Gesamtwirtsohaft  und  Staat.

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soziale  Bewegung,  die  aus  menschlichen  Gründen  gegen  die  sich  ergebenden  Unausgeglichenheiten ­
  Sturm  liefen,  in  Deutschland  auch  gegen  den  Staat  richteten,  weil  dieser  den  abhängigen ­
  Bevölkerungssohichten  als  eine  Einrichtung  zur  Aufreohterhaltung  der  Vormachtstellung ­
  der  Besitzenden  erschien.
Während  des  Krieges  ist  die  Wirtschaft,  wie  alles  andere,  der  staatlichen
Kriegsführung  untergeordnet  worden.  In  der  Nachkriegszeit  lassen  sich  in  dem
Verhältnis  von  Staat  zur  Wirtschaft  bemerkenswerte  Wandlungen  feststellen.
Wie  schon  bemerkt,  wird  nach  dem  Zusammenbruch  von  1918  der  Gedanke  der
Vollsozialisierung  fallen  gelassen;  aus  den  zahlreichen  Plänen,  Versuchen  und  Erörterungen ­
  schält  sich  eine  stärkere  Beteiligung  der  öffentlichen  Hand  in  der  Wirtschaft ­
  heraus  (Kommunalisierung),  suchen  die  Arbeiter  durch  das  Betriebsrätegesetz ­
  Einfluß  auf  die  Betriebe  zu  gewinnen,  während  im  übrigen  die  Wirtschaftsfreiheit ­
  beibehalten  wird.  In  der  Zeit  von  1924—1929  überläßt  der  Staat  den
Wiederaufbau  der  Wirtschaft  dieser  selbst;  die  private  Wirtschaft  tritt  wieder
stärker  in  den  Vordergrund.  Sie  versucht  durch  Rationalisierung  über  die  Schwierigkeiten ­
  hinweg  zu  kommen;  die  Unternehmer  sind  zugleich  die  Wirtschaftsführer, ­
  die  —  wie  die  Gewerkschaftsführer  —  jetzt  ihren  Einfluß  im  Staat  mit
allen  Mitteln  geltend  machen.  Die  Wirtschaftskrise  1931/32  bringt  einen  völligen
Umschwung  in  dem  Verhältnis  des  Staates  zur  Wirtschaft.  Da  sich  letztere  außerstande ­
  zeigt,  den  Rückgang  der  Produktion  aufzuhalten  und  die  Arbeitslosigkeit
einzudämmen,  und  da  vor  allem  die  Bankenkrise  eine  Gefährdung  des  wirtschaftlichen ­
  Verkehrs  heraufbeschwört,  entschließt  sich  der  Staat,  unter  Umgehung  des
Parlaments,  zu  weitgehenden  Eingriffen  in  die  Wirtschaft:  Übernahme  der  Gewährleistung ­
  für  die  Bankeinlagen,  Subventionen  an  notleidende  Industrien,  weitgehende ­
  Befreiungen  der  Schuldner  von  ihren  Verpflichtungen  (Osthilfe).  (Sozialisierungeiner ­
  notleidenden  Wirtschaft,  Eckert.)  Insbesondere  greift  die  Devisengesetzgebung ­
  weitgehend  in  dieWirtschaft  ein;  durch  sie  wird  schließlich  jeder  Einzelne ­
  der  Zahlungsbilanz  untergeordnet,  deren  Gestaltung  nicht  zuletzt  wieder  von
der  Politik  (der  anderen  Länder)  abhängig  ist.  Den  Höhepunkt  der  staatlichen
Wirtschaftspolitik  bildet  die  Notverordnung  vom  8.  Dezember  1931.  Sie  will  durch
Kostensenkung  den  letzten  Versuch  zur  Wiederaufrichtung  der  Wirtschaft
machen:  Herabsetzung  der  Löhne  und  Gehälter,  Aufhebung  der  Mietsverträge,
Herabsetzung  der  Zinsen,  Verstärkung  des  Schuldnerschutzes  —  eine  Fülle  von
Eingriffen  in  die  Wesensteile  der  freien  Wirtschaft,  daß  diese  fortan  nur  noch
dem  Namen  nach  besteht.  Mehr  oder  weniger  sind  alle  sich  sonst  nach  den  Regeln
der  freien  Wirtschaft  abspielenden  Vorgänge  durch  staatliche  Regelungen  abgelöst
worden.
Dieses  Verhältnis  von  Staat  zur  Wirtschaft  trägt  zunächst  noch  alle  Züge  des
Notbaus;  ein  unorganisches  Durcheinander  von  staatlichen  Maßnahmen  und  noch
überkommenen  wirtschaftlichen  Einrichtungen.  Es  hat  jedoch  die  Wirtschaftskrise ­
  nicht  zu  bannen  vermocht;  im  Gegenteil:  im  Gefolge  der  Wirtschaftskrise  ist
eine  politische  Umwälzung  allergrößten  Ausmaßes  eingetreten.  Das  deutsche  Volk
ist  unter  dem  Sinnsprueh  eines  nationalen  Sozialismus  in  Bewegung  geraten;  seine
Führer  haben  die  Macht  im  Staate  erobert  und  wollen  dem  Staat  wieder  umfassende ­
  und  höhere  Aufgaben  als  bisher  zuerkennen.  Die  Idee  des  totalen
Staates  (Schmitt)  will  das  Gefüge  der  Gesamtwirtschaft  einer  zentralen  Leitung ­
  unterstellen,  will  die  Unmenge  der  Einzelwirtschaften  eines  Volkes  zu  einer
geschlossenen  Einheit  zusammenfassen  und  in  den  Dienst  einer  verbesserten  allgemeinen ­
  Güterausstattung  des  ganzen  Volkes  stellen.
Mit  dem  Durchbruch  der  nationalsozialistischen  Staatsauffassung  soll  die  Wirtschaft ­
  aus  ihrer  im  liberalen  Zeitalter  gewonnenen  Stellung  verdrängt  werden.  In
der  grundlegenden  Schrift  von  Adolf  Hitler  heißt  es:  die  Wirtschaft  ist  nur