Die  Wirtschaft.

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kann,  also  das  bereitgestellte  Gut  nicht  den  Wert  hat,  den  man  veranschlagt  hat.
Trotzdem  ist  gewirtschaftet  worden,  liegt  Wirtschaft  vor,  allerdings  mit  ungünstigem ­
  Erfolg.
Von  Wirtschaften  ist  das  Wort:  wirtschaftlich  abgeleitet;  es  bedeutet  soviel
wie:  ein  Verhalten,  wie  es  in  der  Wirtschaft  üblich  ist.  Wie  sieht  aber  das  in  der
Wirtschaft  übliche  Verhalten  aus  ?  Es  kommt  in  dem  sog.  wirtschaftlichen  (ökonomischen) ­
  Prinzip  zum  Ausdruck;  den  angestrebten  Erfolg  mit  möglichst  geringen
Opfern  zu  erreichen  oder  aus  gegebenen  Aufwendungen  einen  möglichst  großen
Erfolg  zu  ziehen.  Anders  ausgedrückt:  ein  möglichst  günstiges  Verhältnis  zwischen ­
  Aufwand  und  Erfolg  zu  erzielen.  Man  hat  darauf  hingewiesen,  daß  dieser
Grundsatz;  aus  wenig  viel  zu  machen  eigentlich  im  ganzen  Umkreis  des  menschhohen
  Lebens  anzutreffen  sei,  weil  die  einfache  Erfahrung  den  Menschen  lehre,  sich
nicht  mehr  anzustrengen  als  notwendig  ist,  um  ein  bestimmtes  Ziel  zu  erreichen.
Im  übrigen  habe  ein  solches  Verhalten  schon  eine  besondere  Kennzeichnung  durch
das  Wort:  sparsam  erhalten.  Mit  Recht  wird  dem  jedoch  entgegengehalten,  daß
das,  was  das  wirtschaftliche  Prinzip  ausmache,  kein  Sparen  schlechthin,  sondern
eben  ein  besonderes  Verhalten  bedeute,  das  sich  gerade  in  der  Wirtschaft  als
erfolgreich  erwiesen  habe,  nämlich  unter  Umständen  auch  mal  viel  aufzuwenden,
wenn  aus  den  dargebrachten  Opfern  größere  Werte  entstehen,  als  dies  bei  nur
kleinem  Einsatz  der  Fall  sein  würde.  Das  allgemeine  Sparprinzip  hat  in  der
Wirtschaft  eine  besondere  Prägung  erfahren.  Es  ist  daher  am  Platze  (und  zweckmäßig), ­
  von  einem  besonderen  wirtschaftlichen  Prinzip  (in  der  obigen  Fassung)
zu  sprechen.  In  diesem  Sinne  liegt  ein  unwirtschaftliches  Verhalten  vor,  wenn
jenes  Prinzip  nicht  gewahrt  worden  ist.
Es  ist  das  Schicksal  kurz  gefaßter  Leitsätze,  daß  sie  —  einmal  ausgesprochen
und  durch  den  Sprachgebrauch  verselbständigt  —  ihre  Entstehungsgeschichte  abstreifen ­
  und  nun  einer  mißverständlichen  Auslegung  und  Anwendung  preisgegeben
sind.  So  kann  auch  das  wirtschaftliche  Prinzip  zu  einer  Überspannung  seines
Inhaltes  führen,  wenn  die  ihm  zugrundeliegende  Abschätzung  ohne  Rücksicht  auf
die  besonderen  Umstände  erfolgt,  für  die  es  Anwendung  finden  soll.  Insbesondere
gilt  dies,  wenn  die  menschliche  Arbeit  in  diese  Rechnung  eingestellt  und  verlangt
wird,  daß  ihr  zuliebe  die  Gesundheit  der  Menschen,  die  Freude  an  der  Arbeit  und
schließlich  ihr  ganzes  Leben  geopfert  werden  sollen.  Dann  wird  aus  einem  vernünftigen ­
  Prinzip  ein  unvernünftiges,  d.  h.  der  Sinn  der  Arbeit  wird  in  sein  Gegenteil, ­
  in  Knechtschaft,  verkehrt.  Es  kommt  also  darauf  an,  daß  die  Menschen  das
wirtschaftliche  Prinzip  auch  richtig,  d.  h.  in  ihrer  Wirtschaft  vernünftig  anwenden.
Die  Anwendung  des  wirtschaftlichen  Prinzips  (wie  auch  die  Begriffe:  wirtschaftlich  und
Wirtschaftlichkeit)  ist  nicht  auf  den  Bereich  der  Wirtschaft  beschränkt;  es  kann  auch  bei
anderen  menschlichen  Tätigkeiten  beobachtet  werden.  So  spricht  man  vom  wirtschaftlichen
Verhalten  beim  Sport,  von  der  Wirtschaftlichkeit  des  Kochens;  wenn  jemand  zur  Erhaltung
seiner  körperlichen  und  geistigen  Leistungsfähigkeit  regelmäßige  Erholungspausen  einschiebt,
sich  auf  besondere  Anstrengungen  durch  vorherige  Schonung  seiner  Kräfte  vorbereitet,  so
handelt  er  nach  dem  wirtschaftlichen  Prinzip.  Gemeint  ist  immer,  daß  nach  den  Regeln  verfahren ­
  wird,  die  in  dem  wirtschaftlichen  Prinzip  verkörpert  sind.  In  ganz  besonderem  Maße
ist  das  Wort  Wirtschaftlichkeit  auf  dem  der  Wirtschaft  nahe  gelegenen  Gebiet  der  Technik
in  Übung  gekommen,  was  zu  vielen  Mißverständnissen  Veranlassung  gibt.  (Näheres  vgl.
IV.  Technik.)  Hier  sei  lediglich  vermerkt,  daß  Wirtschaftlichkeit  in  der  Technik  nicht  etwa
gleichbedeutend  mit  dem  Vorgang  des  Wirtsohaftens  oder  mit  dem  Begriff:  Wirtschaft  ist,
sondern  wieder  nur  die  Übertragung  eines  bestimmten  Verhaltens  —  eben  des  wirtschaftlichen ­
  Prinzips  —  auf  die  Technik  zu  bedeuten  hat.
Endlich  ist  zu  vermerken,  daß  sowohl  das  wirtschaftliche  Prinzip  als  auch  der  Grundsatz
der  Wirtschaftlichkeit  auf  die  Gesamtwirtsohaft  angewendet  werden  können.  Auf  die  sich
hier  ergebenden  Beziehungen  wird  unter  0  einzugehen  sein.
Daß  dieses  Prinzip:  einen  Zweck  mit  möglichst  geringen  Opfern  zu  erreichen,
gerade  in  der  Wirtschaft  entstanden  und  besonders  entwickelt  worden  ist,  ist