22

Wesen  und  Bedeutung  der  Wirtschaftsbetriebe.

des  Absatzes  herbeizuführen,  bei  dem  der  höchste  Umsatzgewinn  entstand  (1922:  200  Mill.
RM).  Daran  hindert  auch  nicht,  daß  Bord  es  als  seine  Aufgabe  ansah,  sich  von  fremden  Geldgebern ­
  freizuhalten,  indem  er  den  verbliebenen  Überschuß  wieder  zum  Ausbau  seiner  Betriebe ­
  verwendete.
Es  ergibt  sich:  die  kapitalistische  Unternehmung  ist  nur  eine  besondere  Form
der  Erwerbswirtschaft,  in  deren  ganzen  Bereichen  es  darauf  ankommt,  Geldüberschüsse ­
  zu  erzielen.  Die  Unternehmung  ist  jedoch  nur  die  eine  Seite  dieser  Erwerbswirtschaft; ­
  die  andere  Seite  ist  der  Betrieb,  der  die  Idee  der  Wirtschaft  verwirklicht: ­
  die  Bereitstellung  von  Gütern  für  die  Befriedigung  menschlicher  Bedürfnisse. ­
  Diesem  Ziel  muß  sich  auch  die  Unternehmung  einordnen,  das  heißt:
sie  muß  ihr  Streben  nach  Rentabilität  in  Übereinstimmung  bringen  mit  der  Wirtschaftlichkeit ­
  des  Betriebs  und  einer  sinnvollen  Eingliederung  in  die  Gesamtwirtsohaft
  (vgl.  C).
5.  Der  Unternehmer.  Der  Wirtschafter,  der  seine  Erwerbswirtschaft  in  der
Form  der  Unternehmung  betreibt,  wird  Unternehmer  genannt.  Er  verwirklicht
die  geschichtlich  gewordene  Idee  der  Unternehmung  und  füllt  diese  mit  Leben  aus.
Er  ist  hierbei  an  die  besondere  Form  gebunden:  Veranschlagung  des  Wirtschaftsvermögens ­
  in  Geld,  Verrechnung  der  Kosten  und  des  Erlöses  in  Geld  und  Erzielung
einer  Verzinsung  auf  das  —  hier  Kapital  genannte  —  Wirtschaftsvermögen.  Der
Wirtschafter  als  Unternehmer  zieht  seiner  Wirtschaft  sozusagen  das  Kleid  der
kapitalistischen  Unternehmung  an  und  hat  in  dieser  Beziehung  all  die  Überlegungen ­
  anzustellen,  die  wir  im  zweiten  Buch:  Der  Wirtschaftsbetrieb  als  Wirtschaft
(Unternehmung)  behandeln  wollen.  Er  hat  überdies,  wie  soeben  erwähnt  worden
ist,  die  Aufgabe,  die  von  ihm  geführte  Unternehmung  sinnvoll,  d.  h.  mit  Rücksicht ­
  auf  alle  Beteiligte,  in  die  Gesamtwirtschaft  einzufügen.  Mit  diesen  Aufgaben
ist  der  Wirtschafter  zum  Unternehmer  geworden.
Wie  die  Unternehmung  nur  eine  besondere  Form  der  Wirtschaft  ist  und
jede  Wirtschaft,  gleichviel  welche  Form  sie  hat,  betrieben  wird,  also  einen  Betrieb ­
  darstellt  (vgl.  III),  ebenso  hat  der  Wirtschafter  dieses  Doppelgesicht:  er
ist  Wirtschafter  (Unternehmer)  und  zugleich  Händler  oder  Industrieller  oder
Bankier  oder  etwas  anderes.  Als  solcher  gestaltet  er  den  Betrieb  der  Wirtschaft
nach  seinen  Plänen  und  seinem  Willen.  Mit  dem  Wirtschafter  (Unternehmer)
als  Gestalter  und  Führer  des  Betriebes  wollen  wir  uns  im  dritten  Buch  beschäftigen. ­
  Dort  kommen  wir  auf  die  Menschen  im  Betrieb  zu  sprechen,  welche  Tätigkeit ­
  sie  auszuüben  haben  und  wie  sie  zum  Betriebe  stehen.  Wir  können  uns  den
Unternehmer  nur  als  handelnden  Menschen  vorstellen  und  ihn  nur  in  seiner  Einheit; ­
  Unternehmer  und  Betriebsführer  und  in  der  Zugehörigkeit  zum  Betriebe
begreifen.
III.  Der  Betrieb.
1.  Wesen  und  Begriff.  Wir  haben  uns  in  I  und  II  bemüht,  zu  erkennen,  was
unter  Wirtschaft  zu  verstehen  ist,  besser:  für  unsere  Zwecke  darunter  verstanden
werden  soll:  die  auf  die  Bereitstellung  von  Gütern  für  die  Befriedigung  äußerer
Bedürfnisse  gerichtete  menschliche  Tätigkeit  (und  nicht  die  Bedürfnisbefriedigung
als  solche).  Der  Gegenstand  unserer  Darstellung  ist  der  Wirtschaftsbetrieb;  wir
haben  also  noch  zu  erklären,  was  Betrieb  der  Wirtschaft  bedeuten  soll.  Da  das
Wort  Betrieb  ebenfalls  in  verschiedenem  Sinne  gebraucht  wird,  ist  es  notwendig  —
hoffentlich  nun  endgültig  —,  die  Bedeutung  desselben  klarzustellen.  Wenn  man
von  dem  Worte  selbst  ausgeht,  so  ist  Betrieb  abgeleitet  von  betreiben,  wie  sich
das  Wort  Wirtschaft  von  wirtschaften  herleitet.  Betreiben  heißt  soviel  wie:  etwas
in  Angriff  nehmen,  durchführen,  zu  einem  Ende  bringen,  einen  in  Aussicht  genommenen ­
  Zweck  verwirklichen.  So  kann  man  alles  mögliche  betreiben:  Sport,
Geselligkeit,  Spiel,  Wirtschaft,  Kunst,  Bildung,  Rechtspflege,  Gottesdienst;