16

Wesen  und  Bedeutung  der  Wirtsohaftshetriebe.
doppelte  Buchhaltung  zum  Wesensmerkmal  der  Unternehmung  gehöre  (Sombart).

Zur  Durchführung  der  Gewinnermittlung  bedient  sich  die  Buchhaltung  des
Inventars  und  der  Bilanz,  über  die  ebenfalls  später  das  Nähere  zu  sagen  sein  wird.
Hier  handelt  es  sich  nur  um  die  Feststellung,  daß  Buchhaltung  und  Bilanz  den
ersten  Teil  der  Kapitalrechnung  ausmachen,  die  die  Unternehmung  benutzt,  um
das  Vermögen  der  Unternehmung  —  Kapital  —  rechnerisch  von  dem  sonstigen
Vermögen  des  Wirtschaftseigners  zu  trennen.  Wohl  können  Übergänge  aus  dem
einen  Vermögen  in  das  andere  und  umgekehrt  erfolgen;  sie  werden  jedoch  in  der
Buchhaltung  der  Unternehmung  genau  erfaßt.  Und  selbstverständlich  ist,  daß
der  Wirtschaftseigner  auch  für  sein  sonstiges  Vermögen  eine  Buchhaltung  nach
kaufmännischer  Art  einrichten  kann  und  wird,  besonders  dann,  wenn  er  mit  der
Einrichtung  einer  solchen  aus  seiner  Wirtschaft  vertraut  ist.
Den  zweiten  Teil  bildet  die  Umsatzrechnung.  Sie  besteht  aus  der  sog.  Kostenund
  der  Rentabilitätsrechnung.  In  der  Kostenrechnung  wird  der  Nachweis  versucht, ­
  was  die  Herstellung  eines  Gutes  an  Aufwendungen  verursacht  —  gekostet  —
hat.  Aus  einem  Vergleich  der  aufgewendeten  Kosten  mit  dem  erzielten  Preis  ersieht ­
  die  Unternehmung,  ob  ein  Stückgewinn  (oder  -Verlust)  entstanden  ist.  Wenn
die  Summen  der  Stückgewinne  (-Verluste),  die  während  eines  bestimmten  Zeitraumes ­
  (Umsatz)  entstanden  sind,  in  Beziehung  gebracht  werden  zu  dem  Unternehmungskapital, ­
  dann  liegt  die  Rentabilitätsrechnung  vor,  die  für  die  Unternehmung ­
  von  entscheidender  Bedeutung  ist.  (Daß  sich  die  Unternehmung  außerdem ­
  des  Rechnungsmittels  der  Statistik  bedient,  um  durch  besondere  Verarbeitung ­
  und  Gruppierung  der  sich  aus  der  Buchhaltung  und  Kostenrechnung  ergebenden ­
  Ziffern  zweckentsprechende  Unterlagen  für  die  Gestaltung  der  Unternehmungstätigkeit ­
  zu  gewinnen,  soll  hier  nur  nebenbei  erwähnt  werden.)
Den  dritten  Teil  der  Kapitalrechnung  stellt  endlich  der  Voranschlag  dar.  Er
bezieht  sich  sowohl  auf  die  mutmaßlichen  Kosten  des  einzelnen  Stückes,  das  hergestellt ­
  und  abgesetzt  werden  soll  (Vorkalkulation  oder  Selbstkostenrechnung),
als  auch  auf  die  Abschätzung  des  zu  erwartenden  Umsatzes  und  des  sich  unter
Zugrundelegung  der  zu  erwartenden  Preise  ergebenden  Umsatzgewinnes.  Indem
der  voraussichtlich  zu  erwartende  Gewinn  in  Beziehung  zu  dem  in  der  Unternehmung ­
  eingebrachten  oder  einzubringenden  Kapital  gesetzt  wird,  entsteht  der
Rentabilitätsvoranschlag,  der  nicht  nur  der  Errichtung  einer  jeden  Unternehmung
zugrunde  gelegt  wird,  sondern  auch  der  Unternehmung  in  jedem  Augenblick  ihres
Daseins  zugrunde  liegt  —  oder  liegen  sollte.  Die  Verbundenheit  der  Voranschlagsrechnung ­
  mit  der  Buchhaltung  (Bilanz)  und  der  Kostenrechnung  liegt  darin,  daß
erstere  auf  den  Ergebnissen  der  letzteren  auf  baut,  die  Ziffern  der  Vergangenheit
in  die  Zukunft  umzuformen  sucht,  um  später  die  wirklichen  (Ist-)  Ziffern  mit
denen  des  Voranschlages  (Soll)  zu  vergleichen  usf.
So  formt  sich  das  Bild  der  (Wirtschafts-)  Unternehmung:  mit  Hilfe  der  Wirtschaft ­
  eine  Kapitalrente  zu  erzielen,  der  das  Kapitalrisiko  gegenüber  steht,  und
Messung  des  Voranschlages  und  des  Ergebnisses  auf  Grund  einer  eigentümlichen
Kapitalrechnung,  der  kapitalistischen  Grundrechnung,  wie  sie  im  zweiten  Buche
eingehend  dargestellt  wird.  Es  ist  deshalb  zutreffender,  nicht  von  Unternehmung
schlechthin  zu  sprechen,  sondern  die  nähere,  jetzt  verständliche  Kennzeichnung
vorzunehmen:  die  kapitalistische  Unternehmung  (wie  es  in  der  Überschrift  zu
diesem  Abschnitt  geschehen  ist).
Weil  die  kapitalistische  Rechnung  nicht  immer  richtig  erkannt,  hier  und  da
sogar  verkannt  wird,  so  sei  noch  einmal  ihr  Wesen  und  ihre  Bedeutung  in  folgender
Weise  dargetan.  Für  die  Herstellung  der  werthabenden  Güter  sind  Aufwendungen
mannigfacher  Art  erforderlich:  Arbeitskräfte,  Stoffe,  Werkzeuge,  Maschinen,