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Die  Arten  und  Formen  der  Wirtschaftsbetriebe.

heute  nicht  so  ist,  daß  die  Wirtschaften  eines  Landes,  nach  ihrem  Zweck  gesehen,
eine  vollkommene  Einförmigkeit  darstellen.
Es  wäre  nicht  nur  reizvoll,  sondern  auch  von  großer  Bedeutung  für  die  Darstellung ­
  einer  Lehre  vom  Wirtschaftsbetrieb,  Näheres  über  die  verschiedene  Einstellung ­
  zu  erfahren,  die  die  Menschen  in  der  Vergangenheit  zu  ihren  Wirtschaften
gefunden  haben.  Leider  geht  hierauf  die  Geschichtsschreibung  nur  wenig  ein;
wir  erfahren  wohl,  daß  es  diese  und  jene  Wirtschaftsbetriebe  gegeben  hat,  daß
sie  dies  und  jenes  geleistet  haben,  nicht  immer  aber,  welche  Grundeinstellung  die
Wirtschaftspersonen  zu  ihrer  Wirtschaft  gehabt  haben.
An  einigen  Beispielen  soll  dies  näher  erläutert  werden.  Aus  Ägypten  wird  uns
berichtet,  daß  es  dort  eine  mehr  oder  weniger  große  Zahl  sog.  Königs-  oder  Tempelwirtschaften ­
  gegeben  hat,  denen  zahlreiche  Personen  als  Verwalter,  Leiter  und
Arbeiter  angehörten.  Außer  diesen  Großwirtschaften  kamen  Wirtschaften  anderer
Personen  kaum  vor.  Wenn  auch  die  Großwirtschaften  der  Lebenssicherung  des
gesamten  Volkes  dienten,  so  vereinigten  sie  doch  in  den  Händen  der  Wirtschaftspersonen ­
  eine  große  Fülle  von  Macht  und  Reichtum,  die  mit  großem  Erfolge
für  andere  Zwecke  eingesetzt  werden  konnte  (Bauten).  In  Griechenland  lassen
Philosophen,  Staatsmänner  und  Heerführer  ihre  Kapitalien  in  handwerklichen
Fabriken  unter  fremder  Leitung  arbeiten.  In  Rom  erfreute  sich  das  Gewerbe
keines  besonderen  Ansehens;  im  Zusammenhang  mit  der  Kriegführung  entsteht
der  Großgrundbesitz,  der  mit  Sklavenhandel  und  Geldgeschäften  verbunden  ist,
und  an  dem  Heerführer  und  Politiker  gleichermaßen  beteiligt  sind.  Wir  wissen,
daß  der  Reichtum  zerfällt,  als  die  Kriegsbeute  aufhört,  weil  Rom  keine  ausreichende ­
  eigene  Volkswirtschaft  hervorgebracht  hat.
In  der  mittelalterlichen  Grundherrschaft  hegt  der  landwirtschaftliche  Betrieb
in  den  Händen  der  leibeigenen  Bauern,  die  an  die  Herren,  das  ist:  an  die  Besitzer
Pacht  und  Zins  zu  zahlen  haben.  Die  Grundherren  kümmern  sich  weniger  um
den  eigentlichen  (landwirtschaftlichen)  Betrieb  (Verwalter),  als  vielmehr  um
öffentliche  Angelegenheiten  und  um  die  Vermehrung  ihres  Besitzes.  Die  Ritter
benutzen  die  Abgaben,  die  sie  von  ihrem  Grundbesitz  erhalten,  zur  Beschaffung
von  Ausrüstungen,  wenn  sie  sich  in  den  Dienst  eines  Herren  stellen.  Nur  in  der
Gutswirtschaft  ist  der  Besitzer  selbst  im  Betriebe  mit  tätig.  Ähnlich  ist  es  in  der
späteren  Zeit,  wenn  die  Fürsten  ihren  Grundbesitz  bewirtschaften  lassen  und  im
übrigen  durch  Krieg  oder  Heirat  bemüht  sind,  ihr  Vermögen  zu  vermehren.
Ein  besonders  gutes  Beispiel  für  die  hier  aufgeworfene  Frage:  wie  die  Wirtschaftspersonen ­
  zu  ihrer  Wirtschaft  stehen,  sind  die  Klosterwirtschaften.  In  den
meisten  Klöstern  (Benediktiner!)  bestand  die  Regel,  daß  die  Wirtschaft  alles
hervorbringen  sollte,  was  ihre  Insassen  brauchten.  Wenn  man  bedenkt,  daß  die
Klöster  nicht  nur  der  religiösen  Übung  dienten,  sondern  zugleich  die  hauptsächlichsten ­
  Stätten  der  Bildung  und  der  Wissenschaft  waren,  so  wird  deutlich,  daß
hier  die  Wirtschaft  eine  eigenartige  Rolle  spielen  mußte.  Oder  wenn  sich  im  14.
bis  16.  Jahrhundert  Grundbesitzer,  Fürsten,  Städte  und  Geistlichkeit  mit  ihrem
Reichtum  an  den  Handelsgeschäften  beteiligten,  diese  durch  beauftragte  Kaufleute ­
  ausführen  ließen;  sie  verwendeten  die  Gewinne  für  Zwecke  aller  Art,  die
außerhalb  des  eigentlichen  Wirtschaftsbetriebs  liegen  konnten.
Wir  wollen  nicht  weiter  auf  den  Streit  eingehen,  ob  der  spätmittelalterliehe
Handwerker  wirklich  nur  von  der  Idee  der  Nahrung  beherrscht  oder  ob  er  auch
schon  vom  Gewinnstreben  ergriffen  war;  sicher  ist,  daß  in  den  ungezählten  Fällen,
wo  Handwerker  ihr  ganzes  Leben  einer  einzigen  Aufgabe  gewidmet  haben  (Anfertigung ­
  eines  Schnitzwerkes  für  das  Gotteshaus)  zu  ihrer  Wirtschaft,  die  meist
noch  mit  einigem  Grundbesitz  verbunden  war,  eine  ganz  andere  Einstellung  hatten
als  beispielsweise  damals  schon  die  Händler,  einerlei,  ob  man  hierbei  an  die  kleinen