Das Studium. 157 seitig durchdringen und beeinflussen. Diese Verbundenheit kam aber an den Stätten, an denen die Wirtschaftslehre und die Techniklehre gelehrt wurden, nicht mehr zum Ausdruck. Im Gegenteil, es hatten sich diese beiden Wissensgebiete ­ immer mehr zu Sonderstudien entwickelt und somit jegliche Verbindung miteinander verloren. In den Fällen, in denen Techniker und Kauf leute zusammen arbeiten sollten, redeten sie Jeder eine eigene Sprache und konnten sich gegenseitig ­ schwer aufeinander einstellen. Die Folge war der Ruf aus Industrie und Wirtschaft nach technisch vorgebildeten Kaufleuten und Volkswirten, die soviel technisches Verständnis haben, daß sie die Produktionsvorgänge und den Fragenkreis ­ des technischen Geschehens übersehen können, aber ebenso nach Ingenieuren, ­ die mit der kaufmännischen Denkweise vertraut sind. Das erstrebenswerte Ziel war also, einen Kaufmann heranzubilden, der das Wesen der Technik und das technische Denken begriffen hat, der die Sprache der Technik versteht und sich deren Gedankenwelt durch eingehendes Studium zumindest ­ eines Gebietes der Technik zu eigen gemacht hat und somit gleichzeitig den Gegensatz zwischen Ingenieur und Kaufmann im Betriebe herabzumindern imstande ist. So ist es die Anforderung des praktischen Lebens, die für die wirtschaftlichen Berufe ein Studium der Wirtsohaftslehre mit technischem Einschlag ­ zweckmäßig erscheinen ließ. Da es sich bei der Einrichtung eines solchen Studiums um das Nachbargebiet der Technik, der Wirtschaft, handelt, so wurde der Absolvent dieses Studiums als Wirtschaftsingenieur bezeichnet. Wirtschaftsingenieur ­ heißt also, daß jemand im wesentlichen Wirtschaftslehre studiert und sich soweit zusätzlich mit Technik beschäftigt hat, daß er technische Angelegenheiten ­ verstehen und bearbeiten kann. Der Wirtschaftsingenieur soll nicht selbst entwerfen, bauen und gestalten können; er soll aber in der Lage sein, diese Dinge zu beurteilen und sie im Bereiche seines Hauptfaches, der Wirtschaft, ­ anzuwenden. Aus dieser Aufgabe ergibt sich Art und Umfang des Studiums, in dem eine Verbindung hergestellt werden muß zwischen der Technik und der Wirtschaftswissenschaft. ­ Entsprechend der Wichtigkeit der wirtschaftsbetrieblichen Ausbildung ­ für den Ingenieur-Kaufmann ist das Gebiet der Wirtschaftsbetriebslehre mit der Volkswirtschaftslehre und dem Recht in den Mittelpunkt gestellt und das Gebiet der Technik auf die allgemeinen Grundlagen abgestellt worden, wobei allerdings ein größeres Gebiet der Technik zur besseren Erkenntnis der technischen ­ Forschung ebenfalls bis auf die letzten Forschungsergebnisse durchgearbeitet ­ wird. Es handelt sich hier also um ein wirtschaftswissenschaftliches Studium in enger Verbindung mit der Technik. Studiengänge dieser Art sind mit Rücksicht auf das Vorhandensein hervorragender für diese Zwecke geeigneter technischer Vorlesungen und Übungen mit den zugehörigen Materialsammlungen an einigen Technischen Hochschulen eingerichtet worden, so in Berlin, Dresden und München. Der Absolvent dieser Studiengänge erhält in Berlin entsprechend dem Standort des Studiums den akademischen Grad eines Diplomingenieurs. Anders in Dresden, wo das Studium beendet wird mit der Abschlußprüfung eines technischen Volkswirts und in München mit der eines Diplom-Wirtschafters. Bei dem im folgenden wiedergegebenen Studienplan ist Bezug genommen auf die Einrichtung des Studiums des Wirtschaftsingenieurs an der Technischen Hochschule Berlin. Das Studium erstreckt sich über acht Semester. Die Kernfächer sind Wirtschaft und Technik. Je nach den Absichten des Studierenden kann das Studium vorwiegend betriebswirtschaftlich ­ oder volkswirtschaftlich ausgeriohtet werden. Die grundlegenden Vorlesungen sind für beide Richtungen gleich. Entsprechend dem Standort des Studiums ist es natürlich, daß die wirtschaftsbetriebliohe Schulung auf der Technischen Hochschule mehr auf die Industriewirtschaft ­ und auf den Industriebetrieb abgestellt ist. Unter Hinzurechnung der