Das  Schrifttum.

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Bedürfnissen  des  blühenden  Handels  der  italienischen  Stadtstaaten,  welcher  den  ganzen
damals  bekannten  Kulturkreis  umspannte,  geben  diese  Äußerungen  ein  gutes  Bild  der  Auffassungen ­
  und  Gebräuche  der  Handelstechnik  in  der  fraglichen  Zeit.
Besonders  lehrreich  ist  die  Handschrift  von  Francesco  Balducci  Pegolotti,  die  zwischen ­
  1335  und  1343  entstanden  sein  mag,  aber  erst  1766  herausgebracht  wurde.  Neben  handelstechnischen
  Erläuterungen  (über  Münzen,  Maße,  Gewichte,  Warennotierungen,  Platzunkosten, ­
  sämtlich  geographisch  geordnet,  ferner  Zins-  und  Zeittafeln  usw.)  enthält  sie  praktische ­
  Vorschriften  und  auch  abergläubische  Mitteilungen  über  Fragen,  die  mit  dem  Handel
und  dem  Kaufmannsstand  Zusammenhängen.  Giovanni  di  Bernardo  du  Uzzano
verfaßte  sein  Buch  über  den  Mittelmeerhandel  des  15.  Jahrhunderts  ebenfalls  nur  für
Familienmitglieder;  die  Werke  von  Lorenzo  di  Chiarini  (1481)  und  Bartolomeo  di
Paxi  (1503)  behandeln  das  Handelsverkehrs-  und  Münzwesen  ihrer  Zeit.  Im  Jahre  1494
erschien  das  Werk  des  aus  dem  Handelsstand  hervorgegangenen  Venetianer  Mönchs  Lucas
Pacciolo  über  „Summa  di  Arithmetica,  Geometria,  Proportioni  e  Proportionalitä“,  dessen
9.  Kapitel  von  den  Gesellschaften,  vom  Warenaustausch,  vom  Wechselschließen,  vom  Gehalt ­
  der  Gehilfen  und  besonders  von  der  Buchhaltung  handelt.  Hier  finden  sich  die
ersten  eingehenden  Ausführungen  über  die  doppelte  Buchhaltung,  weshalb  Pacciolo  oft  als
ihr  eigentlicher  Erfinder  angesprochen  wird,  obwohl  sich  Erörterungen  darüber  bereits  bei
Chiarini  finden,  aus  dessen  einige  Jahre  früher  erschienener  Abhandlung  Pacciolo  die  Abschnitte ­
  über  das  Handelswesen  entnommen  haben  soll.  Recht  wertvoll  sind  auch  die  Abhandlungen ­
  des  berühmten  Mathematikers  Tartaglia  („General  Trattato  dei  immeri  edelle
Misure“,  1556),  des  Florentiner  Kaufmanns  Davanzati  und  des  dalmatinischen  Kaufmanns
Bangeo  („Deila  Mercatura  e  del  Mercante  Perfetto“,  1548),  welcher  als  Vorläufer  des
ersten  Wegweisers  für  die  eigentliche  Geschäftsführung  angesehen  werden  kann,  der  1638  von
dem  Genueser  Handelsmann  Giovanni  Domenico  Peri  herausgegeben  wurde.  Sein  Buch
,  ,11  Negooiante“  kann  als  erster  Versuch  der  Errichtung  eines  Lehrgebäudes  der  Handlungswissenschaft ­
  angesehen  werden.  Es  behandelt  bereits  die  Kapitalbeschaffung,  die  Kreditund
  Kassendispositionen,  die  Anstellung  des  Personals  und  die  Organisation  der  Arbeit,  wobei ­
  allerdings  noch  das  Fehlen  eines  einheitlichen  Leitgedankens  auffällt.
