Erwerbswirtsohaft  und  Unternehmung.

21

sonst  üblich  sind,  so  bedeutet  dies  einen  Anreiz  für  andere  Wirtschaften,  an  einer  solchen
Gelegenheit  teilzunehmen.  Sei  es,  daß  neue  Wirtschaften  ins  Lehen  gerufen  werden  oder  bestehende ­
  Wirtschaften  zu  der  Herstellung  der  gewinnverheißenden  Güter  übergehen;  auf  diese
Weise  kommt  von  selbst  ein  Ausgleich  zustande,  von  dem  zugleich  die  Käufer  einen  Vorteil
haben  können.  Wenn  von  hohen  Gewinnen  die  Rede  ist,  wird  häufig  auch  übersehen,  daß  die
Gewinne  das  Ergebnis  einer  riskanten  Tätigkeit,  eben  einer  Unternehmung,  sind  und  daß  an
ihrer  Stelle  leicht  hätten  Verluste  eintreten  können.  Anders  liegen  die  Dinge  freilich,  wenn  die
Unternehmung  dazu  mißbraucht  wird,  den  regelnden  Wettbewerb  am  Markt  auszusohließen
und  durch  Verabredung  hoher  Preise  ungerechtfertigte  Gewinne  einzuheimsen  (Kartelle,  Monopole). ­
  Dann  ist  der  Schuldige  hier  zu  suchen  und  nicht  in  der  Unternehmung  als  solcher.
Allerdings  ist  bei  der  kapitalistischen  Unternehmung  ■—  noch  mehr  als  bei  der
gewöhnlichen  Erwerbswirtschaft  —  die  Gefahr  vorhanden,  daß  das  sachliche  Streben ­
  nach  Gewinnerzielung  auf  die  beteihgten  Menschen  so  abfärbt,  daß  sie  zu
bloßen  Geldverdienern  werden,  die  in  ihrem  Betrieb  nichts  anderes  als  eben  ein
Mittel  zum  Geldverdienen  sehen.  Selbst  wenn  man  die  krassen  Eälle,  wo  Wirtschaftsführer ­
  ihre  Geldkrankheit  vor  Gericht  öffentlich  bekennen  mußten,  außer
acht  läßt,  muß  man  feststellen,  daß  dieser  kapitahstische  Geist  weite  Kreise  der
Wirtschaft  ergriffen  hat  und  sich  von  hier  aus  auf  das  Gemeinschaftsleben  ungünstig ­
  auswirkt.  Doch  tut  man  auch  in  dieser  Beziehung  der  Unternehmung  unrecht, ­
  wenn  man  ihr  allein  den  Vorwurf  macht,  daß  sie  diese  Entwicklung  hervorgerufen ­
  habe;  schuld  sind  die  Personen,  die  sich  mit  ihrer  Seele  soweit  von  dem  Gewinnstreben ­
  haben  einfangen  lassen,  und  diejenigen,  die  —-  ohne  Zusammenhang
mit  dem  Betrieb  —  verkünden,  daß  es  in  der  Unternehmung  allein  auf  das  Geldverdienen ­
  ankomme.
Ähnliche  Mißverständnisse  unterlaufen  bei  der  weiteren  Streitfrage,  daß  es
nicht  auf  den  Gewinn,  sondern  auf  die  Wirtschaftlichkeit  ankomme:  oberstes  Ziel
der  Wirtschaft  solle  nicht  die  Gewinnerzielung  sein,  sondern  die  Wirtschaft  müsse
nach  dem  Prinzip  der  Wirtschaftlichkeit  arbeiten.  Es  ist  schon  oben  ausgeführt
worden,  daß  dem  Begriff  der  Wirtschaftlichkeit  eine  Bedeutung  beigelegt  wird,  die
mit  seinem  eigentlichen  Sinn  nichts  zu  tun  hat,  sondern  ihm  aus  der  Erfahrung  gewissermaßen ­
  zugewachsen  ist:  das  Prinzip  des  besten  Weges  zum  besten  Erfolg,
ein  Prinzip,  das  in  allen  Bereichen  des  menschlichen  Lebens  zur  Anwendung  gelangen ­
  kann.  Diese  Wirtschaftlichkeit  ist  bei  der  kapitalistischen  Unternehmung
gewahrt,  wenn  ein  gegebener  Gewinn  mit  verhältnismäßig  geringem  Kapital  oder
mit  einem  gegebenen  Kapital  ein  hoher  Gewinn  erzielt  worden  ist.  Soweit  ist  die
Rentabilität  der  Ausdruck  für  die  Wirtschaftlichkeit  in  der  Unternehmung,  wobei
zu  beachten  ist,  daß  die  ihr  zugrundeliegenden  Größen  aus  Preisen  und  Löhnen
bestehen,  die  die  Einkommen  anderer  Personen  oder  die  Gewinne  anderer  Wirtschaften ­
  bilden  oder  berühren.  Etwas  anderes  ist  es  mit  der  Wirtschaftlichkeit,  die
im  Bereiche  des  Betriebes  zu  beobachten  ist  oder  hier  beobachtet  werden  sollte.  Die
Aufgabe  des  Betriebes  ist  die  Herstellung  jener  Güter,  die—von  der  Unternehmung
gesehen  —  einen  Geldüberschuß  erbringen.  Im  Betriebe  kommt  es  auf  die  beste
Art  an,  diese  Güter  herzustellen:  und  das  ist  die  Wirtschaftlichkeit  im  Betriebe.
An  diese  Wirtschaftlichkeit  hat  man  zu  denken,  wenn  von  Wirtschaftlichkeit
schlechthin  die  Rede  ist.  Leider  haben  wir  keinen  besonderen  Ausdruck  für  die
Betriebs-Wirtschaftlichkeit,  die  der  Unternehmungs-Wirtschaftlichkeit  gleich:
Rentabilität  gegenübergestellt  werden  könnte.  (Wir  werden  im  nächsten  Abschnitt ­
  hierauf  noch  einmal  zurückkommen.)
Das  Doppel  der  Wirtschaft  (Unternehmung  und  Betrieb)  löst  auch  den  scheinbaren  Widerspruch, ­
  der  in  der  Theorie  und  Praxis  bei  E  o  r  d  liegt,  wenn  dieser  auf  der  einen  Seite  als  Ziel
der  Wirtschaft  den  Dienst  am  Kunden  predigt  und  auf  der  anderen  Seite  gerade  er  —  einer
der  Höchstbesteuerten  in  USA.  ist  oder  war.  „Dienst  am  Kunden“  leistet  sein  Betrieb,  der  mit
unerhört  technischen  und  kaufmännischen  Neuerungen  ein  Erzeugnis  liefert,  das  weiten  Anklang ­
  findet;  „möglichst  hoher  Gewinn“  erbrachte  seine  Unternehmung,  indem  der  Preis
für  das  einzelne  Auto  nur  insoweit  gesenkt  wurde,  als  es  erforderlich  war,  um  die  Steigerung