A.  Wesen  und  Bedeutung  der  Wirtschaftsbetriebe.
I.  Die  Wirtschaft.
1.  Wesen  und  Begriff.  In  diesem  Buch  gelangt  der  Wirtschaftsbetrieb  und  seine
Verbundenheit  mit  der  Gesamtwirtschaft  zur  Darstellung.  Wir  wollen  zunächst
sehen,  was  ein  Wirtschaftsbetrieb  ist,  in  welchen  Arten  und  Formen  er  vorkommt,
und  wie  sich  die  einzelnen  Wirtschaftsbetriebe  zur  Gesamtwirtschaft  zusammenfügen. ­
  Der  Wirtschaftsbetrieb  ist  die  Veranstaltung  einer  Wirtschaft.  Um  zu
erkennen,  was  hinter  dieser  an  sich  einfach  erscheinenden  Aussage  steckt,  ist  zuvor ­
  der  Begriff  der  Wirtschaft  klarzustellen.  Das  ist  um  so  notwendiger,  als
dieser  Begriff  in  verschiedenem  Sinne  (und  mit  verschieden  abgegrenztem  Inhalt) ­
  gebraucht  wird  und  daher  auch  der  Ausgangspunkt  für  eine  wissenschaftliche ­
  Darstellung  verschieden  sein  kann.  Wir  wollen  jedoch  nicht  im  einzelnen
auf  die  Auseinandersetzungen  eingehen,  sondern  nur  die  Hauptunterschiede
andeuten  —  und  festlegen,  was  wir  im  folgenden  unter  Wirtschaft  verstehen
wollen.
Wenn  wir  von  der  Erfahrung  des  Lebens  ausgehen,  so  finden  wir,  daß  der
Mensch  zahlreiche  Bedürfnisse  hat,  deren  Befriedigung  er  herbeizuführen  wünscht.
Er  will  sich  ernähren  und  kleiden,  will  wohnen  und  sich  gegen  Störungen  seines
Lebens  sichern.  Er  empfindet  es  als  einen  Mangel,  allein  zu  sein  und  lebt  daher  in
Familien,  Sippen,  Stämmen  oder  Völkern.  Sein  Geist  treibt  ihn  zu  künstlerischer ­
  Betätigung,  zu  religiösen  Vorstellungen  und  Handlungen,  seine  Kraft  zu
sportlichem,  jagdlichem  und  kriegerischem  Tun.  Und  schließlich  sieht  er,  daß
Freude,  Spiel  und  Tanz  das  Leben  verschönen  können,  daß  die  Sorge  um  die
Seinen,  das  Arbeiten  für  die  Gemeinschaft  das  Leben  besonders  lebenswert  erscheinen ­
  lassen.  Es  mag  sein,  daß  nicht  jeder  Mensch  jedes  einzelne  von  diesen
Bedürfnissen  in  gleichem  Maße  und  in  gleicher  Stärke  empfindet;  anderseits
können  jederzeit  neue  Bedürfnisse  in  das  Bewußtsein  des  Menschen  eintreten.  So
kann  man  das  menschliche  Leben  als  ein  sich  ständig  wiederholendes  und  erneuerndes ­
  Befriedigen  von  Bedürfnissen  auffassen.
Will  man  dieses  oder  jenes  Bedürfnis  befriedigen,  so  sind  entsprechende  Mittel
erforderlich:  Stoffe  zum  Bau  von  Wohnungen,  Waffen  zum  Erlegen  des  Wildes
oder  zur  Bekämpfung  der  Feinde,  Einrichtungen  für  den  Gottesdienst,  Maßnahmen
zur  Gestaltung  des  Gemeinschaftslebens.  Eine  weite  Auslegung  des  Begriffes
meint  nun,  daß  Wirtschaft  diejenige  menschliche  Tätigkeit  sei,  die  es  mit  der
Bereitstellung  von  Mitteln  für  die  Befriedigung  aller  dieser  menschlichen  Bedürfnisse ­
  zu  tun  habe.  Von  dieser  Auffassung  erhält  man  eine  deutlichere  Vorstellung,
wenn  man  z.B.  an  die  Sippen  und  Stämme  frühgeschichtlicher  Zeit  denkt,  bei
denen  die  Angehörigen  in  gemeinsamem  Schaffen  die  Mittel  aufbringen,  die  das
Leben  jedes  einzelnen  und  in  der  Gesamtheit  verbürgen.  Wir  wollen  —  um  die
Unterschiede  besser  erkennen  zu  können  1 —  diese  Auffassung  von  der  Wirtschaft:
Bereitstellung  von  Mitteln  für  die  Befriedigung  von  Bedürfnissen  schlechthin,  also
Frion,  Die  Lehre  vom  Wirtschaftsbetrieb.  I.  1