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Die  Gesamtwirtschaft.

Begriffe  ist  erforderlich,  weil  sie  in  Schrifttum  und  Öffentlichkeit  in  verschiedenem
Sinne  aufgefaßt  werden  und  daher  Meinungsverschiedenheiten  und  Mißverständnisse ­
  an  der  Tagesordnung  sind.  Es  kommt  hinzu,  daß  es  sich  bei  dem  Begriff  der
Produktivität  nicht  um  einfache  und  leicht  feststellbare  Tatbestände  handelt.
Vorwegzunehmen  ist,  daß  von  Produktivität  früher  (und  mehr)  die  Rede  gewesen ­
  ist  als  von  Rentabilität.  In  wissenschaftlichem  Sinne  verwendeten  die
Physiokraten,  später  Adam  Smith  (und  die  übrigen  Klassiker  der  Nationalökonomie) ­
  den  Begriff  der  Produktivität  für  eine  ergiebigere  Produktion  von
Gütern,  damals;  für  die  massenweise  Herstellung  von  Gütern,  die  zu  niedrig  gehaltenen ­
  Kosten  gewinnbringend  auf  dem  Markt  verwertet  werden  konnten.  Es
Hegt  also  eine  enge  Beziehung  zur  Produktion,  allerdings  nicht  nur  im  technischen
sondern  auch  im  wirtschaftlichen  Sinne  vor,  indem  auf  ihre  Verwertung  am  Markt
hingewiesen  wird.  (Noch  heute  bezieht  z.  B.  v.  Philippovich  die  Produktivität ­
  auf  die  technische  Produktion  und  versteht  darunter  deren  technische
Ergiebigkeit.)  Im  weiteren  Verlauf  der  gesamtwirtschaftlichen  Entwicklung,  wie
sie  oben  geschildert  worden  ist,  wird  (insbesondere  von  den  Kathedersoziahsten)
darauf  hingewiesen,  daß  einer  solchen  Produktions-Produktivität  erhebliche  soziale ­
  Mängel  anhaften  können,  wenn  man  die  Auswirkungen  der  Produktion  auf
die  Gesamtwirtschaft  (Großbetrieb,  Klassenbildung,  Arbeitslosigkeit  usw.)  ins
Auge  faßt.  So  kommt  der  Begriff:  Produktivität  im  „volkswirtschaftlichen  Sinne“
auf.  Was  ist  aber  volkswirtschaftüche  Produktivität  ?  Die  Antworten  lauten  verschieden: ­
  Steigerung  des  Volkseinkommens  oder  des  Volks  Vermögens  oder  der
Lebenshaltung,  je  nachdem,  was  der  Fragesteller  unter  Wirtschaft,  Volks-  oder
Gesamtwirtschaft  versteht  oder  verstanden  wissen  will.  Dazu  kommt,  daß  es  nicht
bei  dieser  theoretischen  Zielsetzung  bleiben  kann,  sondern  eine  Wirklichkeit  vorgestellt ­
  werden  muß,  bei  der  sich  wiederum  ergibt,  daß  es  schwer  ist,  die  Bevölkerung ­
  in  gleichem  Maße  an  einer  Steigerung  des  Volkseinkommens  oder  der
der  Lebenshaltung  teilnehmen  zu  lassen.
Der  Streit  um  den  Begriff  der  Produktivität  erreicht  zu  Begimi  des  20.  Jahrhunderts ­
  seinen  Höhenpunkt,  und  es  ist  bezeichnend,  daß  auf  der  Tagung  des  Vereins ­
  für  Sozialpolitik  im  Jahre  1909  die  Anregung  entstand,  das  Wort  Produktivität ­
  überhaupt  nicht  mehr  zu  gebrauchen,  da  es  unmöglich  sei,  ihm  einen  eindeutigen ­
  Inhalt  zu  geben.
Aus  der  eingangs  erwähnten  Erklärung  des  Begriffes  der  Rentabilität  geht
hervor,  daß  tatsächUch  unter  Produktivität  von  jeher  etwas  anderes  verstanden
worden  ist,  als  unter  Rentabilität  gemeinhin  verstanden  wird.  Doch  ist  nicht  zu
übersehen,  daß  zwischen  den  beiden  Begriffen  insofern  ein  Zusammenhang  besteht,
als  die  Rentabihtät  (des  Kapitals  in  einer  Unternehmung)  zugleich  der  Ausdruck
dafür  ist,  daß  Güter  mit  Gewinn  abgesetzt,  also  von  anderer  Seite  zum  Zwecke
der  Bedürfnisbefriedigung  erworben  worden  sind.  Wenn  man  weiter  annimmt,
daß  dem  Erwerb  (Kauf)  der  Güter  ihre  Verwendung  zur  Bedürfnisbefriedigung
gefolgt  ist,  dann  ist  es  mögUch  zu  sagen,  daß  nicht  nur  eine  rentable  sondern
zugleich  auch  eine  produktive  Bereitstellung  dieser  Güter  stattgefunden  hat.  Wir
haben  ferner  gesehen,  daß  die  Herbeiführung  der  Rentabilität  einer  bewußten
Unternehmungspolitik  unterhegt,  bei  der  die  Faktoren:  Kosten,  Umsatz,  Preise,
Löhne  und  Gewinn  so  in  Zusammenklang  gebracht  werden  können,  daß  zugleich
ein  volkswirtschafthcher  Erfolg  erzielt  wird.
Die  Vorgänge,  um  die  es  sich  handelt,  werden  noch  klarer,  wenn  man  das  Wort
Produktivität  mit  Wirtschaftlichkeit  übersetzt.  WirtschaftHchkeit  bedeutet  die
Herbeiführung  eines  Zustandes,  bei  dem  das  wirtschaftliche  Gesetz  von  vergleichsweise ­
  geringstem  Aufwand  und  größtem  Erfolg  verwirklicht  ist.  Das  Wort  Wirtschaftlichkeit ­
  sagt  also  an  sich  noch  nichts  über  den  Gegenstand  aus,  auf  den  sich