Die  Zusammenschlüsse  von  Wirtschaftsbetriehen.

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fabriken,  die  Elbe-Sohiffahrts-  oder  Köln-Rottweiler-Sprengstoffgesellsohaft  waren  sogar  eindeutige ­
  Ansätze  zu  Trusts  mit  monopolistischer  Tendenz.  Am  weitesten  in  dieser  Hinsicht
schien  schon  1901  die  Reis-  undHandels-A.-G.  Bremen  gekommen  zu  sein,  die  neun  Fabriken
umfaßte  und  damals  nicht  sehr  weit  von  einem  Reisschäl-  und  Handelsmonopol  in  Deutschland ­
  entfernt  war.
Durch  den  Krieg  wurde  diese  Entwicklung  aufgehalten;  Kriegslieferungen,  Absatzsorgen,
Arbeiter-  und  Rohstoffmangel  ließen  im  allgemeinen  große  Umschichtungen  nicht  zu,  in  allen
Zubringergewerben  war  Hochkonjunktur,  wenn  auch  einseitiger  Art.  Bei  Kriegsende,  als  diese
Kriegskonjunktur  aufhörte,  setzte  sofort  ein  ungeheuerer  Bedarf  an  Eriedenswaren  aller  Art
ein,  die  Kriegsfolgen  mußten  ausgeglichen  werden,  die  Umstellung  auf  Priedensarbeit  erforderte ­
  Erweiterungen  und  ebenso  die  Neugruppierung  ganzer  Industrien,  vor  allem  die  der
Schwerindustrie  im  Westen  und  in  Oberschlesien  infolge  der  Gebietsabtretungen.  In  der
Folge  verschärfte  die  Inflation  mit  ihrem  Sachwerthunger  einesteils  die  allgemeine  Warenund
  Rohstoffknappheit  bei  anderteils  heftigster  Nachfrage  auf  allen  Gebieten.  Zwar  hatte  die
Zahl  der  Kartelle,  durch  die  Kriegswirtschaft  gefördert,  noch  zugenommen,  aber  ihre  Bedeutung ­
  war  geringer  geworden.  Diese  Zeit  ist  gekennzeichnet  in  überwiegender  Weise  durch
das  Bestreben,  vor  allem  Rohstoffe  zu  sichern:  die  Vor-Nach-Zusammenfassung  beherrscht  alle
übrigen  Entwicklungen.  Daß  daneben  im  Bestreben  der  Sachwerterhaltung  häufig  wahllos
Angliederungen  ganz  wesenfremder  Betriebe  oder  durch  neue  Pinanzgrößen  Aufkäufe  irgendwelcher ­
  Art  vorgenommen  wurden,  verwirrte  zwar  das  Bild,  ohne  jedoch  die  Richtung  verwischen ­
  zu  können.
Die  Stabilisierung  der  Mark  brachte  dann  mit  der  Notwendigkeit  genauer  Rechnungen  in
allen  Kreisen  der  Bevölkerung  die  ersten  Absatzsorgen  infolge  mangelnder  Kaufkraft  und
auch  die  Grundlage  ernsthaften  Wettbewerbs  mit  dem  Ausland.  Es  stellte  sich  heraus,  daß
die  meisten  deutschen  Betriebe  sowohl  in  technischer  als  auch  organisatorischer  Hinsicht  rückständig ­
  geworden  waren.  Die  Kapitalknappheit,  hohe  Steuerforderungen,  steigende  Löhne
und  Sozialabgaben  u.  a.  kamen  hinzu  und  stellten  die  deutsche  Wirtschaft  vor  die  gebieterische
Notwendigkeit,  unter  allen  Umständen  zu  erheblichen  Kostensenkungen  zu  gelangen.  Diese
war  —  nach  Lage  der  Dinge  —  fast  ausschließlich  eine  Präge  der  Produktionserhöhung,  welche
nur  über  technische  Verbesserungen  und  zunehmende  Mechanisierung  erreichbar  schien.  Entscheidend ­
  für  das  Gelingen  dieser  Pläne  war  aber  der  Absatz;  nur  wenn  es  gelang,  den  Absatz
der  Erzeugnisse  zu  erhöhen,  konnte  eine  volle  Beschäftigung  der  Anlagen  und  damit  die  geringste ­
  Kostenlage  des  Unternehmens  für  eine  Wettbewerbsfähigkeit  notwendig  erreicht
werden.
