Erwerbswirfcsohaft  und  Unternehmung.

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behaftet  ist.  Diese  Unsicherheit  ist  in  der  geschlossenen  Hauswirtschaft  wie  auch
in  der  eigentlichen  Tauschwirtschaft,  hei  der  sich  der  Tausch  gewöhnlich  nur  am
Rande  der  Herstellung  für  den  eigenen  Bedarf  abspielt,  nicht  in  dieser  Weise
gegeben.  Sie  wird  durch  die  Auflösung  des  Tausches:  Gut  gegen  Gut  in  den  Verkauf ­
  gegen  Geld  und  Kauf  mit  Geld  herbeigeführt.  Für  die  Führung  der  Erwerbswirtschaft ­
  ist  daher  eine  genaue  Kenntnis  ihrer  Zusammenhänge  mit  dem  Bedarf, ­
  dem  Stande  der  jeweiligen  Marktbeziehungen,  wie  von  deren  Entwicklungsmöglichkeiten ­
  eine  unerläßliche  Voraussetzung.  (Vgl.  C.  Die  Gesamtwirtschaft.)
Das  letzte,  doch  nicht  das  geringste:  in  der  Erwerbswirtschaft  hat  die
Wirtschaft  das  Merkmal  eines  Mittels  zum  Zweck  angenommen;  sie  will  mit
Hilfe  der  hergestellten  und  abgesetzten  Güter  einen  Geldüberschuß  erzielen.  Je
größer  dieser  Geldüberschuß  ist,  um  so  höher  kann  das  Geldeinkommen  des
Wirtsohaftseigners  sein  (ob  auch  der  im  Verbände  der  Wirtschaft  mitwirkenden
Angestellten,  Arbeiter,  Kapitalgeber  bleibt  zunächst  offen).  Ein  hohes  Geldeinkommen ­
  ermöglicht  eine  bessere  oder  umfangreichere  Befriedigung  der  eigenen
Bedürfnisse  oder  durch  Rücklegung  eine  Ansammlung  von  Sparvermögen,  das
dem  Besitzer  zu  einer  günstigeren  Lebenslage  verhilft.  Der  Anreiz  zur  Erzielung
möglichst  hoher  Geldeinkommen  ist  mit  der  Durchsetzung  der  Erwerbswirtschaft
gegeben.  Und  wenn  auch  der  Wettbewerb  der  Wirtschaften  untereinander  wie
das  ebenfalls  eigennützige  Verhalten  der  Käufer  dafür  sorgen,  daß  auch  hier  die
Bäume  nicht  in  den  Himmel  wachsen,  so  ist  doch  zweierlei  möglich:  1.  daß  über
das  Geldeinkommen  die  Beschaffenheit,  Brauchbarkeit  (und  Notwendigkeit)  der
hergestellten  Güter  vernachlässigt  wird,  und  2.  daß  die  Personen,  die  über  die
Wirtschaft  verantwortlich  verfügen,  von  der  Idee  des  Geldverdienens  um  jeden
Preis  ergriffen  werden  und  dadurch  leicht  die  sonst  Beteiligten  schädigen  können.
Beiden  Gefahren  ist  in  unseren  weiteren  Ausführungen  Rechnung  zu  tragen.
2.  Die  Unternehmung.  Wie  der  Begriff  Wirtschaft,  so  ist  auch  das,  was  eine
Unternehmung  ist  oder  sein  soll,  sehr  umstritten.  Geht  man,  was  nahehegend  ist,
von  der  Bedeutung  des  Wortes  aus,  so  heißt  unternehmen  soviel,  wie  etwas  tun,
was  mit  einem  Wagnis  verbunden  ist,  dessen  Ausgang  also  ungewiß  ist.  In  diesem
Sinne  waren  die  Kreuzzüge  des  Mittelalters  ebenso  ein  Unternehmen,  wie  die
Handelskompanien  einer  späteren  Zeit,  ist  die  Zerstörung  Karthagos  wie  die  Errichtung ­
  einer  Automobilfabrik  in  der  Gegenwart  als  ein  Unternehmen  anzusehen.
Unternehmung  kann  also  alles  sein,  was  mit  der  Möglichkeit  des  Mißlingens  behaftet ­
  ist,  eine  Tätigkeit,  deren  Ausgang  zweifelhaft  ist,  bei  der  etwas  gewagt  wird,
die  ergebnislos  oder  gar  mit  Einbußen  verlaufen  kann.  Von  diesem  allgemeinen
Sinn  ist  Unternehmung  auf  den  Bereich  der  Wirtschaft  übertragen  worden  und
zwar  im  Laufe  der  Zeit  in  einem  solchen  Maße,  daß,  wenn  von  Unternehmung  die
Rede  ist,  man  vorzugsweise  oder  gar  ausschließlich  eben  nur  an  die  Wirtschaft
denkt,  also  an  die  Wirtschaftsunternehmung.
Ist  nun  eine  jede  Wirtschaft  zugleich  auch  eine  Unternehmung  ?  Man  könnte
es  fast  behaupten.  Denn  in  jeder  Wirtschaft,  sowohl  in  der  einfachsten  als  auch
in  der  größten  und  verwickeltsten  Wirtschaft,  in  der  Hauswirtschaft  wie  in  der
Erworbswirtschaft  gibt  es  für  den  Menschen  ein  Wagnis,  nämlich  das:  daß  das
Ziel  der  Wirtschaft,  das  Werteschaffen,  nicht  erreicht  wird.  In  der  geschlossenen
Hauswirtschaft  kann  es  Vorkommen,  daß  die  Bedürfnisse  der  Angehörigen  falsch
eingeschätzt  werden  oder  daß  die  Herstellung  der  Güter  mißlingt,  sei  es,  daß  die
Menschen  versagen  oder  durch  äußere  Einflüsse  die  Menge  oder  Beschaffenheit
der  Güter  eine  Einbuße  erleiden.  Insbesondere  in  der  Erwerbswirtschaft  tritt
dieses  Wagnis  in  Erscheinung:  die  Wirtschaft,  die  Güter  für  andere  Personen
herstellt  und  für  diese  Güter  einen  Abnehmer  am  Markt  sucht,  läuft  Gefahr,  daß
sie  diesen  Abnehmer  nicht  findet,  sei  es,  daß  für  die  Güter  kein  Bedarf  besteht