Der  Ablauf  der  Marktwirtschaft.

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vertan  werden  oder  gar  das  Gegenteil  von  dem  hervorrufen,  was  beabsichtigt
gewesen  ist.
Zum  Schluß  soll  noch  auf  die  Verfahren  und  Hilfsmittel  hingewiesen  werden,
die  zur  Erkennung  der  Konjunkturanzeichen  benutzt  werden  können.  Sie  sind
zugleich  geschaffen  worden,  um  eine  möglichst  richtige  Voraussage  über  die  weitere
Entwicklung  zu  ermöglichen.  Dies  geschieht  im  allgemeinen  so,  daß  bestimmte
typische  Kennzeichen  festgestellt  oder  geschaffen  werden,  die  dann  in  ihrem  Verlauf ­
  in  Vergangenheit  und  Gegenwart  beobachtet  und  untersucht  werden  und  auf
dieser  Grundlage  Schlüsse  auf  die  Zukunft  zulassen.
Eine  praktisch  brauchbare  Konjunkturbeobachtung  benötigt  unter  den  gegenwärtigen,
recht  verwickelten  Wirtschaftsverhältnissen  umfangreiches  statistisches  Zahlenmaterial,  das
herbeizuschaffen  und  in  geeigneter  Weise  aufzubereiten  erst  in  jüngster  Zeit  befriedigend  gelungen ­
  ist.  Die  Einrichtungen,  die  sich  mit  der  Konjunkturbeobachtung  befassen,  sind  sehr
zahlreich  und  wenig  einheitlich  sowohl  hinsichtlich  ihrer  Ziele  und  Absichten  als  auch  ihrer
Zuverlässigkeit  und  Gründlichkeit.  Die  günstigsten  Voraussetzungen  für  erfolgreiches  Arbeiten
bieten  natürlich  diejenigen  Stellen,  denen  am  ausgiebigsten  die  unerläßlichen  statistischen
Unterlagen  (Produktion,  Preise,  Löhne,  Kurse,  Umsätze)  zur  Verfügung  stehen  und  die
in  der  Lage  sind,  die  rohen  Ziffern  weiter  zu  verarbeiten  zu  Gesamtziffern,  Kennziffern  usw.
Das  Deutsche  Institut  für  Konjunkturforschung,  das  in  enger  Verknüpfung  mit  dem  Statistischen ­
  Reichsamt  zusammenarbeitet,  ist  für  Deutschland  die  maßgebende  Konjunkturbeobaohtungsstelle.
  Ihre  Arbeitsweise  hat  sie  unter  Anpassung  an  die  deutschen  Verhältnisse ­
  weitgehend  von  dem  an  der  Havard  University  1917  gegründeten  Comittee  on  Economic
Research  übernommen.
Mittel  der  Konjunkturbeobachtung  sind  vor  allem  die  sog.  Barometer,  d.  s.  Kurven,
die  sich  durch  Anreihung  der  Preise  oder  Mengen  nach  der  Zeit  ergeben.  Je  nach  dem  Umfang ­
  unterscheidet  man  einfache  und  zusammengesetzte,  allgemeine  und  besondere  Wirtsohafts-
  und  Konjunkturbarometer.  Das  einfache  Barometer  umfaßt  die  Kurvenreihe  einer,
das  zusammengesetzte  die  mehrerer  Kennziffern;  das  allgemeine  umfaßt  die  gesamte  Entwicklung, ­
  das  besondere  die  eines  Zweiges  der  Wirtschaft  das  Konjunkturbarometer  wiederum
hat  die  Einflüsse  der  Struktur-  und  Saisonschwankungen  aus  dem  Wirtschaftsbarometer  ausgeschaltet. ­
  Die  Kennziffern  können  sowohl  absolute  Ziffern  als  auch  Verhältniszahlen  sein.
Besondere  Bedeutung  haben  die  Indizes  erlangt,  die  die  Wertveränderung  eines  Gutes  oder
einer  Gütergruppe  gegenüber  einer  Vorzeit  (die  mit  1  oder  100  angesetzt  wird)  darstellen.
Wird  dabei  nur  die  Abweichung  von  der  Vorzeit  festgehalten  (durch  Unterschied  oder  Verhältnis), ­
  so  entsteht  der  Kettenindex,  werden  Veränderungen  gegenüber  anderen  Kennziffern ­
  berücksichtigt  (Produktion  oder  Konsumtion  usw.),  so  erhält  man  den  gewogenen  Index.
Auf  diese  Weise  entstehen  die  verschiedenen,  teilweise  schon  seit  Jahrzehnten  berechneten
Indizes,  wie  z.  B.  der  des  Londoner  Economist  (seit  dem  Jahre  1869)  und  Statist  (Sauerbeoksindex, ­
  seit  1886).  An  gebräuchlichen  Indizes  sind  die  folgenden  zu  nennen:  Großhandel,  Lebenshaltung, ­
  Produktion,  Preise,  Aktien,  Einkommen,  Löhne,  Zinssätze,  Verkehrsziffern  u.  a.
Die  Bedeutung  der  Indexbarometer  ist  nicht  für  alle  Betriebe  gleich  und  auch  die  einzelnen
Barometer  sind  nicht  gleich  wertvoll.  Vor  allem  die  allgemeinen  Wirtschafts-  und  Konjunkturbarometer ­
  sind  oft  heftig  —  und  nicht  mit  Unrecht  —■  bemängelt  worden.  Entscheidend  für
den  Wert  ist  die  Auswahl  der  Kennziffern  und  die  Art  ihrer  Zusammenstellung,  die  die  Möglichkeit ­
  sowohl  einer  unnatürlichen  Gleichmachung  als  auch  einer  Überlagerung  zuläßt  und  dadurch ­
  das  Bild  der  wirklichen  Konjunkturlage  verzerrt.  Trotzdem  sind  allgemeine  (General-)
Barometer  vorhanden,  zumeist  Produktionsbarometer,  wie  die  des  Analist,  der  Federal
Reserve  Bank,  New  York.
Es  zeigt  sich  also,  daß  die  Zuverlässigkeit  von  der  Auswahl  der  Kennziffern  wesentlich
abhängt,  auf  die  deshalb  die  bekannten  Konjunkturinstitute  besonderen  Wert  gelegt  haben.
So  besteht  z.B.  das  „Harvard-Barometer“  aus  den  dreiKurven  für  Spekulation  {„A“),  Geschäfte ­
  („B“)  und  Geld  („0“)  als  reines  Konjunkturbarometer.  Die  drei  Kurven  A,  B,  C
sind  wie  folgt  zusammengesetzt:
A  =  Kurse  von  20  der  reagibelsten  Industrie-Aktien  und  Index  der  Gesamtsumme  der  Debitoren ­
  der  New  Yorker  Banken.
B  =  Preise  von  zehn  konjunkturempfindlichen  Großhandelswaren  und  Clearing-Index  von
140  Banken  außerhalb  New  Yorks  (da  die  Kredite  für  Geschäfte  und  Produktion  meist
außerhalb  New  Yorks  aufgenommen  werden).
C  =  Durchschnittliche  Diskontsätze  für  erstklassige  vier-  und  sechsmonatliche  Warenwechsel. ­

Nachdem  diese  drei  Kurven  jahrzehntelang  in  einem  Abstand  von  4—6  Monaten  aufeinanderfolgten,
  sind  sie  nach  dem  Kriege,  wohl  hauptsächlich  d  urch  die  Strukturwandlungen  am  Ef-8*
