28

Wesen  und  Bedeutung  der  Wirtschaftsbetriebe.

einer  solchen  besteht,  die  besonderer  Art  ist  nnd  sich  durch  ihre  Art  von  der  sonstigen ­
  Tätigkeit  scharf  abhebt.  Dieser  besondere  Teil  der  ■wirtschaftsbetrieblichen
Tätigkeit  wird  durch  die  Technik  bedingt,  die  in  den  Betrieben  weitgehend  Anwendung ­
  findet.  Das  Wort  Technik  wird  in  einem  engeren  und  einem  weiteren
Sinne  gebraucht.  Im  engeren  —  eigenthohen  —  Sinne  ist  unter  Technik  zu  verstehen ­
  :  die  Verwendung  von  Naturstoffen  und  -kräften  zur  Herstellung  von  Dingen ­
  aller  Art.  In  den  Wirtschaftsbetrieben  sind  es  die  Güter,  die  mit  Hilfe  dieser
Technik  hergestellt  werden.  Diese  technische  Tätigkeit  ist  naturwissenschaftlich
begründet  und  unterhegt  ebensolchen  Gesetzmäßigkeiten  (vgl.  IV).  In  einem
weiteren  —  abgeleiteten  —  Sinne  spricht  man  von  Technik,  wenn  man  an  die
Verfahrensweise  denkt,  die  angewendet  wird,  um  einen  bestimmten  Zweck  zu
verwirklichen.  So  spricht  man  von  einer  Technik  der  Malerei,  Technik  der  Buchhaltung, ­
  Technik  des  Geld-,  Bank-  und  Börsenwesens,  von  Technik  der  Wirtschaft. ­
  Dann  wäre  Wirtschaftstechnik  das  Verfahren,  wie  die  Wirtschaftstätigkeit ­
  ausgeübt  wird,  also  weitgehend  übereinstimmend  mit  dem  Begriff  Betrieb.
Das  Hauptanwendungsgebiet  der  Technik  im  engeren  (eigentlichen)  Sinne  ist
der  Industriebetrieb,  der  es  mit  der  Be-  und  Verarbeitung  von  Stoffen  und  Gütern
(siehe  B  II2)  zu  tun  hat.  Die  Stätte,  wo  sich  diese  technische  Tätigkeit  abspielt,
springt  nicht  nur  räumlich  in  die  Augen,  sondern  ist  meist  von  solch  überragender
Bedeutung  für  den  gesamten  Wirtschaftsbetrieb,  daß  man  es  verstehen  kann,
daß  insbesondere  die  Techniker  diesen  Teil  des  Wirtschaftsbetriebes,  die  Werkstatt, ­
  das  Werk,  die  Fabrik,  die  Baustelle  als  Betrieb  schlechthin  bezeichnen.  In
diesem  Sinne  wäre  also  Betrieb  der  technische  Teil  des  Wirtschaftsbetriebes.  Mit
diesem  Betrieb  (im  engsten  Sinne)  hat  es  die  Betriebswissenschaft  zu  tun:  sie  umfaßt ­
  also  den  technischen  Teil  des  Wirtschaftsbetriebes  (freilich  nimmt  sie  hier
und  dort  den  Namen  Betriebswirtschaftslehre  an,  obwohl  sich  an  ihrem  Inhalt
nichts  geändert  hat).  Betrieb  im  Sinne  (und  in  der  Sprache)  der  Techniker  ist  also
der  technische  Teil  des  Wirtschaftsbetriebes  —  das  ist  festzuhalten,  wenn  man  Mißverständnissen ­
  aus  dem  Wege  gehen  will.
Denn  es  ist  klar,  daß  außer  dem  technischen  Teil  des  Wirtschaftsbetriebes
noch  ein  —  sagen  wir  mal  (solange  wir  eine  andere  Bezeichnung  nicht  gefunden
haben)  —  nicht-technischer  Teil  vorhanden  sein  muß.  Doch  wie  soll  die  Bezeichnung ­
  lauten  ?  Sombart  will  zwischen  Werkbetrieb,  also  dem  technischen  Teil,
und  dem  Wirtschaftsbetrieb  als  dem  wirtschaftlichen  Teil  unterscheiden;  dann
wäre  der  Wirtschaftsbetrieb  der  nicht-technische  Teil  der  Wirtschaft.  Als  Oberbegriff ­
  müßte  dann  Betrieb  gesagt  werden,  der  in  einen  Wirtschaftsbetrieb
und  einen  Werkbetrieb  zerfiele.  So  sehr  diese  Aufteilung  und  Benennung:  Werkbetrieb ­
  gleich  Technik  (Betriebswissenschaft)  und  Wirtschaftsbetrieb  diesem
Buche  entsprechen  würde  (vgl.  D):  Wirtschaftsbetrieb  als  den  nichttechnischen
Teil  (eines  nicht  vorhandenen)  Oberbegriffes,  so  ist  es  doch  notwendig  zu  sagen,
daß  der  Begriff  Wirtschaftsbetrieb  eigentlich  Betrieb  der  Wirtschaft  zu  bedeuten
hat,  und  daß  in  dem  Begriff  Wirtschaft,  also  damit  auch  in  dem  Begriff  Wirtschaftsbetrieb, ­
  die  technische  Herstellung  mit  enthalten  ist.
Wir  erhalten  also  folgendes  Bild:

Wirtschaftsbetrieb  (I)

Betrieb
B

Wirtschaft
W

a)  Technik  (Werkbetrieb)
b)  ?  (Wirtsohaftsbetrieb  II)

Hiernach  gibt  es  einen  weiteren  (I)  und  einen  engeren  Begriff  (II)  des  Wirtschaftsbetriebes. ­
  Man  kommt  aus  den  Schwierigkeiten  heraus,  wenn  man  nach  einem
alten  Sprachgebrauch  verfährt  und  den  nicht-technischen  Teil  der  Wirtschafts ­