20

Wesen  und  Bedeutung  der  Wirtschaftsbetriebe.

kapitalistischer  Epoche  machen  müsse,  wohl  als  widerlegt  angesehen  werden.
Brentano,  v.  Below  u.a.m.  haben  den  Nachweis  erbracht,  daß  es  zu  allen  Zeiten
und  bei  allen  Völkern  Menschen  gegeben  hat,  bei  denen  das  Streben  nach  Gewinn
in  besonderem  Maße  und  in  durchaus  erkennbarer  Weise  ausgeprägt  war.  Es  handelt ­
  sich  also  keineswegs  um  einen  Trieb  oder  um  eine  Einstellung  der  Menschen,
die  erst  in  der  neueren  Geschichte  aufgetreten  sind.  Hingegen  ist  es  richtig,  daß
das  Gewinnstreben  in  dem  Augenblick  mehr  die  Allgemeinheit  ergreift  und  hier
sowohl  in  die  Breite  als  auch  in  die  Tiefe  geht,  wo  sich  der  Geldverkehr  durchsetzt
und  dieser  die  Erwerbswirtschaft  zur  vollen  Geltung  bringt.  In  der  Trennung  von
Bedürfnisbefriedigung  und  Wirtschaft  und  in  der  Einschiebung  des  Geldeinkommens ­
  zwischen  Bedarf  und  Deckung  liegt  der  Keim  zum  Gewinnstreben,  d.  h.  ein
solches  Geldeinkommen  zu  erzielen,  mit  dem  sich  der  einzelne  eine  reichliche  Befriedigung ­
  seiner  eigenen  Bedürfnisse  und  darüber  hinaus  vieles  andere  zu  sichern
imstande  ist.  Die  Ausbildung  der  Geldrechnung  und  des  In-Geld-Denkens  hat
dann  zu  der  besonderen  Form  der  Erwerbswirtschaft  geführt,  die  wir  als  kapitalistische ­
  Unternehmung  kennengelernt  haben.  Bei  dieser  wird  freilich  das  Gewinnstreben ­
  zum  wesentlichen  Merkmal,  indem  es  sozusagen  von  der  Person  auf
das  Kapital  der  Unternehmung  übertragen  wird.  Insofern  hat  Sombart  recht,
wenn  er  etwas  scharf  betont,  die  Unternehmung  sei  eine  Geldfabrik.
Es  ist  jedoch  zu  beachten,  daß  die  Unternehmung  nur  eine  besondere  Form  der
Erwerbswirtschaft  ist,  und  daß  die  Erwerbswirtschaft  darüber  hinaus  einen  besonderen ­
  Inhalt  hat:  nämlich  die  Hervorbringung  von  Gütern  für  die  Bedürfnisse ­
  der  Menschen.  Die  Durchführung  dieser  Tätigkeit  und  das,  was  aus  dieser
Tätigkeit  entspringt,  fassen  wir  unter  der  Bezeichnung:  Betrieb  zusammen,  mit
dem  wir  uns  im  nächsten  Abschnitt  (III)  zu  beschäftigen  haben.  Hier  sei  nur
auf  das  Doppel  hingewiesen,  das  in  dem  Begriff  und  in  der  Praxis  der  Wirtschaft ­
  liegt:  Form  und  Sache  gleich  Unternehmung  und  Betrieb.  Die  Unternehmung ­
  als  Form  der  Wirtschaft  denkt  und  rechnet  in  Geld;  der  Betrieb  führt
die  Tätigkeit  aus:  stellt  Güter  her  und  sichert  die  Befriedigung  von  Bedürfnissen.
Aus  diesem  Doppel  entspringen  viele  Mißverständnisse,  so  etwa  wenn  gesagt  wird,
daß  es  in  der  Unternehmung  nicht  in  erster  Linie  auf  die  Gewinnerzielung,  sondern ­
  auf  die  Hervorbringung  von  Gütern  ankommen  müsse.  Dem  Ausspruch
Sombarts,  daß  die  Unternehmung  eine  Geldfabrik  sei,  ist  also  hinzuzufügen:
und  sie  schließt  einen  Betrieb  ein,  der  Güter  von  vielleicht  besonderer  Güte  und
Wichtigkeit  herstellt.  Oder:  daß  das,  was  sich  im  Betriebe  ereignet,  etwas  anderes
ist  und  demnach  anders  zu  beurteilen  ist,  als  das  Gewinnstreben,  das  der  Unternehmung ­
  anhaftet.
Im  Zusammenhang  mit  dem  Betrieb  (III)  bedeutet  daher  Rentabilität  der
Unternehmung:  die  im  Betriebe  hergestellten  Güter  sind  zu  einem  Preise  abgesetzt ­
  worden,  der  einen  Gewinn  für  das  im  Betriebe  arbeitende  Kapital  ergeben
hat.  Indem  die  Käufer  der  Güter  einen  bestimmten  Preis  angelegt  haben,  bringen
sie  zum  Ausdruck,  daß  sie  dem  erstandenen  Gut  einen  entsprechenden  Wert  für
die  Bedürfnisbefriedigung  zuerkannt  haben.  So  ist  die  Rentabilität  der  Unternehmung ­
  nicht  nur  der  Ausdruck  dafür,  daß  mit  einem  bestimmten  Kapital  ein
Gewinn  erzielt  worden,  d.  h.  daß  das  Kapital  erhalten  geblieben  ist  und  einen  Überschuß ­
  geliefert  hat,  sondern  sie  besagt  zugleich,  daß  mit  Hilfe  des  Betriebes  eine
Befriedigung  von  Bedürfnissen  stattgefunden  hat.  Es  ist  daher  einseitig,  immer
nur  auf  den  Gewinn  und  die  Rentabilität  hinzuweisen  und  nicht  daran  zu  denken,
daß  hinter  der  Gewinnerzielung  noch  der  andere  Vorgang  steht,  nämlich,  daß
gleichzeitig  Güter  ihren  Weg  zur  Bedürfnisbefriedigung  gefunden  haben.
Es  ist  weiter  zu  beachten,  daß  dem  Gewinnstreben  in  der  Praxis  Schranken  gezogen  sind
durch  den  freien  Wettbewerb.  Stellen  sich  bei  einer  Wirtschaft  höhere  Gewinne  ein  als  sie