Der  Ablauf  der  Marktwirtschaft.  Hl
Dann  bleiben  die  eigentlichen  Konjunkturschwankungen  nach  Ausschaltung  der
Bewegungen  übrig,  die  als  Trend  anzusehen  sind.
Bevor  wir  uns  den  Ablauf  der  Konjunktur  im  engeren  Sinne  ansehen,  sollen  kurz  die  Arten
und  Ursachen  der  Bewegungsvorgänge  auf  gezählt  werden,  die  die  Konjunktur  im  weiteren
und  engeren  Sinne  gestalten.  Es  liegt  in  ihrem  Wesen,  daß  eine  vollständige  und  allgemeingültige
  Aufzählung  nicht  möglich  ist.  Im  Anschluß  anv.  Zwiedineck  seien  die  folgenden ­
  genannt:
1.  Veränderungen  in  der  Zahl  und  dem  Aufbau  der  Bevölkerung  nach  Alter  und  Geschlecht
und  beruflicher  Gliederung.  2.  Veränderungen  der  sozialen  und  soziologischen  Struktur,  in
der  Verteilung  des  Reiohstums  und  der  wirtschaftlichen  Macht,  der  Bedürfnisse  nach  Bildung,
Kunst  und  Wohlergehen  usw.  3.  Veränderungen  im  wirtschaftlichen  Geschmack  der  Verbrauchermassen, ­
  z.  B.  der  Mode  in  Kleidung  und  Wohnung.  4.  Veränderungen  des  Kapitals
nach  Menge  oder  Wert  (des  Zinssatzes),  die  eine  Wandlung  der  Produktion  und  des  Verbrauchs
ermöglichen  und  bedingen.  5.  Den  technischen  Fortschritt,  der  eine  Umwälzung  der  Verfahrensweise ­
  oder  der  benutzten  Rohstoffe  oder  der  Kraftquellen  mit  sich  bringt.  6.  Die  Auffindung ­
  neuer  Rohstoff-  und  Kraftquellen  oder  die  Ausweitung  der  Absatzgebiete.  7.  Veränderungen ­
  in  der  Marktverfassung  durch  Wettbewerbsbeschränkungen,  Kartellierungen  oder
Vertrustung.  8.  Das  Auftauchen  neuer  Güter  durch  neue  Herstellung  oder  durch  Einfuhr  aus
fremden  Ländern.  9.  Psychologische  Triebkräfte  oder  Hemmungen  bei  den  Wirtschaftern  oder
Verbrauchern,  die  Lust  oder  Unlust  zu  Kauf  oder  Erzeugung  und  Ausweitung  oder  Einschränkung ­
  von  Verbrauch  und  Erzeugung  hervorrufen.
Auf  eine  besondere  Ursache  weist  F.  Schmidt  hin,  indem  er  ausführt,  daß  der  Konjunktur ­
  (im  engeren  Sinne:  der  Industriekonjunktur)  ein  Rechenfehler  der  Unternehmungen
in  der  Gestaltung  des  Rechnungswesens  zugrunde  liege.  Mit  diesem  einzigartigen  Gedankengang ­
  werden  wir  uns  im  zweiten  Buch  (D.  Gewinn)  noch  eingehend  zu  beschäftigen  haben;
hier  sei  lediglich  vermerkt,  daß  nicht  ohne  weiteres  feststellbar  ist,  ob  wirklich  der  nachgewiesene ­
  Rechenfehler  auch  immer  zu  einer  falschen,  d.  h.  konjunktur  verschärf  enden  Betriebspolitik ­
  führt.
Eine  nähere  Betrachtung  der  aufgezählten  Ursachen  für  die  Entstehung  der
Konjunktur  im  weiteren  Sinne  läßt  erkennen,  daß  man  —  vom  Standpunkt  der
Wirtschaftsbetriebe  aus  —  zwischen  inneren  und  äußeren  Ursachen  unterscheiden
kann.  Die  ersteren  liegen  in  den  Handlungen  des  Wirtschafters  selbst  begründet,
während  die  äußeren  Gründe  in  betriebsfremden  Tatsachen,  wie  Mode,  Bevölkerungsvermehrung, ­
  oder  in  gesellschaftlichen,  politischen  und  religiösen  Umwälzungen ­
  zu  suchen  sind.  Natürlich  wirken  die  letzteren  wieder  auf  die  Maßnahmen ­
  der  Wirtschaftsbetriebe  und  die  kaufenden  Menschen  ein,  so  daß  letztlich ­
  jede  Gestaltung  des  Marktes  auf  menschliche  Willenshandlungen  zurückzuführen ­
  ist.  In  der  Regel  kommt  der  Anstoß  zu  Veränderungen  in  den  Herstellungs-
  oder  Umlaufsvorgängen  von  einer  einzelnen  Stelle.  Durch  den  inneren
Zusammenhang,  durch  die  enge  Verflechtung  aller  Einzelwirtschaften  strahlen
dann  die  Bewegungen  auf  die  Gesamtwirtschaft  und  von  dort  nicht  selten  auf
das  Gefüge  der  Wirtschaften  anderer  Länder  aus.
Die  Erfahrungen  zeigen,  daß  die  Konjunkturschwankungen  beträchtliche  Ausmaße ­
  annehmen  können,  und  daß  hierdurch  große  Verluste  sowohl  in  der  Depression ­
  (schlechte  Geschäftslage)  durch  unzulängliche  Ausnutzung  der  Produktionseinrichtungen ­
  wie  in  der  Konjunktur  (gute  Geschäftslage)  durch  Vergeudung
und  Fehlleitung  von  Kapital  entstehen  können.  Der  Wunsch,  diese  Schwankungen ­
  durch  wirtschaftspolitische  Maßnahmen  und  entsprechendes  Verhalten
der  Wirtschaftsbetriebe  nach  Möglichkeit  zu  verringern,  hat  zu  einer  bevorzugten
Beschäftigung  der  Wirtschaftswissenschaft  mit  diesen  Zusammenhängen  und  zum
Ausbau  einer  besonderen  Konjunktur  lehre  geführt.
2.  Die  Konjunkturabschnitte.  Die  Erfahrung  lehrt  weiter,  daß  sich  die  Konjunktur ­
  im  engeren  Sinne  in  einem  Kreislauf  vollzieht,  soll  heißen,  daß  sich  Bewegungsvorgänge ­
  und  Zustände  der  Gesamtmarktlage  in  bestimmter  Weise  folgen.
Man  unterscheidet  die  folgenden  Teile  der  Konjunkturentwicklung;  1.  Stockung
(Depression),  2.  Aufschwung  (Konjunktur),  3.  Hochschwung  (Hausse),  4.  Wendepunkt ­
  (Krise),  5.  Übergang  wieder  zu  1.  Stockung.  DieKenntnis  der  einzelnen  Ab ­