So  setzte  mit  der  Rationalisierung  auf  allen  Gebieten  der  ungeheure  Drang  zum  Großbetrieb ­
  ein,  der,  da  die  allgemeine  Umsatzausweitung  nicht  Schritt  hielt,  nun  zumeist  auf
Kosten  der  Mitbewerber  vorgenommen  wurde.  Unterstützt  durch  Kreditaufnahmen  im  Ausland, ­
  die  freilich  nur  den  größten  Firmen  des  Geschäftszweiges  entweder  unmittelbar  oder
über  die  Banken  zur  Verfügung  standen,  wurde  der  technische  und  organisatorische  Ausbau
vorgenommen;  die  Vereinigten  Stahlwerke,  die  verschiedenen  Kali-  und  Kohlenkonzerne,  die
IG.-Parben,  der  Linoleum-Trust,  der  Nordwolle-Konzern  waren  die  bekanntesten,  eine  große
Anzahl  weiterer  Zusammenschlüsse  in  anderen  Gewerbezweigen,  die  weniger  bekannt  gewordenen ­
  Auswirkungen  dieser  Entwicklung,  unter  denen  die  Mühlenbau  (Miag),  Kugellager, ­
  Waggon-  und  Zementkonzerne,  die  Zellstoffgruppen,  Textilkonzerne  (Hammersen-Dierig)
  als  weitere  typische  Beispiele  angeführt  werden  sollen.
Das  Ergebnis  dieser  starken  Vor-Naoh-  (in  der  Inflation)  und  Neben-  (in  der  ümstellungszeit)
  Konzentration  waren  Unternehmungen,  die  neben  einer  recht  großen,  räumlichen  und
umsatzmäßigen  Ausdehnung  eine  fast  unübersehbare  Gliederung  aufwiesen  und  häufig  von
der  Urproduktion  bis  weit  in  die  Fertigung  hineinreiohten.  Auch  die  verwalteten  Kapitalien
wuchsen  demgemäß  zu  erheblichem  Umfang  an.  Die  entstandenen  Groß-  und  Riesenbetriebe
und  ihre  Entwicklung  zum  monopolistischen  Trust  stellten  an  die  Fähigkeiten  der  leitenden
Personen  nicht  geringe  Ansprüche.
Eine  Zusammenfassung  der  Ziele  der  Zusammenschlüsse  in  Konzerne  und  Trusts  (T  h  y  s  -
s  e  n  im  Enquete-Ausschuß  I  3)  stellt  allgemein  „das  Streben  nach  höchstmöglicher  Wirtschaftlichkeit ­
  im  Interesse  des  privaten  Kapitals  sowie  auch  der  allgemeinen  Volkswirtschaft
in  den  Vordergrund“.  Dieses  Ziel  ist  in  Wirklichkeit  nicht  überall  erreicht  worden,  weil  einmal
der  erforderliche  Absatz  in  den  meisten  Fällen  ausgeblieben  ist  (das  Ende  der  Rationalisierung
fiel  mit  einer  scharfen  Wirtschaftskrise  in  der  ganzen  Welt  zusammen),  ferner  durch  die  Rationalisierung ­
  selbst  diese  Krise  (durch  gesteigerte  Arbeitslosigkeit)  noch  verstärkt  wurde  und
endlich  —  nicht  zuletzt  —  auch  die  erwarteten  Vorteile  des  Großbetriebs  durch  die  oben  angegebenen ­
  Nachteile:  Schwierigkeit  der  Abstimmung  der  einzelnen  Teile  aufeinander,  Rückwirkungen ­
  der  Absatzschwankimgen  auf  die  vorgelagerten  Betriebe  und  die  Personenfrage
häufig  aufgehoben  oder  sogar  in  ihr  Gegenteil  verkehrt  worden  sind.  So  leidet  zur  Zeit  eine
große  Zahl  gerade  der  Großbetriebe  darunter,  daß  sie  zwar  über  große  und  gut  eingerichtete
Anlagen  verfügen,  daß  ihre  Leistungsfähigkeit  aber  durch  Aufträge  nur  in  geringerem  Maße
Prion,  Die  Lehre  vom  Wirtschaftsbetrieb.  I.  7