6

Wesen  und  Bedeutung  der  Wirtschaftsbetriebe.

leicht  einzusehen:  im  täglichen  Kampf  um  die  Güter,  die  der  Mensch  zur  Befriedigung ­
  seiner  dringenden  und  wichtigen  Bedürfnisse  nötig  hat,  wird  er  geneigt
sein,  die  Mühen  und  Opfer,  die  zur  Erlangung  der  Güter  erforderlich  sind,  möglichst ­
  gering  zu  halten,  damit  ihm  Zeit,  Kraft  und  Lust  für  die  sonstigen  Lehensnotwendigkeiten ­
  und  -freuden  übrig  bleiben.
3.  Wirtschaft  und  Verbrauch.  Die  Verwendung  der  Güter  für  die  Bedürfnisbefriedigung ­
  wird  als  Verbrauch  bezeichnet.  Wir  wollen  die  Frage,  oh  der  Verbrauch ­
  begrifflich  noch  zur  Wirtschaft  zu  rechnen  ist,  davon  abhängig  machen,
daß  wir  zunächst  sehen  wollen,  was  es  mit  diesem  Verbrauch  für  eine  Bewandtnis
hat.  Die  Verwendung  der  Güter  kann  in  verschiedener  Weise  vor  sich  gehen.  Das
Brot,  das  wir  zur  Stillung  unseres  Hungers  verwenden,  wird  verzehrt;  dadurch
wird  es  zum  Verschwinden  gebracht  (in  seiner  Eigentümlichkeit  als  Brot).  Es  hat
als  Gut  aufgehört  zu  sein,  wodurch  es  seinen  Zweck  erfüllt  hat.  Andere  Güter
haben  eine  nicht  so  kurzlebige  Verwendung.  Der  Tisch,  der  aus  Holz  gefertigt  ist,
dient  einer  längeren  Zeit  der  Bedürfnisbefriedigung  (z.B.  der  Fertigstellung  oder
Einnahme  von  Speisen).  Ebenso  das  Kleid,  das  aus  Wolle  hergestellt  worden  ist.
In  solchen  Fällen  sprechen  wir  von  Gebrauch.  Verbrauch  und  Gebrauch  stellen
grundsätzlich  dasselbe  dar:  ein  Güterverzehr  im  eigentlichen  Sinne  des  Wortes.
Sie  unterscheiden  sich  nur  durch  die  Dauer  des  Verwendungsvorganges.
Es  ist  jedoch  noch  eine  dritte  Art  der  Verwendung  von  Bedeutung:  ein  hergestelltes
  Gut  erhält  seinen  Wert  dadurch,  daß  es  bei  der  Herstellung  anderer
Güter  verwendet  wird,  wie  z.B.  das  Werkzeug,  die  Maschine.  Doch  trifft  dies  auch
für  die  Rohstoffe  zu,  die  gewonnenen  oder  geerntet  werden,  als  solche  ein  Gut
von  bestimmter  Art  und  bestimmtem  Wert  darstellen,  und  aus  denen  andere
Güter  gefertigt  werden,  wie  z.  B.  aus  Erzen  und  Kohle  das  Eisen.  Auch  diese
Güter  werden  verbraucht  oder  gebraucht;  aber  aus  dieser  Verwendung  entstehen ­
  neue  Güter,  Die  Verschiedenheit  wird  dadurch  gekennzeichnet,  daß  man
zwischen  unmittelbarem  Verbrauch  (Brot)  oder  Gebrauch  (Tisch)  und  mittelbarem
Verbrauch  (Kohle)  oder  Gebrauch  (Werkzeug)  unterscheidet.  Dann  spielt  sich
der  mittelbare  Verbrauch  und  Gebrauch  dort  ab,  wo  Güter  hergestellt  werden,
also  in  der  Wirtschaft;  ja  hier  spielt  diese  Art  der  Verwendung  der  Güter  eine
große  Rolle  (die  wir  noch  zu  würdigen  haben).
Doch  ist  zu  beachten,  daß  das  Kennzeichen  des  unmittelbaren  und  mittelbaren
Verbrauchs  und  Gebrauchs  nicht  den  Gütern  ohne  weiteres  anhaftet.  Die  Kohle,
die  zum  Schmelzen  des  Erzes  verwendet  wird,  dient  einem  mittelbaren  Verbrauch;
der  Herstellung  von  Eisen;  wenn  hingegen  der  Wohnraum  im  Hause  mit  Kohle
geheizt  wird,  liegt  unmittelbarer  Verbrauch  vor:  Abwehr  der  Kälte.  Das  Getreide, ­
  wie  das  Mehl,  ist  für  den  Bauer  ein  Gut  des  mittelbaren  Verbrauchs;  das
Brot  dient  dem  unmittelbaren  Verbrauch,  wenn  der  Mensch  mit  seiner  Hilfe  den
Hunger  stillt;  wird  es  zur  Mast  eines  Tieres  verwendet,  liegt  wieder  mittelbarer
Verbrauch  vor.  Aus  diesen  Beispielen  wird  zugleich  ersichtlich,  daß  Verbrauch
immer  nur  einen  wirtschaftlichen  Vorgang  darstellt,  der  zwar  mit  einer  Form-  und
Zustandsveränderung  verbunden  sein  kann,  doch  niemals  das  Gut  endgültig  zum
Verschwinden  bringt.  Einen  Verbrauch  im  endgültigen  Sinne  gibt  es  nicht.
Wenn  wir  den  unmittelbaren  Verbrauch  und  Gebrauch  ins  Auge  fassen  —  und
an  diesen  denkt  man  in  erster  Linie,  wenn  von  Verbrauch  (oder  Verwendung  von
Gütern  zur  Bedürfnisbefriedigung)  die  Rede  ist  —,  so  kann  auch  hier  wieder  das
wirtschaftliche  Prinzip  zur  Anwendung  kommen.  Es  würde  bedeuten,  daß  mit
den  zur  Bedürfnisbefriedigung  bestimmten  Gütern  eine  möglichst  vollkommene
Befriedigung  der  Bedürfnisse  erreicht  wird.  Da  die  Güter  als  solche  schon  da
sind  (wenn  sie  verwendet  werden  sollen),  so  wird  es  jetzt  mehr  darauf  ankommen,
mit  den  Gütern  sparsam  umzugehen.  Der  Sprachgebrauch  hat  hierfür  das  Wort: