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Die  Gesamtwirtschaft.

genden  Umständen  zurückzuführen:  1.  Am  Anfang  steht  die  außergewöhnliche
Steigerung  der  Produktion  von  Gütern,  insbesondere  von  industriellen  und  landwirtschaftlichen ­
  Roherzeugnissen  durch  Vermehrung  der  Anbauflächen  in  Übersee,
der  Vergrößerung  der  Industriebetriebe  und  Ausnutzung  des  technischen  Fortschritts ­
  in  allen  Ländern  (Rationalisierung),  in  Deutschland  insbesondere  durch
die  rationelle  Ausgestaltung  der  industriellen  Großbetriebe.  2.  Die  Finanzierung ­
  dieser  plötzlichen  und  gewaltigen  Mehrleistung  ist  vorzugsweise  auf  dem
Wege  des  Kredits  (Bankkredit,  Kredit  von  Land  zu  Land  =  Auslandskredit)
erfolgt,  der  zu  diesem  Zweck  erheblich  ausgeweitet  wurde.  3.  Kommt  der
Zusammenhang  mit  den  Reparationen  hinzu:  zur  Ausgestaltung  seiner  industriellen ­
  Produktionseinrichtungen  (allerdings  auch  zur  Ausweitung  des  Verbrauchs) ­
  erhält  Deutschland  allein  über  20  Milliarden  RM  Auslandskredite,  aus
denen  die  Reparationen  gezahlt  und  immer  wieder  neue  Kredite  gewährt  werden.
4.  Infolge  künstlicher  Hochhaltung  der  Preise-Valorisation  der  Rohstoffe  in
Übersee,  Kartellpreise  in  Deutschland  •—  hält  der  Absatz  der  hergestellten  Güter
nicht  mit  der  Erzeugung  Schritt,  sammeln  sich  riesige  Warenvorräte  an,  die  mangels ­
  entsprechender  Kaufkraft  nicht  abgesetzt  werden  kennen,  ö.  Eine  die  Wirklichkeit ­
  möglicher  Entwicklung  überschätzende  Spekulation  (Unternehmungslust)
ist  die  Trägerin  dieser  gewaltigen  Wirtschaftsausweitung.  6.  Der  auf  Kredit  aufgebaute ­
  Wirtschaftsaufschwung  kommt  zu  Bruch,  als  die  einzelnen  Länder  beginnen, ­
  sich  gegen  die  Einfuhr  fremder  Waren  durch  Zölle  zu  schützen  und,  als  Vorbote ­
  des  beginnenden  Mißtrauens,  die  weitere  Kreditgewährung  einzustellen,  7.  als
das  Mißtrauen  und  die  plötzliche  Zurückziehung  der  Auslandskredite  —  insbesondere ­
  in  Deutschland  —  eine  Panikstimmung  hervorrufen,  8.  als  die  angehäuften
Warenmengen  nach  Verkauf  drängen  und  ein  gewaltiger  Sturz  der  Preise,  insbesondere ­
  der  Rohstoff  preise,  einsetzt.  Woraus  sich  9.  ergibt,  daß  ganze  Länder  mit
ihrer  Kaufkraft  für  den  Welthandel  ausscheiden  und  daß  gleichzeitig  die  aufgetürmten ­
  Schulden  — 1  sowohl  die  privaten  als  auch  die  staatlichen  —  infolge  des
Rückganges  der  Warenpreise  an  innerem  Gehalt  beträchtlich  zunehmen.  10.  Für
Deutschland  kommt  hinzu,  daß  angesichts  der  großen  Arbeitslosigkeit  und  einer
erfolglosen  inneren  und  äußeren  Politik  die  seelische  Widerstandskraft  des  Volkes
zu  erlahmen  droht  und  hierdurch  die  letzte  Grundlage  der  Wirtschaft  ■—  das  Vertrauen ­
  —  vollkommen  erschüttert  wird.
Man  sieht:  diese  Weltwirtschaftskrise  ist  mehr  als  eine  der  üblichen  Konj
  unkturabschnitte,  sowohl  was  den  äußeren  Umfang  als  auch  ihre  innere  Bedeutung ­
  anlangt.  Sie  enthält  Struktur  Wandlungen  allergrößten  Umfangs,  deren  Rückwirkungen ­
  nicht  allein  auf  die  Wirtschaft  beschränkt  bleiben,  sondern  ebenso
stark  auf  die  Politik  der  beteiligten  Länder  abfärben.  Man  erkennt  ferner,  wie  noch
einmal  und  in  riesigem  Ausmaß  —  durch  Valorisation  der  Preise  und  Festlegung
der  Löhne  —  ein  letzter  Angriff  auf  die  Marktfreiheit  unternommen  wird  mit  dem
Ergebnis,  daß  zwar  die  Preise  und  Löhne  künstlich  gehalten  werden,  der  Markt
sich  aber  verkrampft  und  die  Arbeitslosigkeit  dadurch  eine  gewaltige  Zunahme
erfährt.  Da  kann  es  nicht  wunder  nehmen,  wenn  die  Frage  aufgeworfen  wird,  ob
denn  die  auf  der  Marktwirtschaft  beruhende  Ordnung  der  Gesamtwirtschaft  überhaupt ­
  noch  in  der  Lage  ist,  den  erforderlichen  Ausgleich  zwischen  Herstellung  und
Verbrauch  in  bester  Weise,  d.  h.  unter  bestmöglicher  Teilnahme  aller  einer  Volksgemeinschaft ­
  angehörenden  Menschen,  zu  gewährleisten,  oder  ob  diese  Leistung
nicht  von  einer  anderen  Ordnung  der  Gesamtwirtschaft  erreicht  werden  kann.