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Die  Gesamtwirtsohaft.

Im  Rahmen  der  Auffassung,  daß  die  jeweilige  Gesamtmarktlage  als  Konjunktur ­
  zu  gelten  habe,  liegt  noch  eine  dritte  Auslegung,  die  jedoch  mehr  in  der
Wirtsohaftspraxis  anzutreffen  ist;  nämlich  eine  solche  Marktlage,  bei  der  die  einzelnen ­
  Wirtschaftsbetriebe  im  Begriffe  sind,  ihre  eigene  Lage  zu  verbessern,  in  der
sich  also  die  Preise  oder  die  Umsätze,  also  die  Gewinnaussichten,  im  Sinne  der  Erwerbswirtschaft ­
  günstig  entwickeln.  Konjunktur  in  diesem  Sinne  ist  somit  gleichbedeutend ­
  mit  einer  guten  Geschäftslage,  die  freilich  nicht  immer  für  alle  Wirtsehaftsbetriebe
  im  nämlichen  Augenblick  gleichmäßig  gut  zu  sein  braucht.  Gestaltet ­
  sich  dagegen  die  Marktlage  im  Sinne  der  Wirtschaftsbetriebe  ungünstig,
fallen  die  Preise,  sinken  die  Erwerbsmöglichkeiten  und  -aussichten,  so  pflegt  man
von  Depression  des  Wirtschaftslebens  zu  sprechen.  Konjunktur  und  Depression
stehen  sich  also  hier  gegenüber  wie  gute  und  schlechte  Geschäftslage,  gesehen
vom  einzelnen  Wirtschaftsbetrieb  aus.
Auf  der  anderen  Seite  will  man  wieder  nicht  die  gesamten  Bewegungsvorgänge,
die  zu  einer  bestimmten  Gesamtmarktlage  führen,  als  Konjunktur  gelten  lassen.
Man  unterscheidet  vielmehr:  1.  sog.  strukturelle  Veränderungen  der  Marktlage,
die  einmalig  auf  treten  und  einen  Wandel  in  den  Grundlagen  der  Gesamtwirtschaft
herbeiführen  und  je  nach  Umfang,  Bedeutung  und  zeitlicher  Folge  besonders
schwere  Störungen  in  dem  Marktgeschehen  heraufbeschwören  können.  2.  Saisonbedingte ­
  Veränderungen,  besser:  Schwankungen  in  der  Gesamtmarktlage,  die
regelmäßig  wiederkehren  und  meist  von  äußeren  Anlässen  hervorgerufen  werden
(z.  B.  Erntearbeiten,  Weihnachtsgeschäft).  Endlich  3.  konjunkturelle  Bewegungsvorgänge ­
  im  engeren  Sinne,  d.  h.  solche,  die  zwar  in  gewisser  Folge  wiederkehren,
aber  in  unregelmäßigen  Zeitabständen  in  einem  freien,  nicht  vorher  genau  feststellbaren ­
  Rhythmus  in  Erscheinung  treten.
Wir  wollen  die  letzteren  Vorgänge  als  Konjunktur  im  eigentlichen  Sinne  bezeichnen ­
  (und  an  sie  denken,  wenn  wir  im  folgenden  von  Konjunktur  sprechen).
Dann  ergibt  sich,  daß  die  jeweilige  Gesamtmarktlage  und  der  in  der  Gesamtwirtschaft ­
  in  die  Erscheinung  tretende  Ablauf  das  Ergebnis  der  drei  Entwicklungsreihen; ­
  Struktur,  Saison  und  Konjunktur  im  engeren  Sinne  ist.  Natürlich  ist  das
nicht  so  zu  verstehen,  daß  diese  drei  Veränderungen  in  jedem  Augenblick  insgesamt ­
  wirksam  sein  müssen;  sie  stellen  zunächst  nur  gedanklich  getrennte  Teile
der  gesamten  Bewegungsvorgänge  dar,  die  sieh  in  Wirklichkeit  in  ihren  Wirkungen
jeweils  beeinflussen,  verstärken,  absehwächen  oder  gar  aufheben  können.  Jedenfalls ­
  ist  es  erforderlich,  die  Möglichkeit  dieser  drei  Entwicklungsreihen  zu  berücksichtigen, ­
  wenn  man  versuchen  will,  ein  möglichst  zutreffendes  Bild  von  der  jeweiligen ­
  Gesamtmarktlage  oder  von  den  Vorgängen,  die  zu  einer  bestimmten  Lage
der  Gesamtwirtschaft  geführt  haben,  zu  erhalten.
Bei  dieser  Begriffsabgrenzung  ist  noch  etwas  anderes  von  Bedeutung,  nämlich:
die  Aussonderung  der  strukturellen  und  der  saisonbedingten  Vorgänge  einschließlich ­
  ihres  Beitrages  zur  Entwicklung  und  Gestaltung  der  Gesamtmarktlage  (Konjunktur ­
  im  weiteren,  allgemeineren  Sinne)  bedeutet  zugleich,  daß  die  konjunkturellen ­
  Veränderungen  übrig  bleiben  für  die  Vorgänge  der  Marktwirtschaft  an
sich,  d.  h.  für  das  Suchen  und  Finden  von  Angebot  und  Nachfrage.  Konjunktur
in  diesem  engeren  Sinne  —  also  frei  gemacht  von  Struktur  und  Saison  —  stellt
den  Rhythmus  dar,  indem  sich  die  Idee  der  Marktwirtschaft  vollzieht,  d.h.  durch
den  sie  zu  dem  ihr  innewohnenden  Ausgleich  gelangt.  Allerdings  pflegt  man  hierbei
noch  zwischen  Roh-  und  Rein-Schwankungen  zu  unterscheiden,  eine  Unterscheidung, ­
  die  darauf  beruht,  daß  man  als  eigentliche  Schwankungen  (Rein-Konjunktur) ­
  nur  die  Veränderungen  gelten  lassen  will,  die  sich  über  die  allgemeine  Entwicklungslinie ­
  hinaus  einstellen.  Die  Richtung  der  Konjunktur,  die  sich  aus  der
Bevölkerungs-  oder  Reichtumsentwicklung  ergibt,  wird  als  Trend  bezeichnet.