Dieser  ist  dann  gegeben  in  dem  berühmten  Werk  von  Jaques  Savary  (Vater)  „Le
parfait  negooiant“,  das  zuerst  1675  in  französischer  Sprache  erschien,  seitdem  zahlreiche  Auflagen ­
  erlebte  und  auch  in  fremde  Sprachen  übersetzt  wurde  (z.  B.  holländisch,  englisch,
italienisch,  deutsch  unter  dem  Titel,,Der  vollkommene  Kauf-  und  Handelsmann“).  Savary,
der  Zeitgenosse  und  wirtschaftlicher  Berater  Colberts,  des  großen  französischen  Merkantilisten,
war,  gibt  eine  sachlich  und  systematisch  sehr  hochstehende  und  vielseitige  Lehre  von  der  gesamten ­
  Handelswissenschaft,  wobei  besonders  die  Herausarbeitung  erwerbspolitisoher  Grundsätze ­
  und  Erfahrungsregeln  so  gut  gelungen  sind,  daß  ihnen  noch  heute  kaum  bessere  an  die
Seite  gestellt  werden  können.  Im  einzelnen  behandelt  er  zuerst  die  kaufmännische  Tätigkeit
und  schildert,  wie  man  als  Lehrling,  Gehilfe  und  selbständiger  Kaufmann  im  Klein-  und  Großhandel ­
  mit  oder  ohne  Gesellschafter  mit  dieser  Tätigkeit  bekannt  wird;  er  gibt  ferner  Regeln
für  die  Einrichtung  des  Ladengeschäfts,  für  die  Verkaufspolitik  und  Kreditgewährung,  für
den  Einkauf  beim  Großhandel,  für  die  Errichtung  und  Einrichtung  einer  Manufaktur.  Er
stellt  Grundsätze  für  den  Betrieb  auf  und  für  den  Besuch  von  Messen  und  Märkten,  sogar
für  das  Versandgeschäft  und  bringt  endlich  eine  Lehre  des  Welthandels  vor  allem  unter  Berücksichtigung ­
  der  französischen  Ausfuhr,  worin  besonders  deutlich  die  enge  Verbindung  mit
dem  Merkantilsystem  zum  Ausdruck  kommt.
Von  Savary  (Vater)  angeregt,  erschienen  in  der  Folge  in  Frankreich  und  den  angrenzenden
Ländern,  auf  die  sich  das  Schwergewicht  des  Handels  gelegt  hatte,  zahlreiche  Veröffentlichungen, ­
  die  die  gesamte  Handelswissenschaft  stark  beleben.  Hier  wären  zu  nennen:  Savary
(Söhne)  „Dictionnaire  Universel  de  Commerce“  (1723),  Jean  Pierre  Ricard  „Le  negooe  d’Amsterdam“ ­
  (Rouen  1723),  Samuel  Ricard  „Handbuch  der  Kaufleute“  (mehrfach  im  18.  Jahrhundert), ­
  Girandeau  „La  banque  rendue  facile  aux  principales  nations  del’Europe“  (1769),
Bauoher  „Institutions  oommerciales“  (1801),  ferner  de  la  Porte  und  Leauthey.
Wenig  später  als  Savary  (Vater)  wirkt  auch  in  Deutschland  der  erste  große  Handelswissenschaftler ­
  Paul  JakobMarperger  (geb.  1656).  Zuerst  Kaufmann,  dann  Schriftsteller ­
  und  Gelehrter  und  als  solcher  Mitglied  der  Königlich  Preußischen  Societät  der  Wissenschaften, ­
  gibt  er  durch  die  Veröffentlichung  einer  großen  Zahl  von  Schriften  den  Anstoß  zur
Schaffung  der  sog.  Handlungswissenschaft  und  bringt  auch  als  erster  den  Handelssohulgedanken
  in  Fluß.  Vor  Marperger  waren  in  Deutschland  nur  Arbeiten  über  Rechnen  und
Buchhaltung  sowie  Tarife  und  Tabellen  aller  Art  herausgekommen;  so  etwa  1511  eine  handelskundliche
  Handschrift,  deren  Verfasser  unbekannt  ist,  und  welche  besonders  die  Kaufleute,
die  nach  Venedig  gingen,  unterrichten  wollte.  Fast  gleichzeitig  erschien  das  Handelsbuch  von
L.  Meder  (1658),  dem  der  Vorwurf  gemacht  wurde,  daß  er  Geschäftsgeheimnisse  verrate.
Mit  Marperger  aber  beginnt  die  eigentliche  deutsche  Handelswissenschaft;  seine  Entwicklung
ist  aus  seinen  Schriften  deutlich  zu  erkennen.  So  erscheinen: