Das  Gebilde  der  Marktwirtschaft.

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lastet,  oder  es  wird  eine  nachlassende  Nachfrage  nicht  durch  eine  entsprechende
Ermäßigung  der  Preise  abgefangen.  Dies  ist  wieder  um  so  eher  möglich,  je  mehr
die  Marktgesetze  durch  Kartellverabredungen  beeinflußt  werden.
Der  Sicherung  der  Gewinne  durch  die  Kartellpolitik  auf  seiten  der  Unternehmer ­
  entspricht  die  gewerkschaftliche  Lohnpolitik  auf  seiten  der  Arbeiter  und
Angestellten.  Sich  gegen  die  Lebensnot  zu  schützen,  kann  man  dem  Arbeiter  noch
weniger  verwehren,  als  dem  Unternehmer  die  Absicht,  auf  Erhaltung  seines  Kapitals ­
  bedacht  zu  sein.  Wenn  aber  die  allgemeine  Lohnsioherung  zur  Lohngleichheit ­
  und  zu  einer  Lohnhöhe  wird,  die  sich  mit  der  Lage  der  Gesamtwirtschaft  nicht
mehr  verträgt,  dann  bedeutet  die  Verselbständigung  der  Löhne  eine  weitere  Außerkraftsetzung ­
  der  Bedingungen,  unter  denen  sich  die  freie  Marktwirtschaft  verwirklichen ­
  soll.  Dazu  kommt,  daß  solche  Lohnfestsetzungen  einen  Anreiz  bilden,
die  Menschenarbeit  durch  Maschinen  zu  ersetzen,  was  dann  wieder  eine  Steigerung
des  Großbetriebes  zur  Folge  hat.
Die  Loslösung  der  Großbetriebe  aus  der  Selbstregelung  des  Marktes  ist  aber
nur  die  eine  Seite  der  Entwicklung,  die  die  Gesamtwirtschaft  bis  zur  Wirtschaftskrise ­
  1931  genommen  hat.  Weil  sich  aus  dieser  Entwicklung  Schäden  für  die
Volksgemeinschaft  ergaben,  hat  sich  nun  auch  der  Staat  veranlaßt  gesehen,  von
sich  aus  in  das  „freie“  Spiel  der  Kräfte  einzugreifen.  Nach  vielen  Richtungen  hin:
die  Einführung  oder  Erhöhung  von  Einfuhrzöllen,  unter  deren  Schutz  sich  große
Teile  der  Kartellbindungen  erst  verwirklichen  ließen;  die  Inangriffnahme  einer
staatlichen  Sozialpolitik,  die  den  Arbeitern  den  erforderlichen  Schutz  zur  Sicherung ­
  ihres  Lebens  brachte  (zugleich  aber  den  Wirtschaftsbetrieben  erhöhte  Lasten
auferlegte);  weitgehender  Übergang  zur  öffentlichrechtlichen  Wirtschaft,  die  in
ihrer  Lohn-  und  Preispolitik  gegebenenfalls  von  der  Marktlage  abgehen  kann;
endlich  die  Gewährung  von  Subventionen,  durch  die  vielfach  unrentable  Wirtschaftsbetriebe ­
  (um  eine  Stillegung  zu  vermeiden)  künstlich  am  Leben  gehalten
werden.
Alle  diese  Maßnahmen  mögen  sich  vom  Standpunkt  der  Beteiligten:  Staat,
Arbeiter,  Unternehmer  rechtfertigen  lassen;  nur  entsprechen  sie  nicht  mehr  der
Idee  der  freien  Marktwirtschaft,  von  der  behauptet  wird,  daß  sie  in  sich  die  Wirkung ­
  trage,  die  Bereitstellung  und  den  Verbrauch  der  Güter  immer  wieder  ins
Gleichgewicht  zu  bringen.  Wenn  man  die  Entwicklung  der  Großbetriebe  für  unabänderlich ­
  hält  und  die  staatlichen  Eingriffe  für  erforderlich  erachtet,  dann  stellt
eine  solche  Gesamtwirtschaft  zwar  noch  eine  Marktwirtschaft  dar;  aber  sie  ist
nicht  eine  solche,  die  sich  nach  der  Idee  eines  freien  Selbstausgleichs  vollzieht.
Wir  können  somit  feststellen,  daß  in  der  Zeit  bis  zur  Wirtschaftskrise  1931  eine
eigentlich  freie  Marktwirtschaft  nicht  bestanden  hat,  und  daß  die  Regelungen  nicht
vermocht  haben,  die  eingetretenen  Spannungen  zu  beseitigen,  geschweige  denn  die
Wirtschaftskrise  selbst  zu  verhindern.  Auf  die  Bestrebungen,  eine  andere  Ordnung
der  Gesamtwirtschaft  herbeizuführen,  wollen  wir  zurückkommen,  wenn  wir  vorher
den  Ablauf  der  Marktwirtschaft  im  einzelnen  kennen  gelernt  haben  (II).
4.  Produktivität  und  Rentabilität.  Wir  haben  den  Begriff  der  Rentabilität  in
A  II  kennen  gelernt:  er  tritt  im  Gefolge  der  Gewinnerzielung  auf,  die  für  die  auf
Erwerb  gerichteten  Wirtschaften  kennzeichnend  ist.  Aus  der  Gegenüberstellung
von  Gewinn  und  Kapital  ergibt  sich  die  Kapitalrente,  die  das  Merkmal  der  besonderen ­
  Form  der  Erwerbswirtschaft,  der  Unternehmung,  ist:  Auf  die  Erzielung
einer  Rentabilität  in  diesem  Sinne  ist  das  Streben  der  (kapitalistischen)  Unternehmung ­
  gerichtet.  Was  bedeutet  nun  Produktivität  und  warum  die  Gegenüberstellung ­
  von  Produktivität  und  Rentabilität  ?  Es  wird  sich  zeigen,  daß  die  Antwort ­
  auf  diese  Frage  am  besten  eben  hier,  d.  h.  im  Anschluß  an  die  Ausführungen
über  die  freie  Marktwirtschaft,  gegeben  werden  kann.  Die  Klarstellung  der  beiden