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Wesen  und  Bedeutung  der  Wirtschaftsbetriebe.

stehenden  ausländischen  Krediten  bestritten  worden.  Durch  die  Kredite  war  die  Übersteigerung ­
  erst  praktisch  möglich  geworden;  nicht  mehr  die  eigene  Kapitalkraft  und  Kaufkraft
waren  der  Maßstab  für  die  Rationalisierung,  sondern  eine  durch  Auslandskredite  geschaffene
künstliche  Kaufkraft.  Durch  Zurückziehung  der  Kredite  wurde  die  Krise  dann  verschärft.
Doch  dies  alles  soll  hier  nur  zur  Kennzeichnung  des  Schlagwortes  dienen,  daß
der  technische  Fortschritt  die  gewaltige  Arbeitslosigkeit  herbeigeführt,  daß  die
Maschine  den  Menschen  brotlos  gemacht  habe.  Man  hat  in  diesem  Zusammenhang
eine  Art  Kontrolle  und  Lenkung  vorgeschlagen,  indem  eine  planmäßige  Verteilung
des  Kapitals  nach  Prüfung  des  Bedürfnisses  oder  des  Zweckes  und  eine  besondere
Auslese  der  Unternehmer  und  der  Verfahren  vorgesehen  werden  sollte.  Dadurch
soll  Art,  Ausmaß  und  Gang  der  Wirtschaft  geregelt  werden.  Dies  wird  sicher,
da  der  technische  Fortschritt  als  Ergebnis  eines  Denkaktes  ein  geistiger  Vorgang
ist,  nicht  einfach  sein.  Ferner  ist  zu  beachten,  daß  gerade  der  Massenverbrauch
durch  den  technischen  Fortschritt  weitgehend  verbilligt  wird,  daß  überhaupt  neben
der  Verbesserung  die  Verbilligung  der  Güter  den  wesentlichsten  Antrieb  für  den
technischen  Fortschritt  bietet.  Die  Verbesserung  und  Verbilligung  der  Verkehrsmöglichkeiten ­
  kommt  z.  B.  vorzugsweise  der  großen  Masse  der  minderbemittelten
Verbraucher  zugute.  Aber  gerade  diese  Verkehrs  Verbilligung  zeigt  klar,  welche
Ausmaße  im  Bereich  des  Wirtschaftsbetriebes  diese  Vorgänge  annehmen.  (Die
im  Augenblick  zur  Erörterung  stehende  Frage:  Eisenbahn  —  Kraftwagen  mit
all  seinen  Auswirkungen:  Nur-Autostraßen,  Reichsautobahnen  ist  eindeutig  auf
den  technischen  Fortschritt  zurückzuführen.)
Hier  hat  sich  wegen  der  Größe  des  Gegenstandes  die  Öffentlichkeit  stark  interessiert. ­
  Im  Gewirr  der  täglichen  Kleinarbeiten  treten  überall  die  gleichen
Fragen  auf:  Der  Papierfabrikant,  der  durch  ein  neues  maschinelles  Verfahren  eine
neue  Art  drucksicherer  Pralinenpackungen  billiger  herstellt,  verdrängt  dadurch
seine  Wettbewerber  aus  dem  Geschäft;  der  Maschinenfabrikant,  der  einen  neuen
Apparat  zur  mechanischen  Verladung  von  Kohlen-  oder  Kieshalden  herausbringt,
vertreibt  mehrere  Arbeiter  aus  der  Arbeitsstelle.  Die  Entwicklung  der  Braunkohlengruben ­
  von  der  Hand-  über  die  Baggerförderung  zur  Kabel-  und  Förderbrücke ­
  hat  diese  Gruben  menschenleer  gemacht  und  durch  Verbilligung  der  Gewinnung ­
  der  Steinkohle  den  Absatz  erschwert.  Schon  vor  Jahren  ist  deshalb
ernsthaft  die  Stillegung  des  gesamten  deutschen  Braunkohlenbergbaus  zugunsten
des  arbeitsintensiven  Steinkohlenbergbaus  erörtert  worden:  also  Hemmung  des
technischen  Fortschritts.  Uber  die  Möglichkeit  der  Verwirklichung  solcher  Überlegungen ­
  soll  hier  gar  nicht  gesprochen  werden,  nur  Art  und  Ausmaß  der  Bedeutung ­
  für  die  Wirtschaft  und  den  Wirtschaftsbetrieb  angedeutet  werden.
Die  Teohnokratio.  Wie  sehr  dieser  ganze  Fragenbereich  die  Gemüter  der  Menschen  bewegt, ­
  zeigt  das  Interesse,  das  die  aus  Amerika  stammende  „technokratische“  Bewegung  überall ­
  gefunden  hat  (auch  in  Deutschland  ist  eine  Technokratische  Union  gebildet  worden).
Diese  Bewegung  stützt  sich  auf  die  Behauptung,  daß  die  wachsende  Industrialisierung  die  Bedeutung ­
  der  menschlichen  Arbeit  in  den  Hintergrund  geschoben  habe,  daß  aber  durch  das  wirtschaftliche ­
  (sprich:  kapitalistische)  System  die  Auswirkungen  dieser  Tatsache  verhindert  würden, ­
  da  durch  falsche  Arbeits-,  Verbrauchs-  und  Kapitalleitung  der  technische  Fortschritt  nicht
zur  vollen  Auswirkung  gelangen  könne.  Es  wird  daher  gefordert,  daß  durch  Arbeitszeitbeschränkung, ­
  Lohnerhöhung  und  Güteverbesserung  eine  gerechte  Verteilung  des  Reichtums  und
eine  volle  Ausnutzung  des  technischen  Fortschritts  gewährleistet  werde.  Da  die  Energiemenge, ­
  die  zur  Erzeugung  eines  Gutes  notwendig  sei,  genau  gemessen  werden  könne,  soll  eine
Energiegröße  als  neues  Geldmaß  eingeführt  werden,  um  so  auch  eine  Ablösung  der  bisherigen
Sohuldverhältnisse  zu  ermöglichen.
Die  Ausschaltung  der  menschlichen  Arbeitskraft  wird  bewußt  gefordert,  da  dadurch  eine
so  starke  Verbilligung  der  Herstellung  eintrete,  daß  manche  Waren  überhaupt  aufhören  würden, ­
  wirtschafthohe  Güter  zu  sein,  ihr  Wert  also  gleich  Null  werde.  Das  ganze  technokratische ­
  System  ist  aufgebaut  auf  technischen  und  statistischen  Rechnungen;  im  Mittelpunkt
stehen  analytisch-geometrische  Formeln  über  das  zeitliche  Wachstum  der  Bevölkerung,
der  Produktion,  der  Verschuldung,  der  verfügbaren  Energieen  und  der  Arbeitszeit  je  Produk ­