Das Gebilde der Marktwirtschaft. 103 außerdem hinzu, daß auch für den hierdurch entstehenden neuen Bedarf Vorsorge getroffen werden muß, d. h., daß entsprechend mehr Verbrauchsgüter und mehr Produktionsgüter hergestellt werden müssen. Hier kommt der schon erwähnte Vorgang des Sparens zum Zuge, indem ein Teil der Geldeinkommen nicht für Verbrauchsgüter ausgegeben, sondern für die Vermehrung oder Verbesserung der Produktionsgüter verwendet wird. Für den Bezieher von Geldeinkommen bedeutet das Sparen einen Verzicht auf die sofortige Ausgabe seiner Kaufkraft, also ein Begehren von weniger Verbrauchsgütem; in Wirküohkeit stellt dieser Verzicht die Möglichkeit dar, eine Vergrößerung des Bestandes ­ an Produktionsgütern vorzunehmen, der erforderlich ist, um die Bedürfnisbefriedigung ­ einer größer werdenden Volksgemeinschaft sicherzustellen. Soweit die Herstellung von Gütern (Produktion). Auf der anderen Seite steht die Befriedigung der Bedürfnisse. Zur Beschaffung der Güter stehen die Geldeinkommen ­ der einzelnen Menschen zur Verfügung, sowie die ersparten Geldeinkommensteile, ­ mit denen die Produktionsgüter beschafft werden können. Wie kommen nun die Güter, die zur Bedürfnisbefriedigung benötigt werden, mit den Gütern, die die Wirtschaftsbetriebe auf Grund ihrer Schätzungen hergestellt haben, zusammen ? Zwei Möglichkeiten gibt es: entweder findet eine Festlegung der Befriedigungsmittel und eine dementsprechende Verteilung der Güter durch eine obrigkeitliche Stelle statt, oder die verlangten und hergestellten Güter suchen und finden sich sozusagen von selbst. Wo das letztere geschieht, sprechen wir von einem Markt; unter Markt verstehen wir die Gesamtbeziehungen zwischen Angebot ­ und Nachfrage nach Gütern (zum Unterschied von den einzelnen Marktveranstaltungen, ­ bei denen sich an bestimmten Orten, zu bestimmten Zeiten bestimmte ­ Menschen treffen, um in bestimmten Gütern An- und Verkaufsgeschäfte abzuschließen). Der Markt im ersteren (allgemeinen) Sinne setzt allerdings voraus, ­ daß sich das Angebot und die Nachfrage in mehr als zwei Personen verkörpert. Entsprechend nennen wir die Gesamtwirtschaft, die sich durch den Markt vollzieht, ­ die Marktwirtschaft. Im Grunde genommen handelt es sich um die Tauschwirtschaft ­ im Gegensatz zur Eigenwirtschaft oder geschlossenen Hauswirtschaft; denn diejenigen, die Güter herstellen, tun dies, um sich die Mittel zu beschaffen, mit denen sie die Güter für die eigene Bedürfnisbefriedigung erwerben wollen. Doch hat sich die Bezeichnung: Marktwirtschaft insbesondere für den Zustand der Tauschwirtschaft eingebürgert, bei dem nicht mehr in Naturalgütern getauscht ­ wird, sondern ein allgemeines Zahlungsmittel, das Geld, gebraucht wird, das den Tauschvorgang in einen Verkauf und Kauf gegen Geld zerlegt hat. Nichtsdestoweniger ­ wird auch heute noch für Marktwirtschaft vielfach Tauschwirtschaft gesagt. Der Markt wird gebildet von dem Angebot der hergestellten Güter auf seiten der herstellenden Wirtschaften sowie von der Nachfrage nach Gütern zur Bedürfnisbefriedigung ­ von seiten der bedürfenden Menschen. Die Geldmenge, die für ein bestimmtes Gut gefordert oder geboten oder wirklich bezahlt wird, ist der (Angebots-, Nachfrage- oder tatsächliche) Preis für dieses Gut. Der Preis ist das besondere Kennzeichen der Marktwirtschaft und zugleich das Steuerungsmittel für den Ausgleich in der Gesamtwirtschaft. Zunächst bewirkt der Preis, daß nicht nur eine Beschränkung der Bedürfnisse, sondern auch eine Rangordnung derselben auf seiten des Nachfragenden herbeigeführt ­ wird. Die Bezieher von Geldeinkommen werden gezwungen, die ihnen zustehende Gesamtgeldmenge so auf die einzelnen, von ihnen gewünschten Güter zu verteilen, daß sie den höchstmöglichen Grad des Genusses erreichen. Steigt der Preis für ein bestimmtes Gut, weil die Nachfrage größer oder das Angebot kleiner wird, so muß der Käufer eine größere Geldmenge aus seinem Einkommen