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Die  Gesamtwirtschaft.

—  oder  die  von  ihm  beauftragten  oder  angeregten  Stellen  —  durch  besondere  Erteilung ­
  von  Aufträgen,  oder  die  Notenbank  hinsichtlich  ihrer  Diskont-  und  Kreditpolitik ­
  ergreifen.
Hier  soll  nur  die  Vorfrage  gestreift  werden:  welchem  Ziel  hat  eine  solche  Konjunkturpolitik ­
  zu  dienen  ?  Zweifellos  ist,  daß  ein  bestimmter  Zustand  der  Marktlage ­
  oder  eine  bestimmte  Entwicklung  des  Ablaufs  herbeigeführt  werden  soll.  Die
Frage  ist  nur:  welcher  Zustand  oder  Vorgang  ?  Soll  etwa  das  Ziel  sein:  Ausschließung ­
  jeglicher  Schwankungen,  also  Festlegung  einer  gegebenen  Marktlage  ?
Man  denkt  hierbei  an  eine  konjunkturlose  Wirtschaft.  Der  Wegfall  der  Schwankungen ­
  würde  bedeuten,  daß  auch  der  Zyklus  der  Konjunkturentwicklung:
Stockung,  Aufschwung,  Krise  usw.  aufhören  würde.  Damit  würden  zweifellos
viele  Mängel  des  jetzigen  Zustandes  in  Fortfall  kommen:  Zusammenbrüche,  Vermögensverluste, ­
  Arbeitslosigkeit  u.  a.  m.  Eine  solche  konjunkturlose  Wirtschaft
würde  zugleich  aber  auch  bedeuten,  daß  Unternehmungslust  und  Unternehmerwille ­
  eines  wichtigen  Antriebs  verlustig  gehen  würden,  nämlich  des  Zwanges,  sich
aus  der  Depression  zu  befreien,  oder  der  Möglichkeit,  aus  dem  AufsohwungVorteile
zu  ziehen.  Außerdem  ist  es  mehr  als  fraglich,  ob  die  jeweilige  Anpassung  der  Wirtschaft ­
  an  die  natürlichen  Vorbedingungen:  Bevölkerung,  Klima,  Bodenschätze,
Ernten,  sowie  an  den  technischen  Fortschritt  nicht  mit  größeren  Reibungsverlusten ­
  erkauft  werden  müßte,  als  dies  bisher  der  Fall  gewesen  ist.
Doch  über  die  Frage:  was  sein  soll  ist  die  Frage  nicht  zu  übersehen,  ob  denn
eine  konjunkturlose  Wirtschaft  überhaupt  möglich  ist  ?  Wenn  oben  festgestellt
worden  ist,  daß  die  Idee  der  Marktwirtschaft  durch  Schwankungen  in  der  Marktlage ­
  vollzogen  wird,  so  soll  das  heißen,  daß  der  Konjunkturrhythmus  eben  zum
Bestandteil  dieser  Wirtschaftsordnung  gehört.  Solange  es  also  einen  Markt  gibt,
d.h.  sich  Angebot  und  Nachfrage  suchen  müssen,  wird  es  auch  einen  Marktverlauf ­
  mit  Preis-  und  Mengenänderungen  geben,  den  wir  Konjunktur  nennen.
Die  Konjunktur  hört  auf,  wenn  an  die  Stelle  des  Marktes  z.B.  die  Verteilung
tritt,  die  zu  ihrer  Voraussetzung  wieder  eine  Vorbestimmung  der  Bedürfnisse
hat,  wenn  also  eine  Planwirtschaft  an  die  Stelle  der  Marktwirtschaft  getreten ­
  ist.
Da  demnach  eine  konjunkturlose  Marktwirtschaft  nicht  in  Frage  kommt,  auf
welchen  Zustand  der  Marktlage  soll  es  dann  bei  der  Konjunkturpolitik  ankommen  ?
Diese  Fragestellung  hat  zu  der  weiteren  Frage  geführt:  was  ist  in  dem  Konjunkturverlauf ­
  als  „normal“  oder  als  wünschenswert  anzusehen,  worauf  die  Maßnahmen
ausgerichtet  werden  sollen  (was  also  ein  Ziel  der  Konjunkturpolitik  sein  könnte).
Die  Antworten  lauten  im  Schrifttum  verschieden;  die  einen  sehen  den  oben  dargestellten ­
  Ablauf  der  Schwankungen  als  normal  an,  die  anderen  das  Hinstreben
nach  einer  Gleichgewichtslage  von  Angebot  und  Nachfrage.  Wieder  andere  bezeichnen ­
  den  Hochschwung  (Hausse),  die  Krise  und  die  Stockung  (Depression)  als
Konjunkturkrankheiten,  es  bleibe  somit  als  erstrebenswerter  Zustand:  der  Aufschwung, ­
  also  das,  was  in  der  Wirtschaftspraxis  als  gute  Konjunktur  bezeichnet
wird.  Unterstellt  man,  daß  die  Konjunktur  im  engeren  Sinne,  d.  h.  der  Zyklus
von  Stockung,  Aufschwung,  Hochschwung  und  Krise  zum  Bestandteil  der  Marktwirtschaft ­
  gehört,  daß  auf  diese  Weise  der  Ausgleich  von  Angebot  und  Nachfrage
herbeigeführt  wird,  dann  kann  die  gesamtwirtschaftliche  Konjunkturpolitik  nur
das  Ziel  verfolgen,  die  großen  Ausschläge  in  dem  Konjunkturverlauf  zu  verhindern
und  in  seinem  Verlauf  die  beiden  hervortretenden  Mängel,  die  Arbeitslosigkeit
und  die  Kapitalverluste,  möglichst  einzuschränken.  Im  übrigen  kann  eine
solche  Konjunkturpolitik  nur  mit  größter  Vorsicht  und  auf  Grund  von  besten  Einsichten ­
  in  die  wirtschaftlichen  Zusammenhänge  betrieben  werden,  damit  nicht  an
falscher  Stelle  oder  zur  unrichtigen  Zeit  an  sich  brauchbare  Maßnahmen  nutzlos