Die  Wirtschaft.

9

Gut  ausgetauscht  wurde.  Der  Tausch  ist  die  erste  Stufe  der  Verkehrswirtschaft,
er  bedeutet,  daß  die  Wirtschaften,  die  Tauschgüter  herstellten,  nunmehr  gehalten
waren,  auch  die  Art  und  Menge  dieser  Tauschgüter  in  ihren  Wirtschaftsplan  einzustellen, ­
  d.h.  nicht  nur  die  Bedürfnisse  der  zu  ihnen  gehörenden  Menschen  abzuschätzen, ­
  sondern  auch  den  Nutzen  der  Tauschgüter  zu  berücksichtigen.  Dieser
bestand  in  dem,  was  das  Tauschgut  an  anderen  Gütern  einbrachte.
Der  Tauschverkehr  erfährt  eine  Erleichterung  durch  die  Herausbildung  eines
allgemeinen  Tauschgutes,  d.h.  eines  Gutes,  das  nicht  nur  gegen  ein  bestimmtes
anderes  Gut  eingetauscht  werden  konnte,  sondern  auch  deshalb  gegeben  und
genommen  wurde,  weil  es  im  Austausch  mit  allen  Gütern  verwendet  werden
konnte.  Ein  solches  Gut  war  z.B.  das  Vieh,  das  Gebrauchsgut  und  Tauschgut
zugleich  war.  Ein  solches  allgemeines  Tausohmittel  wird  Geld  genannt.  Wo  sich
der  Tauschverkehr  solchen  Geldes  bedient,  könnte  man  von  Geldverkehr  sprechen.
Doch  wird  diese  Bezeichnung  der  weiteren  Entwicklung  Vorbehalten,  bei  der  das
Geld  seine  Eigenschaft  als  Gebrauchsgut  mehr  und  mehr  verliert  und  lediglich
seine  Fähigkeit,  als  Tauschmittel  zu  dienen,  bestehen  bleibt.  Dann  tritt  zugleich
an  Stelle  der  Naturalwirtschaft  die  Geldwirtschaft.  Doch  darf  man  sich  das
Verhältnis  von  Naturalwirtschaft  und  Geldwirtschaft  nicht  etwa  so  vorstellen,
daß  die  erstere  (unzweifelhaft  die  ältere  Wirtschaftsweise)  nun  mit  einem
Schlage  von  der  letzteren  abgelöst  worden  wäre.  Die  Geldwirtschaft  hat  sich
langsam  entwickelt,  und  lange  Zeiten  haben  beide  nebeneinander  bestanden,  wie
es  heute  noch  Gegenden  (und  Gelegenheiten)  gibt,  wo  sich  Naturalverkehr  und
Geldverkehr  begegnen.
Die  Geldwirtschaft  ist  die  gegenwärtige  Stufe  der  Verkehrswirtschaft  in  den
hauptsächlichsten  Ländern  der  Welt.  Sie  wird  dadurch  gekennzeichnet,  daß  die
Wirtschaften  jetzt  Güter  für  die  Bedürfnisse  der  Menschen  schlechthin  herstellen,
daß  sie  die  Güter  gegen  Geld  eintauschen  und  daß  die  an  der  Wirtschaft  beteiligten
Personen  einen  Überschuß  in  Geld  erzielen  wollen,  mit  denen  sie  die  Mittel  für
die  Befriedigung  der  eigenen  Bedürfnisse  beschaffen.  Man  drückt  dies  auch  so
aus,  daß  man  sagt:  die  Wirtschaften  stellen  Güter  für  fremde  Bedürfnisse  her.
Zugleich  wird  der  Tausch  in  einen  Verkauf  gegen  Geld  und  einen  Kauf  gegen
Geld  zerlegt.  Insofern  ist  die  Geldwirtschaft  eine  besondere  Stufe  der  Tauschwirtschaft. ­
  Mit  dieser  Geld  Wirtschaft  haben  wir  uns  in  den  nächsten  Abschnitten
noch  eingehend  zu  beschäftigen.  Hier  müssen  wir  noch  unsere  Begriffserklärungen
vervollständigen  und  abschließen.
Diese  Geldwirtschaft  wird  auch  Erwerbswirtschaft  genannt.  Die  Güterherstellung ­
  erfolgt  des  Erwerbes  wegen,  d.h.  damit  die  Menschen  Geld  erwerben,
mit  dem  sie  die  Güter  für  ihre  eigenen  Bedürfnisse  beschaffen.  Im  Grunde  liegt
auch  beim  eigentlichen  Tausch,  einerlei  ob  es  sich  um  Gewalt,  Raub,  Geschenk
oder  den  eigentlichen  Tausch  handelt,  ein  Erwerb  vor;  es  werden  andere  Güter
erworben.  Danach  wäre  Verkehrswirtschaft  gleichbedeutend  mit  Erwerbswirtschaft. ­
  Da  jedoch  beim  eigentlichen  Tausch  verkehr  die  Ergänzung  durch  andere
Güter  nur  eine  geringere  Rolle  gespielt  hat,  und  da  sich  ferner  durch  die  Herausbildung ­
  des  Geldes  (im  eigentlichen  Sinne)  die  Wirtschaftsweise  geändert  hat,  ist
es  zweckmäßig,  erst  bei  der  eigentlichen  Geldwirtschaft  von  Erwerbswirtschaft  zu
sprechen  (das  wäre  dann  Wirtschaft  im  C-Sinne,  siehe  oben  S.  3).  Doch  tritt
hierbei  eine  neue  Ausweitung  des  Begriffes  Wirtschaft  ein;  denn  nicht  nur  Wirtschaften ­
  im  eigentlichen  Sinne  (B)  werden  des  Erwerbs  wegen  (in  der  Geldwirtschaft) ­
  betrieben,  sondern  auch  sonstige  Tätigkeiten  können  (und  müssen)  des
Erwerbs  wegen  ausgeübt  werden,  wie  z.B.  aus  unserem  früheren  Beispiel  der  Arzt,
der  Artist  und  ferner  die  Beamten  u.a.m.  Wenn  der  Begriff:  Erwerbswirtschaft