Die  Lehre.

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in  der  Wirklichkeit  nicht  mehr  gegeben  sind.  Theorie  und  Praxis  klaffen  auseinander, ­
  Theoretiker  und  Praktiker  verstehen  sich  nicht,  obwohl  die  Theorie  an  sich
richtig  ist,  oder  einmal  richtig  war.  Theorien,  die  auf  dieser  Stufe  verbleiben,
können  gefährlich  werden,  wenn  sie  weiter  ausgesponnen,  neue  Schlußfolgerungen
gezogen  werden,  ohne  daß  eine  Nachprüfung  ihrer  Voraussetzungen  erfolgt.  Die
nächste  Stufe  der  Theorie  besteht  darin,  daß  eine  einmal  aufgehaute  Theorie  den
besonderen  —  hier  wirtschaftlichen  •—  Umständen  angepaßt  wird.  Z.  B.  ist  auf
der  ersten  Stufe  der  Theorie  festgestellt  worden,  daß  die  Erhöhung  des  Diskontsatzes ­
  eine  Einschränkung  der  Produktion  nach  sich  zieht.  Die  zweite  Stufe  prüft
die  neuen  Umstände,  die  im  Augenblick  der  Diskonterhöhung  vorliegen  und  sie
stellt  fest,  daß  die  erwähnte  Wirkung  nicht  einzutreten  braucht,  weil  vielleicht  die
Unternehmungen  gerade  nicht  so  stark  mit  kurzfristigem  Kredit  arbeiten.  Auf
dieser  Stufe  können  sich  Theoretiker  und  Praktiker  schon  eher  verständigen.  Die
letzte  Stufe  ist  gegeben,  wenn  die  auf  bestimmten  Voraussetzungen  beruhende
Theorie  nicht  nur  die  besonderen  Umstände  dieser  Voraussetzungen  berücksichtigt, ­
  sondern  in  den  weiteren  Rahmen  der  Volksgemeinschaft  gespannt  wird.
Dann  ist  es  möglich,  daß  aus  anderen  Gründen  die  erkannten  Gesetzmäßigkeiten
oder  Wirkungen  nicht  eintraten  oder  daß  deren  Eintritt  andere  unerwünschte
Gegenwirkungen  auslöst,  oder  aus  anderen  Überlegungen  heraus  diese  oder  andere
Wirkungen  erwünscht  oder  unerwünscht  sind.  Auf  diese  —  politische  —  Theorie
kommt  es  in  der  Praxis  an.  Durch  sie  wird  die  aus  der  Volksgemeinschaft  sich  ergebende ­
  Zielsetzung  in  den  wirtschaftspolitischen  Maßnahmen  verwirklicht.  Der
Praktiker  wird  aber  deren  Zweckmäßigkeit  und  Wirksamkeit  um  so  besser  und
sicherer  abschätzen  können,  je  mehr  er  mit  den  beiden  ersten  Stufen  der  logischen
und  praktischen  Theorie  vertraut  ist.
Was  endlich  das  Verhältnis  der  Lehre  vom  Wirtschaftsbetrieb  zur  Wirtschaftspraxis ­
  anlangt,  so  muß  man  wissen,  daß  die  Einwirkung  der  Lehre  auf  die  Praxis
allerdings  nur  in  beschränktem  Rahmen  erfolgen  kann.  In  großem  Umfang  gestaltet ­
  die  Praxis  den  Aufbau  und  die  Zielsetzung  der  Wirtschaftsbetriebe  sowie
die  Durchführung  der  Wirtschaftstätigkeit.  Es  ist  nicht  so  wie  in  der  Technik,
wo  Theorie  und  theoretische  Versuche  große  Umgestaltungen  in  der  Praxis  hervorrufen.
  Die  Wirtschaftsbetriebslehre  hat  vielmehr  große  Mühe,  die  sich  in  der
Praxis  herausbildenden  Gestaltungen,  ihre  Beweggründe  wie  Ergebnisse  laufend
in  sich  aufzunehmen  und  zu  allgemeinen  Erkenntnissen  zu  verarbeiten.  Trotzdem
ist  sie  der  Praxis  von  Nutzen;  erstens  indem  sie  die  Erfahrungen  der  Praxis  in
Form  von  Verfahrensweisen  sammelt  und  anderen  übermittelt;  zweitens  indem  sie
den  Praktiker  befähigt,  sich  über  seine  Absichten,  Handlungen  und  deren  Wirkungen ­
  klar  zu  werden,  was  insbesondere  mit  Rücksicht  auf  die  großhetriebliohe
Entwicklung  und  die  immer  verwickelter  werdenden  Zusammenhänge  des  Wirtschaftslebens ­
  von  Bedeutung  ist;  drittens  indem  sie  bei  besonderen  Anlässen  der
Praxis  entscheidende  Anregungen  für  ihr  Verhalten  gehen  kann.  In  letzterer
Beziehung  sei  nur  an  die  Fragen  der  Geldentwertung  und  Bilanzziehung,  der
Scheingewinne,  der  Umstellung  der  Bilanzen  auf  Goldmark,  an  den  Ausbau  der
Kostenrechnung,  des  Zahlungsverkehrs,  des  Effektenhandels  u.  a.  m.  erinnert.
Von  der  wissenschaftlichen  Lehre,  der  wissenschaftlichen  Technik  (Kunstlehre)  und  der
wissenschaftlich  begründeten  Zielsetzung  ist  die  Wirtschaftskunde  zu  unterscheiden.  Sie  will
—  wie  jede  Kunde  —  nur  Kenntnis  geben  von  den  Dingen  sie  verzichtet  auf  wissenschaftliche
Vollständigkeit  und  Wesentlichkeit  und  vernachlässigt  die  Herausstellung  von  Zusammenhängen. ­
  Sie  ist  also  nicht  mit  der  Wissenschaft  zu  verwechseln.  Gerade  auf  dem  Gebiete  der
Wirtschaft  wird  viel  Kunde  getrieben:  z.  B.  für  Lehrzwecke  in  den  Fortbildungs-  und  Handelsschulen. ­
  Es  ist  wünschenswert,  wenn  die  wirtsohaftskundlichen  Lehrbücher  auf  Grundlagen ­
  beruhen,  die  von  der  Wissenschaft  geschaffen  worden  sind.  Ebenso  wünschenswert  wie
zweckmäßig  kann  es  sein,  daß  auch  derjenige,  der  sich  mit  der  Lehre  vom  Wirtschaftsbetrieb
beschäftigen  will,  sich  mit  der  Wirtsohaftskunde  vertraut  macht.  Er  muß  nur  wissen,  daß