniger bekannt gewordenen ­ Auswirkungen dieser Entwicklung, unter denen die Mühlenbau (Miag), Kugellager, ­ Waggon- und Zementkonzerne, die Zellstoffgruppen, Textilkonzerne (Hammersen-Dierig) als weitere typische Beispiele angeführt werden sollen. Das Ergebnis dieser starken Vor-Naoh- (in der Inflation) und Neben- (in der ümstellungszeit) Konzentration waren Unternehmungen, die neben einer recht großen, räumlichen und umsatzmäßigen Ausdehnung eine fast unübersehbare Gliederung aufwiesen und häufig von der Urproduktion bis weit in die Fertigung hineinreiohten. Auch die verwalteten Kapitalien wuchsen demgemäß zu erheblichem Umfang an. Die entstandenen Groß- und Riesenbetriebe und ihre Entwicklung zum monopolistischen Trust stellten an die Fähigkeiten der leitenden Personen nicht geringe Ansprüche. Eine Zusammenfassung der Ziele der Zusammenschlüsse in Konzerne und Trusts (T h y s - s e n im Enquete-Ausschuß I 3) stellt allgemein „das Streben nach höchstmöglicher Wirtschaftlichkeit ­ im Interesse des privaten Kapitals sowie auch der allgemeinen Volkswirtschaft in den Vordergrund“. Dieses Ziel ist in Wirklichkeit nicht überall erreicht worden, weil einmal der erforderliche Absatz in den meisten Fällen ausgeblieben ist (das Ende der Rationalisierung fiel mit einer scharfen Wirtschaftskrise in der ganzen Welt zusammen), ferner durch die Rationalisierung ­ selbst diese Krise (durch gesteigerte Arbeitslosigkeit) noch verstärkt wurde und endlich — nicht zuletzt — auch die erwarteten Vorteile des Großbetriebs durch die oben angegebenen ­ Nachteile: Schwierigkeit der Abstimmung der einzelnen Teile aufeinander, Rückwirkungen ­ der Absatzschwankimgen auf die vorgelagerten Betriebe und die Personenfrage häufig aufgehoben oder sogar in ihr Gegenteil verkehrt worden sind. So leidet zur Zeit eine große Zahl gerade der Großbetriebe darunter, daß sie zwar über große und gut eingerichtete Anlagen verfügen, daß ihre Leistungsfähigkeit aber durch Aufträge nur in geringerem Maße Prion, Die Lehre vom Wirtschaftsbetrieb. I. 7