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Wesen  und  Bedeutung  der  Wirtschaftsbetriebe.

von  allen  vorkommenden  oder  möglichen  Bedürfnissen,  die  Wirtschaft  im  A-Sinne
  nennen.
Wenn  heute  jemand  —  in  Erfüllung  eines  Bedürfnisses  —  Musik  treibt,  eine
religiöse  Andacht  verrichtet,  Gedichte  schreibt  oder  sich  sportlich  betätigt,  so
spricht  man  nicht  von  Wirtschaft,  sondern  von  Kunst,  Gottesdienst,  Sport  u.a.m.
Wenn  der  Staat  die  Bedingungen  und  Ziele  für  das  Gemeinschaftsleben  setzt  oder
Einrichtungen  schafft,  die  letzteres  sicherstellen  und  vervollkommnen  sollen,  so
spricht  man  von  Politik,  Rechts-  und  Schulpflege  sowie  von  Ertüchtigung  und
wiederum  nicht  von  Wirtschaft.  Der  Sprachgebrauch  kennt  also  neben  dem
weiten  Begriff  der  Wirtschaft  (im  A-Sinne)  noch  einen  engeren:  wenn  die  Menschen ­
  daran  gehen,  die  Mittel  zur  Befriedigung  einer  bestimmten  Art  von  Bedürfnissen ­
  bereitzustellen.  Die  Frage  ist  jetzt  nur:  was  sind  das  für  Bedürfnisse,  die
die  Wirtschaft  in  diesem  Sinne  befriedigen  will  oder  soll,  und  welcher  Art  sind  die
Mittel,  die  die  Wirtschaft  zur  Befriedigung  dieser  Bedürfnisse  zur  Verfügung
stellt  ?  Diese  Frage  wird  in  der  Weise  beantwortet,  daß  man  von  den  Urbedürfnissen
  der  Menschen  ausgeht,  deren  Befriedigung  eine  Grundvoraussetzung  für  das
Leben  überhaupt  ist,  wie  z.B.  Ernährung,  Kleidung,  Wohnung.  Doch  ist  es  nicht
leicht,  eine  genaue  und  ein  für  allemal  feststehende  Abgrenzung  dieser  Bedürfnisse
gegenüber  den  sonstigen  Bedürfnissen  vorzunehmen;  denn  zur  Lebensnotwendigkeit ­
  gehört  schon  früh  (und  erst  recht  heute)  das  Miteinanderleben  in  Familie,
Stamm,  Volk  und  Staat,  gehört  (auch  schon  in  früher  Zeit,  wenn  der  Hunger
gestillt  ist)  die  Beschäftigung  mit  geistigen,  religiösen  und  künstlerischen  Dingen.
Mit  Rücksicht  hierauf  pflegt  man  die  Abgrenzung  dessen,  was  Wirtschaft  ist  oder
sein  soll,  so  vorzunehmen,  daß  man  sagt:  der  Mensch  will  mit  Hilfe  der  Wirtschaft
äußere  (materielle)  Bedürfnisse  befriedigen;  dann  bildet  die  Befriedigung  geistiger
(ideeller)  Bedürfnisse  den  Inhalt  anderer  Betätigungen  des  menschlichen  Lebens,
wie  z.B.  der  Politik,  Kunst,  Wissenschaft,  Religion,  des  Sportsu.a.m.  Wir  wollen
diese  Auffassung  der  Wirtschaft;  Bereitstellung  von  Mitteln  für  die  Befriedigung
äußerer  Bedürfnisse,  die  Wirtschaft  im  B-Sinne  nennen.
Die  Abgrenzung  der  Wirtschaft  in  dem  vorstehenden  Sinne  erfordert  eine  Klarstellung
nach  zwei  Richtungen  hin.  Es  kann  keinem  Zweifel  unterhegen,  daß  der  Arzt,  der  einen
Kranken  behandelt,  das  Bedürfnis  des  Kranken  nach  Wiederherstellung  befriedigt,  und  daß
der  Arzt  eine  Tätigkeit  ausübt,  die  wir  Heilkunst  (und  nicht  etwa  Wirtschaft)  nennen.  Der
Arzt  in  dieser  seiner  Tätigkeit  übt  einen  Beruf  aus,  genau  wie  der  Pfarrer,  der  Künstler  und
der  Rechtsanwalt  es  auch  tun.  Dasselbe  gilt  für  den  Artisten,  der  durch  halsbrecherische
Darbietungen  die  Schaulust  seiner  Zuschauer  befriedigt.  Wie  nun,  wenn  der  Arzt  zur  Durchführung ­
  seiner  Heilkunst  eine  Heilanstalt  (Sanatorium)  unterhält  oder  ein  Zirkus  eine  Anzahl
Artisten  anwirbt  und  gegen  Entgelt  Vorstellungen  veranstaltet?  Wie  im  alten  Rom  die  Thermen ­
  und  die  zirzensischen  Darbietungen  keine  Wirtschaft  waren,  so  auch  heute  nicht  das
Sanatorium  und  der  Zirkus:  beide  bleiben  Darbietungen  besonderer  Art.  Der  Unterschied  ist
nur,  daß  sie  heute  des  Erwerbs  wegen  (vgl.  II)  betrieben  werden,  und  daß  die  Veranstaltungen
auf  Grund  von  Überlegungen  und  Maßnahmen  erfolgen,  die  sich  in  der  Wirtschaft  herausgebildet ­
  und  sich  hier  als  zweckmäßig  erwiesen  haben.  Will  man  ein  übriges  tun,  so  könnte
man  solche  nach  dem  Vorbild  der  Wirtschaft  betriebenen  Berufsveranstaltungen  als  uneigentliohe
  Wirtschaften  bezeichnen,  so  daß  die  Wirtschaft  im  B-Sinne:  a)  eigentliche  und  b)  uneigentliche ­
  Wirtschaften  umfaßt.
Und  weiter:  wie  liegen  die  Dinge,  wenn  sachliche  (körperliche)  Mittel  für  geistige  Zwecke
hergestellt  werden  ?  Wenn  im  alten  Ägypten  die  unterjochten  Völker  gezwungen  wurden,
Ziegel  zu  streichen,  so  übten  letztere  eine  Wirtschaftstätigkeit  aus,  soweit  und  solange  die
Ziegel  für  die  Befriedigung  eines  äußeren  Bedürfnisses  (Bau  von  Wohnungen)  gebraucht
wurden.  Soll  hingegen  mit  dem  Bau  von  Pyramiden  etwa  nur  ein  äußeres  Bedürfnis  befriedigt
werden  (geschützte  Aufbewahrung  der  sterblichen  Überreste  der  Pharaonen)?  Wie  steht  es
überhaupt  mit  der  Herstellung  von  Gegenständen,  die  der  Ausübung  anderer  menschlichen
Tätigkeiten,  der  Befriedigung  ideeller  Bedürfnisse  dienen?  Ist  die  Fabrik,  die  in  Thüringen
viele  Menschen  mit  der  Herstellung  von  Dingen  für  den  Heidenkult  noch  nicht  bekehrter  Völker ­
  beschäftigt,  eine  Wirtschaft  oder  nicht  ?  Oder  die  Fabriken,  die  den  bildenden  Künstlern
Baustoffe,  Holz,  Papier  und  Farbe  für  ihre  Arbeit  liefern  ?  Man  erkennt  aus  diesen  Fragen